tomate
убил лису – сам съел колобка.
1. Die Lexikologie als selbständige Wissenschaft
Die Lexikologie gehört zu den Relativjungenbereichen der deutschen Sprachtheorie. Als selbständige Wissenschaft bildete sie sich Mitte des 20 Jhs heraus. Die Lexikologie ist eine linguistische Disziplin, die den Wortschatz (das Lexikon) einer Sprache in seiner Entstehung, Entwicklung und seinem gegenwärtigen Zustand untersucht. Die Lexikologie bedeutet in der Übersetzung aus der Griechischen die Lehrer vom Wort oder die Wortkunde. Gegenstand der Lexikologie ist:
1) der Wortschatz (das Lexikon) einer Sprache als System mit verschiedenen Gruppierungen der Lexik (ihre Makro-, Medio- und Mikrostrukturen);
2) das einzelne Wort als strukturelle und semantische Grundeinheit der Sprache mit seiner formalen und inhaltlichen Struktur, mit seinen Beziehungen (Relationen) zu anderen Wörtern im Wortschatz und im Text.
Die Lexikologie beschreibt und erforscht den Wortbestand einer Sprache, seine Schichtung und Struktur, Bildung, Bedeutung (im System) und Funktionen seiner Elemente (in der Kommunikation, in verschiedenen sozialen Sphären und Situationen). Allgemeine Aufgaben der Lexikologie können folgenderweise formuliert werden:
1) das Wort (das Lexem) als Grundeinheit der Sprache, seine strukturellen Merkmale und lexikalische Bedeutung mit verschiedenen Typen, Aspekten und Funktionen (aus nominativer, kommunikativer, kognitiver, pragmatischer Sicht), das Wort als Element des lexikalisch-semantischen Systems und als Teil der Rede / Konstituente des Satzes und Textes zu erforschen;
2) die Struktur des Lexikons als mehrdimensionales System, lexikalische Kategorien (Polysemie, Homonymie, Synonymie, Antonymie, Hy- peronymie/Hyponymie, Paronymie u. a. Gruppierungen der Lexik (Sachgruppen, lexikalisch-semantische Paradigmen, semantische Felder sowie konzeptuelle Strukturen) zu ermitteln und zu beschreiben.
3)die Stratifikation des Wortbestandes, d.h. seine historische, regionale, soziolinguistische und soziale, national bedingte und kulturspezifische Schichtung zu begründen und darzustellen;
4)System-Struktur-Bezug und funktionale Bestimmung/ kommunikativ-pragmatische Leistung der lexikalischen Einheiten und Subsysteme in ihrer gegenseitigen Übereinstimmung zu beschreiben;
5)Wege und Quellen der Wortschatzerweiterung, kommunikativ begründete Veränderungen des Wortbestandes zu untersuchen;
6) die Phraseologie als Teilbereich des Lexikons in ihrem Wechselverhältnis mit dem lexikalischen Subsystem, ihre Klassifikationen und Funktionen zu erforschen;
7)die Lexikografie (einschließlich der Typologie der Wörterbücher) als empirisch-praktischen Anwendungsbereich der lexikologischen Prinzipien und Gesetzmäßigkeiten einzubeziehen.
Man unterscheidet folgende Forschungsrichtungen in Wortschatzlehre:
-die allgemeine Lexikologie, die sich zum Ziel setzt, solche Klassifizierungen vorzunehmen, Kategorien und Sprachgesetze aufzudecken, die für viele Sprachen gültig sind, d. h. Universalcharakter haben;
-die spezielle Lexikologie untersucht Wort und Wortschatz einer natürlichen Sprache und gehört zur Theorie der betreffenden Sprache.
- die historische (diachrone) Lexikologie als sprachgeschichtliche Disziplin berücksichtigt die Dialektik von Synchronie und Diachronie, um den jeweiligen Zustand des Wortschatzes als Ergebnis seiner jahrhundertelangen Entwicklung zu beschreiben.
- die kontrastive (vergleichende) Lexikologie ist bemüht, Unterschiede und Gemeinsamkeiten im Wortschatz von zwei oder mehreren natürlichen Sprachen festzustellen und im Hinblick auf sprachtypo- logische Verallgemeinerungen zu erklären.
In der gegenwärtigen Entwicklungsetappe gewinnen die kognitiven Wissenschaften immer mehr an Gewicht und Aktualität (kognitiv = auf Erkenntnis beruhend, erkenntnismäßig). Aktuell für die moderne Lexikologie sind die interdisziplinären Probleme des Konzeptes, der Katego- risierung und Konzeptualisierung menschlicher Erfahrungen und Erkenntnisse.
Als sprachwissenschaftliche Universitätsdisziplin tritt die Lexikologie in Europa erst nach dem II. Weltkrieg auf. Ihre Aufgaben waren vor allem durch sprachpädagogische Vorhaben bestimmt. Die internationale Kommunikation forderte bessere Fremdsprachenkenntnisse.
Die Lexikologie als selbständige Disziplin hat sich in Russland (damals in der Sowjetunion) herausgebildet.
Die deutsche Lexikologie hat eine relativ kurze Geschichte. Die ersten deutschen Wörterbücher, verfasst von Mönchen, stammen aus dem 10. Jahrhundert. Die lexikologische Theorie dagegen entstand erst im 19. Jahrhundert. Besonderes Interesse zeigte man damals für die Entwicklung und Entstehung einzelner Wörter (die Etymologie), dann wurden bestimmte Gesetzmäßigkeiten der Wortbildung und des Bedeutungswandels aufgedeckt. In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde viel sprachliches Material von den Junggrammatikern gesammelt. Es entstanden große historische und etymologische Wörterbücher:
1. Deutsches Wörterbuch von J. und W. G rimm; 2. Deutsches Wörterbuch von H. Pa u 1; 3. Etymologisches Wörterbuch von F. K1 u g e.
Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte sich die deutsche Wortforschung in zwei Richtungen. Je nach dem Forschungsobjekt gliedert sie sich in die Semasiologie (Bedeutungslehre) und die Onomasiologie (Bezeichnungslehre). Der Terminus „Semasiologie“ wurde von C h. K. Re i- s i g in den „Vorlesungen über lateinische Sprachwissenschaft“ (1839 veröffentlicht) eingeführt. Als Alternative zur Semasiologie wurde vom Franzosen J. G i 11 i e r o n die Onomasiologie begründet. Verwandt mit der Wörter- und Sachen-Methode ist die Wortfeldtheorie, begründet von G. Ip sen (1924) und J.Trier. Die Wortfeldtheorie wurde von Leo Weisgerber weiterentwickelt. Das Interesse für Weisgerbers Theorie wird durch aktuelle Problematik der Linguokulturologie und der Kulturkonzepte wachgehalten.

