08:07 

Phonetik 2

tomate
убил лису – сам съел колобка.
14. Die deutsche Sprache in der Schweiz, in Luxemburg und in den Niederlanden.
In diesen Ländern, die früher deutschsprachige Randgebiete waren, später aber durch die politische Spaltung Deutschlands und durch den Einfluss anderer Staaten politisch selbständig wurden, entwickelten sich mit der Zeit unterschiedliche Formen der deutschen Sprache.
Die Aussprache der Schweizer Variante der deutschen Sprache unterscheidet sich von der Aussprache des Binnendeutschen durch einen stärkeren mundartlichen Einschlag. Die mündliche (und teilweise auch die schriftliche) Gemeinsprache der Bevölkerung heißt Schwyzerdütsch.
Unter den phonetischen Besonderheiten sind hier zu nennen:
• Die Diphthonge ei, eu, au spricht man wie lange Monophthonge aus, also mein – mu:n, Haus-hu:s, heute-hü:te
• Die Betonung fällt auch in Fremdwörtern auf die erste Silbe, deutsch Bü´ro - schweizerisch ´Büro
• Das offene ε wird als e realisiert deutsch Held /ε/ - schweizerisch Held /e/
• Das Suffix -ig wird als -ik gesprochen, z.b. richtig
Die Aussprache der Luxemburger Variante. Luxemburg liegt zwischen dem deutschen und dem französischen Sprachgebiet. Man vergleiche die Aussprache an folgenden Beispielen: deutsch: ich, Kind, Frau – luxemburgisch: ech, Kent, Frau.
Niederländisch und Deutsch stehen einander heute als zwei selbständige Nationalsprachen gegenüber.
Das Niederlündische wurde früher im Holland und Belgien gesprochen, jetzt spricht man es nur in Holland. Von der Verwandtschaft der beiden Sprachen zeugt die Lautliche Ähnlichkeit solcher Wörter wie:
d. Bein – n. been (Knochen), d. Leichnam (toter Körper) – n. lichaam (Leib, Körper)

15. Hochlautung im Rundfunk, im Fernsehen und im Film.
In den Sendungen des Rundfunks und des Fernsehens sowie in Filmen wirken ausgebildete Sprecher, Reporter, Redakteure und Kommentatoren. Sie werden im Fach „Sprecherziehung“ ausgebildet. Die Sprecher für Funk, Fernsehen und Film müssen eine resonanzreiche und modulationsfähige Stimme haben. Die Aussprache muss hochlautend sein.
Im Funk, im Fernsehen und im Film ergeben sich folgende gemeinsame Wirkungsgrundsetze:
1. Sprecher und Hörer stehen sich zwar nicht persönlich gegenüber, aber sie sind miteinander durch die Brücke der Schallübertragung verbunden. Die Artikulation muss genau und natürlich sein. Die modernen technischen Einrichtungen gewährleisten eine unveränderte Lautqualität.
2. Sendungen und Filme wenden sich im Allgemeinen nicht nur an die Hörer einzelner Landschaften, sondern an die ganze Sprachgemeinschaft. Daraus ergibt sich für Rundfunk, Fernsehen und Film die Notwendigkeit der mundartfreien Aussprache. Zur Charakterisierung besonderer Gestaltung kann gelegentlich mundartliche Lautung gehören.
3. Rundfunk, Fernsehen und Film sind wegen ihres Wirkungskreises verpflichtet nach Inhalt und Form ein vielseitiges Programm zu gestalten. Die Hochlautung wird dabei situationsbedingt realisiert. Die Sprache eines klassischen Versdramas und der Umgangston eines Unterhaltungsstückes beruhen auf verschiedenen Sprachebenen.
Die Berufssprecher wissen, dass der Erfolg ihrer Arbeit durch die Lautung mitbestimmt wird. Die Lautung ergibt sich aus Inhalt, Form der Sendung oder des Films. Die moderne Sprecherziehung erarbeitet deshalb im Bereich Rundfunk, Fernsehen und Film nicht eine starre Realisationsform, sondern bildet die Berufssprecher so vielseitig aus, dass sie alle wesentlichen Sprechsituationen sicher und natürlich beherrschen lernen.

