1. Allgemeine Charakteristik des Satzes
читать дальшеSyntax verfügt über drei Einheiten: das Satzglied, die Wortgruppe und den Satz. Der Satz ist die Haupteinheit, die Wortgruppe und das Satzglied sind dem Satz unterstellt.
Der Kommunikationsprozess verläuft in Sätzen, die sich zu einem Text zusammenfügen. Die Hauptmerkmale des deutschen Satzes sind:
a) Der typische deutsche Satz ist zweigliedrig. Der Satz besteht aus zwei Hauptgliedern – dem Subjekt und dem Prädikat. Die Beziehung zwischen ihnen, das so genannte Subjekt-Prädikat-Verhältnis, macht den Kern des Satzes aus.
b) Das Subjekt-Prädikat-Verhältnis bringt die Modalität, den Zeitbezug, den Personenbezug und den Genusbezug zum Ausdruck.
c) Der verbale Charakter ist jedem typischen Satz eigen. Die verblosen Sätze stellen eine Abweichung vom typischen Satz dar.
An der Satzgestaltung nehmen alle sprachlichen Mittel teil: lexikalische, morphologische, syntaktische und phonetische. Der Satz ist der Bereich, wo alle sprachlichen „Fäden“ zusammenlaufen, um eine sinnvolle Äußerung zustandezubringen.
1. Arten der Sätze nach der Redeabsicht
читать дальшеJede sprachliche Äußerung beabsichtigt eine gewisse Wirkung zu erzielen. Je nach der Redeabsicht unterscheidet man:
a) Aussagesätze. Die Redeabsicht besteht in der Mitteilung einer Information:
Professor Bistraj hält heute um 2 Uhr einen Vortrag über interkulturelle Kommunikation.
b) Fragesätze. Die Redeabsicht besteht im Erfragen einer fehlenden Information:
Wer war Leo Tolstoj? –Er war der russische Schriftsteller.
c) Befehlssäze (Aufforderungssätze, Heischesätze). Die Redeabsicht besteht im Bestreben, den Menschen zu einer Handlung zu bewegen:
Singe das Weihnachtslied!
Jede der genannten Satzarten kann positive oder negative Form haben, in einem einfachen oder komplexen Satz ihren Ausdruck finden.
2. Befehlssätze und ihre Modelle
читать дальшеBefehlssäze (Aufforderungssätze, Heischesätze) drücken eine Willensäußerung des Sprechenden aus. Die Redeabsicht ist, den Angeredeten zu einer Handlung in Worten oder in Taten anzuregen. Für die Modelle der Befehlssätze sind drei Merkmale typisch: die Stellung des finiten Verbs, die Tonführung, der Modus.
Modell 1. Die Merkmale des Modells sind: Spitzenstellung des finiten Verbs, Imperativ, Zweigliedrigkeit oder Eingliedrigkeit des Satzes je nach der Form des Imperativs, imperativische Tonführung: Kommen Sie näher! Kommt näher! Komm!
Modell 2. Die Merkmale des Modells sind: Zweitstellung des finiten Verbs, Indikativ, Zweigliedrigkeit des Satzes, imperativische Tonführung: Du bleibst hier! Du wirst hier bleiben! Du sollst hier bleiben! Du hast hier zu bleiben!
Modell 3. Die Merkmale des Modells sind: Zweitstellung des finiten Verbs, Indikativ Passiv, formale Zweigliedrigkeit oder Eingliedrigkeit des Satzes, imperativische Tonführung: Jetzt wird geschlafen! Es wird jetzt geschlafen!
Modell 4. Die Merkmale des Modells sind: Zweitstellung des finiten Verbs, Konjunktiv Präsens, meist man als Subjekt, imperativische Tonführung: Man stelle die Mischung kalt!
Modell 5 ist der Form nach ein Gliedsatz mit der Konjunktion dass. Andere Merkmale sind: Endstellung des finiten Verbs und imperativische Tonführung: Dass du nicht zu spät kommst!
Die Befehlssätze haben oft die Gestalt eines eingliedrigen Satzes: Mitmachen! Vorwärts!
Modell 6 besteht aus einem Verb im Imperativ 2. Person Singular oder Plural: Mach mit! Macht mit!
