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Lexikologie 4

tomate
убил лису – сам съел колобка.
31. Abkürzungen
Die Kurzwortbildung(образование сложносокращенных слов, аббревиация) ist eine relativ neue und außerordentlich produktive Wortbildungsart. Diese Art der Wortbildung entsteht durch die Verkürzung eines längeren Wortes oder mehrerer Ausgangswörter z.b. Lastkraftwagen.(LKW)
Die Kurzwortbildung kamen zuerst in der schriftlichen Sprache auf. Die Bereiche , in denen Abkürzungen massenweise enstehen sind,Wissenschaft und Technik, Massenmedien, Gesellschaftsleben, Handel und Werbung. Man unterscheidet die folgenden Arten von Abkürzungen:
1.Buchstabenabkürzungen, z.b. die BRD, die USA, die EU- europäische Union, DaF-Deutsch als Fremdsprache
2.Lautabkürzungen. Sie werden als ein phonetisches Wort gesprochen, z.b. die UNO, die NATO, DEFA- deutsche film-aktiengesellschaft usw.
3.Silbenabkürzungen werden aus Anfangssilben der Wörter gebildet: z.b. die Buwe-Bundeswehr, das Moped- Motorpedalfahrzeug, die Kripo- Kriminalpolizei,die Stadt-Staatssicherheit.
4.Kontrakturen oder Klappwörter enstehen jeweils aus den ersten (Kopf) oder letzten (Schwanz),Teilen von Wörtern.Demgemäß unterscheidet man:

a. Kopfwörter ( vom vollständigem Wort bleibt nur der Anfang übrig. Z.b. Auto- Automobil, Kilo-Kilogramm,Labor-Laboratorium,Kino-Kinematograf, Aku-Akumulator,Alki-Alkoholiker,Limo-Limonade,Bio-Biologie,Mathe-Mathematuker,Stip-Stipendium.
b. Schwanzwörter: das Ende des Wortes ist übrig geblieben: Funk- Rundfunk,Bus-Omnibus,Platte-Schallplatte, Bahn-Straßen.Eisenbahn.
c.Klammerwörter,bei denen nur die unklamerden Außenteile des längeren Wortes erhalten bleiben: Ölzweig-Ölbaumzweig,Motel-Motorhotel, Inversion-Internationale Television.
5. Der gemischte oder der Überganstyp: verkürzt ist das erste Element der Zusammensetzung, das Grundwort ist behalten: z.b. die U-Bahn, die S-Bahn(Stadt, Schnellbahn),die E-Musik(ernste Musik).
6. Grafische Abkürzungen (Kontraktionen). Sie bewähren graphischen Charakter und werden nur in vollem Wortlaut ausgesprochen, z.b. ahd=althochdeutsch, Dr.= Doctor, z.b = zum Beispiel, usw=und so weiter.

32. Berufslexik
Im Unterschied zu den Termini dienen die Professionalismen der praktisch-fachlichen Kommunikation. Sie sind vor allem nichtstandardisierte und nicht definierte Fachwörter. In der älteren Germanistik (19.jh.) zählte man zur Beruslexik Bergmannssprache, Zimmermannssprache, Seemannssprache.
Einige Sprachforscher unterscheiden die Berufssprache oder Fachsprachen der Handwerker, Bauern, Kaufleute usw. von den „erhölten“ Fachsprachen des Hochdeutsch, d.h. den Termini(s. Moser,1965).

In der Regel liefert die Berufslexik sehr differenzierte Benennungen von Werkzeug, Werkstoffen, Erzeugnissen, Arbeitsvorgängen, Berufen.
Einige Beispiele aus der Jägerlexik: der Schweiß-Blut (eines Tieres), Löffel(pl.) – Ohren eines Hasen, die Kelle- Schwanz eines Bibers, Lichter(pl) – Augen eines Wolfes. Die Jägerlexik kann auch als Gruppenwortschatz betrachtet werden.

Es sei aber hervorgehoben, dass Berufswörter keine Dubletten für entsprechende Wörter und Wendungen der Gemeinsprache sind. Sie vertiefen die Ausdrucksmöglichkeiten und differenzieren die sprachliche Nomination in einem konkreten Fachgebiet.
Als Quellen der Berufslexik dienen übertragene Bedeutungen gemeinsprachlicher Lexeme und Dialekwörter, z.b Teile des Hobels heißen: Nees (Nase), Muul(Maul), Sool(sohle).