16. Phonostilistische Variante der deutschen Standardaussprache. Die erste und zweite Variante der deutschen Standardaussprache.
Die erste phonetische Variante konstituiert die vorbereitende offizielle distante Rede in Monologform vor großem Publikum (feierliche Rede, Gedichte, Prosa) Man kann nach dieser phonetische Variante auch die sachlich-informierende vorbereitete öffentliche Rede (wissenschaftliche Vorlesung, phonetischer Vortrag )vor großem Publikum Gestalt werden. Die erste phonetische Variante wird durch eine deutliche Lautung als Folge der sorgfältigen gespannten Artikulation geprägt .als phonetische Besonderheit dieser Variante gilt die minimale Zahl der koartikulatorischassimilatorischen Erscheinungen, die starke Aspiration der Forstes. Gleichbleibendes Tempo erscheint die Rhythmisierung der Rede.
Die Gliedmaße Verleitung der intonatorischen Parameter im Ausspruch Führt zu einer Stabilität bei der Wahl der melodischen Mittel .die Stabilität kann sehr stark sein. Die Melodie weist Tiefschlüsse auf. Die Tonhöhe muss den Sinn und der Stimmung der ganzen Äußerung angemessen und dementsprechend geregelt sein ein strenger Rhythmus unentbehrlich. So steht auch der neutrale Aussprache die gepflegte sachbetonte Ausdrucksweise in frei gesprochenen Vorlesungen und Vorträgen am nächsten.
Der zweite phonetische Variante kennzeichnet die öffentliche Kontakte rede in Dialogform .nach dieser Variante werden einerseits emotional gefärbte klassische Dramen gestaltet, anderseits die sachlich-informierende Rede im Unterricht (Übersetzungsgespräch, wissenschaftliche Diskussionen auf Konferenz, offizielles Gespräch in einer Versammlung oder Sitzung, die phonetische Gestaltung der letzten kann den neutrale Aussprache nahe stehen. Das Gespräch eine besondere Struktur, die durch Fragen oder Antwort ausgezeichnet ist. Jeder Fragetyp hat seine besondere Aufgabe und wird dementsprechend phonetisch unterschiedlich realisiert phonetische Mittel zur Gestaltung des Gesprächs werden von sozialen Verhältnis zwischen den Gesprächspartner bestimmt.
Die zweite phonetische Variante wird durch eine deutliche Lautung der kultivieren Rede mit einer geringen Zahl vor Reduktionen geprägt. Gemäßigte Aspiration der Forstes (p t k) Gebrauch des uvularen (R) und das Erscheinen des verbalen (r) kennzeichnen Variante. Für die Verleitung der intonatorischen Mittel ist die Variabilität des Tempos, der Lautheit, der Akzentuierung, des Timbres usw. bezeichnend.