2. Wortfamilie
Als Wortfamilie werden Wörter bezeichnet, die gleiche oder ähnliche Stamm-Morpheme, also um denselben Wortstamm gruppiert sind, und sich historisch auf dieselbe Wortwurzel (Ursprung) stützen. Allerdings können Wörter derselben Wortfamilie angehören, also einen ähnlichen Ursprung haben, und dennoch eine gänzlich unterschiedliche Bedeutung aufweisen. Die Bedeutungsbeziehung muss folglich innerhalb einer Wortfamilie nicht erhalten bleiben.
Eine Wortfamilie (auch Lexemverband oder Wortsippe) lässt sich wohl am besten anhand von Beispielen verdeutlichen. Schauen wir dafür auf das germanische Wort far, welches im Althochdeutschen zu faranwurde und im Mittelhochdeutschen als varan bekannt ist. Das Wort far bezeichnete einst jede Art der Fortbewegung und ist uns bis heute erhalten geblieben. Somit gehören zur Wortsippe:
fahren, Fahrer, Fahrt, Fahrtgeld, erfahren, Erfahrung, Gefährte, Fähre, Gefahr, gefährlich, Nachfahr,fahrlässig, Fahrrad, Fahrlässigkeit, Fahrender, fahrend, Fährte, Fahrstuhl, führen, Fuhre etc.
Natürlich ließe sich die obige Wortfamilie noch beliebig erweitern. Dennoch wird ersichtlich, worum es grundsätzlich geht: nämlich darum, dass alle Wörter um den gleichen Ursprung, das germanische far, kreisen und sich von diesem ableiten lassen. Interessant ist hierbei, dass die Begriffe keine eindeutige Bedeutungsbeziehung haben, auch wenn sie um einen ähnlichen Stamm gruppiert sind.
So ist es nicht zu bestreiten, dass Gefahr und fahren prinzipiell sehr unterschiedliche Dinge meinen. In Bezug auf den Lexemverband ist dies aber vollkommen gleich, da sich beide Wörter auf das germanische far zurückführen lassen. Im Deutschen können solche Wortfamilien übrigens bis zu tausend Einzelwörtern umfassen. Schauen wir nun auf ein weiteres Beispiel: den Wortstamm geh.
gehen, umgehen, ausgehen, zergehen, vergehen, entgehen, untergehen, Gehweg, aufgehen, ergehen,übergehen, fremdgehen, Vergehen, Amtsvergehen etc.
Hierbei haben wir absichtlich Beispiele gewählt, die eindeutig auf einem identischen Wortstamm fußen, um die Zugehörigkeit und Verbundenheit der ausgewählten Wörter aufzuzeigen. Allerdings muss die Wortfamilie von außen nicht durchsichtig sein. Nämlich dann, wenn der etymologische Zusammenhang nicht klar ist (Beispiel: Herzog, Zeuge, Zucht usw. bilden eine Wortfamilie mit ziehen.)