33. Lexikographie
In enger Beziehung zur Lexikologie steht die Lexikografie, die es mit Theorie und Praxis der Wörterbuchschreibung zu tun hat. Einerseits wendet sie Ergebnisse der lexikologischen Forschungsarbeit an, andererseits ist ihr Gegenstand weiter gefasst und erfordert die Einbeziehung von Ergebnissen verschiedener Disziplinen, z.B.: der Grammatik (bei der Erarbeitung der Valenzwörterbücher), der Sprachgeschichte (für alle historischen und etymologischen Wörterbücher), der Stilistik (Stilwörterbücher), der Literaturgeschichte, der Dialektologie|Mundartenforschung.
Man unterscheidet 3 Hauptforschungsgebiete der Lexikographie:
1. Die Metalexikografie oder Theorie der Lexikografie, die sich mit theoretischen Grundsätzen der Zusammenstellung von Wörterbüchern befasst. Die Wörterbuchkritik ist eine der Grundlagen der theoretischen und praktischen Lexikografie.
2. Kritische und systematische Wörterbuchforschung, wobei existierende Wörterbücher beschrieben, klassifiziert und beurteilt werden.
3. Historische Wörterbuchforschung, wo die Geschichte der Lexikografie als ein relative selbständiger Forschungsgegenstand betrachtet wird.
Wenn man die Geschichte von Lexikologie und Lexikografie vergleicht, so stellt man ständige wechselseitige Beeinflussung fest. Wortuntersuchungen gingen von den Bedürfnissen der Wörterbuchpraxis aus. Man brauchte Kriterien zur Auswahl, Erklärung und Anordnung der Wörter. Oft eilte die Praxis der Theorie voraus. Bevor einsprachige deutsche Wörterbücher erschienen, gab es 2- oder mehrsprachige Wörterbücher mit Griechisch oder Latein als Ausgangs- und Zielsprache. Sie dienten den Klöstern und Schulen als Lehrstoff zur Aneignung der klassischen Sprachen des Altertums, besonders bei der Auslegung der Bibel.
Die kontinuierliche Entwicklung der Lexikografie beginnt im 17.Jh.H.Henne unterscheidet 3 historische Abschnitte der Wörterbuchschreibung in D:
1. Die Epoche des 15.und 16. Jhs., in der die deutsche Volkssprache zum Gegenstand der Wörterbucharbeit wird.
2. Die Epoche des 17.und 18. Jhs., die das groβe deutsche Wörterbuch anstrebt;
3. Die Periode des 19. Und der ersten Hälfte des 20. Jhs., die geprägt ist durch das “Deutsche Wörterbuch” von J. und W.Grimm. Die erste Lieferung des Wörterbuchs von Grimm erschien 1854, vollendet wurde es 1960, zur Zeit wird eine neue Ausgabe von der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen vorbereitet.
Dies ist ein Werk mehrerer Generationen von Germanisten, ein historisches Wörterbuch von Format, das etymologische Angaben, Kontexte, Quellenhinweise, Bedeutungsvarianten und Gebrauchsweisen, grammatische Eintragungen und Wortbildungen enthält.