17. Phonostilistische Varianten der deutschen Standartaussprache. Die dritte und die vierte Variante der deutschen Standartaussprache.
Die phonostilistische Gliederung der Standartaussprache lässt sich in einem Schema darstellen, wobei man vier phonostilistische Varianten unterscheiden kann. Phonetische Lautschwächungen und assimilatorische Reduktionen nehmen in der Richtung von der ersten Variante zur vierten hinzu. Die phonostilistischen Varianten bilden keine geschlossenen Systeme, d.h., sie weisen manche Übergangsformen auf, die mehr oder weniger weit von der neutralen Aussprache entfernt sind. Jede dieser phonostilistischen Varianten dient ihrerseits zur Gestaltung einer bestimmten kommunikativen Redeart. Diese phonostilistisch gestaltete Redeart kann- auch als eine phonetisch-kommunikative Variante betrachtet werden.
Die phonostilistische Organisierung jeder Variante wird nicht zuletzt von der Kommunikationsabsicht beeinflusst: die informierende, die klärende, die aktivierende und die emotional bewegende Rede besitzen ihre eigenen phonetischen Besonderheiten.
Diese phonetischen Besonderheiten werden bestimmt durch den Spannungsgrad der Artikulation, die Deutlichkeit und Lautheit der Rede, die Zahl der koartikulatorisch-assimilatorischen Erscheinungen. Das Tempo und der Rhythmisierungsgrad der Rede sind dabei auch von großer Bedeutung.
Die dritte phonostilistische Variante charakterisiert die unvorbereitete (spontane) Rede in Monologform mit unterschiedlichem Grad an Offizialität. Nach dieser Variante wird einerseits die sachlich-informierende unvorbereitete Rede (Kommentar, Betriebsreportage) gestaltet, andererseits aber auch die aktivierende emotional-gefärbte unvorbereitete Rede (Sportreportage, Monolog im Alltag usw.). Der Gebrauch dieser Variante in der offiziellen Rede schafft den Effekt der Mitbeteiligung des Hörers, den Effekt seines Dabeiseins.
Die dritte phonostilistische Variante ist eine Lautung mit großer Zahl der assimilierten und reduzierten Formen.
Als phonetische Besonderheiten dieser phonostilistischen Variante gelten sowohl quantitative als auch qualitative Reduktionen der Vollvokale in Dienstwörtern (Artikeln, Pronomen, Partikeln usw.), das Anwachsen der assimilierten Formen, Schwächung der Aspiration der Fortes, Gebrauch dies velaren [ʁ] und des vokalisierten [ᵄ].
Für die intonatorische Gestaltung dieser Variante ist das Aneinanderreihen der kurzen Sprechtakte mit Halbschluss und Überlegungspausen sowie die ungleichmäßige Verteilung der akzentuierten Silben typisch.
Die vierte phonostilistische Variante ist die Lautung des Alltagsdiadogs (Unterhaltungsgespräch). Er kann ruhig, sachlich-informierend oder emotional stark gefärbt sein. Minimale Deutlichkeit der Lautung mit maximaler Zahl der Assimilierungen (Elisionen und Lautverlust), Öffnung und Zentralisierung der Vollvokale, Vokallosigkeit in Synsemantika, Spirantisierung der Konsonanten sind Folgen der minimalen Artikulationsspannung, die diese Variante auszeichnen.
Das Unterhaltungsgespräch wird durch den Austausch von Äußerungen zwischen den Gesprächspartnern charakterisiert. Der Sprecher und der Hörer wechseln beständig die Rollen.
Im Unterschied zum Klärungsgespräch hat das Unterhaltungsgespräch einen überwiegend zufälligen, intimen, emotional gefärbten Charakter.
Beim Unterhaltungsgespräch verfolgt der Hörer besonders aufmerksam die Intonation des Sprechers, um seine Gedanken besser zu erkennen und seine Absichten zu verstehen. Dabei wird der Gedanke vom Gesprächspartner fortgesetzt, weiterentwickelt und sogar umgeformt.

20. Zur Entwicklung des deutschen Schriftsystems.
Die altgermanischen Schriftzeichen heißen Runen. Das Wort Rune bedeutete „Geheimnis“. Die Runen dienten ursprünglich meist kultischen Zwecken. Das Runenalphabet bestand aus 24 Zeichen.
Die gotische Schrift schuf (im 4. Jh. u.Z.) Wulfila. Er schuf sie aus dem griechischen Alphabet unter Hinzunahme einiger Runenzeichen. Im ausgehenden Mittelalter wurde diese Schrift von Mönchen vielfältig verschnörkelt und im Buchdruck in Form der Zierschrift angewandt.
Die Handschriften der frühneuhochdeutschen Zeit wurden in einer Schrift aus Kleinbuchstaben geschrieben, die sich aus dem lateinischen Alphabet entwickelte. Die klassische lateinische Schrift (die Capitalis) bestand nur aus Großbuchstaben. Aus dieser Schrift entwickelte sich mit der Zeit auch die lateinische Schrift mit Kleinbuchstaben, auf deren Grundlage im 8. Jh. die schriftliche Fixierung der deutschen Sprache in Kleinbuchstabenschrift begann.
Die Großschreibung von Substantiven hat sich erst seit dem 16. Jh. allmählich herausgebildet. Diese Erscheinung entwickelte sich aus dem Hervorhebungsprinzip, weil man wichtige Wörter wie Eigennamen, Namen hoher Personen usw. besonders kennzeichnen wollte. Mit der Zeit wurde die Großschreibung auf alle Substantive übertragen.
Die Orthographie bildet einen Teil der gesamten einheitlichen literatursprachlichen Norm. Die orthographische Norm muss in festen Regeln kodifiziert und von staatlichen Behörden sanktioniert werden.
Folgende wesentliche Erscheinungen zeigen den Unterschied zwischen Mundarten und mittelalterlichen Schriftsprachen einerseits, und der modernen normierten Schriftsprache andererseits:
- Die Doppelformen werden beseitigt oder semantisch umgedeutet, z.B. Heupt - Haupt-, Knappe - Knabe.
- Die Schriftform wird nach dem morphologischen Prinzip bewahrt oder zur Erleichterung der Verständlichkeit verändert. Dafür wurden die Grapheme ä, ö, ü eingeführt, z.B. Ehre -Ähre, Beeren -Bären, stehlen - stählen.
- Die Beseitigung der Graphemvariationen, die für das Frühneuhochdeutsche typisch waren, führte zu der Regel: ein Wort - eine Schreibung, z.B. auff - auf-, vleis. - vleiß - vleiss - Fleiß.