3. Zweige der Lexikologie
Die Lexikologie ist eine relativ junge sprachwissenschaftliche Disziplin. Aber zur Zeit ist es eine weit verzweigte Disziplin. Sie umfasst folgende Forschungsgebiete.
Semasiologie
Das Wort „Semasiologie“ ist griechischer Herkunft (semasia = Beze ichnung, logos = Lehre). Semasiologie bedeutet also „die Lehre von der Wortbedeutung“. Die Richtung geht vom Wort aus und fragt danach, was das Wort bedeutet. Eine der wichtigsten Aufgaben der Semasiologie ist die Abgrenzung der Mehrdeutigkeit von der Homonymie. Z.B. das deutsche Wort „grün“ hat mehrere Bedeutungen 1. ‚Farbe„ (grünes Kleid), 2. ‚nicht reif„ (grüner Apfel), 3. ‚unerfahren„ (grüner Junge). Alle diese Bedeutungen zu untersuchen ist die Aufgabe der Semasiologie. Nach dem semasiologischen Prinzip sind die Bedeutungswörterbücher verfasst.

Onomasiologie
Das Wort ist auch griechischer Herkunft (onomasia = Bennenung, logos = Lehre). Dieser Zweig geht vom Begriff aus und untersucht, wie dieser Begriff in der Sprache bezeichnet wird, d.h. die Ausgangsform ist ein Begriff, dem verschiedene Wortformen zugeschrieben werden. Die Semasiologie befasst sich mit der Untersuchung der Synonymie einer Sprache. Z.B. der Begriff ‚grüne Farbe„ kann in der Sprache auf verschiedene Weise ausgedrückt werden: grün, hellgrün, dunkelgrün, giftgrün, flaschengrün, laubgrün usw. Die Onomasiologie untersucht, welche Begriffe in einer Sprache bezeichnet werden und warum diese oder jene Bezeichnung für einen Begriff gewählt wird. Für die Lösung dieser Aufgaben müssen soziale, kulturhistorische, psychologische Phänomene einbezogen werden. Z.B. in der Russischen Sprache gibt es ein Wort, das die Leute bezeichnet, die vor Kurzem geheiratet haben (молодожѐны), aber es gibt keinen ähnlichen Begriff für die Bezeichnung der Leute, die schon lange verheiratet sind.