34. Übergang in einer andere Wortart
Die Konversion (Komepcm, nepexoд в другую часть речи), die auch Übergang in eine andere Wortart oder Veränderung der Wortart heißt, ist zwar produktiv, doch tritt sie gegenüber der Zusammensetzung und affixalen Ableitung weit zurück.
Bei der Konversion handelt es sich um die vier häufig vorkommenden Prozesse (und Resultate): 1) die Substantivierung (Übertritt eines Wortes in die Wortart Substantiv); 2) die Verbalisierung; 3) die Adjektivierung;4)die Adverbialisierung.
1.Grundsätzlich kann jedes Wort im Deutschen substantiviert werden. Die Substantivierung gilt als die produktivste Art der Konversion. das Kommen, das Lesen, das Verstehen (substantivierte Infinitive); das Deutsche, das Russische; der Abgeordnete, der Beamte, der Bekannte, der Verwandte (Adjektive+Partizipien );das {andere) Ich, das Du (Pronomen); die Fünf, das Hundert (Numeralien); das Aus {der Ball war im Aus — Fußball), das Gegenüber {mein Gegenüber am Tisch) (Präpositionen und Konjunktionen); mit Ach und Krach, Ach und Weh schreien, „kein Weh und Ach“ (Goethe) (Interjektionen); der Ismus; das scharfe S; das AundO einer Sache (= das Wichtigste); von A bis Z (= von Anfang bis Ende) (S u f f i x e und Buchstaben)
2. Die Verbalisierung ist im heutigen Deutsch ziemlich produktiv. Durch diesen Prozess wird die Klasse der schwachen Verben vervollständigt.
Film — filmen
Mond — monden
3. Die Adjektivierung (der Übergang des Substantivs, Partizips, Adverbs in die Wortart Adjektiv) ist nicht produktiv. Dazu gehören j-m freund/feind sein, wert, klasse.
4.Die Adverbialisierung (der Übergang von Wörtern aus anderen Wortarten in die des Adverbs) beschränkt sich auf eine Reihe der Wörter: abends, morgens, damals, niemals

35. Ableitung
Die zweite Art der Wortbildung ist die Ableitung. Unter Ableitung versteht man die Bildung neuer Wörter mit Hilfe von Affixen. Dabei unterscheidet man 2 aktive Prozesse: Suffigierung und Präfigierung.
Das Suffix ist ein wortbildendes Morphem, das am Ende des Wortes zur Wurzel oder zum Stamm hinzugefügt wird: freund- lich, keit. Das Präfix ist ein wortbildendes Morphem, das am Anfang des Wortes an die Wurzel oder an dem Stamm angehängt wird: klug- un- klug. Das Suffix trägt mehr Information, den es verändert oft die Zugehörigkeit des Wortes zum Wortart, das Präfix bewirkt diese Veränderung nicht.
Die Klassifikation der Affixe beruht auf 4 Prinzipien:
1. Nach dem genetischen Prinzip unterscheidet man:
1) Affixe, die aus selbständigen Wörtern entstanden sind: so wird das Suffix –schaft auf das ahd.Substantiv “scaft” mit der Bedeutung “Zustand, Eigenschaft”.
2) Affixe, die sich infolge der Neuverteilung der Stämme entwickelt haben. Sie entstehen durch Veränderung der Morphemgrenze, durch Zufügung eines Lautes zum Stamm. Auf diese Weise sind die folgenden Suffixe entstanden:
a) Suffixe der Substantive: -ling, -ler, -keit, -erei;
b) Suffix der Adjektive: -ern;
c) Suffixe der Verben: -ern, -eln, -sen, -zen.
3)Affixe, die aus Fremdsprachen entlehnt sind. Das sind: Präfixe: anti-, in-, re-, erz-; Suffixe: -ist, -ent,-ant,-ie,-ment,-um.
2. Nach dem morphologischen Prinzip unterscheidet man Suffixe und Präfixe verschiedener Wortarten: Nominalpräfixe, d.h. Präfixe, die im Stande sind, Substantive und Adjektive zu bilden: un-, ur-, erz- (Unruhe, Urwald); Verbalpräfixe: be-, er-, emp-, ent-; Präfixe aller drei Wortarten: ge-, miss- (Gebäck, missgönnen); Suffixe der Substantive: -er, -in, -ung, -heit, - keit; Suffixe der Adjektive: -ig,-lich,-bar,-haft,-sam; Suffixe der Verben: -en,-eln,-ern (Lachen).
3. Nach dem semantischen Prinzip warden die Suffixe in 10 semantische Gruppen zusammengefasst:
1) die Suffixe, die zur Bildung von Personenbezeichnungen dienen: -er,-ist,-in,-at,-ent;
2) Abstammungsbezeichnungen: -aner,-er,-e,-in – Amerikaner,Russin;
3) Zustandsbezeichnungen: Vaterschaft, Gesundheit;
4) Kollektiva: Studentenschaft, Kartei;
5) Abstakta: Dunkelheit, Kenntniss, Hoffnung;
6) Handlungen, Tätigkeiten: Lauferei, Reinigung;
7) Ort der Handlung: Molkerei, Schlosserei;
8) Resultat der Handlung: Sammlung, Formation;
9) Gegendstandsbezeichnungen: Wecker, Zeitung;
10) Diminutiva: Tisch-chen, Kind-erl.
4. Nach dem historischen Prinzip werden abgegrenzt:
a) unproductive Suffixe und Präfixe, mit deren Hilfe keine neuen Wörter geschaffen warden: -end(Jugend), Aber-(Aberglaube)
b) productive Affixe, mit deren Hilfe in der Gegenwartssprache neue Wörter gebildet warden: (bei Substantiven): -er,-ler,-heit,-nis; (bei Adjektiven): -lich,-ig,-bar,-haft;
c) Affixe, die im Prozess der Entstehung begriffen sind: Halbsuffixe, Halbpräfixe. Halbsuffixe der Substantive: -mann (Seemann); -zeug (Flugzeug).