25. Zur Geschichte der Silbenfragen. Silbentheorien.
Einer der ersten Sprachforscher, der die Silbenfrage als phonetisches Problem behandelte, war M.Thausing. Seine Arbeit " Das natürliche Lautsystem der menschlichen Sprache” erschien im Jahre 1863. M.Thausing befaßte sich mit der akustischen Beschaffenheit der Silbe und der Wahrnehmung verschiedener Laute in der Silbe. Seiner Ansicht nach ist das Hauptelement der Silbe stützen sich die Konsonanten. Die Silbenlehre von M.Thausing wurde zum Ausgangspunkt für die Schallfülle- oder Sonoritätstheorien der Silbe.
Viele Phonetiker versuchten, die Silbenbildung auf physiologischer Grundlage zu erklären. Der Vertreter der Expirations- oder Drucktheorie H.Sweet behauptete in seinem 1877 veröffentlichten Werk “A Handbook of Phonetics”, dass die Silben durch die Veränderung und Unterbrechung des Luftdrucks beim Sprechen entstehen.
Die Expirationstheorie hat sich jedoch als nicht überzeugend erwiesen, weil durch einen Atemstoß mehrere Silben erzeugt werden können. Die Silbengrenzen liegen zwischen zwei Vokalen: in den Wörtern gehen, sehen, Theorie gibt es kein Hindernis für den Atemdruck, der gleichmäßig ist.
Der dänische Linguist O.Jespersen vertrat die Sonoritätstheorie, die auf der Grundlage verschiedener Schallfüllen der Sprachlaute beruht. Seiner Ansicht nach hängt die Schallfülle vorwiegend von der Stärke des jeweiligen Stimmtons ab.
Nach der Auffassung von O.Jespersen ist die Silbe al seine Verbindung von Lauten mit verschiedenen Schallfüllen zu betrachten. Der Laut mit größerer Schallfülle bildet den Silbengipfel. Nach der Zahl der Silbengipfel kann man die Zahl der Silben ermitteln. Im Schema von O.Jespersen hat das Wort Obst einen großen und einen kleinen Gipfel, das Vorhandensein des Nebengipfels ist dadurch zu erklären, dass das [s] eine größere Schallfülle hat als die angrenzenden Konsonanten [p] und [t].
Die Begründer der Muskelspannungstheorie M.Grammont und L.W.Scerba gehen von den physiologischen Voraussetzungen der Silbenbildung aus. Ihrer Ansicht nach besteht das Wesen der Silbenbildung im abwechselnden wellenartigen Steigen und Fallen der Sprechintensität. Dabei ist die Vokalintensität am stärksten in seiner Mitte. Besteht die Silbe aus mehreren Lauten, so verteilt sich das Steigen und Fallen der Intensität auf alle Laute der Silbe. Die Konsonanten, die sich um den Vokal gruppieren, haben eine schwächere Intensität.
Nach Scerba gibt es in den Silben drei Formen v on Konsonanten: 1)anwachsende; 2)abschwächende und 3)doppelgipflige. Am Anfang der Silbe treten die Konsonanten in ihrer abwachsenden Form auf. Am Ende der Silbe kommen die Konsonanten in der abschwächenden Form vor, weil die Muskelspannung des Sprechapparats schnell absinkt.
Die Experimentalphonetiker J.Rousselot, E.A.Meyer, G.Panconcelli-Calzia und andere versuchten, die Silbengrenzen zu ermitteln.