Modell 7 besteht aus einem Substantiv im Nominativ: Feuer! Achtung! Je nach der Situation kann es ein Hilferuf, eine Warnung oder ein Befehl sein.
Modell 8 besteht aus einem Infinitiv: Aufstehen! Trinken!
Modell 9 besteht aus einem Partizip: Stillgestanden!
Modell 10 besteht aus einem Adverb oder einem Adjektiv: Vorwärts! Still!
Typisch für die Befehlssätze ist die Anrede, die am Anfang, am Schluss oder in der Mitte stehen kann: Peter, komm her! Komm her, Peter! Jetzt aber, Kinder, wird geschlafen!
3. Fragesätze und ihre Modelle
читать дальшеEine Frage verlangt gewöhnlich eine Antwort. So bildet sich eine Frage-Antwort-Einheit in semantischer, grammatischer und intonatorischer Hinsicht.
Man unterscheidet zwei Hauptarten von Fragen:
1) Entscheidungsfragen oder Satzfragen. Ihre Redeabsicht ist, eine bejahende oder verneinende Antwort zu erhalten.
Das Satzmodell der Entscheidungsfragen zeichnet sich durch zwei strukturbildende Merkmale aus: die Anfangsstellung des finiten Verbs und die interrogative Intonation.
Kennen sie diesen Mann? – Ja (ich kenne ihn). Nein (ich kenne ihn nicht).
Ja, nein können durch Modalwörter verstärkt oder ersetzt werden: Ja, sicher (bestimmt). Nein, keinesfalls. Die Antwort kann auch unsicher lauten: Kaum. Ich glaube nicht. Möglich.
Als Variante des Satzfragenmodells erscheint die so genannte Doppelfrage (alternative Frage), die eine Entscheidung zwischen zwei Möglichkeiten verlangt:
Wird das Verb begleiten stark oder schwach konjugiert?
Die Antwort kann nicht ja oder nein lauten, sondern sie muss die Form eines Satzgliedes oder eines vollen Satzes haben: Schwach. (Es wird schwach konjugiert).
2) Wortfragen oder Ergänzungsfragen. Ihre Redeabsicht ist, den fehlenden Teil der Information zu erhalten. Die antwort soll gerade jenen Teil der Information liefern, nach dem gefragt wird. Für das Satzmodell der Wortfrage sind zwei Merkmale ausschlaggebend: das Fragewort in der Anfangsstellung und die interrogative Intonation:
Wann wurde Moskau gegründet? – 1147.
Das Fragewort bestimmt, welche Lücke in der Information ausgefüllt werden soll:
Wann lebte Gutenberg? – Im 15. Jahrhundert.
Wo lebte Gutenberg? – In Mainz und Straßburg.
Was machte Gutenberg? – Er leitete eine Buchdruckerei.
Eine Wortfrage kann zwei und mehr Fragewörter erhalten, sie heißt dann eine mehrzielige Frage:
Wer hat wem zu danken?
Es gibt noch „unechte Fragen“, die nur an einer besonderen Tonführung erkennbar sind. Dazu gehören:
1) Bestätigungsfragen (Vergewisserungsfragen). Dem Satzmodell nach sind sie Aussagesätze, doch wartet der Sprechende dabei auf die Bestätigung seiner Aussage durch den Gesprächspartner:
Sie haben doch eine gute Bibliothek, nicht wahr?
2) Rhetorische Fragen. Dem Satzmodell nach sind sie Fragesätze, doch erwartet der Sprechende keine Antwort. Er kann selbst die Antwort erteilen. Mit seiner Frage will er Spannung erzeugen, zum Nachdenken anregen oder einen besonderen Akzent auf einen Gedanken legen. Eine rhetorische Frage kann als Ausrufesatz ausgesprochen werden, gefühlsmäßig betont sein:
Ist das nicht zum lachen?! Sollte das möglich sein?! Wie kannst du dich so benehmen?!
3) Nachfragen. Der Angesprochene wiederholt die Frage, manchmal aus Verlegenheit, manchmal, um Zeit zum Überlegen zu gewinnen, manchmal aus Verwunderung. Die Intonation ändert sich dabei, die Wortfolge nicht immer:
Was verstecken Sie in Ihrer Tasche? Was ich verstecke? Nichts.