36. Lautnachahmung
Die Wortschöpfung (cловотворчество, преимущественно в форме звукоподражания) in Form einer Laut- oder Schallnachahmung ist eine besondere Wortbildungsart, bei der die Wörter infolge der klanglichen Nachahmung von Naturlauten entstehen: Kuckuck, Gans, Uhu, bums!, klatsch)., platschen, plätschern etc.
Die Lautnachahmung ist jetzt nicht produktiv und spielt nur eine bescheidene Rolle in der Wortschatzerweiterung der deutschen Sprache.
Unter Wortschöpfung ist die erstmalige Zuordnung eines Lautkomplexes zu einer Bedeutung zu verstehen, die sich ohne Verwendung vorhandener Elemente vollzieht. Auf dem Weg der Wortschöpfung („Urschöpfung der Wörter“) entstanden lautnachahmende (onomatopoetische) Wörter wie Kuckuck, krähen, Wau-wau etc. Lautnachahmende (lautmalende) Wörter können verschiedenen Wortarten angehören. Das sind:
- Interjektionen: ach, au.
- Verben: brummen, dröhnen, knacken.
- Substantive: Krach, Krähe, Kiebitz, Kuckuck, Uhu'
- Kindersprache: die Miau — Katze, die Tick-Tack — Uhr.

37. Wort-Bedeutung-Begriff
Die lexikalische Bedeutung des Wortes ist mit seiner gnoseologischen Bedeutung untrennbar verbunden. Die denotative Beziehung wird in dieser oder jener Situation realisiert, die sich im Kontext widerspiegelt.
das Wort Rose in seiner Hauptbedeutung (einer Blume) in verschiedenen Kontexten gebrauchen.
o Die Rose ist eine Gartenblume.(gesamte Klasse der Rosen)
o Diese Rose ist eben erblüht. (eine konkrete Rose)
o Die Rose duftet angenehm.(die ganze Klasse der Rosen)
o Ich will meiner Freundin eine Rose schenken.(die ganze Gattung,)
Die Frage der Beziehung zwischen der Bedeutung und dem Begriff wird verschieden beantwortet: in einem Teil wird der Gedanke verfolgt, dass die Bedeutung weiter, in anderen, dass sie enger ist als der Begriff identifiziert.
Gehen wir aber von der Grundthese aus, der Begriff als höchstes Produkt des Gehirns, so müssen wir anerkennen, dass auch der «alltägliche» Begriff infolge der Verallgemeinerung und Abstraktion entsteht.
Indem der Begriff die Basis für die lexikalische Bedeutung des Wortes bildet, ist er mit dieser Bedeutung nicht identisch. Die Bedeutung ein und desselben Wortes kann der Breite des Begriffes entsprechen, sie kann auch (im Falle der Polysemie) verschiedene, wenn auch untereinander verbundene Begriffe umfassen. Darüber hinaus spiegelt sie die im Begriff eingeschlossene Abstraktionsstufe in verschiedener Weise: kann er seinen verallgemeinerten Charakter in seiner ganzen Totalität beibehalten, kann aber auch konkretisiert und verengt werden, indem er selbst den umgekehrten Weg vom Allgemeinen zum Besonderen zurücklegt. Fassen wir zusammen: Die Bedeutung des Wortes in ihrem engen, rein lexikalischen Sinne wird von uns verstanden als seine gegenständliche Beziehung, die in dieser oder jener Situation erscheint, und die im Kontext ihren Ausdruck findet. Diese Bedeutung geht in die gedankliche Struktur des Wortes ein, die alle seine Bedeutungen und Bedeutungs-schattierungen vereinigt.