26. Der Begriff des deutschen Wortakzents.
Das Wort in der Sprachkunde als die kleinste bedeutungstragende sprachliche Einheit definiert, die aus einem Morphem oder einer Morphemverbindung besteht. Die Silben eines mehrsilbigen Wortes werden nicht gleichmäßig laut und hoch ausgesprochen. Wenigstens eine Silbe im Wort wird im Vergleich zu den anderen Silben durch dynamische, tonale oder quantitative Mittel hervorgehoben. Im Vergleich zu den Nachbarsilben zeichnet sich die hervorgehobene Silbe auch durch eine deutlichere Aussprache aus.
Unter Wortakzent ist somit seine prosodisch relevante Struktur zu verstehen, die alle zum jeweiligen Wort gehörenden unbetonten Silben durch tonale, dynamische und quantitative Hervorhebungsmittel der Akzentsilbe zu einem prosodischen Ganzen vereinigt, dabei wiest jede konkrete Spraсhe sowohl ihre eigenen Wortakzentmodelle als auch eine besondere prosodische Hervorhebung der Akzentsilben auf.
Obwohl es möglich ist, vom Kontext isolierter Wörter zu sprechen(z.B. beim Vorlesen von Vokabeln im Unterricht), stellt die Sprechkommunikation einen mündlichen Text dar, der nicht aus Einzelwörtern, sondern aus Phasen (gesprochenen Sätzen) besteht. Die Einzelwörter, die durch die Intonation zu einem Satz organisiert werden, sind als Teile eines Zusammenhangs anzusehen. In der zusammenhängenden Rede ordnet sich der Wortakzent dem Satzakzent je nach der Sprechsituation unter. Wenn ein Wort als selbständiger Ausspruch auftritt, fallen Wort und Satzakzent zusammen. Die aufeinander Bezogenheit des Wort und Satzakzent äußert sich auch darin, daß in einem Ausspruch mit mehreren sinnwichtigen Wörtern nicht beliebige silbische Segmente, sondern nur diejenigen Silben hervorgehoben werden können, die in isoliert gesprochenen Wörtern den Wortakzent tragen.
Der Wortakzent als selbständige sprachliche Hervorhebungsnorm wird in der Sprechkommunikation durch sog. Akzentuierungsarten realisiert. Die Akzentuierungsarten sind dynamische, tonale, quantitative und qualitative Lautmittel einer Sprache. Im Idealfall ist die betonte(akzentuierte) Silbe eine qualitativ deutlichere (d.h. mit besonders deutlicher Artikulation gesprochene), lautere (intensivere) und höhere im Vergleich zu den unbetonten Silben. Diese prosodischen Merkmale werden oft alle zusammen gebraucht, aber sie können auch einander erstezen und ergänzen, so daß nur eines dieser Mittel für die Hervorhebung ausgenutzt werden kann, weil sie die gleiche Wirkung erzielen.

27. Funktionen des deutschen Wortakzents.
Der deutsche Wortakzent übt drei Funktion aus: 1. eine konstitutive; 2. eine demarkative und 3. eine distinktive.
Die Hauptfunktion des deutschen Wortakzents ist die konstitutive Funktion, die sich darin äußert, daß alle unbetonten Silben der betonten Silbe untergeordnet sind. Die unbetonten Silben gruppieren sich um die betonte. In zusammengesetzten und abgeleiteten Wörtern mit zwei oder mehreren Akzentsilben übt die Hauptakzentsilbe ihre zentralisierende Wirkung aus. Der Akzent kennzeichnet das Wort als eine selbständige sprachliche Einheit. Die konstitutive Funktion des deutschen Wortakzents kommt im folgenden Beispiel zum Ausdruck:
Im zusammengesetzten Wort KRANKENSCHWESTER trägt das Bestimmungswort den Hauptakzent, das Grundwort den Nebenakzent (den sekundären Akzent). Diese Akzentgrade bleiben auch in einem Satz erhalten, z.B. "Ich muß das der Krankenschwester sagen." wenn man den Hauptakzent auf das Grundwort verlegt, so wird das zusammengesetzte Wort Krankenschwester in zwei Wörter aufgelöst: Ich muß das der "kranken" Schwester sagen.
Im Redefluss spielt der Wortakzent die Rolle eines Grenzsignals. Er kündigt den Anfang oder das Ende der Wörter an. Verschiedene Grade des Wortakzents signalisieren dem Hörenden, wie viel Morpheme die Wörter eines Ausspruchs haben. Durch den Akzent wird das Wort als eine prosodische Einheit den anderen Wörtern im Redefluß gegenübergestellt. Die Akzentgrade dienen zum Verständnis eines mündlichen Textes: akzentuieren heißt gliedern. Somit erfüllt der deutsche Wortakzent eine demarkative (delimitative, abgrenzende) Funktion.
Im Deutschen gibt es Gegenüberstellungen von zwei Wörtern, die den gleichen Lautbestand haben und in denen verschiedene Silben den Wortakzent tragen. Der Wortakzent übt in solchen Wortpaaren eine distinktive Funktion aus: z.B. August- Au"gust, "Konsum- Kon"sum, "modern-mo"dern, "Aktiv-ak"tiv, "Perfekt-per"fekt, "übersetzen- über"setzen.