Semasiologie geht also vom Wort aus. Ihr Hauptproblem ist darum die Frage, was für Bedeutungsinhalte die Wörter einer Sprache haben. Die Onomasiologie dagegen geht vom Begriff bzw. Gegenstand aus und fragt folglich danach, welche Wörter die betreffenden Gegenstände und die diese Gegenstände widerspiegelnden Begriffe bezeichnen.

Etymologie
Das Wort ist griechischer Herkunft (etymos = wahrhaft, logos = Lehre). Die Etymologie untersucht die Geschichte der Wörter. Die Etymologie setzt die diachrone Sehweise voraus, denn dieser Zweig erforscht die ursprüngliche Bedeutung und die ursprüngliche Gestalt der Wörter. Das ist nur im Zusammenhang mit der Geschichte der Sprachträgers auf soziokulturellem Hintergrund möglich. Z.B. das Wort Nachtigall wird in der Gegenwartssprache als nicht motiviert empfunden. Die etymologische Analyse lässt aber das Wort und seine Urbedeutung erklären. Nachtigall, eigentlich ‚nächtliche Sängerin„, das zweite Glied dieser Zusammensetzung –gall ist ein alter, zur Zeit nicht mehr produktiver Verbalstamm, vgl. ahd. Galan ‚singen„.

Die Etymologie der Wörter ist in etymologischen Wörterbüchern erfasst.

Wortbildung
Dieser Zweig untersucht die Bildung neuer Wörter aus vorhandenen Elementen nach bestimmten Modellen und Regeln und kann sowohl diachronisch als auch synchronisch gestaltet werden. (Näheres sieh beim Thema „Wortbildung“).

Phraseologie
In der traditionellen deutschen junggrammatischen Sprachwissenschaft war die Phraseologie als Wissenschaftszweig überhaupt nicht vorhanden, denn es wurde damals nicht scharf genug zwischen Wort und Wortverbindung unterschieden. Zur Zeit wird Phraseologie als Zweig der Lexikologie betrachtet, der feste Wortkomplexe erforscht. Da jedoch die festen Wortkomplexe sehr heterogen sind, gibt es Bestrebungen, die Phraseologie als eine neue besondere selbständige Disziplin aufzufassen. (Näheres sieh beim Thema „Phraseologie).

Lexikographie
Das Wort „Lexikographie“ besteht aus den Elementen griechischer Herkunft (lexikon = Wörterbuch, graphō = schreiben). Lexikographie ist also Theorie und Praxis der Wörterbuchschreibung. Ihre wichtigsten Aufgaben sind Fixierung, Systematisierung und Typologisierung des Lexikons. Die Lexikographie erforscht nicht das Wesen und die Besonderheiten der Wörter oder des gesamten Wortbestandes einer Sprache – was zu den Aufgaben der Lexikologie gehört – sondern stellt die Grundsätze fest, wonach sich die Bearbeitung und Darstellung des lexikalischen Materials in Wörterbüchern verschiedener Typen zu richten hat.

4. Begriffsarchaismen
Archaismus (griech. archaios — alt, veraltet) ist ein aus irgendeinem Grund veraltetes Wort, das aber noch im Bewusstsein der Sprachträger lebt und in gegenwartssprachlichen Texten verwendet wird. Der Begriff des Archaismus ist damit wiederum als relative Kategorie auf einen bestimmten Zeitpunkt der Sprachentwicklung bezogen.