4. Modelle der eingliedrigen Sätze, eingliedrige Aussagesätze
читать дальшеModell 1 besteht aus einem Substantiv im Nominativ mit oder ohne Bestimmung: Regen. Dunkelheit.
Modell 2 besteht aus einem Modalwort in einer Antwort: Ja. Nein. Sicher. Vielleicht.
Modell 3 besteht aus einem Substantiv mit der Tonführung eines Ausrufesatzes: Ein großer Tag!
In der modernen schöngeistigen Literatur greift der Dichter zuweilen zu einer Isolierung des Substantivs in Form eines Nominalsatzes. Diese Erscheinung heißt Parzellierung des Satzes. Der Satz wird in Parzellen (Kleinstücke) zerstückelt:
Jürgen hob einen Stein hoch. Da lag ein halbes Brot. Und eine Blechschachtel.
Ein Einwortsatz kann einen Text abschließen, den gesamten Inhalt summierend:
Eine matte Sonne wälzt sich aus den Wäldern. Bleiches Licht fließt über die Erde. Die Landschaft lichtet sich. Die Sicht wird weiter. Frühherbst.
5. Modelle der zweigliedrigen Aussagesätze
читать дальшеAlle Modelle dieser Art lassen sich in drei Gruppen einteilen.
Die erste Gruppe umfasst Sätze mit dem nominalen Prädikat. Sie enthalten unbedingt drei strukturbildende Elemente, die gewöhnlich folgende Reihenfolge haben:
Subjekt + kopulatives Verb + Prädikatsnomen
Varianten der Wortfolge sind nur unter folgender Bedingung zulässig: die Zweitstellung des finiten Verbs bleibt erhalten.
Je nach der Ausdrucksweise des Prädikatsnomens kann man mehrere Modelle ausgliedern:
1) Das Prädikatsnomen ist ein Substantiv im Nominativ:
Gagarin war der erste Kosmonaut.
Eine Abart dieses Modells ist das idiomatische Modell, das aus zwei gleichen durch eine Kopula verbundenen Substantiven, Adjektiven, Partizipien oder Adverbien besteht:
Befehl ist Befehl. Dienst ist Dienst. Dumm bleibt dumm. Faul ist faul.
2) Das Prädikatsnomen ist ein Adjektiv oder ein adjektiviertes Partizip, selten ein Adverb:
Er war tapfer. Die Tür war zu. Alle waren anwesend.
3) Das Prädikatsnomen ist ein Pronomen oder Zahlwort:
Das Buch ist mein. Wir waren vier (zu viert).
4) Das Prädikatsnomen ist ein Infinitiv:
Leben heißt kämpfen. Sein Wunsch war Lehrer zu werden.
5) Das prädikative Adjektiv verlangt eine Ergänzung, dann steigt die Zahl der strukturbildenden Elemente bis vier: Der Sohn ist seinem Vater ähnlich.
6) Das Prädikatsnomen ist ein Substantiv im Genitiv oder ein Substantiv mit einer Präposition: Sie ist schlechter Laune. Er war in großer Eile.
Die zweite Gruppe der Modelle umfaßt Sätze mit dem verbalen Prädikat. Die Zahl der strukturbildenden Elemente schwankt von zwei bis fünf. Alle das Verb umgebenden Elemente nennt man seine Aktanten. Das Subjekt ist ein Aktant besonderer Art, es ist dem Verb nicht unterstellt. Die anderen Aktanten (Objekte, Adverbialien, Prädikatsattribute) treten als Ergänzungen des Verbs auf. Alle Aktanten können ihre Stellung im Satz wechseln.
Zur zweiten Gruppe gehören folgende Modelle:
1) Das zweistellige Modell, das nur aus Subjekt und Prädikat besteht.
Dies ist der einfache unerweiterte Satz: Der Junge schwimmt. Die Versammlung beginnt.
