убил лису – сам съел колобка.
21. Die Metapher
читать дальшеDie Metapher ist die Übertragung der Namensbezeichnung auf Grund einer äußeren und inneren Ähnlichkeit. Die Metapher ist ein Prozess (Metaphorisierung) und das Resultat der Bezeichnungsübertragung, z. B. Schlange —(stehen).Funktional gesehen können die Metaphern eine benennende (nominative) Funktion erfüllen z.b (Feldschlange — altes Geschütz mit kleinem Kaliber und langem Rohr; Papierschlange — cepnaumun) und eine wertende, expressive Funktion übernehmen z.b.: du falsche Schiangel (von einer Frau); Schlange, du lügstl (Schiller).
Je nach Anwendungsbereich unterscheidet man poetische (stilistische) und lexikalische (sprachliche) Metaphern. Die poetische Metapher ist ausdrucksvoilerund bildhafter, sie fällt gleich auf, wird leicht erkannt z.b: die Flamme der Liebe.
Je nach dem Typ der Ähnlichkeit und dem Charakter der Bedeutungs- beziehungen unterscheidet man mehrere Abarten der Metapher. Als Grundlage der semantischen Übertragung dienen die Ähnlichkeit der Form und Lage (Schlange, Kopf eines Nagels, Rücken eines Buches, Tischbein, Linse; die Ähnlichkeit der Farbe (Scharlach: Farbe, grellrot gefärbter Wollstoff; die Ähnlichkeit der Funktion z.b. Feder, Fensterscheibe; Ähnlichkeit der Charakterzüge oder des Äußeren. Auf der Mythologie und Kulturgeschichte aufbauend, nennt man einen schönen Mann —Apollo, eine schöne Frau — Venus
Verbreitet sind in vielen Sprachen die oben erwähnten Tiermetaphern (vom Modell ‘Tier — Mensch’), die die Funktion der Charakteristik und zuweilen die von Schimpfwörtern übernehmen: z.b Esel, Gans, Schwein. Metaphorischen Sinn haben auch verbale Bildungen wie äffen, eseln, fuchsen, büffeln, ochsen, unken.
Viele Metaphern stellen eine Übertragung vom Konkreten zum Abstrakten dar: z.b.
der Grund, m — 1. Boden; Viele Verben des Denkens und F ü h 1 e n s sind metaphorisch aus dem Bereich manueller, physischer Tätigkeit gewonnen: begreifen, erfassen, sich vorstellen, verstehen, empfinden, spüren.
Eine besondere Art der Metapher ist die Personifizierung (Vermenschlichung). Das ist die Ausstattung unbelebter Erscheinungen mit Eigenschaften, Gefühlen, Handlungsweisen belebter Wesen, z.b: die Uhr geht, die Sonne lacht. Manche von diesen Ausdrücken sind so gebräuchlich und alltäglich, dass sie nicht mehr als Metaphern empfunden werden: die Stunde ist gekommen.
Eine Sonderart der Metapher ist die Synästhesie, d. h. die Übertragung von einem Sinnesbereich auf einen anderen, z. B. von akustischerzu optischer Wahrnehmung: schreiende, kreischende Farben', von optischer zu akustischer Wahrnehmung: helle Stimme, dunkle, helle Töne.
22. Antonymie. Drei Klassifikationen von Antonymen
читать дальшеAntonyme sind Wörter (Sememe) mit gegensätzlicher Bedeutung, an- ders gesagt Gegenwörter, Gegensatzwörter oder Wörter des Gegensinns. r;er Terminus ist griechischen Ursprungs und bedeutet „Gegen- Narne“.
Die Antonyme bezeichnen Gegenstände und Erscheinungen, die zu ein und derselben Kategorie der objektiven Wirklichkeit gehören und in Paaren auftreten, da ihnen die logische, kognitive Kategorie der Polarität, des Gegensatzes zu Grunde liegt. Die Antonyme haben im Wesentlichen die gleichen Seme, sie stimmen in einem Kem von Bedeutungselementen überein, unterscheiden sich aber durch eine Negation: gesund — krank (nicht gesund), verheiratet — ledig (unverheiratet). Manchmal ist es durch ein Präfix oder ein Suffix ausgedrückt: dankbar — undankbar, Erfolg — Misserfolg, gefallen — missfallen, bewässern — entwässern, fehlerhaft — fehlerlos.
Die Antonymie als semantische Beziehung zwischen Gegensatzwörtern kommt viel seltener als die Synonymie vor, dafür aber bilden die Antonyme schärfer umrissene Gruppen als die Synonyme. Wo in der Wirklichkeit eine gewisse Polarität nicht möglich ist, kann es auch keine Antonyme geben. Es wäre sinnlos, nach Antonymen von Gegenstandsbezeichnungen (Möbel — Tisch, Bett; Gebäude — Haus, Kino; Gerätenamen — Hammer, Schere), Kollektiva {Herde, Gebirge) oder Stoffbezeichnungen zu suchen.
Normalerweise gehören die Antonyme ein und derselben Woftart an. Die kognitive Grundlage der Antonymie bildet das Vorhandensein von Qualitäten, Eigenschaften, Merkmalen der Begriffe und die damit verbundene Gra- duierungsmöglichkeit {+/-, mehr — Norm/Nullpunkt — weniger). Daher ist die Antonymie für die qualitativen Adjektive/Adverbien, die von diesen Adjektiven abgeleiteten Substantive und eine Reihe von Veiben kennzeichnend: kalt — warm, Kälte — Wärme, rechts — links, geben — nehmen. Die Antonyme bilden nicht nur Paare, sondern auch ganze Gmppen: kalt — lau — warm — heiß. Auch Substantive (oft sind es Wurzelwörter) können Antonympaare bilden: Anfang — Ende, Leben — Tod, Vater — Mutter, Tag — Nacht.
Drei Klassifikationen der Antonyme
Es gibt verschiedene Grundlagen, nach denen Antonyme klassifiziert werden. Die Antonymie der Wörter wird nach ihrer Hauptbedeutung und der abgeleiteten, übertragenen Bedeutung festgestellt:
1. ein dickes — ein dünnes Buch; 2. dickes — dünnes Haar.
I. Nach dem Umfang dei; gegensätzlichen Bedeutungen lassen sich die Antonyme in zwei Gruppen einteilen:
1) totale Antonyme, in denen alle Sememe einander gegenüberstehen: ewig — zeitlich. Es sind monoseme Wörter (wie „zeitlich“) oder solche, die durch Wortbildung entstanden sind: möglich — unmöglich, zweifelhaft — zweifellos;
2) partielle Antonyme, bei denen im Fall der Polysemie nur eine oder einige Bedeutungen gegenübergestellt sind: 1. trockener Sommer {-es Kleid, -e Füße) — nasser Sommer {-es Kleid, -e Füße); 2. trockener Vortrag {Mensch) — lebendig, lebhaft {Rede).
Bei mehrdeutigen Wörtern gibt es verschiedene Antonyme für verschiedene Sememe:
• finster ! {Farbe) — hell, licht
• finster 2 {Gesicht) — heiter, freundlich
• finster 3 (Ruf) — sauber, redlich
• finster 4 {Aussichten) — günstig, hell
II. Nach der Art des logischen Gegensatzes unterscheidet man drei Typen von Gegenwörtern (s. J. Lyons, L. A. Novikov):
1. Kontradiktorische Antonyme beruhen auf der logischen Negation des gegensätzlichen Begriffes: Sein — Nichtsein. Solche Gegenwörter verkörpern diametral entgegengesetzte Begriffe (Erscheinungen, Zustände, Eigenschaften), zwischen denen Mittelwerte, Mittelstufen liegen: Armut—Reichtum; Liebe — Hass; jeder — keiner, schön — hässlich; heiß — kalt, jung — alt; groß — klein; hell — dunkel u. a.
2. Komplementäre Antonyme unterscheiden sich vom kontradiktorischen Gegensatz dadurch, dass die Negation einer lexikalischen Einheit die Behauptung der anderen voraussetzt: männlich — weiblich; Mädchen — Junge; ledig — verheiratet’, lebendig — tot; Muttersprache — Fremdsprache
3. Konträre Antonyme (geben — nehmen; kaufen — verkaufen’, gewinnen — verlieren,fragen — antworten’, reden —schweigen’, kommen —gehen) sind zwei Artbegriffe innerhalb eines Bewertungs- oder Bezugssystems. Sie spiegeln ein und dieselbe Situation wider, aber von verschiedenen Standpunkten aus: der eine fragt, der andere antwortet. Zwar schließen solche Gegenwörter einander aus, doch stellen beide Begriffe positive Gegebenheiten dar: Maximum — Minimum, Frage — Antwort.
III. Die dritte Klassifikation berücksichtigt die morphologische Struktur der Antonyme. Demgemäß unterscheidet man: 1) gleichwurzlige (Glück — Unglück, treu — untreu, liebevoll — lieblos) und 2) verschiedenwurzlige Antonyme (Wahrheit — Lüge, klug — dumm, reden — schweigen).
Ebenso wie die Synonymie ist die Antonymie Veränderungen unterworfen, sie hat diachronen Aspekt. Das Antonympaar gut—schlechtkam erst im Neuhochdeutschen nach dem Bedeutungswandel von „schlecht“ auf. In der ahd. Periode bedeutete sieht (vgl. das heutige schlicht) „eben“, „glatt“, „gerade“ und das Antonym zu gut war früher übel (ahd. guot — upil).