29. Die phonetische Interferenz zwischen der russischen und der deutschen Sprache.
Für die Interferenz ist nicht nur das phonologische System der Sprache von Bedeutung. Wichtig ist auch die Realisierung der Laute im Sprechprozess, die von den Besonderheiten der Artikulationsbasis jeder Sprache bestimmt wird. Als Hauptunterschiede zwischen der Artikulationsbasis des Deutschen und des Russischen werden betrachtet:
- starke stabile Artikulationsspannung und stabile Artikulationsstellung im Deutschen – schwache labile Artikulationsspannung und labile Artikulationsstellung im Russischen;
- energische Vorstülpung und Rendung der Lippen im Deutschen – schwache Vorstülpung und Rendung der Lippen im Russischen;
- Tiefstellung des Kehlkopfs im Deutschen – Hochstellung des Kehlkopfs im Russischen.
Diese Besonderheiten der Einstellung und Bewegungen der Artikulationsorgane beim Sprechen bewirken bestimmte feine Schattierungen in der Aussprache der Laute.

Die Artikulationsbesonderheiten der beiden Sprachen bestimmen die Unterschiede einer Reihe phonetischer Erscheinungen. Unter ihnen ist die Stimmassimilation an erster Stelle zu nennen.
Das Bild der Stimmassimilation der beiden Sprachen:
- In beiden Sprachen fehlt die progressive Assimilation nach der Stimmhaftigkeit.
- In der russischen Sprache tritt die regressive Assimilation nach der Stimmhaftigkeit auf, im Deutschen ist sie unzulässig, vgl. с(з) берега, шкаф(в) белый – das Bild aufbauen.
- In beiden Sprachen tritt die regressive Assimilation nach der Stimmlosigkeit auf, z.B. под(т)кова – gib(p)t.
- Für die deutsche Sprache ist die progressive Assimilation nach der Stimmlosigkeit besonders typisch, z.B. tritt da. Mehr noch, die stimmhaften Konsonanten, die im Auslaut völlig entstimmlicht werden, beeinflussen den nachfolgenden stimmhaften Konsonanten, z.B. stad da, las selbst. Im Russicheen werden die stimmhaften Konsonanten nur vor den stimmlosen entstimmlicht, z.B. под(т) камнем, над(т) тобой. Die russischen stimmhaften Konsonanten bleiben vor den stimmhaften Konsonanten stimmhaft, z.B. под деревом, подбежал.
Die phonetische Erscheinung der Gemination (Verdoppelung) der Konsonanten, die im Deutschen nur an der Morphemgrenze auftritt, z.B. am Morgen, ist in der russischen Sprache sehr verbreitet: Die orthographische Verdoppelung zeigt die Gemination und wird durch die Zweigipfligkeit der Konsonanten charakterisiert, z.B. Алла, касса, под дубом. Das Fehlen der Zweigipfligkeit des deutschen Konsonanten ist mir einer gewissen Zunahme der Dauer des Konsonanten verbunden, z.B. Kasse.
Die phonetische Erscheinung der Fortisierung und Aspiration der deutschen stimmlosen Konsonanten ist mit großer Intensität, Muskelspannung und Energie der Artikulation verbunden. Die beiden Sprachen unterscheiden sich durch die Besonderheiten der akustischen Wahrnehmung.