2) Das dreistellige Modell entsteht, wenn das Verb eine Ergänzung, d. h. einen Aktanten verlangt. Der Aktant kann ein Objekt in einem beliebigen Kasus mit oder ohne Präposition, ein Adverbiale oder ein Prädikatsattribut sein:
Ich danke dir. Alle warteten auf den Bus. Die Stadt liegt am Rhein. Er kam hungrig. Das Mädchen sieht freudestrahlend aus.
3) Das vierstellige Modell wird durch ein Verb mit zwei Ergänzungen gestaltet; gewöhnlich sind es zwei Objekte in verschiedenen Kasus:
Wir gratulieren allen Frauen zum 8. März.
Die Lehrer bringen den Studenten Kenntnisse bei.
4) Das fünfstellige Modell entsteht, wenn sich im verbalen Bereich drei Ergänzungen befinden: Sie legte ihm die Arme um den Hals. Sie klopfte ihm den Staub vom Mantel.
Die dritte Gruppe der Satzmodelle bilden formal zweigliedrige Sätze mit der Komponente es. Die Komponente es ist nicht weglaßbar in folgenden Satzmodellen:
1) Im zweistelligen Modell mit verbalem Prädikat:
Es regnet. Es zieht.
2) Im dreistelligen Modell, dessen verbales Prädikat einen Ergänzungsaktanten verlangt: Es riecht nach Flieder. Es gibt viele gute Menschen.
3) Im vierstelligen Modell, dessen verbales Prädikat zwei Ergänzungen verlangt: Es fehlt ihm an Geduld. Es geht ihm schon besser.
4) Im fünfstelligen Modell, dessen verbales Prädikat drei Ergänzungen verlangt: In dieser Gegend atmet es sich leicht.
5) Im dreistelligen Modell mit nominalem Prädikat: Es ist spät. Es ist Winter.
Die Komponente es steht nur an der Spitze des Satzes, verschwindet aber bei der veränderten Wortfolge:
6) Im Modell mit den Verben der physischen und psychischen Empfindungen:
Es friert mich. – Mich friert.
Es graut mir. – Mir graut.
7) Im Modell der unpersönlichen Passivstruktur:
Es wird für sie gesorgt. – Für sie wird gesorgt.
Allen Modellen der Aussagesätze sind zwei Züge eigen: die Zweitstellung des konjugierbaren Teils des Verbs und die terminale Intonation. Daran erkennt man jeden Aussagesatz.
6. Positive und negative Sätze
читать дальшеJeder Satz kann positive oder negative Form haben. Ausnahmen bilden Sätze, die aus Interjektionen bestehen oder Anreden sind, sowie einige idiomatische Sätze.
Die positive Form ist die Grundform jeder Aussage, sie bedarf in der Regel keiner besonderen Ausdrucksmittel. Nur in den Antwort-Sätzen sind spezielle bejahende Wörter notwendig. Ja. Jawohl.
Den negativen Satz betrachten wir als Bariante des positiven Satzes. Zum Ausdruck der Verneinung verfügt die Sprache über ein ganzes System von Mitteln, deren Gesamtheit das funktionale Feld der Verneinung bildet.
Man unterscheidet Satzverneinung und Teilverneinung (Sonderverneinung). Bei der Satzverneinung wird der Prädikatsbegriff und somit die gesamte Aussage verneint: Er kommt nicht. Kommt er nicht? Komm lieber nicht!
Bei der Teilverneinung bezieht sich die Verneinung nur auf ein Satzglied: Er kommt nicht allein. Nicht er kommt, sondern sein Bruder.
In manchen Fällen ist eine doppelte Auslegung der Verneinung möglich: Ich glaube nicht, falsch zu handeln und Ich glaube nicht falsch zu handeln. Im ersten Satz bezieht sich nicht auf das Verb glauben, was durch eine Pause, graphisch durch ein Komma, vor dem Wort falsch angegeben ist. Im zweiten Fall handelt es sich um eine Teilverneinung nicht falsch = richtig.
Einige negierende Mittel gebraucht man bei beiden Arten der Verneinung, die anderen haben sich auf die Teilverneinung spezialisiert.
7. Mittel der Verneinung
читать дальшеAls Hauptmittel der Verneinung dient die Partikel nicht. Sie ist ein universelles Verneinungsmittel, weil sie sich auf jedes Satzglied beziehen, in jeder Satzart erscheinen und beide Arten der Verneinung bezeichnen kann. Nicht steht:
1) vor dem Subjekt: Nicht alle sind anwesend.