Historismen Begriffsarchaismen - die Begriffe angehören früheren historischen Epochen Denotate sind veraltet oder aus dem Leben des Volkes ganz verschwunden. der Kirchenzehnt (церковная десятина), der Fronhof (барский двор), der Ablaßhandel (торговля индульгенциями Armbrust, Lanze (копьё, пика)

Gewöhnlich werden die folgenden Typen von Archaismen unterschieden:
1. Historismen sind veraltete Wörter aus verschiedenen Zeitperioden in der Geschichte Deutschlands: der Kurfürst, das Turnier, der Frondienst— aus dem Mittelalter; die Hitlerjugend — aus der Nazizeit; die FDJ, die SED, die Volkskammer — Historismen aus der DDR-Zeit.
Th. Schipp an betrachtet als Historismen die Wörter, mit denen man historische Sachverhalte, Objekte, Realien bezeichnet, die der Kommunikation über Vergangenes dienen (s. Schippan, 2002, 248). Geht es um mittelalterliche Verhältnisse, so gebraucht man die Wörter: Minnedienst, Minnesänger, Kirchenzehnt, Ablasshandel, Hanse u. a; in die Epoche des 17. —19. Jhs. gehören die Wörter Gutsherr, Dienstmagd, Knecht, Pedell.
2. Semantische Archaismen, die im modernen Sprachgebrauch von jüngeren Synonymen ersetzt wurden: die Minne — die Liebe, das Gewand — das Kleid, der Born — die Quelle, der Oheim — der Onkel. Hinzu kommen poetische Archaismen: Aar (für „Adler“), Leu (für „Löwe“).
3. Lautlich-morphologische Archaismen: z.B. der Friede — der Frieden, der Quell — die Quelle’, der Odem — der Atem.

5. Die Verbindung der Lexikografie mit anderen Sprachwissenschaften
In enger Beziehung zur Lexikologie steht die Lexikografie, die es mit Theorie und Praxis der Wörterbuchschreibung zu tun hat. Einerseits wendet sie Ergebnisse der lexikologischen Forschungsarbeit an, andererseits ist ihr Gegenstand weiter gefasst und erfordert die Einbeziehung von Ergebnissen verschiedener Disziplinen, z. B.: der Grammatik (bei der Erarbeitung der Valenzwörterbücher), der Sprachgeschichte (für alle historischen und etymologischen Wörterbücher), der Stilistik (Stilwörterbücher), der Literaturgeschichte, der Dialektologie/Mundartenforschung usw.

6. Bedeutungsarchaismen
Archaismus (griech. archaios — alt, veraltet) ist ein aus irgendeinem Grund veraltetes Wort, das aber noch im Bewusstsein der Sprachträger lebt und in gegenwartssprachlichen Texten verwendet wird. Der Begriff des Archaismus ist damit wiederum als relative Kategorie auf einen bestimmten Zeitpunkt der Sprachentwicklung bezogen.

Semantische Archaismen oder Bedeutungsarchaismen sind also solche Wörter, deren Grundbedeutung oder eine andere verbreitete Bedeutung veraltet ist. Als eine lexikalische Einheit sind sie jedoch in der Sprache vorhanden und verbleiben sogar im aktiven Sprachgebrauch, doch mit einer neuen Bedeutung. Die alte Bedeutung, die das Wort aufbewahrt, ist aber schon veraltet. Ein solches Wort kann neben einer oder mehreren gebräuchlichen Bedeutungen auch eine veraltete behalten: das Wort Zungeist in der modernen Sprache gebräuchlich und bezeichnet ein wichtiges Organ des menschlichen Körpers. Der alte Sinn dieses Wortes – „Sprache“ ist aber veraltet; mit dieser Bedeutung ist das WortZungezu einem Bedeutungsarchaismus geworden und wird jetzt seltener als „Sprache“ gebraucht.

