убил лису – сам съел колобка.
11.Charakterologische Lexik. Berufslexik. Termini. Berufsjargonismen.
читать дальшеUnter Fachausdrücken (Fachlexik) versteht man
1) Termini verschiedener Wissensgebiete: Intoxikation (Medizin), Kernspaltung (Physik), Alliteration (Philologie);
2) Berufslexik verschiedener Berufsspären (Proffesionalismen): sichtiges Wetter (Seemanssprache), d. h. klares Wetter für die Seeausfahrt, abteufen (Bergamannssprache), d. h. einen senkrechten Schacht ausgraben;
3) funktionalstilistisch gefärbte Lexik nichtterminlogischen Charakters. Das sind z. B. Adverbien und Präpositionen, deren Gebrauch sich nur auf bestimmte Stile beschränkt, wie etwa im Amtsstil verbindlichst, behufs, zwecks, gemäß; Substantive auf -nahme und -zwecks: etwas als Nachnahme schicken (unter Einziehen der Kosten vom Empfänger), in Bedachnahme auf bereits erfolgte Zahlung.
Fachausdrücke können in verschiedenen Sphären des gesellschaftlichen Sprachverkehrs auftreten. Selbstverständlich kommt es zur Widerspiegelung der objektiven beruflichen Sprachcharakteristik bei entsprechender Thematik in der schönen Literatur, der Presse und Publizistik.
Von den Fachausdrücken sind die sog. «Berufsjargonismen» abzugrenzen. In der Beruflexik macht sich Tendenz zur Sprachökonomie bemerkbar und damit im Zusammenhang auch gelegentlich ein Übergang zu den emotionalen Synonymen, zu den Berufsjargonismen. Wie schon der Name sagt, bilden sie einen Grenzfall zwischen Proffesionalismen und Jargonismen. Wie die Berufslexik, dienen sie zur Verständigung innerhalb eines bestimmten Berufskreises; sie unterscheiden sich aber von ihnen dadurch, dass sie nicht wie diese objektiv-neutrale Bezeichnung eines Produktionsvorgangs, sondern ein stilistisches Synonym dazu darstellen: einen scherzhaften oder satirischen Ausdruck von umgangssprachlicher Färbung. Sie machen sich in erster Linie im Stil de Alltagsverkehrs bei den Vertretern verschiedener Berufskrese breit. Die scherzhaften Ausdrücke Gänse anstatt Gänsefüßchen (unter Korrektoren), Manus anstatt Manuskript (unter Redakteuren und Journalisten), beide bequemen Kurzwörter, haben literarisch-umgangssprachliche Stilfärbung; anders steht es mit dem Wort Revolverblatt. Revolverblatt (auch Käseblatt) ist die Bezeichnung für eine Zeitung übelster Sorte, die alle möglichen schmutzigen Interessen ihrer Geldgeber vertritt. Dieses Wort klingt bedeutend familiärer und bedeutend emotionaler als die früher angeführten Berufsjargonismen; sie nähern sich, wenn auch von einer anderen Seite her, den Vulgarismen.
12.Charakterologische Lexik. Fremdsprachige Wörter. Internationalismen, Fremdwörter. Realien.
читать дальшеDie fremdsprachigen Wörter (Internationalismen, Fremdwörter) sind eindeutige Bezeichnungen, die dazu verhelfen, bestimmte Erscheinungen der Wirklichkeit möglichst klar und sprachökonomisch auszudrücken. Internazionalismen wie Elekrizität, antik oder allgemeinverbreitete Fremdwörter wie Friseur, Installateur bezeichnen eindeutig und unmissverständlich den nötigen Begriff oder Sachverhalt. Der Großteil aller volkstümlichen Fremdwörter ist expressiv gefärbt. Zum Beispiel Wörter prima, kolossal und ähnliche Modewörter sind alle gefühlsbeladen. In der letzen Zeit spricht man von Exotismen. Bei den Exotismen handelt es sich um Wörter, die zur Bezeichnung von spezifisch nationalen, fremdländischen Erscheinungen usw. dienen. Häufig sind dies Benennungen von typischen Mahlzeiten, Kleidung, Pflanzen, Sitten, gesellschaftlichen Erscheinungen: das Judo, das Karate, das Aikido, Ikebana, Tamagotschi. Auch die russischen Exsotismen: der Mushik, die Troika, der Wodka, der Samowar, die Papirossa, der Ukas, der Kwas, der Gospodin, die Ucha, der Rassolnik, die Kulebjaka, der Kefir, der Uschanka. Sehr verbreitet sind heute in der deutschen Sprache Fremdwörter amerikanischer Herkunft: der Killer, der Schmerzkiller, die Geburtstags-Party, der Freak, small talk, der Outsider .