Die Hauptquelle der Entstehung von Antonymen ist nach der Meinung von W. Fleischer die Wortbildung. Eine wichtige Rolle spielen dabei die verneinenden und antonymischen Präfixe und (Halb)suffixe: un-, Un-, miss-, Miss-, -voll, -los, -leer,-frei, -reich, -arm u. a. Zu den angeführten kann man weitere Beispiele hinzufügen: rücksichtsvoll —los; sorgenreich,
sorgenvoll — sorgenfrei, sorg(en)los; wasserreich arm; sprachrichtig—
sprachwidrig. Antonymische Präfixe von Verben und Substantiven bewirken eine reichhaltige Antonymie dieser Wortarten:
ankommen — abfahren, abrüsten — aufrüsten, abraten —zuraten, ausrasten — einrasten, bewaffnen — entwaffnen; Oberarm — Unterarm, Oberhaus — Unterhaus, Vortrupp — Haupttrupp, Vorfilm — Hauptfilm.
Antonymische Beziehungen charakterisieren auch entlehnte Wörter: konkret — abstrakt, progressiv — reaktionär, These — Antithese. Bemerkenswert sind negierende lateinische Präfixe mit Varianten: direkt — indirekt, legal — illegal, mobil — immobil, relevant — irrelevant, rational — irrational.
Als Objekt der lexikografischen Darstellung wurde die deutsche Antonymie im Duden-Wörterbuch von C h r. und E. A g r i c o 1 a „Wörter und Gegenwörter“ (2. Aufl. Mannheim u.a., 1992) erfasst.
23. Metonymie
читать дальшеDie Metonymie ist eine Art Bezeichnungsübertragung auf Grund mannigfaltiger logischer Beziehungen. Diese sind räumlicher, zeitlicher, ursächlicher (kausaler) Art, Beziehungen zwischen Handlung und ihrem Resultat, Subjekt der Handlung, Mittel und Werkzeug der Handlung, Raum (Behälter) und Inhalt u.a., z. B. Übersetzung als Prozess und Resultat der Handlung, das ganze Haus — alle Bewohner des Hauses.
Ebenfalls wie bei der Metapher unterscheidet man die poetische (stilistische) und die lexikalische Metonymie. Poetische Metonymien sind meist Einmalbildungen und werden in der Stilistik erforscht:
Schwarze Röcke, seidne Strümpfe,
Weiße, höfliche Manschetten. (Heine)
Einige Beispiele für lexikalische Metonymie:
Messe — urspr. „kirchliche Feier“, dann — nach zeitlicher Assoziation — „Tag, an dem eine Messe gelesen wurde“ (daher: Kirchmesse, Kirmes), später — „der an solchem Festtag abgehaltene Jahrmarkt“, heute liegen zwei Homonyme vor: I. katholischer Gottesdienst; II. große (internationale) Ausstellung von neuen Warenmustern, bei der Geschäfte abgeschlossen werden: die Leipziger Messe
Eine verbreitete Sonderart der Metonymie ist die Synekdoche— die Namensübertragung auf Grund der Beziehung zwischen dem Ganzen und dessen Teil. Anders gesagt ist es Vertauschung der Bezeichnungen zwischen dem Ganzen und einem Teil, wobei besonders häufig ein Teil stellvertretend für das Ganze steht, z.b. “Schwert“ statt „Waffen“,„der Römer“ statt „alle Römer“, „pro Kopf der Bevölkerung“ für „pro Einwohner“. Ersetzt wird etwas Allgemeines durch Besonderes, Abstraktes durch Konkretes, Gattung durch Art, Einzelwesen und umgekehrt. In der Stilistik wird die Synekdoche als eine Art des Tropus betrachtet.
24. Purismus
читать дальшеDer Mißbrauch der Fremdwörter im Deutschen führte zu einer nagativen Reaktion. Es entstand eine Richtung gegen den überflüßigen Gebrauch von Fremdwörtern, die Bewegung für die Säuberung des deutschen Wortschatzes von entlehnten Wörtern. Diese Sprachrichtung wurde Purismus genannt (lat. purus „rein“).
Im deutschen Purismus offenbaren sich zwei Richtungen: der positive Purismus (im 17. und 18. Jahrhundert) und der negative, der auch Ultrapurismus, Hyperpurismus genannt wird. Der Purismus des 17. und 18. Jahrhunderts ist bestimmt positiv, denn der deutsche Wortschatz war durch eine Menge von überflüssigen Wörtern (besonders aus dem Französischen) verunreinigt. Der deutsche Purismus dieser Zeit hat viel zur Säuberung und Bereicherung der deutschen Sprache beigetragen, den er reinigte den Wortschatz von den überflüssigen, nutzlosen, fremden Wörtern. An dieser progressiven puristischen Tätigkeit beteiligten sich auch viele weltbekannte Schriftsteller und Gelehrte.
Der Hyper- oder Ultrapurismus strebte nach vollständiger Ausrottung aller Fremdwörter. Die Vertreter dieser Richtung versuchten, alle Fremdwörter durch deutsche Varianten zu ersetzen. Der reaktionäre Purismus war im 19. und 20. Jahrhundert zu beobachten. Von dem Purismus des 17. und 18. Jahrhunderts, der im Kampf der Bourgeosie um die nationale Schriftsprache entstanden war und seinem Wesen nach doch eine fortschrittliche Bewegung darstellte, unterscheidet sich der reaktionäre Purismus, dessen Tätigkeit in das ausgehende 19. Jahrhundert und den Anfang des 20. Jahrhunderts fällt, als Deutschland zu einem einheitlichen kapitalistischen Nationalistaat geworden war. Der darauffolgende Aufschwung in der kapitalistischen Entwicklung des Landes hatte ein stürmisches Anwachsen von Nationalismus und Chauvinismus der deutschen Bourgeoisie zur Folge. Diese puristische Tätigkeit wurde vom Staat unterstüzt, alle Seiten des öffentlichen Lebens waren einbezogen: (Schulen, Universitäten, Post, Eisenbahn, Militärbereich, Theater und so weiter): Fahrkartestatt Billett,Bahnsteig– Perron,Abteil– Coupe,Schaffner– Kondukteur,Fahrgast– Passagier,Hauptmann– Kapitän,Vorhut– Avangarde,Nachhut – Arrieregarde,Uraufführung– Premiere,Zuschauer– Publikum,Hauptleiter– Chefredakteuer und so weiter.
Die Entwicklung des Purismus war mit der Entstehung zahlreicher puristischer Sprachgesellschaften und Vereine verbunden, die die Bestrebungen einzelner Puristen unterstützten.
Zu den namhaftesten deutschen Puristen werden gezählt: Martin Opitz (1597 - 1639), Philipp Zesen (1719 - 1783), Heinrich Campe (1746 - 1818), J.G.Schottel (Schottelius) (1612 - 1676). Georg Philipp Harsdörfer und andere.
Von Zesen standen zum Beispiel solche Wörter, wie Augenblickstatt Moment,Heer– Armee,Verfasser– Autor,Bücherei– Bibliothek,Gesichtskreis – Horizont,Grundstein– Fundament,Nachruf – Nekrolog.
Von Campe stammen: Haftstatt Arrest,Umschlag – Kuvert,Stufe– Grad,Übereinstimmung,Einklang– Harmonie,Misklang – Disharmonie,Ausflug– Exkursion,buchen– registrieren,enteignen– expropriieren,Weltall– Universum,Lehrgang– Kursus,Stelldichein– Randezvous.
Auf Harsdörfer gehen solche Wörter zurück, wie Aufzugstatt Akt (im Theater),beobachten– observieren,Bleistift – Crayon,Briefwechsel– Korrespodenz,Fernglas– Teleskop.
Von Schottel stammen: Mundartstatt Dialekt,Springbrunnen– Fontaine,Zahl – Numerus,Mittelpunkt– Zentrum,Rechtschreibung– Orthographie.
Die Zahl der Verdeutschungen ist sehr groß, es ist unmöglich alle in diesem Kapitel aufzuzählen.
25. Soziale Analyse des Wortschatzes
читать дальшеGebrauch nach auch sowale Jexikakische Gruggenabsondern, hiermit sind Professionalismen und Jargonismen gemeint. Die soziale Lexik läßt sich in verschiedene Gruppen einteilen. Deutsche Linguisten fassen diese Gruppen gewöhnlich als spezielle Sprachen auf und nennen sie Sondersprachen. Sie unterscheiden je nach dem Gebrauchsgebiet Sprachen verschiedener Stände/r Stand -— Standessprachen, der Berufe — Berufssprachen. Dieser Einteilung nach existieren Jägersprache, Buchdrückersprache, Ackerbauersprache, Bergmannssprache, Kaufmannssprache, Kanzleisprache, Soldatensprache, Gaunersprache, sogar Dichtersprache und Männer- und Frauensprache. Diese Einteilung verwischt die Grenzen zwischen der Berufslexik und den Jargons einerseits und zwischen der allgemeinen deutschen Schriftsprache und den funktionalen Stilen der Sprache (Kanzlei, Dichtersprache) andererseits. Außerdem ist hier der Gebrauch des Fachausdrucks „Sprache" auch methodologisch falsch, da wir es in jedem dieser Fälle nicht mit einer Sprache, d. h mit ihrem grammatischen, phonetischen und lexikalischen System zu tun haben, sondern nur mit besonderen Schichten des Wortschatzes. Soziale lexikalische Gruppen sind im Gegenteil zu dem allgemeinen Wortschatz in ihrem Gebrauch beschränkt. Soziale Lexik ist fast ausschließlich für die mündliche Sprache typisch. In der Schriftsprache werden diese Wörter gewöhnlich nur in der Fachliteratur oder zu speziellen stilistischen Zwecken verwendet. Es gibt in der deutschen linguistischen Fachliteratur viele Monographien, die jede dieser lexikalischen Gruppen speziell betrachten.