Gewöhnlich werden die folgenden Typen von Archaismen unterschieden:
4. Historismen sind veraltete Wörter aus verschiedenen Zeitperioden in der Geschichte Deutschlands: der Kurfürst, das Turnier, der Frondienst— aus dem Mittelalter; die Hitlerjugend — aus der Nazizeit; die FDJ, die SED, die Volkskammer — Historismen aus der DDR-Zeit.
Th. Schipp an betrachtet als Historismen die Wörter, mit denen man historische Sachverhalte, Objekte, Realien bezeichnet, die der Kommunikation über Vergangenes dienen (s. Schippan, 2002, 248). Geht es um mittelalterliche Verhältnisse, so gebraucht man die Wörter: Minnedienst, Minnesänger, Kirchenzehnt, Ablasshandel, Hanse u. a; in die Epoche des 17. —19. Jhs. gehören die Wörter Gutsherr, Dienstmagd, Knecht, Pedell.
5. Semantische Archaismen, die im modernen Sprachgebrauch von jüngeren Synonymen ersetzt wurden: die Minne — die Liebe, das Gewand — das Kleid, der Born — die Quelle, der Oheim — der Onkel. Hinzu kommen poetische Archaismen: Aar (für „Adler“), Leu (für „Löwe“).
6. Lautlich-morphologische Archaismen: z.B. der Friede — der Frieden, der Quell — die Quelle’, der Odem — der Atem.

7. Polysemie
Unter Mehrdeutigkeit (Polysemie) versteht man die Fähigkeit eines Wortes (einer Wortform), mehrere miteinander zusammenhängende Bedeutungen zu haben. Eine andere Definition des Begriffs: das ist Erscheinung bei einem lexikalischen Element, das mehrere Bedeutungen bzw. Lesarten aufweist, die untereinander noch ähnlich sein sollen.
Die Mehrdeutigkeit gilt als das semasiologische Hauptgesetz in der sprachlichen Entwicklung. Diese Kategorie wird im Sprachsystem und in der Kommunikation, im Text unter verschiedenen Gesichtspunkten erforscht. Als Oberbegriff tritt hier sprachliche und kommunikative Unbestimmtheit auf, was sich aus folgendem Schema ergibt.
Bei der Polysemie Forschung unterscheidet man ferner den synchronen (statischen) und diachronen (dynamischen) Aspekt. Wenn die Bedeutungsentwicklung aus historischer Sicht untersucht wird, spricht man von der prozessualen, diachronischen Seite der Polysemie, von der semantischen Derivation.
In der linguistischen Literaturbesteht keine Einigung über Polysemie, weil das Wesen dieser Kategorie noch nicht endgültig geklärt ist. Es gibt drei Richtungen in der Auffassung der Polysemie.
Die Anhänger der ersten Richtung (K. S. Ak Sakov, N. P. Nekrassov, H. Steinthal) lassen sich von der irrtümlichen These von der Form-Inhalt-Symmetrie leiten und versuchen, die vielfältigen Bedeutungen eines Polysemanten auf die sogenannte allgemeine bzw. Gesamtbedeutung zu reduzieren. Diese Versuche aber haben deklarativen Charakter und für die Gesamtbedeutung wird nicht selten die Hauptbedeutung ausgegeben.
Die Vertreter der zweiten Richtung (A. A. Potebnja, L. V. SČerba und ihre Anhänger) halten jede Bedeutung des Polysemanten für ein selbständiges Wort, indem sie die Wortbedeutung mit der Verwendung der Wortform, mit einer Lesart des Wortes im Text gleichsetzen. In Wirklichkeit haben wir jedes Mal so viele Wörter, wie viele Bedeutungen das gegebene fonetische Wort (der Lautkomplex) aufweist – das behauptet L. V. SČerba. Von diesem Standpunkt aus betrachtet, verwandelt sich der Wortschatz in ein Meer von Homonymen.
Die dritte Richtung (ergebnisreichste) in der Polysemie Forschung Zeichnet sich durch Umfang und Reichweite der gelösten und zu lösenden Probleme aus. Ihre Vertreter (V. V. Vinogradov, A. A. Ufimceva, J S. Stepanov, V. G. Gak, M. V. Nikitin u. a.) sehen in der Polysemie einen äußerst wichtigen Faktor, einen unbestreitbaren Vorzug der Sprache. Sie halten Bedeutungen mehrdeutiger Wörter für Einheiten des Sprach Systems. Man geht davon aus, dass die Bedeutungen eines Polysemanten nicht jeweils vom Kontext neu geschaffen werden, sondern bereits im System vorgegeben sind. Zu dieser Richtung gehört auch die funktionale Analyse der Polysemie, d. h. die Untersuchung der Mehrdeutigkeit im Sprachsystem und in der Kommunikation – in verschiedenen Kontexttypen und Textsorten.