2) vor dem Prädikatsnomen: Er ist nicht krank.
3) vor dem Objekt: Gestern gab man im Großen Theater nicht „Eugen Onegin“, sondern das Ballett „Schwanensee“.
4) vor dem Attribut: Er nahm nicht die geringste Notiz von ihnen.
5) vor dem Adverbiale: Sie haben den Aufsatz nicht gut geschrieben.
Falls das Prädikat verneint wird, ist die Stellung der Partikel unterschiedlich Die Partikel steht unmittelbar nach dem finiten Verb oder auf der letzten Stelle im Satz.
Sie sprachen nicht miteinander. Er half seinem Vater nicht. Ich gehe nicht ins Kino.
Nicht kann verstärkt werden: gar nicht, durchaus nicht, nicht im geringsten.
Alle anderen Verneinungsmittel sind in ihrer Anwendung begrenzter als die Partikel nicht.
Folgende negative Pronomen und Adverbien gehören aufgrund ihrer syntaktischen Selbständigkeit zusammen: keiner, niemand, nichts, nie, niemals, nimmer, nimmermehr, nirgends, nirgendwo.
Keiner und niemand sind Synonyme, die sich nur auf Personen beziehen, beide stehen der Verneinung nichts gegenüber, die umgekehrt nur Nichtlebewesen bezeichnet. Nie, niemals, nimmer, nimmermehr stellen eine synonymische Reihe der zeitlichen negativen Adverbien dar, die letzteren zwei Wörter wirken veraltet, dichterisch, gehoben. Nirgends und nirgendwo sind lokale negative Adverbien.
Keiner, niemand, nichts treten im Satz als Subjekt oder Objekt auf.
Niemand (keiner) antwortete.
Ich sah niemand (nichts).
Nichts zu machen!
Man beachte einige Sonderfälle des Gebrauchs von nichts:
1) nichts als: Mit ihm hat man nichts als Ärger.
2) nichts so + Adj.: Es ist nichts so schön, wie frisches Grün im Frühling.
3) nichts weniger als: Er ist nichts weniger als höflich (=sehr unhöflich)
4) Redewendungen mit nichts: für nichts, zu nichts, um nichts in der Welt usw.
Alle anderen negativen Adverbien erfüllen im Satz die Funktion der adverbialen Bestimmung der Zeit oder des Ortes:
Das Kind war nie in einer Großstadt gewesen.
Nimmer (nimmermehr) ist zukunftsbezogen:
Wir werden unsere Helden nimmer vergessen.
Die negativen zweigliedrigen Konjunktionen weder…noch, kein…noch verbinden gleichartige Satzglieder:
Ihre Stimme war weder stark, noch besonders rein, aber sehr angenehm.
Die zweigliedrige Konjunktion nicht – sondern dient ausschließlich zum Ausdruck der Teilverneinung, indem sie den negativen Teil dem positiven Teil der Aussage gegenüberstellt:
Ich will nicht mit dem Sekretär, sondern mit dem Direktor sprechen.
Die Konjunktionen ohne, ohne zu, statt zu, ohne dass, statt dass drücken das Fehlen aus, können leicht durch die Negationen nicht, kein ersetzt werden und gehören deshalb zu Verneinungen:
Sie lief die ganze Strecke, ohne auszuruhen. – Sie lief die ganze Strecke und ruhte sich dabei kein einziges Mal aus.
Im funktionalen Feld der Verneinung finden wir zahlreiche wortbildende Mittel. Die meisten Wortarten können mit Hilfe der Zusammensetzung oder Ableitung die Verneinung zum Ausdruck bringen. Die Umformung in eine Gruppe mit nicht oder kein beweist ihre Funktionale Gemeinschaft. Die Partikel nicht erscheint als erste Komponente der zusammengesetzten Substantive und Adjektive: Nichtraucher, nichtberufstätige Frauen, der Nichtsnutz, der Nichtangriffspakt.