26. Geflügelte Worte (Aphorismen und Zitate)
читать дальшеSie haben einen bestimmten Ursprung: eine literarische Quelle, einen Autor. Viele Ausdrücke stammen aus der Bibel: die verbotene Frucht; der verlorene Sohn; das verlorene Paradies; das tägliche Brot; im Schweiße seines Angesichts arbeiten; seine Hände in Unschuld waschen; Auge um Auge, Zahn um Zahn; Prediger in der Wüste; Stein des Anstoßes.
Viele geflügelte Ausdrücke stammen aus der Mythologie, von bekannten Schriftstellern, Gelehrten, Politikern: das Goldene Zeitalter; das Trojanische Pferd; den Rubikon überschreiten (J. Cäsar); den gordischen Knoten durchhauen/lösen/zerschneiden (Alexander von Mazedonien); Sturm und Drang (M.Klinger); die Umwertung aller Werte (F. Nietzsche); der Kampf ums Dasein (Darwin); Dem Glücklichen schlägt keine Stunde (Schiller); Grau, teurer Freund, ist alle Theorie und grün des Lebens goldner Baum (Goethe); der Eiserne Vorhang (W. Churchill).
Wie man feststellen kann, stimmt die zweite Klasse der funktionalen Klassifikation (nominativ-expressive Phraseologismen) mit der traditionellen Klassifikation von F. S e i 1 e r überein (6 und 5 Untergruppen). Unter Idiomen (nach F. Seiler) werden völlig unmotivierte und bildlich motivierte abgegrenzt, hinzu tritt auch die Gruppe stehender Vergleiche.
Die unten in Kleindruck angeführten Klassifikationen von bekannten deutschen Germanisten E.Agricola, U.Fix, A. Rothkegel und W. Fleischer wären von Interesse für die Seminarteilnehmer und all diejenigen, die ihre Kenntnisse auf dem Gebiet der deutschen Phraseologie vertiefen möchten. Sie könnten auch von den Studierenden bei der Fertigstellung von Referaten, Diplom- und Jahresarbeiten mit Gewinn benutzt werden.
27. Die Arten des Bedeutungswandels
читать дальшеDie Erforschung des Bedeutungswandels und seiner Arten ist wohl das älteste Problem der Semasiologie. Die Technik der Bedeutungsverände- rung zeigt, wie sich die Bedeutungen im Laufe der Zeit verändern. Die Arten oder Formen des Bedeutungswandels werden aus logischer und psychologischer Sicht analysiert.
• Die logische Klassifikation, die gegen Ende des 19. Jhs. aus der alten rhetorischen Gliederung erwuchs, beruht auf dem quantitativen Vergleich des Bedeutungsumfangs vor und nach der Bedeutungsveränderung.
S. U11 m a n n spricht vom „logischen Prinzip“.
• Die psychologische Gliederung basiert auf Assoziationen. Ihre theoretische Grundlage bilden psychologische Arbeiten, vor allem die von
W.Wundt.
Wenn man logisch vorgeht, stellt man fest, dass die neue Bedeutung — nach dem Prozess der Bedeutungsentwicklung — drei Möglichkeiten aufweist: sie ist im Umfang größer oder kleiner als die alte oder ist ihr gleich (aber übertragen, verlagert).
A. In der logischen Klassifikation sind drei Arten des Bedeutungswandels zu unterscheiden: 1) Bedeutungserweiterung, 2) Bedeutungsverengung, 3) Bedeutungsübertragung und -Verschiebung.
1.Die Bedeutungserweiterung (Generalisierung der Bedeutung, semantische Expansion) meint die Erweiterung der Wortbedeutung nach dem Prozess des Bedeutungswandels. Die alte, engere Bedeutung dehnt sich auf neue Gegenstände, Prozesse und Sachverhalte aus. Beispiele:
gehen — die Grundbedeutung des westgermanischen Verbs (engl, to go) ist „mit den Füßen schreiten“ (von Menschen und Tieren). Es hat sich zu einer allgemeinen Bedeutung für Bewegung jeder Art entwickelt (z.B. die Uhr geht). Es berührt sich mit dem Verb „fahren“, das häufig eine plötzliche, ruckweise, „gehen“ aber — eine gleichmäßige Bewegung bezeichnet.
z.b fertig — von Fahrt abgeleitet, bedeutete das Wort ahd. und mhd. eigentlich „zur Fahrt bereit, reisefertig sein“, der jetzige Sinn — „zu Ende gebracht, zu Ende gekommen“.
Die Bedeutungserweiterung begleitet den Übergang der Wörter aus einem fachsprachlichen Bereich in die Allgemeinsprache. Die Bedeutung entwickelt sich in Richtung vom Konkreten, Einzelnen zum Abstrakten, Allgemeinen.
2.Die Bedeutungsverengung (Spezialisierung der Bedeutung, semantische Reduktion) ist das Gegenstück zur Bedeutungserweiterung. Der ursprünglich weite Bedeutungsumfang verengt sich, die Bedeutung entwickelt sich vom Allgemeinen zum Einzelnen oder Besonderen. Die veränderte Bedeutung hat dann eine begrenzte Gebrauchssphäre.
fahren — bezeichnete ursprünglich jede Art der Fortbewegung wi tgehen, reiten, schwimmen, im Wagen fahren, reisen. Davon zeugen noch Wendungen wie fahrendes Volk, fahrende Habe-, einen Hinweis auf schnelle Bewegung enthalten die Ausdrücke: der Fuchs fährt aus dem Bau-, er fuhr mit der Hand übers Gesicht; der Blitz ist in einen Baum gefahren; erfuhr mich an; sie fuhr zusammen. Im heutigen Deutsch versteht man aber unter „fahren“ nur die Fortbewegung auf Wagen, Schiffen, mit der Bahn u.a.
reiten (engl, to ride) — bedeutete im Mittelalter jedes Schaukeln (Fortbewegung): in einem Wagen, in einem Schiff (vgl. bereit — reisefertig). Später hat sich die Bedeutung spezialisiert: „sich eines Pferdes, eines Reittieres zur Fortbewegung bedienen“.
3. Bei der Bedeutungsübertragung werden neue Gegenstände und Sachverhalte mit bereits vorhandenen Formativen auf Grund einer Ähnlichkeit oder Assoziation benannt. Genauer gesagt geht es in diesem Fall um Bezeichnungsübertragung. Ähnlichkeit (Vergleich) ergibt die Metapher; wenn zwischen den Begriffen eine logische Beziehung in Zeit, Raum, Grund und Folge besteht, liegt die Metonymie vor. Speziell wird auch der Euphemismus (verhüllender und beschönigender Ausdruck) erörtert.
1. Die Metapher ist die Übertragung der Namensbezeichnung auf Grund einer äußeren und inneren Ähnlichkeit. Die Metapher ist ein Prozess (Metaphorisierung) und das Resultat der Bezeichnungsübertragung, z. B. Schlange —(stehen).Funktional gesehen können die Metaphern eine benennende (nominative) Funktion erfüllen z.b (Feldschlange — altes Geschütz mit kleinem Kaliber und langem Rohr; Papierschlange — cepnaumun) und eine wertende, expressive Funktion übernehmen z.b.: du falsche Schiangel (von einer Frau); Schlange, du lügstl (Schiller).
Je nach Anwendungsbereich unterscheidet man poetische (stilistische) und lexikalische (sprachliche) Metaphern. Die poetische Metapher ist ausdrucksvoilerund bildhafter, sie fällt gleich auf, wird leicht erkannt z.b: die Flamme der Liebe.
Je nach dem Typ der Ähnlichkeit und dem Charakter der Bedeutungs- beziehungen unterscheidet man mehrere Abarten der Metapher. Als Grundlage der semantischen Übertragung dienen die Ähnlichkeit der Form und Lage (Schlange, Kopf eines Nagels, Rücken eines Buches, Tischbein, Linse; die Ähnlichkeit der Farbe (Scharlach: Farbe, grellrot gefärbter Wollstoff; die Ähnlichkeit der Funktion z.b. Feder, Fensterscheibe; Ähnlichkeit der Charakterzüge oder des Äußeren. Auf der Mythologie und Kulturgeschichte aufbauend, nennt man einen schönen Mann —Apollo, eine schöne Frau — Venus
Verbreitet sind in vielen Sprachen die oben erwähnten Tiermetaphern (vom Modell ‘Tier — Mensch’), die die Funktion der Charakteristik und zuweilen die von Schimpfwörtern übernehmen: z.b Esel, Gans, Schwein. Metaphorischen Sinn haben auch verbale Bildungen wie äffen, eseln, fuchsen, büffeln, ochsen, unken.
Viele Metaphern stellen eine Übertragung vom Konkreten zum Abstrakten dar: z.b.
der Grund, m — 1. Boden; Viele Verben des Denkens und F ü h 1 e n s sind metaphorisch aus dem Bereich manueller, physischer Tätigkeit gewonnen: begreifen, erfassen, sich vorstellen, verstehen, empfinden, spüren.
Eine besondere Art der Metapher ist die Personifizierung (Vermenschlichung). Das ist die Ausstattung unbelebter Erscheinungen mit Eigenschaften, Gefühlen, Handlungsweisen belebter Wesen, z.b: die Uhr geht, die Sonne lacht. Manche von diesen Ausdrücken sind so gebräuchlich und alltäglich, dass sie nicht mehr als Metaphern empfunden werden: die Stunde ist gekommen.