8. Formarchaismen
Archaismus (griech. archaios — alt, veraltet) ist ein aus irgendeinem Grund veraltetes Wort, das aber noch im Bewusstsein der Sprachträger lebt und in gegenwartssprachlichen Texten verwendet wird. Der Begriff des Archaismus ist damit wiederum als relative Kategorie auf einen bestimmten Zeitpunkt der Sprachentwicklung bezogen.

Wörter und Wendungen, deren grammatische oder lautliche Form durch ihre eigenen morphologischen und lautlichen Varianten verdrängt sind, werden Formarchaismen oder lautlich-morphologische Archaismen genannt. Solche Archaismen werden in drei Gruppen eingeteilt:
1. Formarchaismen, die neben der neuen lautlichen Form manchmal in der alten Gestalt gebraucht werden: Turneistatt Turnier,Odemstatt Atem,Quellstatt Quelle,Jungferstatt Jungfrau.
2. Archaismen der grammatischen Form, veraltete grammatische Formen einiger noch jetzt gebräuchlicher Wörter: begunnenstatt begannen,ward statt wurde,auf Erdenstatt auf Erde,sich freuen Gen. statt sich freuen über/auf Akk.
3. Wortbildende Archaismen: Bedingnis(Bedingung),kräftlich(kräftig).

Gewöhnlich werden die folgenden Typen von Archaismen unterschieden:
Historismen sind veraltete Wörter aus verschiedenen Zeitperioden in der Geschichte Deutschlands: der Kurfürst, das Turnier, der Frondienst— aus dem Mittelalter; die Hitlerjugend — aus der Nazizeit; die FDJ, die SED, die Volkskammer — Historismen aus der DDR-Zeit.
Th. Schipp an betrachtet als Historismen die Wörter, mit denen man historische Sachverhalte, Objekte, Realien bezeichnet, die der Kommunikation über Vergangenes dienen (s. Schippan, 2002, 248). Geht es um mittelalterliche Verhältnisse, so gebraucht man die Wörter: Minnedienst, Minnesänger, Kirchenzehnt, Ablasshandel, Hanse u. a; in die Epoche des 17. —19. Jhs. gehören die Wörter Gutsherr, Dienstmagd, Knecht, Pedell.
Semantische Archaismen, die im modernen Sprachgebrauch von jüngeren Synonymen ersetzt wurden: die Minne — die Liebe, das Gewand — das Kleid, der Born — die Quelle, der Oheim — der Onkel. Hinzu kommen poetische Archaismen: Aar (für „Adler“), Leu (für „Löwe“).
Lautlich-morphologische Archaismen: z.B. der Friede — der Frieden, der Quell — die Quelle’, der Odem — der Atem.