38. Die Arten der Nachschlagewerke
Die Klassifizierung der Nachschlagewerke ist ohne Zweifel sinnvoll und notwendig.
Fr. J. Hausmann unterscheidet die folgenden Kriterien bzw. Parameter der Wörterbuchsystematisierung: Synchronie/Diachronie, Standardsprache/Regionalsprache, Gemeinsprache/ Fachsprache. Dadurch bestimmt er die folgenden Typen von Wörterbüchern: synchronische und diachronische, standardsprachliche (gemeinsprachliche) Wörterbücher und regionalsprachliche (Dialektwörterbücher), gemeinsprachliche und fachsprachliche sowie Gesamtwörterbücher, und Spezialwörterbücher (s. Hausmann, 1985,379).
Von den meisten Lexikografen werden grundsätzlich zwei Haupttypen von Wörterbüchern — Sprachwörterbücher und enzyklopädische Wörterbücher bzw. Sachnachschlagewerke abgegrenzt. Sprachwörterbücher sind alphabetische oder systematische Sammlungen lexikalischer Einheiten, in denen wir uns über deren Eigenschaften informieren können: über Bedeutung, Gebrauch, grammatische, orthografische, etymologische Eigenheiten, über die Geschichte der Wörter, über Stamm- oder Bedeutungsverwandtschaft u. a. Größtenteils sind sie erläuternde oder kommentierende Wörterbücher, denn sie beschreiben und erläutern die Wörter unter verschiedenen Sprachaspekten. Enzyklopädische Wörterbücher (Konversationslexika) erklären den wissenschaftlichen Gegenstand, den Inhalt der bekannten Objekte. Wir benutzen sie, wenn wir z. B. die Angaben zur Wortbedeutung mit der wissenschaftlichen Beschreibung des bekannten Objektes, mit dem Konzept vergleichen. Anliegen solcher Wörterbücher ist, Kenntnisse auf allen Gebieten des Lebens zusammenzufassen und zu verbreiten, sie sind eine Art Nachschlagewörterbücher, z. B.: Duden. Lexikon A—Z: 5., neu bearb. Aufl. Mannheim; Leipzig; Wien; Zürich, 1997.
Überhaupt muss man unterstreichen, dass ein Wörterbuch nicht nur Wörter enthält — es gibt auch Wörterbücher der Wortbildungsmittel und der Phraseologismen. Ein Wörterbuch muss auch nicht unbedingt die Gestalt eines Buches haben, es können einzelne „Lieferungen“ sein. In unserer Zeit existieren Wörterbücher auch als Taschencomputer (elektronische Wörterbücher).
Im Weiteren gehen wir auf die Sprachwörterbücher ein, die für Linguisten und Germanistikstudenten in jeder Hinsicht maßgeblich sind. Linguistische oder Sprachwörterbücher können ein-, zwei- oder mehrsprachig sein.
Unter den zwei- und mehrsprachigen Wörterbüchern gibt es passive, z.B. Englisch-Deutsch für Deutsche, Deutsch-Englisch für Engländer und aktive Wörterbücher, z. B. Englisch-Deutsch für Engländer und Deutsch-Englisch für Deutsche. Sie können beim Erlernen einer fremden Sprache und bei der Übersetzung aus einer Sprache in die andere behilflich sein. (Diese Unterscheidung von „aktiv — passiv“ stammt von L. V. Scerba).
Der Anlage nach lassen sich alle Sprachwörterbücher gliedern in:
1) alphabetisch geordnete (semasiologische) Wörterbücher (wo man von der Bedeutung ausgeht);
2) Wörterbücher, deren Material nach paradigmatischen (onomasiologischen, vom Begriff ausgehenden) Zusammenhängen geordnet ist;
3) Wörterbücher, die alphabetische (semasiologische) und onomasiologische Anordnung verbinden.
Zu weiteren differenzierenden Klassifikationsmerkmalen — das gilt insbesondere für einsprachige Wörterbücher — gehören:
1) synchronischer — diachronischer Aspekt, d. h. gegenwarts- oder vergangenheitsbezogen;
2) bezogen auf bestimmte Sprachgruppen;
3) fach- oder sondersprachspezifisch;
4) textkodifizierend oder bezogen auf den einzelnen Text;
5) standardsprachlich oder an einen regionalen Geltungsbereich gebunden;
6) bezogen auf die gesprochene Sprache;
7) häufigkeitsorientiert.