Eine Sonderart der Metapher ist die Synästhesie, d. h. die Übertragung von einem Sinnesbereich auf einen anderen, z. B. von akustischerzu optischer Wahrnehmung: schreiende, kreischende Farben', von optischer zu akustischer Wahrnehmung: helle Stimme, dunkle, helle Töne.
2. Die Metonymie ist eine Art Bezeichnungsübertragung auf Grund mannigfaltiger logischer Beziehungen. Diese sind räumlicher, zeitlicher, ursächlicher (kausaler) Art, Beziehungen zwischen Handlung und ihrem Resultat, Subjekt der Handlung, Mittel und Werkzeug der Handlung, Raum (Behälter) und Inhalt u.a., z. B. Übersetzung als Prozess und Resultat der Handlung, das ganze Haus — alle Bewohner des Hauses.
Ebenfalls wie bei der Metapher unterscheidet man die poetische (stilistische) und die lexikalische Metonymie. Poetische Metonymien sind meist Einmalbildungen und werden in der Stilistik erforscht:
Schwarze Röcke, seidne Strümpfe,
Weiße, höfliche Manschetten. (Heine)
Einige Beispiele für lexikalische Metonymie:
Messe — urspr. „kirchliche Feier“, dann — nach zeitlicher Assoziation — „Tag, an dem eine Messe gelesen wurde“ (daher: Kirchmesse, Kirmes), später — „der an solchem Festtag abgehaltene Jahrmarkt“, heute liegen zwei Homonyme vor: I. katholischer Gottesdienst; II. große (internationale) Ausstellung von neuen Warenmustern, bei der Geschäfte abgeschlossen werden: die Leipziger Messe
Eine verbreitete Sonderart der Metonymie ist die Synekdoche— die Namensübertragung auf Grund der Beziehung zwischen dem Ganzen und dessen Teil. Anders gesagt ist es Vertauschung der Bezeichnungen zwischen dem Ganzen und einem Teil, wobei besonders häufig ein Teil stellvertretend für das Ganze steht, z.b. “Schwert“ statt „Waffen“,„der Römer“ statt „alle Römer“, „pro Kopf der Bevölkerung“ für „pro Einwohner“. Ersetzt wird etwas Allgemeines durch Besonderes, Abstraktes durch Konkretes, Gattung durch Art, Einzelwesen und umgekehrt. In der Stilistik wird die Synekdoche als eine Art des Tropus betrachtet.
3.Die dritte Art des Bedeutungswandels hängt mit Euphemismen zusammen. Unter Euphemismus versteht man eine verhüllende, beschönigende, mildernde Umschreibung für ein anstößiges oder unangenehmes Wort z.b „entschlummern“ für sterben. Der Gebrauch von verhüllenden Ausdrücken kann Grund für die Bedeutungsentwicklung sein. Unter dem Einfluss der verhüllenden Wortverbindung „in anderen Umständen sein“ (= schwanger sein) entstanden solche Komposita wie: Umstandsbadeanzug.
Die Euphemismen lassen sich in 4 Gruppen einteilen.
1. Religiöse Euphemismen entstanden aus Aberglauben und Furcht vor natürlichen und übernatürlichen Wesen in alter Zeit. Diese Erscheinung wurzelt im Tab u (polynesisch — „verboten“) der Naturvölker. Das war die Vorschrift und Praxis, bestimmte Gegenstände, Personen, Tiere zu meiden. Religiöse Euphemismen (ehemalige Tabuwörter) sind z. B. der Allwissende, der Allmächtige, Er, der himmlische Richter für „Gott“, der Böse, der Schwarze, der Versucher, Gottseibeiuns für den „Teufel“, der Braune für „Bär“.
2. Sozial-moralische Euphemismen werden durch ethische Normen der Gesellschaft bedingt. Um die Schattenseiten des Lebens irgendwie zu beschönigen und zu verhüllen (aus welchen Gründen es auch sein mag — aus klassenmäßigen oder allgemein menschlichen), bedient man sich mildernder Umschreibungen. Das betrifft solche negativen Erscheinungen wie das Trinken, den Diebstahl, die Prostitution, die Leidenschaft für das Kartenspiel und andere Laster. Z.b „Lüge“ wird durch Anekdote, Chronik, Fantasie, umschrieben, oder man sagt statt „sich betrinken“, „betrunken sein“: zu tief ins Glas gesehen/blau wie ein Pfeilchen.
3. Gesellschaftlich-ästhetische Euphemismen entstanden als gesunde Reaktion auf Verstöße gegen den Anstand und angenommene Verhaltensnormen. Direkte Bezeichnungen für physiologische Prozesse und Zustände werden gemieden oder umschrieben, das Unangenehme wird anstandshalber nicht beim rechten Namen genannt. Aus Rücksichtnahme und Ästhetik werden andere Wörter gebraucht: statt „dicke Dame“ sagt man „korpulente, mollige Dame“.
Aus Prüderie und Rücksichtnahme auf andere sagt man: Freundin für „Geliebte“, ein Verhältnis haben im Sinne „Liebesverhältnis“.
4. Politische Euphemismen dienen der Verschleierung und Tarnung tatsächlicher Sachverhalte. In bestimmten Situationen werden heute als verhüllende Wörter solche Lexeme angesehen, wie Abwicklung (zuweilen im Sinne „Schließung der Betriebe und Institutionen“), Engpass (Mangel; beschränkt verfügbare Materialien, Arbeitskräfte), Nullwachstum (Stagnation), Minuswachstum (Produktionsrückgang).
28. Idiome
читать дальше1. Völlig unmotivierte Idiome. Nach der Struktur sind sie nicht zerlegbar und ihre Bedeutung ist unmotiviert, z.B.: etw. auf dem Kerbholz haben’, bei j-m in der Kreide stehen’, an j-m einen Narren gefressen haben. Nach V. V. Vinogradov sind es phraseologische Zusammenrückenden: съесть собаку на чем-л, бить баклуши.
2. Bildlich motivierte Idiome. Sie sind oft zerlegbar und immer motiviert. Größtenteils haben sie eine „Parallele“ in Form einer freien Wortverbindung mit direkter Bedeutung: j-m den Kopf waschen; bei etw. ein Auge zudrücken; j-m Brot mit Butter beschmieren’, Öl ins Feuer gießen u. a.m. Bei V. V. Vinogradov sind es phraseologische Einheiten: намылить голову кому-л, ума не приложу.
29. Entlehnung
читать дальшеInfolge vielfältiger Beziehungen zwischen einzelnen Sprachträgern, sozialen Schichten und ganzen Völkern, im Ergebnis kultureller Verbindungen und internationaler Zusammenarbeit im ökonomischen, politischen, kulturellen, wissenschaftlich-technischen, sportlichen Bereich kommt es zu Sprachkontakten, zu gegenseitiger Beeinflussung von Sprachen und Kulturen, letzten Endes — zu Entlehnungen im Wortschatz.
Die deutsche Sprache ist im Laufe ihrer Geschichte vielfach durch andere Sprachen bereichert worden, ebenfalls wurde deutsches Wortgut von anderen Völkern aufgenommen, z. B. im Russischen öyxzanmep < Buchhalter.
Entlehnt werden in der Regel Wörter (Lautkomplex + Inhalt) und Bedeutungen aus anderen Sprachen, viel seltener — phraseologische Wendungen und syntaktische Konstruktionen, sehr selten — wortbildende Morpheme.
Unter Entlehnung versteht man in der einschlägigen Literatur den Entlehnungsvorgang, d.h. die Übernahme fremden Sprachgutes sowie das Ergebnis dieses Prozesses — das entlehnte fremde Sprachgut selbst.
Nach der Art der Entlehnung werden abgegrenzt: 1) Sach-und Wortentlehnung, 2) Wortentlehnung. Bei der Sach- und Wortentlehnung werden aus der Sprache A fremde Formative übernommen, deren Denotate (Gegenstände, Erscheinungen) in der entlehnenden Sprache B neu oder unbekannt sind: Mauer, Straße ,Fenster .Im 20. Jh. haben sich viele Angloamerikanismen als Sach- und Wortentlehnungen im Deutschen eingebürgert: Camping, Computer, Fax
Bei Wortentlehnungen werden fremdsprachliche Formative übernommen, deren Denotate in der entlehnenden Sprache bereits durch eigene Wörter ausgedrückt sind: Job — „Arbeit“; Manager— „Leiter (in einem Unternehmen)“; Service ['s0:nvis] — „Kundendienst“
Nach der Entlehnungsform sind zu unterscheiden:
1.Fremdwortübernahme (formale, einfache, direkte Entlehnung). Fremde Formative werden in die entlehnende Sprache mit minimaler Abänderung aufgenommen: Datscha, Datsche
2.Lehnprägung.
a)Bei der Lehnübersetzung (KcuibKupoeanue) handelt es sich um eine Nachbildung der Morphemstruktur von Fremdwörtern oder fremden Wortgruppen. Es erfolgt eine Glied-für-Glied-Übersetzung (Morphem für Morphem, Wort für Wort)
b)Lehnübertragung ist eine freiere Wiedergabe der Morphemstruktur des fremden Wortes: lat. patria (=Väter) — Vaterland; lat. miseri- cors — barmherzig; lat. bellum civile — Bürgerkrieg, engl, hobby-horse — Steckenpferd; to wire — drahten;
c)L e h n b e d e u t u n g ist die Zuordnung einer fremdsprachlichen Bedeutung zu einem deutschen Formativ. So hat das Wort „Fall“ (zu: fallen) unter dem Einfluss des lat. casus (zu: cadere — „fallen“, auch im Russ. nadeotc <- nadamb) die terminologische Bedeutung „Kasus“ angenommen.
