1. Im 15.-16. Jh. entwickelte sich das Wirtschaftsleben Europas in schnellen Schritten, in Deutschland aber vollzog sich die Entwicklung des Handels und Industrie viel langsamer als in anderen Ländern. Sie führte zur Interessengruppierung nach einzelnen Provinzen und Fürstentümern und damit zur politischen Zersplitterung des Landes. Die katholische Kirche nutzte die Zersplitterung Deutschlands aus, um im Lande zu walten, sie bürdete dem Volk verschiedene Steuern auf.
- Im Jahre 1525 brach der Bauernkrieg aus.

2. Martin Luther (1483-1546) verfasste 1517 seine 95 Thesen, wo er alles zusammenfasste, was das Volk forderte: Abschaffung der Steuern, Verbilligung des Kirchendienstes.
- L. schenkte der Richtigkeit der Sprache, große Aufmerksamkeit und kämpfte gegen die Latinismen.
- der Verfasser der Bibelübersetzung und vieler Pamphlete.
- Luthers Sprache war eine Mischung der obersächsischen Dialekte mit der sächsisch-böhmischen Kanzleisprache.
- Große Rolle in der Entwicklung der Sprache spielte Obersachsen.
- L. belebte ihren Wortschatz aus der Volkssprache und verbreitete sie mit seinen Werken in allen Schichten des Volkes.
- Statt der lateinischen Bibel benutzte Luther den griechischen Urtext und übersetzte ihn nicht wörtlich, sondern übertrug ihn in die Sprache seines Volkes.

3. Eine kolossale Rolle in der Vereinheitlichung der Sprache spielte die Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern von Johann Gutenberg. Nach Gutenbergs Erfindung 1450 konnten jetzt Bücher in tausenden Exemplaren hergestellt.
- Die ersten Druckereien entstanden in Süddeutschland, aber sie glichen sich allmählich der obersächsischen Schreibweise und Ausdrucksweise an.
- Im 14. und 15. Jh. im Zusammenhang mit der ökonomischen und gesellschaftlichen Entwicklung wird das Bedürfnis nach einer einheitlichen Umgangssprache immer stärker. Eine besonders bedeutende Rolle bei der Entstehung der deutschen Nationalsprache beginnt zu dieser Zeit das ostmitteldeutsche Gebiet zu spielen. Mit diesem Gebiet war die Tätigkeit der Kanzleien, das Wirken von Luther und im gewissen Masse die Entwicklung des Buchdrucks verbunden, die zur Herausbildung der deutschen Sprache viel beigetragen haben.

4. Im 16. Jh. begann der wirtschaftliche Verfall Deutschlands. Die innerdeutschen Konflikte lösten 1618 den blutigen 30-jährigen Krieg aus. Das Land wurde verwüstet, die Bevölkerung völlig verarmt.
- Das alles hatte für die Entwicklung der Kultur, Literatur, Nationalsprache tragische Folgen, während in anderen Staaten Europas die Literatur aufblühte entstanden in Deutschland wenige wertvolle literarische Werke (z.B. „Der abenteuerliche Simplizissimus“ von J. Christoph von Grimmelshausen).
- Seit dem 16. Jh. gab es Versuche orthographische und grammatische Nachschlagebücher herzustellen. Später wurden sie im Schulunterricht benutzt. Nur aber waren sie in lateinischer Sprache geschrieben.
- Erst in der 2. Hälfte des 17. Jh-s erschien die erste deutsch geschriebene Grammatik von J. G. Schottel. Dieses Werk beschrieb sowohl Morphologie, als auch Syntax der deutschen Sprache.
- Besondere Verdienste erwarb sich J. Chr. Gottsched (1700-1766) durch sein Werk “Deutsche Sprachkunst”. Die Haupteigenschaften der Sprache bestehen seiner Meinung nach in grammatischer Richtigkeit und logischer Konsequenz.
- Gottscheds Werk setzte J. Chr. Adelung fort. Er schuf das 5-bändige Wörterbuch. In diesen Werken forderte er die Normalisierung der deutschen Sprache auf Grundlage der Sprache des Kurfürstenhofes in Sachsen.
- Die deutsche Sprache war im 17.-18. Jh. stark dem Eindringen von französischen Wörtern ausgesetzt. Der Gebrauch französischer Entlehnungen wurde zur Mode. + Bezeichnungen für Vergnügungen der höfischen Gesellschaft (Ball, Ballett, Maskerade), sowie die Bezeichnungen für Tracht, Mahlzeiten, Wohnung, Garten, Musik, Theater, Diplomatie und andere Gebiete wurden auch stark von französischen Entlehnungen erfasst.
- Der Missbrauch der Fremdwörter rief eine Bewegung zur Säuberung der Sprache von Entlehnungen hervor. Diese Bewegung heißt Purismus.
- Zu der Normung der Sprache leisteten einen bedeutenden Beitrag die besten Schriftsteller Deutschlands (Goethe, Schiller). Große Rolle spielte auch Jakob Grimm (1785-1868), der die erste historische Grammatik der deutschen Sprache schuf.

5. Im Jahre 1898 berieten die Vertreter des deutschen Bühnenvereins und die Philologen die Probleme einer für die Bühne mundartfreien Aussprache.
- Im selben Jahr erschien ein Buch, in dem die Regeln für die Aussprache der einzelnen Laute und ein Wörterverzeichnis mit der phonetischen Umschrift für jedes Wort gegeben wurde. Dieses Werk “Deutsche Bühnenaussprache” wurde von Theodor Siebs geschaffen, die hier aufgestellten Regeln gelten auch teilweise als Norm für die Hochsprache.
- Aber bis jetzt gibt es in der Sprache fast jedes Deutschen mundartliche Besonderheiten. So hat z.B. das Wort “Kartoffel“ in der Sprache verschiedener Gegenden 27 Synonyme.
- Bis heute ist die Frage der einheitlichen Rechtschreibung nicht befriedigend gelöst. Schwierigkeiten bestehen im Vorhandensein von phonetischen und sprachgeschichtlichen Prinzipien (ph, v oder f, die Groß- und Kleinschreibung, ss oder ß.