39. Wortfelder
Der Begriff des Wortfeldes entstanden 1924 im Deutschland. Als erste gebrauchten ihn G.Ipsen und J.Trier. Er dient dazu, den Systemcharakter der Sprache aufzudecken und den Wortschatz tu systematisieren. Seine Verwendung in der Sprachwissenschaft ist von den Termini der Physik und der Psyhologie beeinflusst worden.
Ipsen, der den Terminus „Wortfeld“ eingeführt hat,geht davon aus, dass sich Wörter einer Sprache in Bedeutungsgruppen orden. Jost Trier definiert das Wortfeld folgenderweise: es ist ein gegliedertes Ganzes vom Wörtern, das einen Begriffskomplex völlig überlagert(deckt).
Das Wesen der Wortfeldtheorie läuft auf folgendes hinaus: die Wörter stehen im Wortschatz nicht isoliert da, die inhaltlich zusammengehörenden Wörter bilden sprachliche Felder.

Der genau Bedeutungsumfang eines Wortes wird durch sein Verhältnis zu den umliegenden Wörtern (Feldnachbaren) festgelegt, die ihn beeinflussen,begrenzen und ergänzen. Trier bemerkt:“Felder sind die zwischen den Einzelworten und dem Wortschatz ganzen lebendigen sprachlichen Wirklichkeiten, die als Teilganze mit dem Wort das Merkmal gemeinsam haben,daß sie sich ergliedern, mit dem Wortschatz hingegen, dass sie sich ausgliedern“
Zur Zeit unterscheidet man folgende Definition des Wortfeldes:
1. das wortfeld ist ein lexikalisch-semantisches Paradigma höherer Ordnung als Synonymgruppen(stepanova,tschernischova)
2. das wortfeld ist ein größeres Paradigma als eine lexikalisch-semantische Gruppe. Es schließt gewöhnlich mehrere lexikalisch-semantische Gruppen(olschanskiy)
von w.porzig stammt die Theorie der syntaktischen Felder. Diese entstehen durch die „wesenhaften Bedeutungsbeziehungen“, die zwischen Wörtern bestehen, die durch ihre semantische Valenz zu einer Redekette verbunden werden können. Verben und Adjektive können als Kerne solcher Bedeutungsfelder auftreten. Das verb „greifen“ setzt „Hand“ voraus, sehen „Auge“, „reiten“- „pferd“ das adjektiv „blond“ – „menschliches Haar“.