читать дальшеDie Metapher ist die Übertragung der Namensbezeichnung auf Grund einer äußeren und inneren Ähnlichkeit. Die Metapher ist ein Prozess (Metaphorisierung) und das Resultat der Bezeichnungsübertragung, z. B. Schlange —(stehen).Funktional gesehen können die Metaphern eine benennende (nominative) Funktion erfüllen z.b (Feldschlange — altes Geschütz mit kleinem Kaliber und langem Rohr; Papierschlange — cepnaumun) und eine wertende, expressive Funktion übernehmen z.b.: du falsche Schiangel (von einer Frau); Schlange, du lügstl (Schiller).
Je nach Anwendungsbereich unterscheidet man poetische (stilistische) und lexikalische (sprachliche) Metaphern. Die poetische Metapher ist ausdrucksvoilerund bildhafter, sie fällt gleich auf, wird leicht erkannt z.b: die Flamme der Liebe.
Je nach dem Typ der Ähnlichkeit und dem Charakter der Bedeutungs- beziehungen unterscheidet man mehrere Abarten der Metapher. Als Grundlage der semantischen Übertragung dienen die Ähnlichkeit der Form und Lage (Schlange, Kopf eines Nagels, Rücken eines Buches, Tischbein, Linse; die Ähnlichkeit der Farbe (Scharlach: Farbe, grellrot gefärbter Wollstoff; die Ähnlichkeit der Funktion z.b. Feder, Fensterscheibe; Ähnlichkeit der Charakterzüge oder des Äußeren. Auf der Mythologie und Kulturgeschichte aufbauend, nennt man einen schönen Mann —Apollo, eine schöne Frau — Venus
Verbreitet sind in vielen Sprachen die oben erwähnten Tiermetaphern (vom Modell ‘Tier — Mensch’), die die Funktion der Charakteristik und zuweilen die von Schimpfwörtern übernehmen: z.b Esel, Gans, Schwein. Metaphorischen Sinn haben auch verbale Bildungen wie äffen, eseln, fuchsen, büffeln, ochsen, unken.
Viele Metaphern stellen eine Übertragung vom Konkreten zum Abstrakten dar: z.b.
der Grund, m — 1. Boden; Viele Verben des Denkens und F ü h 1 e n s sind metaphorisch aus dem Bereich manueller, physischer Tätigkeit gewonnen: begreifen, erfassen, sich vorstellen, verstehen, empfinden, spüren.
Eine besondere Art der Metapher ist die Personifizierung (Vermenschlichung). Das ist die Ausstattung unbelebter Erscheinungen mit Eigenschaften, Gefühlen, Handlungsweisen belebter Wesen, z.b: die Uhr geht, die Sonne lacht. Manche von diesen Ausdrücken sind so gebräuchlich und alltäglich, dass sie nicht mehr als Metaphern empfunden werden: die Stunde ist gekommen.
Eine Sonderart der Metapher ist die Synästhesie, d. h. die Übertragung von einem Sinnesbereich auf einen anderen, z. B. von akustischerzu optischer Wahrnehmung: schreiende, kreischende Farben', von optischer zu akustischer Wahrnehmung: helle Stimme, dunkle, helle Töne.
22. Antonymie. Drei Klassifikationen von Antonymen
читать дальшеAntonyme sind Wörter (Sememe) mit gegensätzlicher Bedeutung, an- ders gesagt Gegenwörter, Gegensatzwörter oder Wörter des Gegensinns. r;er Terminus ist griechischen Ursprungs und bedeutet „Gegen- Narne“.
Die Antonyme bezeichnen Gegenstände und Erscheinungen, die zu ein und derselben Kategorie der objektiven Wirklichkeit gehören und in Paaren auftreten, da ihnen die logische, kognitive Kategorie der Polarität, des Gegensatzes zu Grunde liegt. Die Antonyme haben im Wesentlichen die gleichen Seme, sie stimmen in einem Kem von Bedeutungselementen überein, unterscheiden sich aber durch eine Negation: gesund — krank (nicht gesund), verheiratet — ledig (unverheiratet). Manchmal ist es durch ein Präfix oder ein Suffix ausgedrückt: dankbar — undankbar, Erfolg — Misserfolg, gefallen — missfallen, bewässern — entwässern, fehlerhaft — fehlerlos.
Die Antonymie als semantische Beziehung zwischen Gegensatzwörtern kommt viel seltener als die Synonymie vor, dafür aber bilden die Antonyme schärfer umrissene Gruppen als die Synonyme. Wo in der Wirklichkeit eine gewisse Polarität nicht möglich ist, kann es auch keine Antonyme geben. Es wäre sinnlos, nach Antonymen von Gegenstandsbezeichnungen (Möbel — Tisch, Bett; Gebäude — Haus, Kino; Gerätenamen — Hammer, Schere), Kollektiva {Herde, Gebirge) oder Stoffbezeichnungen zu suchen.
Normalerweise gehören die Antonyme ein und derselben Woftart an. Die kognitive Grundlage der Antonymie bildet das Vorhandensein von Qualitäten, Eigenschaften, Merkmalen der Begriffe und die damit verbundene Gra- duierungsmöglichkeit {+/-, mehr — Norm/Nullpunkt — weniger). Daher ist die Antonymie für die qualitativen Adjektive/Adverbien, die von diesen Adjektiven abgeleiteten Substantive und eine Reihe von Veiben kennzeichnend: kalt — warm, Kälte — Wärme, rechts — links, geben — nehmen. Die Antonyme bilden nicht nur Paare, sondern auch ganze Gmppen: kalt — lau — warm — heiß. Auch Substantive (oft sind es Wurzelwörter) können Antonympaare bilden: Anfang — Ende, Leben — Tod, Vater — Mutter, Tag — Nacht.
Drei Klassifikationen der Antonyme
Es gibt verschiedene Grundlagen, nach denen Antonyme klassifiziert werden. Die Antonymie der Wörter wird nach ihrer Hauptbedeutung und der abgeleiteten, übertragenen Bedeutung festgestellt:
1. ein dickes — ein dünnes Buch; 2. dickes — dünnes Haar.
I. Nach dem Umfang dei; gegensätzlichen Bedeutungen lassen sich die Antonyme in zwei Gruppen einteilen:
1) totale Antonyme, in denen alle Sememe einander gegenüberstehen: ewig — zeitlich. Es sind monoseme Wörter (wie „zeitlich“) oder solche, die durch Wortbildung entstanden sind: möglich — unmöglich, zweifelhaft — zweifellos;
2) partielle Antonyme, bei denen im Fall der Polysemie nur eine oder einige Bedeutungen gegenübergestellt sind: 1. trockener Sommer {-es Kleid, -e Füße) — nasser Sommer {-es Kleid, -e Füße); 2. trockener Vortrag {Mensch) — lebendig, lebhaft {Rede).
Bei mehrdeutigen Wörtern gibt es verschiedene Antonyme für verschiedene Sememe:
• finster ! {Farbe) — hell, licht
• finster 2 {Gesicht) — heiter, freundlich
• finster 3 (Ruf) — sauber, redlich
• finster 4 {Aussichten) — günstig, hell
II. Nach der Art des logischen Gegensatzes unterscheidet man drei Typen von Gegenwörtern (s. J. Lyons, L. A. Novikov):
1. Kontradiktorische Antonyme beruhen auf der logischen Negation des gegensätzlichen Begriffes: Sein — Nichtsein. Solche Gegenwörter verkörpern diametral entgegengesetzte Begriffe (Erscheinungen, Zustände, Eigenschaften), zwischen denen Mittelwerte, Mittelstufen liegen: Armut—Reichtum; Liebe — Hass; jeder — keiner, schön — hässlich; heiß — kalt, jung — alt; groß — klein; hell — dunkel u. a.
2. Komplementäre Antonyme unterscheiden sich vom kontradiktorischen Gegensatz dadurch, dass die Negation einer lexikalischen Einheit die Behauptung der anderen voraussetzt: männlich — weiblich; Mädchen — Junge; ledig — verheiratet’, lebendig — tot; Muttersprache — Fremdsprache
3. Konträre Antonyme (geben — nehmen; kaufen — verkaufen’, gewinnen — verlieren,fragen — antworten’, reden —schweigen’, kommen —gehen) sind zwei Artbegriffe innerhalb eines Bewertungs- oder Bezugssystems. Sie spiegeln ein und dieselbe Situation wider, aber von verschiedenen Standpunkten aus: der eine fragt, der andere antwortet. Zwar schließen solche Gegenwörter einander aus, doch stellen beide Begriffe positive Gegebenheiten dar: Maximum — Minimum, Frage — Antwort.
III. Die dritte Klassifikation berücksichtigt die morphologische Struktur der Antonyme. Demgemäß unterscheidet man: 1) gleichwurzlige (Glück — Unglück, treu — untreu, liebevoll — lieblos) und 2) verschiedenwurzlige Antonyme (Wahrheit — Lüge, klug — dumm, reden — schweigen).
Ebenso wie die Synonymie ist die Antonymie Veränderungen unterworfen, sie hat diachronen Aspekt. Das Antonympaar gut—schlechtkam erst im Neuhochdeutschen nach dem Bedeutungswandel von „schlecht“ auf. In der ahd. Periode bedeutete sieht (vgl. das heutige schlicht) „eben“, „glatt“, „gerade“ und das Antonym zu gut war früher übel (ahd. guot — upil).