Die verbreitetesten Präfixe der Verneinung sind: un-, miß-, sowie die internationalen Präfixe a-, in-: Geduld-Ungeduld, ehrlich-unehrlich, Erfolg-Mißerfolg, amoralisch, illegal, irreal usw.
Die negativen Halbsuffixe sind frei-, los-, leer-: regenfrei, schuldlos, wasserleer.
8. Die Verneinungen kein und nein
читать дальшеDas Pronomen kein ist eine negative Entsprechung des unbestimmten Artikels ein. Es wird auch entsprechend als Begleitwort des Substantivs gebraucht.
In dieser Ortschaft gibt es keinen Fluss.
Keine Wolke war zu sehen, kein Wind zu spuren.
Kein ist gleichbedeutend der Fügung nicht + ein, deshalb wird es durch nicht ersetzt.
Falls ein als Zahlwort auftritt, gebraucht man bei der Verneinung die Partikel nicht:
Nicht einen Augenblick konnte man über das Wesen dieses Geräusches im Zweifel sein.
Kein steht vor Abstrakta: Er hat keine Angst. Das hat keine Eile. Ich habe keine Lust zu schlafen.
Das substantivische Pronomen keiner ist eine negative Entsprechung des Pronomens einer: Alle Zuschauer saßen wie gebannt. Keiner verliess seinen Platz.
Das Pronomen keinerlei entspricht dem positiven Pronomen allerlei. Keinerlei erscheint meist im Plural:
Er hat keinerlei Wünsche.
Keinerlei steht im Singular vor Abstrakta: Er stand in keinerlei Verbindung zu uns.
Die Verneinung nein dient ebenso wie die Bejahung ja, als Antwort auf eine Satzfrage. Beide besitzen satzbildende Kraft. Folgt der Verneinung ein zweigliedriger Satz, so enthält er eine andere Verneinung:
Hast du den Brief schon beantwortet? – Nein, ich habe ihn noch nicht beantwortet (Satzverneinung)
Nein, nicht ich habe ihn beantwortet (Sonderverneinung).
Nein kann als eine modale Partikel gebraucht werden.
Auf eine negativ formulierte frage kommt die Antwort doch:
Es regnet nicht mehr? – Doch, es regnet noch immer.
9. Das Subjekt
читать дальшеDas Subjekt ist der Ausgangspunkt der Aussage.
Die Bedeutung des Subjekts ist für die Wahl des Prädikats und für den gesamten Sinn der Aussage ausschlaggebend.
Ist das Subjekt eine Person, so werden ihm nur menschliche Tätigkeiten zugeschrieben: ein Mensch schläft, arbeitet, denkt, lacht
Ist das Subjekt ein Tier, so ändert sich zum Teil die Wahl der möglichen Verben: ein Hund bellt, eine Henne legt Eier...
Ist das Subjekt ein abstrakter Begriff oder ein lebloser Gegenstand, dann wirken andere lexikalische Einschränkungen: nur flüssige Körper fließen (Wasser, Fluss), nur der Himmel bewölkt sich usw.
Die Wirkung einer Metapher beruht auf der Verletzung dieser semantischen Kongruenz. Leblosen Subjekten werden Handlungen und Eigenschaften der Lebewesen zugeschrieben, oder die Menschen werden mit den Eigenschaften der Tiere versehen, z. B.: Der See schlägt sein Auge auf. Der Vorfrühling holt Atem. Das Kind krächzt fröhlich.
Das Subjekt kann persönlich, verallgemeinernd- oder unbestimmt-persönlich und unpersönlich sein.
Das persönliche Subjekt wird in erster Linie durch ein Substantiv oder ein substantivisches Pronomen im Nominativ ausgedrückt:
Der Arbeiter soll tüchtig sein. Wer hat gewonnen? Jedermann ist seines Glückes Schmied. Die Illustrierte liegt auf dem Tisch.
Seltener wird das Subjekt durch andere Wortarten ausgedrückt:
1) durch ein Adjektiv: Rot ist die Farbe der Revolution.
2) durch ein Zahlwort: Drei ist eine ungerade Zahl.
3) durch eine Interjektion: Half ihr weder Och noch Ach.
4) durch einen Infinitiv oder eine Infinitivgruppe: Rauchen ist verboten.