9. Zusammensetzung (Komposition)
Die Zusammensetzung ist die wichtigste und häufigste Form der deutschen Wortbildung. Zusammensetzung enstehen, wenn zwei oder mehrere selbständige Wörter zu einer neuen Worteinheit verbunden werden, z.b dunkelrot,dampfschiff,stattfinden usw. In einer Zusammensetzung unterscheidet man gewöhnlich das Bestimmungswort und das von ihn zu bestimmende Grundwort. Das Grundwort wird allein flektiert, z.b des Kindergartens.
Die substantivische Zusammensetzung ist in der deutschen Sprache besonders produktiv. Man sagt:“ der Deutsche setzt gerne zusammen“.
Nach der Theorie von Stepanova werden die deutschen Zusammensetzungen unter drei Aspekten oder von drei Prinzipen ausgehend klassifiziert :
1. Nach dem morphologischen Prinzip werden die Zusammensetzungen verschiedenen Wortarten zugeordnet.( z.b. Klebstoff, wortart(substantive),hilfsbereit(adjektiv),fernsehen,Teilnehmen(verben).
2. Nach dem strukturell-genetischen Prinzip unterscheidet man:
a. eigentliche oder echte Zusammensetzungen, d.h. Zusammensetzungen ohne Bindeelement, z.b. Tischlampe,Weißbrot usw.
b. uneigentliche oder unechte Zusammensetzungen, also Zusammensetzungen mit Bindeelement. Als Bindeelement können e(s), e(n), e, -nen oder –er auftreten: z.b. Freundeskreis,Sonnenstrahl,willensstark und usw.
c. Zusammenrückúngen(сдвиги). Das ist eine lockere Verbindung mehrerer Wörter oder sogar eines Kleinen Satzes zu einer Einheit, z.b. Tischleindeckdich, Vergissmeinnicht, dementsprechend.
3. Nach dem syntaktisch-semantischen Prinzip, d.h. nach dem logischen Verhältnis zwischen den Komponenten unterscheidet man drei Abarten:
a. Bestimmungszusammensetzungen . Das Grundwort wird von der ersten Komponente näher bestimmt oder ergänzt. Das Bestimmungswort kann das Grundwort in vieler Hinsicht näher bestimmen.Durch die Bestimmungskomponente wird angegeben: der Urheber z.b. Mutteerliebe, der Besetzer z.b Stadtpark, das Abstammungsverhältnis z.b. Arbeiterkind, das Objekt z.b. Frankenpflege, der Ort z.b. Alpenrose, Waldblume, die Richtung oder das Ziel z.b. Südwind, die Zeit oder die zeitliche Ausdehnung, z.b. Mailied, Maikäfer, der Stoff z.b. Lederschuh, Goldmedalie, der Grund z.b. Schmerzenschrei, der Zweck z.b. Bügeleisen, das Instrument,Werkzeug z.b. Fußball.
b. Kopulative Zusammensetzungen mit kopulativem Verhältnis, bei dem die Komponenten logisch gleichgeordnet sind: z.b. Dichterkomponist,nasskalt. Zwischen den Komponenten kann man „und“ einfügen.
Satz – oder Imperativnamen (syntaktische Wörter) mit erstarrtem Verhältnis z.b. Tischleindeckdich, Rührmichnichtan,infolge.

10, 30. Merkmale der Phraseologismen
Stabilität, Idiomatizität und Reproduzierbarkeit sind wesentliche Merkmale zur Bestimmung und Abgrenzung von Phraseologismen.
1) Stabilität meint, dass Phraseologismen nicht erweiterbar und ihre Komponenten in der Regel nicht austauschbar sind, sie treten stets in derselben Kombination auf: den Kopf in den Sand stecken — * das Haupt in den Sand stecken; die Katze im Sack kaufen — * den Kater im Beutel kaufen.
2) Idiomatizität meint, dass sich die Gesamtbedeutung eines Phraseologismus nicht aus der Bedeutung der Bestandteile direkt ableiten lässt. Der Satz Sie hat ihrem Mann/ihrem Kind den Kopf gewaschen hat zwei Lesarten: die konkrete („etw. reinigen“) und die übertragene, idiomatische („j-n beschimpfen, scharf zurechtweisen“).
3) Reproduzierbarkeit bzw. Lexikalisierung meint, dass Phraseologismen bei ihrer Verwendung im Text nicht neu produziert/gebildet werden, sondern als fertige, im Lexikon gespeicherte Einheiten zur Verfügung stehen.

@темы: Lexikologie, Deutsch