Die Hauptquelle der Entstehung von Antonymen ist nach der Meinung von W. Fleischer die Wortbildung. Eine wichtige Rolle spielen dabei die verneinenden und antonymischen Präfixe und (Halb)suffixe: un-, Un-, miss-, Miss-, -voll, -los, -leer,-frei, -reich, -arm u. a. Zu den angeführten kann man weitere Beispiele hinzufügen: rücksichtsvoll —los; sorgenreich,
sorgenvoll — sorgenfrei, sorg(en)los; wasserreich arm; sprachrichtig—
sprachwidrig. Antonymische Präfixe von Verben und Substantiven bewirken eine reichhaltige Antonymie dieser Wortarten:
ankommen — abfahren, abrüsten — aufrüsten, abraten —zuraten, ausrasten — einrasten, bewaffnen — entwaffnen; Oberarm — Unterarm, Oberhaus — Unterhaus, Vortrupp — Haupttrupp, Vorfilm — Hauptfilm.
Antonymische Beziehungen charakterisieren auch entlehnte Wörter: konkret — abstrakt, progressiv — reaktionär, These — Antithese. Bemerkenswert sind negierende lateinische Präfixe mit Varianten: direkt — indirekt, legal — illegal, mobil — immobil, relevant — irrelevant, rational — irrational.
Als Objekt der lexikografischen Darstellung wurde die deutsche Antonymie im Duden-Wörterbuch von C h r. und E. A g r i c o 1 a „Wörter und Gegenwörter“ (2. Aufl. Mannheim u.a., 1992) erfasst.
23. Metonymie
читать дальшеDie Metonymie ist eine Art Bezeichnungsübertragung auf Grund mannigfaltiger logischer Beziehungen. Diese sind räumlicher, zeitlicher, ursächlicher (kausaler) Art, Beziehungen zwischen Handlung und ihrem Resultat, Subjekt der Handlung, Mittel und Werkzeug der Handlung, Raum (Behälter) und Inhalt u.a., z. B. Übersetzung als Prozess und Resultat der Handlung, das ganze Haus — alle Bewohner des Hauses.
Ebenfalls wie bei der Metapher unterscheidet man die poetische (stilistische) und die lexikalische Metonymie. Poetische Metonymien sind meist Einmalbildungen und werden in der Stilistik erforscht:
Schwarze Röcke, seidne Strümpfe,
Weiße, höfliche Manschetten. (Heine)
Einige Beispiele für lexikalische Metonymie:
Messe — urspr. „kirchliche Feier“, dann — nach zeitlicher Assoziation — „Tag, an dem eine Messe gelesen wurde“ (daher: Kirchmesse, Kirmes), später — „der an solchem Festtag abgehaltene Jahrmarkt“, heute liegen zwei Homonyme vor: I. katholischer Gottesdienst; II. große (internationale) Ausstellung von neuen Warenmustern, bei der Geschäfte abgeschlossen werden: die Leipziger Messe
Eine verbreitete Sonderart der Metonymie ist die Synekdoche— die Namensübertragung auf Grund der Beziehung zwischen dem Ganzen und dessen Teil. Anders gesagt ist es Vertauschung der Bezeichnungen zwischen dem Ganzen und einem Teil, wobei besonders häufig ein Teil stellvertretend für das Ganze steht, z.b. “Schwert“ statt „Waffen“,„der Römer“ statt „alle Römer“, „pro Kopf der Bevölkerung“ für „pro Einwohner“. Ersetzt wird etwas Allgemeines durch Besonderes, Abstraktes durch Konkretes, Gattung durch Art, Einzelwesen und umgekehrt. In der Stilistik wird die Synekdoche als eine Art des Tropus betrachtet.
24. Purismus
читать дальшеDer Mißbrauch der Fremdwörter im Deutschen führte zu einer nagativen Reaktion. Es entstand eine Richtung gegen den überflüßigen Gebrauch von Fremdwörtern, die Bewegung für die Säuberung des deutschen Wortschatzes von entlehnten Wörtern. Diese Sprachrichtung wurde Purismus genannt (lat. purus „rein“).
Im deutschen Purismus offenbaren sich zwei Richtungen: der positive Purismus (im 17. und 18. Jahrhundert) und der negative, der auch Ultrapurismus, Hyperpurismus genannt wird. Der Purismus des 17. und 18. Jahrhunderts ist bestimmt positiv, denn der deutsche Wortschatz war durch eine Menge von überflüssigen Wörtern (besonders aus dem Französischen) verunreinigt. Der deutsche Purismus dieser Zeit hat viel zur Säuberung und Bereicherung der deutschen Sprache beigetragen, den er reinigte den Wortschatz von den überflüssigen, nutzlosen, fremden Wörtern. An dieser progressiven puristischen Tätigkeit beteiligten sich auch viele weltbekannte Schriftsteller und Gelehrte.
Der Hyper- oder Ultrapurismus strebte nach vollständiger Ausrottung aller Fremdwörter. Die Vertreter dieser Richtung versuchten, alle Fremdwörter durch deutsche Varianten zu ersetzen. Der reaktionäre Purismus war im 19. und 20. Jahrhundert zu beobachten. Von dem Purismus des 17. und 18. Jahrhunderts, der im Kampf der Bourgeosie um die nationale Schriftsprache entstanden war und seinem Wesen nach doch eine fortschrittliche Bewegung darstellte, unterscheidet sich der reaktionäre Purismus, dessen Tätigkeit in das ausgehende 19. Jahrhundert und den Anfang des 20. Jahrhunderts fällt, als Deutschland zu einem einheitlichen kapitalistischen Nationalistaat geworden war. Der darauffolgende Aufschwung in der kapitalistischen Entwicklung des Landes hatte ein stürmisches Anwachsen von Nationalismus und Chauvinismus der deutschen Bourgeoisie zur Folge. Diese puristische Tätigkeit wurde vom Staat unterstüzt, alle Seiten des öffentlichen Lebens waren einbezogen: (Schulen, Universitäten, Post, Eisenbahn, Militärbereich, Theater und so weiter): Fahrkartestatt Billett,Bahnsteig– Perron,Abteil– Coupe,Schaffner– Kondukteur,Fahrgast– Passagier,Hauptmann– Kapitän,Vorhut– Avangarde,Nachhut – Arrieregarde,Uraufführung– Premiere,Zuschauer– Publikum,Hauptleiter– Chefredakteuer und so weiter.
Die Entwicklung des Purismus war mit der Entstehung zahlreicher puristischer Sprachgesellschaften und Vereine verbunden, die die Bestrebungen einzelner Puristen unterstützten.
Zu den namhaftesten deutschen Puristen werden gezählt: Martin Opitz (1597 - 1639), Philipp Zesen (1719 - 1783), Heinrich Campe (1746 - 1818), J.G.Schottel (Schottelius) (1612 - 1676). Georg Philipp Harsdörfer und andere.
Von Zesen standen zum Beispiel solche Wörter, wie Augenblickstatt Moment,Heer– Armee,Verfasser– Autor,Bücherei– Bibliothek,Gesichtskreis – Horizont,Grundstein– Fundament,Nachruf – Nekrolog.
Von Campe stammen: Haftstatt Arrest,Umschlag – Kuvert,Stufe– Grad,Übereinstimmung,Einklang– Harmonie,Misklang – Disharmonie,Ausflug– Exkursion,buchen– registrieren,enteignen– expropriieren,Weltall– Universum,Lehrgang– Kursus,Stelldichein– Randezvous.
Auf Harsdörfer gehen solche Wörter zurück, wie Aufzugstatt Akt (im Theater),beobachten– observieren,Bleistift – Crayon,Briefwechsel– Korrespodenz,Fernglas– Teleskop.
Von Schottel stammen: Mundartstatt Dialekt,Springbrunnen– Fontaine,Zahl – Numerus,Mittelpunkt– Zentrum,Rechtschreibung– Orthographie.
Die Zahl der Verdeutschungen ist sehr groß, es ist unmöglich alle in diesem Kapitel aufzuzählen.
25. Soziale Analyse des Wortschatzes
читать дальшеGebrauch nach auch sowale Jexikakische Gruggenabsondern, hiermit sind Professionalismen und Jargonismen gemeint. Die soziale Lexik läßt sich in verschiedene Gruppen einteilen. Deutsche Linguisten fassen diese Gruppen gewöhnlich als spezielle Sprachen auf und nennen sie Sondersprachen. Sie unterscheiden je nach dem Gebrauchsgebiet Sprachen verschiedener Stände/r Stand -— Standessprachen, der Berufe — Berufssprachen. Dieser Einteilung nach existieren Jägersprache, Buchdrückersprache, Ackerbauersprache, Bergmannssprache, Kaufmannssprache, Kanzleisprache, Soldatensprache, Gaunersprache, sogar Dichtersprache und Männer- und Frauensprache. Diese Einteilung verwischt die Grenzen zwischen der Berufslexik und den Jargons einerseits und zwischen der allgemeinen deutschen Schriftsprache und den funktionalen Stilen der Sprache (Kanzlei, Dichtersprache) andererseits. Außerdem ist hier der Gebrauch des Fachausdrucks „Sprache" auch methodologisch falsch, da wir es in jedem dieser Fälle nicht mit einer Sprache, d. h mit ihrem grammatischen, phonetischen und lexikalischen System zu tun haben, sondern nur mit besonderen Schichten des Wortschatzes. Soziale lexikalische Gruppen sind im Gegenteil zu dem allgemeinen Wortschatz in ihrem Gebrauch beschränkt. Soziale Lexik ist fast ausschließlich für die mündliche Sprache typisch. In der Schriftsprache werden diese Wörter gewöhnlich nur in der Fachliteratur oder zu speziellen stilistischen Zwecken verwendet. Es gibt in der deutschen linguistischen Fachliteratur viele Monographien, die jede dieser lexikalischen Gruppen speziell betrachten.