5) durch ein Partizip oder eine Partizipialgruppe: Frisch gewagt ist halb gewonnen.
Das unbestimmt-persönliche Subjekt man, das sich aus dem Substantiv der Mann entwickelt hat, verbindet sich nur mit den Verben der menschlichen Tätigkeit, also: man arbeitet, ließt, schreibt, redet, lacht, tanzt, singt usw.
Die man-Sätze haben drei Bedeutungen:
1) Verallgemeinernde Bedeutung; die Aussage bezieht sich auf jeden Menschen, also auf alle Menschen:
Wenn man die Arbatstraße in Moskau entlang geht, erblickt man das Wachtangow-Theater.
2) Unbestimmt-persönliche Bedeutung; die Aussage bezieht sich auf eine nicht genau genannte Person oder auf mehrere Personen, was aus dem Kontext ersichtlich ist.
3) Man hat eine bestimmt-persönliche Bedeutung, es ersetzt ein konkretes, durch ein Personalpronomen oder ein Substantiv ausgedrücktes Subjekt:
Man hatte ausnahmsweise um 11 Uhr zu Mittag gegessen.
Alle Sätze mit dem unpersönlichen Subjekt es teilt man in drei Gruppen ein.
Zu der ersten Gruppe gehören Aussagen, in denen es als rein strukturbildendes Element anstelle des real fehlenden Urhebers oder Trägers des verbalen Vorgangs gesetzt wird. Dies ist der Fall:
1) bei Witterungsverben und bei der Feststellung eines Naturzustandes: es regnet, es schneit usw: Es herbstete langsam. Es ist Tag. Es ist kalt. Es ist dunkel. Es wird Sommer.
2) bei den Verben der Naturgeräusche: Und es wallet und siedet und brauset und zischt.
Zur zweiten Gruppe zählt man solche Fälle, wenn der reale Urheber vorhanden ist, doch aus irgendeinem Grund nicht erwähnt wird: Es wird getanzt.
Die dritte Gruppe bilden Fälle, wenn der reale Urheber einer Handlung oder Träger eines Zustandes im Satz in der Form einer verbalen Ergänzung steht:
Es friert mich. – Ich friere. Es ekelt mich (mir) usw.
Der Unterschied zwischen dem Subjekt man und dem Subjekt es besteht darin, dass hinter man immer eine Person steckt, während es nicht nur ein beliebiges reales Subjekt vertreten kann, sondern auch das Fehlen eines realen Subjekts angibt.
10. Arten des Prädikats
читать дальшеDas Prädikat bezeichnet eine Handlung, einen zustand oder ein Merkmal des Subjekts; es verleiht der Aussage die Bedeutung der zeit, des Modus und des Genus. Es kongruiert mit dem Subjekt in Person und Zahl.
Es gibt vier Arten des Prädikats.
1) Das einfache Prädikat besteht aus einem Vollverb in einer konjugierbaren synthetischen oder analytischen Form: Der Zug kommt.
2) Das zusammengesetzte nominale Prädikat besteht aus einem kopulativen Verb und dem Prädikatsnomen: Er ist Sportler.
Das nominale Prädikat gibt eine Eigenschaft, ein Merkmal des Subjekts wieder, oder es identifiziert das Subjekt mit einem anderen nominalen begriff. Als Kopula erscheinen die Verben sein, werden, seltener heißen, scheinen, bleiben.
Die Kopula ist keine bedeutungslose Komponente. Außer ihrer grammatischen Funktion bringt sie ihre deutlich wahrzunehmende Bedeutung mit.
Das Prädikativ kann durch eine beliebige nominale Wortart ausgedrückt werden:
1. durch ein Substantiv:
a) die vorherrschende Form ist der Nominativ:
Wissen ist macht. Befehl ist Befehl.
b) In einigen festen Wortverbindungen erscheint der Genitiv:
Wir sind eines Sinnes. Wir sind gleichen Alters.
c) das Prädikativ kann eine Präpositionalfügung sein:
Er ist in Not. Das ist zum Lachen! Seien Sie ohne Furcht!
2. durch ein Pronomen:
Das bin ich. Die ersten am Ziele waren wir.