40. Die territoriale Gliederung des deutschen Wortbestandes
1. Literatursprache (Schriftsprache)
Die deutsche Gegenwartssprache tritt in zwei Erscheinungsformen auf: als Literatursprache (auch Hochsprache genannt) und als Ortsdialekte. Die Literatursprache ist ein Sprachsystem, dessen sich – territorial gesehen – das ganze deutschsprachige Gebiet bedient. Die Ortsdialekte oder die Mundarten werden auf kleineren, manchmal sogar winzigen Territorien gesprochen. Die Literatursprache erstreckt sich über die Mundarten.
Die Schriftsprache ist die in ganz Deutschland angenommene normalisierte schriftliche und mündliche Form der deutschen Nationalsprache. Die Schriftsprache ist die Norm der deutschen Sprache, das ist die Sprache der Schule und der Universität, des Rundfunks und des Fernsehens, der Bühne und des Films, der schöngeistigen und der wissenschaftlichen Literatur. Die Literatursprache erfüllt die kommunikative Funktion für die ganze Nation, ist gültig in allen Bereichen des Lebens der Sprachgemeinschaft.
2. Die deutschen Mundarten (Dialekte)
Noch eine Erscheinungsform der deutschen Sprache sind Mundarten (Dialekte). Das Wort Mundart wurde 1640 von Philipp Zesen eingeführt. Die Mundarten sind Reste der Sprache der alten germanischen Stämme und sind daher an bestimmte Landschaftsgebiete gebunden. Sie zeigen landschaftliche und örtliche Sprachbesonderheiten. Die Grenzen der lokalen Mundarten werden durch die Grenzen der im Spätmittelalter entstandenen kleineren feudalen Territorien bestimmt. Die Hauptgruppen der deutschen Mundarten sind folgende:
I. Die niederdeutschen Dialekte:
1. Niederfränkisch (Niederländisch, Flämisch);
2. Niedersächsisch (Plattdeutsch)
II. Die hochdeutschen Dialekte:
1. Mitteldeutsch:
a) Ostmitteldeutsch (Obersächsisch, Thüringisch);
b) Westmitteldeutsch (Mittel- und Rheinfränkisch)
2. Oberdeutsch:
a) Bayrisch(Nord- und Südbayrisch, Oberpfälzisch, Österreichisch);
b) Alemannisch (Schwäbisch, Niederalemannisch-Elsässisch, Hochalemannisch-Schweizer Deutsch);
c) Süd- und Ostfränkisch und Südthüringisch.
Man unterscheidet einige Typen territorialgebundener Lexik. Den ersten Typ bilden mundartliche Varianten (Dialektismen). Sie sind landschaftlich eng begrenzt und nur auf mundartlicher Ebene bekannt und geläufig, z.B. Frosch – Padde – Pogge – Hetsche – Kecker; Mücken – Schnaken – Gelsen. Die zweite Gruppe bilden territoriale oder landschaftliche Varianten (Dubletten). Die territorialen Dubletten, die letzten Endes auch dem Dialekt entnommen sind, unterscheiden sich von den Dialektismen dadurch, dass sie eine gröβere territoriale Sphäre bedienen. Sie werden im ganzen Gebiet Deutschlands verstanden und gelten als gleichberechtigte literarische Wörter. Zum Beispiel Sonnabend – Samstag, Junge – Bube, fegen – kehren, Fleischer – Metzger, Semmel – Brötchen, Sahne – Rahm.
In der Zeit der allgemeinen Bildung, in der Zeit, wo Massenmedien (darunter auch Internet) die Sprache beeinflussen sind die Dialekte im Rückgang begriffen. Die sprachlichen Besonderheiten der Mundarten werden zurückgedrängt. Solche Tendenzen in der Sprachentwicklung zu einer Angleichung der Mundarten an die Norm der Nationalsprache.
3. Umgangssprache
Für die deutsche Sprache ist noch eine besondere Existenzform charakteristisch – Umgangssprache. Es ist eine Zwischenstufe zwischen der Hochsprache und Mundart. Im Unterschied von Mundarten ist die Umgangssprache territorial unbegrenzt. Sie wird ausschlieβlich im mündlichen Verkehr gebraucht. Die Umgangssprache ist auf den Alltag ausgerichtet. Sie ist praktisch und konkret, reich an expressiven Wörtern und Wendungen, sie zeichnet sich durch Bildlichkeit und Übertreibungen, durch Humor und Wortspiel aus, sie enthält sehr wenige Abstrakta, keine Termini. Für die Umgangssprache sind viele Synonyme typisch, z.B. Mädchen – Biene, Käfer, Krabbe, Mieze, Motte; er hat begriffen – es hat eingeschlagen / gefunkt / gezündet.
4. Die nationalen Varianten der deutschen Sprache
Von den landschaftlichen Varianten sind die nationalen Varianten der Sprache zu unterscheiden. Das sind standardisierte Varianten der deutschen Sprache, die als Literatursprache anderer Nationen funktionieren. Dazu gehören vor allem die österreichische nationale Variante und die Schweiz er Variante.
Sozialhistorische Ursachen haben dazu geführt, dass Deutsch auch in anderen Staaten Verkehrssprache ist: in Österreich, in der Schweiz, in Luxemburg, in Lichtenstein. Deutsch wird auch in der GUS, in Kanada, in Oberitalien usw. gesprochen. Diese Tatsache zeugt davon, dass der deutsche Wortschatz in nationalen Varianten der Sprache sehr heterogen ist.
Alle Existenzformen der deutschen Gegenwartssprache (Literatursprache / Binnendeutsch, Umgangssprache, Mundarten, nationale Varianten) beeinflussen einander gegenseitig. Die Wörter aus einer Variante können in die andere gelangen.

@темы: Lexikologie, Deutsch

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