26. Geflügelte Worte (Aphorismen und Zitate)
читать дальшеSie haben einen bestimmten Ursprung: eine literarische Quelle, einen Autor. Viele Ausdrücke stammen aus der Bibel: die verbotene Frucht; der verlorene Sohn; das verlorene Paradies; das tägliche Brot; im Schweiße seines Angesichts arbeiten; seine Hände in Unschuld waschen; Auge um Auge, Zahn um Zahn; Prediger in der Wüste; Stein des Anstoßes.
Viele geflügelte Ausdrücke stammen aus der Mythologie, von bekannten Schriftstellern, Gelehrten, Politikern: das Goldene Zeitalter; das Trojanische Pferd; den Rubikon überschreiten (J. Cäsar); den gordischen Knoten durchhauen/lösen/zerschneiden (Alexander von Mazedonien); Sturm und Drang (M.Klinger); die Umwertung aller Werte (F. Nietzsche); der Kampf ums Dasein (Darwin); Dem Glücklichen schlägt keine Stunde (Schiller); Grau, teurer Freund, ist alle Theorie und grün des Lebens goldner Baum (Goethe); der Eiserne Vorhang (W. Churchill).
Wie man feststellen kann, stimmt die zweite Klasse der funktionalen Klassifikation (nominativ-expressive Phraseologismen) mit der traditionellen Klassifikation von F. S e i 1 e r überein (6 und 5 Untergruppen). Unter Idiomen (nach F. Seiler) werden völlig unmotivierte und bildlich motivierte abgegrenzt, hinzu tritt auch die Gruppe stehender Vergleiche.
Die unten in Kleindruck angeführten Klassifikationen von bekannten deutschen Germanisten E.Agricola, U.Fix, A. Rothkegel und W. Fleischer wären von Interesse für die Seminarteilnehmer und all diejenigen, die ihre Kenntnisse auf dem Gebiet der deutschen Phraseologie vertiefen möchten. Sie könnten auch von den Studierenden bei der Fertigstellung von Referaten, Diplom- und Jahresarbeiten mit Gewinn benutzt werden.
27. Die Arten des Bedeutungswandels
читать дальшеDie Erforschung des Bedeutungswandels und seiner Arten ist wohl das älteste Problem der Semasiologie. Die Technik der Bedeutungsverände- rung zeigt, wie sich die Bedeutungen im Laufe der Zeit verändern. Die Arten oder Formen des Bedeutungswandels werden aus logischer und psychologischer Sicht analysiert.
• Die logische Klassifikation, die gegen Ende des 19. Jhs. aus der alten rhetorischen Gliederung erwuchs, beruht auf dem quantitativen Vergleich des Bedeutungsumfangs vor und nach der Bedeutungsveränderung.
S. U11 m a n n spricht vom „logischen Prinzip“.
• Die psychologische Gliederung basiert auf Assoziationen. Ihre theoretische Grundlage bilden psychologische Arbeiten, vor allem die von
W.Wundt.
Wenn man logisch vorgeht, stellt man fest, dass die neue Bedeutung — nach dem Prozess der Bedeutungsentwicklung — drei Möglichkeiten aufweist: sie ist im Umfang größer oder kleiner als die alte oder ist ihr gleich (aber übertragen, verlagert).
A. In der logischen Klassifikation sind drei Arten des Bedeutungswandels zu unterscheiden: 1) Bedeutungserweiterung, 2) Bedeutungsverengung, 3) Bedeutungsübertragung und -Verschiebung.
1.Die Bedeutungserweiterung (Generalisierung der Bedeutung, semantische Expansion) meint die Erweiterung der Wortbedeutung nach dem Prozess des Bedeutungswandels. Die alte, engere Bedeutung dehnt sich auf neue Gegenstände, Prozesse und Sachverhalte aus. Beispiele:
gehen — die Grundbedeutung des westgermanischen Verbs (engl, to go) ist „mit den Füßen schreiten“ (von Menschen und Tieren). Es hat sich zu einer allgemeinen Bedeutung für Bewegung jeder Art entwickelt (z.B. die Uhr geht). Es berührt sich mit dem Verb „fahren“, das häufig eine plötzliche, ruckweise, „gehen“ aber — eine gleichmäßige Bewegung bezeichnet.
z.b fertig — von Fahrt abgeleitet, bedeutete das Wort ahd. und mhd. eigentlich „zur Fahrt bereit, reisefertig sein“, der jetzige Sinn — „zu Ende gebracht, zu Ende gekommen“.
Die Bedeutungserweiterung begleitet den Übergang der Wörter aus einem fachsprachlichen Bereich in die Allgemeinsprache. Die Bedeutung entwickelt sich in Richtung vom Konkreten, Einzelnen zum Abstrakten, Allgemeinen.
2.Die Bedeutungsverengung (Spezialisierung der Bedeutung, semantische Reduktion) ist das Gegenstück zur Bedeutungserweiterung. Der ursprünglich weite Bedeutungsumfang verengt sich, die Bedeutung entwickelt sich vom Allgemeinen zum Einzelnen oder Besonderen. Die veränderte Bedeutung hat dann eine begrenzte Gebrauchssphäre.
fahren — bezeichnete ursprünglich jede Art der Fortbewegung wi tgehen, reiten, schwimmen, im Wagen fahren, reisen. Davon zeugen noch Wendungen wie fahrendes Volk, fahrende Habe-, einen Hinweis auf schnelle Bewegung enthalten die Ausdrücke: der Fuchs fährt aus dem Bau-, er fuhr mit der Hand übers Gesicht; der Blitz ist in einen Baum gefahren; erfuhr mich an; sie fuhr zusammen. Im heutigen Deutsch versteht man aber unter „fahren“ nur die Fortbewegung auf Wagen, Schiffen, mit der Bahn u.a.
reiten (engl, to ride) — bedeutete im Mittelalter jedes Schaukeln (Fortbewegung): in einem Wagen, in einem Schiff (vgl. bereit — reisefertig). Später hat sich die Bedeutung spezialisiert: „sich eines Pferdes, eines Reittieres zur Fortbewegung bedienen“.
3. Bei der Bedeutungsübertragung werden neue Gegenstände und Sachverhalte mit bereits vorhandenen Formativen auf Grund einer Ähnlichkeit oder Assoziation benannt. Genauer gesagt geht es in diesem Fall um Bezeichnungsübertragung. Ähnlichkeit (Vergleich) ergibt die Metapher; wenn zwischen den Begriffen eine logische Beziehung in Zeit, Raum, Grund und Folge besteht, liegt die Metonymie vor. Speziell wird auch der Euphemismus (verhüllender und beschönigender Ausdruck) erörtert.
1. Die Metapher ist die Übertragung der Namensbezeichnung auf Grund einer äußeren und inneren Ähnlichkeit. Die Metapher ist ein Prozess (Metaphorisierung) und das Resultat der Bezeichnungsübertragung, z. B. Schlange —(stehen).Funktional gesehen können die Metaphern eine benennende (nominative) Funktion erfüllen z.b (Feldschlange — altes Geschütz mit kleinem Kaliber und langem Rohr; Papierschlange — cepnaumun) und eine wertende, expressive Funktion übernehmen z.b.: du falsche Schiangel (von einer Frau); Schlange, du lügstl (Schiller).
Je nach Anwendungsbereich unterscheidet man poetische (stilistische) und lexikalische (sprachliche) Metaphern. Die poetische Metapher ist ausdrucksvoilerund bildhafter, sie fällt gleich auf, wird leicht erkannt z.b: die Flamme der Liebe.
Je nach dem Typ der Ähnlichkeit und dem Charakter der Bedeutungs- beziehungen unterscheidet man mehrere Abarten der Metapher. Als Grundlage der semantischen Übertragung dienen die Ähnlichkeit der Form und Lage (Schlange, Kopf eines Nagels, Rücken eines Buches, Tischbein, Linse; die Ähnlichkeit der Farbe (Scharlach: Farbe, grellrot gefärbter Wollstoff; die Ähnlichkeit der Funktion z.b. Feder, Fensterscheibe; Ähnlichkeit der Charakterzüge oder des Äußeren. Auf der Mythologie und Kulturgeschichte aufbauend, nennt man einen schönen Mann —Apollo, eine schöne Frau — Venus
Verbreitet sind in vielen Sprachen die oben erwähnten Tiermetaphern (vom Modell ‘Tier — Mensch’), die die Funktion der Charakteristik und zuweilen die von Schimpfwörtern übernehmen: z.b Esel, Gans, Schwein. Metaphorischen Sinn haben auch verbale Bildungen wie äffen, eseln, fuchsen, büffeln, ochsen, unken.
Viele Metaphern stellen eine Übertragung vom Konkreten zum Abstrakten dar: z.b.
der Grund, m — 1. Boden; Viele Verben des Denkens und F ü h 1 e n s sind metaphorisch aus dem Bereich manueller, physischer Tätigkeit gewonnen: begreifen, erfassen, sich vorstellen, verstehen, empfinden, spüren.
Eine besondere Art der Metapher ist die Personifizierung (Vermenschlichung). Das ist die Ausstattung unbelebter Erscheinungen mit Eigenschaften, Gefühlen, Handlungsweisen belebter Wesen, z.b: die Uhr geht, die Sonne lacht. Manche von diesen Ausdrücken sind so gebräuchlich und alltäglich, dass sie nicht mehr als Metaphern empfunden werden: die Stunde ist gekommen.