3. durch ein Adjektiv oder ein adjektivisches Partizip: Der film ist spannend. Er ist sehr gebildet und belesen. Es wird mir Angst und Bange.
4. durch ein Adverb: Drei Jahre sind vorbei. Die Stunde ist aus.
5. durch ein Zahlwort: Wir waren fünf (zu fünft).
Das verbal-nominale Prädikat entsteht infolge der Erweiterung des nominalen Prädikats durch Modalverben: Sie soll begabt sein.
3) Das zusammengesetzte verbale Prädikat besteht aus einem Vollverb und einem Funktionsverb. Diese Art Prädikat stellt eine Erweiterung des einfachen verbalen Prädikats dar. Das Vollverb im Infinitiv verbindet sich mit einem Funktionsverb in einer beliebigen konjugierbaren Form. Das zusammengesetzte verbale Prädikat kann aus drei Komponenten bestehen: aus einer halbfesten Fügung – einem Funktionsverb + Substantiv / Adjektiv / Partizip – und einem Vollverb: den Wunsch haben zu reisen, die Gewohnheit haben zu reisen.
Als Merkmale des zusammengesetzten verbalen Prädikats gelten meist:
a) die Unmöglichkeit, den ersten Teil des Prädikats ohne den zweiten zu gebrauchen: Kannst du Schlittschuh laufen? – Ja, ich kann es.
b) Die Unmöglichkeit, den zweiten Teil des Prädikats in einen dass-Gliedsatz umzuformen: Er pflegt, dass… Er beginnt, dass…
c) Die Möglichkeit, den zweiten Teil ohne den ersten Teil als sinnvolles einfaches Prädikat zu gebrauchen: Der Junge schwimmt (Der Junge kann schwimmen). Er fährt an die Ostsee (Er pflegt an die Ostsee zu fahren).
Am häufigsten erscheint das zusammengesetzte verbale Prädikat, dessen erster teil die Modalität bezeichnet. Dazu gehören:
1. die Verbindungen des Infinitivs mit den Modalverben können, dürfen, sollen, müssen, wollen, mögen: der Junge kann (darf, will, muss) schwimmen.
2. Die Verbindungen des Infinitivs mit den Synonymen der Modalverben: sich wünschen, Lust haben, die Möglichkeit haben, brauchen, es nötig haben, imstande sein usw: Haben Sie die Möglichkeit, mit uns zu reisen? Er ist imstande stundenlang zu diskutieren. Er wünscht ungestört zu sein.
3. scheinen, glauben + zu + Infinitiv: Er scheint (glaubt) krank zu sein.
4) Das phraseologisierte Prädikat besteht aus einer festen syntaktisch unzerlegbaren Wortgruppe.
Feste verbale Wortgruppen bezeichnen einen Begriff und sind syntaktisch
unzerlegbar, d. h. sie erscheinen als ein einheitliches Prädikat: Abschied
nehmen – sich verabschieden, Eile haben – eilen, zum Ausdruck bringen –
ausdrücken.
Zu dem phraseologisierten Prädikat gehören auch die Verben mit dem so
genannten Akkusativ des Inhalts wie: einen tiefen Schlaf schlafen, bittere Tränen weinen usw.
Gram 1
1. Allgemeine Charakteristik des Satzes
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1. Arten der Sätze nach der Redeabsicht
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2. Befehlssätze und ihre Modelle
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3. Fragesätze und ihre Modelle
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4. Modelle der eingliedrigen Sätze, eingliedrige Aussagesätze
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5. Modelle der zweigliedrigen Aussagesätze
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6. Positive und negative Sätze
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7. Mittel der Verneinung
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8. Die Verneinungen kein und nein
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9. Das Subjekt
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10. Arten des Prädikats
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1. Arten der Sätze nach der Redeabsicht
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2. Befehlssätze und ihre Modelle
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3. Fragesätze und ihre Modelle
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4. Modelle der eingliedrigen Sätze, eingliedrige Aussagesätze
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5. Modelle der zweigliedrigen Aussagesätze
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6. Positive und negative Sätze
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7. Mittel der Verneinung
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8. Die Verneinungen kein und nein
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9. Das Subjekt
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10. Arten des Prädikats
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