30. Arten der Interferenz im Lautsystem.
Es gibt folgende Arten von Interferenz im Lautsystem:
1. Eine Erscheinung, die in der Muttersprache als phonologisches Merkmal fungiert, wird von Deutschlernern automatisch auf die deutsche Aussprache übertragen:
- Es entsteh oft die Palatalisierung der deutschen Konsonanten vor den Vokalen der vorderen Reihe /i:, у:, Ø:/, z.B. bieten, Tür, tönen.
- Es entwickelt sich oft die Velarisierung der deutschen Konsonanten vor den Vokalen der hinteren Reihe (tun, Ton).
- Damit verbunden ist das häufige Ersetzen der deutschen Vorderzungenvokale /i:, i/ durch das russische «ы», z.B. Tisch, schießen.
- Die qualitative Reduktion der deutschen Vokale in unbetonten Silben entsteht analog zur russischen Reduktion. Besonders verbreitet ist diese Erscheinung in mehrsilbigen Wörtern bei den Vokalen /a:, a, o:, ɔ/, etwas weniger bei /е:, i:/, z.B. palatalisieren, Orthographie, Dekanat.
- Ungenügende Vorstülpung und Rundung der Lippen bei der Aussprache der deutschen labialisierten Vokale ist eine Folge der schlaffen Artikulation im Russischen, vgl. russ.ухо, рот – dt. Ufer, rot.
- Aussprache der deutschen stimmlosen Konsonanten ohne Aspiration und Fortisierung wird auch durch die Artikulationsgewohnheiten des Russischen bewirkt, vgl. das ungespannte russische Wort Петя mit dem deutschen Peter.
Da die meisten aufgezählten Erscheinungen in der rus-en Sprache als phonologische Merkmale auftreten, in der deutschen Sprache aber nicht distinktiv sind, rufen sie im Deutschen nur einen mehr oder weniger starken Akzent hervor.
2. Wenn ein phonologisches oder phonetisches Merkmal der Fremdsprache (des Deutschen) in der Muttersprache (im Russischen) fehlt, läßt der Lerner diese Erscheinung überhaupt außer Acht:
- Lange geschlossene und kurze offene Vokale des Deutschen werden als Phoneme, nicht unterschieden und durch russische Vokale ersetzt, vgl. Offen, offen und охать, охнуть.
- Die Stabilität der deutschen Vokale wird durch eine gleitende, labile Artikulation des Russischen ersetzt, vgl .Lob, nehmen und лоб, немец.
- Die in der Muttersprache fehlenden deutschen Phoneme werden durch „ähnliche“ Phoneme des Russischen ersetzt:
+ /h/ wird durch das russische /х/ oder /x’/ ersetzt, vgl. habe, hier und хата, хитрый.
+ die deutschen r-Laute werden durch das stark rollende russische /р/ ersetzt, vgl. Rolle, Pionier und роль, пионер.
+ /ŋ/ wird als [н + г] oder [н + к] oder [н + х] realisiert, vgl. Übung und танк.
+ das deutsche /ʃ/ wird vor den /у:, /о:/ als russisches щ eben, vgl. Schüler, schön und щука, щетка.
3. Infolge der scheinbaren Ähnlichkeit einiger phonetischer Erscheinungen in beiden Sprachen wird ein deutsches Merkmal durch ein russisches ersetzt. Auf solche Weise entsteht:
- die stimmhafte Aussprache der deutschen stimmlosen Konsonanten nach dem Gesetz der russischen regressiven Assimilation der Stimmhaftigkeit, vgl. сделать, аббат, также und Ausdauer, Abbildung, täglich;
- die volle Stimmhaftigkeit oder Stimmlosigkeit der deutschen stimmhaften Konsonanten statt der teilweisen Entstimmlichung, vgl. Band, Dank, tritt da und барабан, Дарья, отделаться;
- das Ersetzen des starken bzw. relativ starken Absatzes der deutschen Vokale durch den russischen losen Absatz, vgl. Wolle und воля;
- das Ersetzen des deutschen Neueinsatzes durch den russischen schwachen, vgl. beobachten, erinnern und безобразный, безымянный.
Die lautliche Interferenz geht gesetzmäßig vor sich und trägt einen systemhaften Charakter Die Fehler entstehen nicht im Phonemsystem, sondern in der Distribution der Vokale und Konsonanten.

@темы: Studium, Phonetik, Deutsch

URL
   

Spickzettel

главная