Eine Sonderart der Metapher ist die Synästhesie, d. h. die Übertragung von einem Sinnesbereich auf einen anderen, z. B. von akustischerzu optischer Wahrnehmung: schreiende, kreischende Farben', von optischer zu akustischer Wahrnehmung: helle Stimme, dunkle, helle Töne.
2. Die Metonymie ist eine Art Bezeichnungsübertragung auf Grund mannigfaltiger logischer Beziehungen. Diese sind räumlicher, zeitlicher, ursächlicher (kausaler) Art, Beziehungen zwischen Handlung und ihrem Resultat, Subjekt der Handlung, Mittel und Werkzeug der Handlung, Raum (Behälter) und Inhalt u.a., z. B. Übersetzung als Prozess und Resultat der Handlung, das ganze Haus — alle Bewohner des Hauses.
Ebenfalls wie bei der Metapher unterscheidet man die poetische (stilistische) und die lexikalische Metonymie. Poetische Metonymien sind meist Einmalbildungen und werden in der Stilistik erforscht:
Schwarze Röcke, seidne Strümpfe,
Weiße, höfliche Manschetten. (Heine)
Einige Beispiele für lexikalische Metonymie:
Messe — urspr. „kirchliche Feier“, dann — nach zeitlicher Assoziation — „Tag, an dem eine Messe gelesen wurde“ (daher: Kirchmesse, Kirmes), später — „der an solchem Festtag abgehaltene Jahrmarkt“, heute liegen zwei Homonyme vor: I. katholischer Gottesdienst; II. große (internationale) Ausstellung von neuen Warenmustern, bei der Geschäfte abgeschlossen werden: die Leipziger Messe
Eine verbreitete Sonderart der Metonymie ist die Synekdoche— die Namensübertragung auf Grund der Beziehung zwischen dem Ganzen und dessen Teil. Anders gesagt ist es Vertauschung der Bezeichnungen zwischen dem Ganzen und einem Teil, wobei besonders häufig ein Teil stellvertretend für das Ganze steht, z.b. “Schwert“ statt „Waffen“,„der Römer“ statt „alle Römer“, „pro Kopf der Bevölkerung“ für „pro Einwohner“. Ersetzt wird etwas Allgemeines durch Besonderes, Abstraktes durch Konkretes, Gattung durch Art, Einzelwesen und umgekehrt. In der Stilistik wird die Synekdoche als eine Art des Tropus betrachtet.
3.Die dritte Art des Bedeutungswandels hängt mit Euphemismen zusammen. Unter Euphemismus versteht man eine verhüllende, beschönigende, mildernde Umschreibung für ein anstößiges oder unangenehmes Wort z.b „entschlummern“ für sterben. Der Gebrauch von verhüllenden Ausdrücken kann Grund für die Bedeutungsentwicklung sein. Unter dem Einfluss der verhüllenden Wortverbindung „in anderen Umständen sein“ (= schwanger sein) entstanden solche Komposita wie: Umstandsbadeanzug.
Die Euphemismen lassen sich in 4 Gruppen einteilen.
1. Religiöse Euphemismen entstanden aus Aberglauben und Furcht vor natürlichen und übernatürlichen Wesen in alter Zeit. Diese Erscheinung wurzelt im Tab u (polynesisch — „verboten“) der Naturvölker. Das war die Vorschrift und Praxis, bestimmte Gegenstände, Personen, Tiere zu meiden. Religiöse Euphemismen (ehemalige Tabuwörter) sind z. B. der Allwissende, der Allmächtige, Er, der himmlische Richter für „Gott“, der Böse, der Schwarze, der Versucher, Gottseibeiuns für den „Teufel“, der Braune für „Bär“.
2. Sozial-moralische Euphemismen werden durch ethische Normen der Gesellschaft bedingt. Um die Schattenseiten des Lebens irgendwie zu beschönigen und zu verhüllen (aus welchen Gründen es auch sein mag — aus klassenmäßigen oder allgemein menschlichen), bedient man sich mildernder Umschreibungen. Das betrifft solche negativen Erscheinungen wie das Trinken, den Diebstahl, die Prostitution, die Leidenschaft für das Kartenspiel und andere Laster. Z.b „Lüge“ wird durch Anekdote, Chronik, Fantasie, umschrieben, oder man sagt statt „sich betrinken“, „betrunken sein“: zu tief ins Glas gesehen/blau wie ein Pfeilchen.
3. Gesellschaftlich-ästhetische Euphemismen entstanden als gesunde Reaktion auf Verstöße gegen den Anstand und angenommene Verhaltensnormen. Direkte Bezeichnungen für physiologische Prozesse und Zustände werden gemieden oder umschrieben, das Unangenehme wird anstandshalber nicht beim rechten Namen genannt. Aus Rücksichtnahme und Ästhetik werden andere Wörter gebraucht: statt „dicke Dame“ sagt man „korpulente, mollige Dame“.
Aus Prüderie und Rücksichtnahme auf andere sagt man: Freundin für „Geliebte“, ein Verhältnis haben im Sinne „Liebesverhältnis“.
4. Politische Euphemismen dienen der Verschleierung und Tarnung tatsächlicher Sachverhalte. In bestimmten Situationen werden heute als verhüllende Wörter solche Lexeme angesehen, wie Abwicklung (zuweilen im Sinne „Schließung der Betriebe und Institutionen“), Engpass (Mangel; beschränkt verfügbare Materialien, Arbeitskräfte), Nullwachstum (Stagnation), Minuswachstum (Produktionsrückgang).
28. Idiome
читать дальше1. Völlig unmotivierte Idiome. Nach der Struktur sind sie nicht zerlegbar und ihre Bedeutung ist unmotiviert, z.B.: etw. auf dem Kerbholz haben’, bei j-m in der Kreide stehen’, an j-m einen Narren gefressen haben. Nach V. V. Vinogradov sind es phraseologische Zusammenrückenden: съесть собаку на чем-л, бить баклуши.
2. Bildlich motivierte Idiome. Sie sind oft zerlegbar und immer motiviert. Größtenteils haben sie eine „Parallele“ in Form einer freien Wortverbindung mit direkter Bedeutung: j-m den Kopf waschen; bei etw. ein Auge zudrücken; j-m Brot mit Butter beschmieren’, Öl ins Feuer gießen u. a.m. Bei V. V. Vinogradov sind es phraseologische Einheiten: намылить голову кому-л, ума не приложу.
29. Entlehnung
читать дальшеInfolge vielfältiger Beziehungen zwischen einzelnen Sprachträgern, sozialen Schichten und ganzen Völkern, im Ergebnis kultureller Verbindungen und internationaler Zusammenarbeit im ökonomischen, politischen, kulturellen, wissenschaftlich-technischen, sportlichen Bereich kommt es zu Sprachkontakten, zu gegenseitiger Beeinflussung von Sprachen und Kulturen, letzten Endes — zu Entlehnungen im Wortschatz.
Die deutsche Sprache ist im Laufe ihrer Geschichte vielfach durch andere Sprachen bereichert worden, ebenfalls wurde deutsches Wortgut von anderen Völkern aufgenommen, z. B. im Russischen öyxzanmep < Buchhalter.
Entlehnt werden in der Regel Wörter (Lautkomplex + Inhalt) und Bedeutungen aus anderen Sprachen, viel seltener — phraseologische Wendungen und syntaktische Konstruktionen, sehr selten — wortbildende Morpheme.
Unter Entlehnung versteht man in der einschlägigen Literatur den Entlehnungsvorgang, d.h. die Übernahme fremden Sprachgutes sowie das Ergebnis dieses Prozesses — das entlehnte fremde Sprachgut selbst.
Nach der Art der Entlehnung werden abgegrenzt: 1) Sach-und Wortentlehnung, 2) Wortentlehnung. Bei der Sach- und Wortentlehnung werden aus der Sprache A fremde Formative übernommen, deren Denotate (Gegenstände, Erscheinungen) in der entlehnenden Sprache B neu oder unbekannt sind: Mauer, Straße ,Fenster .Im 20. Jh. haben sich viele Angloamerikanismen als Sach- und Wortentlehnungen im Deutschen eingebürgert: Camping, Computer, Fax
Bei Wortentlehnungen werden fremdsprachliche Formative übernommen, deren Denotate in der entlehnenden Sprache bereits durch eigene Wörter ausgedrückt sind: Job — „Arbeit“; Manager— „Leiter (in einem Unternehmen)“; Service ['s0:nvis] — „Kundendienst“
Nach der Entlehnungsform sind zu unterscheiden:
1.Fremdwortübernahme (formale, einfache, direkte Entlehnung). Fremde Formative werden in die entlehnende Sprache mit minimaler Abänderung aufgenommen: Datscha, Datsche
2.Lehnprägung.
a)Bei der Lehnübersetzung (KcuibKupoeanue) handelt es sich um eine Nachbildung der Morphemstruktur von Fremdwörtern oder fremden Wortgruppen. Es erfolgt eine Glied-für-Glied-Übersetzung (Morphem für Morphem, Wort für Wort)
b)Lehnübertragung ist eine freiere Wiedergabe der Morphemstruktur des fremden Wortes: lat. patria (=Väter) — Vaterland; lat. miseri- cors — barmherzig; lat. bellum civile — Bürgerkrieg, engl, hobby-horse — Steckenpferd; to wire — drahten;
c)L e h n b e d e u t u n g ist die Zuordnung einer fremdsprachlichen Bedeutung zu einem deutschen Formativ. So hat das Wort „Fall“ (zu: fallen) unter dem Einfluss des lat. casus (zu: cadere — „fallen“, auch im Russ. nadeotc <- nadamb) die terminologische Bedeutung „Kasus“ angenommen.
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