Die stilistische Funktion der fremdsprachigen Wörter tritt besonders stark in der schönen Literatur, zum Teil auch in der Publizistik, hervor:
a) Fremdsprachige Wörter helfen dazu, das Kolorit der Darstellung zu verstehen (historisches, nationales, soziales und berufliches Kolorit). So findet man in Bertolt Brechts “Dreigroschenroman” eine Fülle von englischen Realienbezeichnungen (Städte, Straßen, Plätze, Brücken, Organisationen, Titel aller Art), die dem Leser allerdings nicht immer bekannt sind. Aber sie geben dem Leser in ihrer Gesamtheit eine unmissverständliche Zeichnung des geographischen Hintergrunds, auf dem die Handlung vor sich geht.
b) Die fremdsprachigen Wörter können im Dienst von Humor und Satire stehen. Sie werden dabei von den ungebildeten Personen phonetisch und morphologisch entstellt oder falsch verwendet.
c) Eine wichtige stilistische Funktion der Fremdwörter in verschiedenen Stilen des schriftlichen und mündlichen Verkehrs besteht in der Vermeidung von Wiederholung und damit in der Variierung und Belebung der sprachlichen Darstellung. Wenn das fremdsprachige Wort und sein deutsches Äquivavelnt vollständige Synonyme bilden, so sind sie meist austauschbar: Zur Vermeidung von Wiederholung gebraucht man: Regissieur und Spielleiter, korrigieren und verbessern, physisch und körperlich, Enegrie und Tatkraft usw.
Im Zusammenhang mit den Fachausdrücken sollen die sog „Realienwörter“ oder ''Realienbezeichnungen'' erwähnt werden. Während die Fachausdrücke und die beruflichen Jargonismen als Schichten des Wortschatzes eine lexikologische Erscheinung sind, müssen die Realienwörter als stilistische Kategorie angesehen werden. Darunter sind Wörter zu verstehen, die Realien, d.h. Tatsachen aus den verschiedensten Wissens- und Lebensgebieten angeben. Dazu gehören Namen von politischen und kulturellen Organisationen, Titel, Kulturdenkmäler, nationale Speisen und Getränke, nationale Kleidung, mythologische Namen, geographische Namen usw. Sprachlich werden sie ausgedrückt durch Termini und Berufslexik, durch lexische Archaismen und Historismen, durch Neologismen (oft in Form von Kurzwörtern), durch phraseologische Fügungen (insbesondere Zitate); durch Familiennamen, Städte-,Länder-, Fluss- und Bergnamen, durch Ziffernmaterial.
Die Realienwörter bilden einen wesentlichen Faktor in verschiedenen Stilen der Nationalsprache. Eine besonders wichtige Rolle spielen sie im Stil der Wissenschaft und im publizistischen Stil, wo sie zur Beweisführung dienen. In der schönen Literatur verhelfen sie meist, das zeitliche, nationale, örtliche und berufliche Kolorit der Handlung zu vermitteln.
13.Grammatik der deutschen Gegenwartssprache aus stilistischer Sicht. Stilwerte der Satzarten: Aussage-, Frage-, Ausrufesätze.
читать дальше1. Stilwerte des Aussagesatzes
2. Stilwerte des Ausrufesatzes
3. Stilwerte des Fragesatzes
1. Der Aussagesatz ist die herrschende Satzart in der wissenschaftlichen und künstlerischen Prosa. Er ist für das Erzählen und und Beschreiben charakteristisch. Der Aussagesatz ist syntaktisch am vielseitigsten entwickelt: er verfügt über mannigfaltige Formen: von einem eingliedrigen Satz bis zum vielgliedrigen kunsvoll zusammengefügten Satzgebilde. Verschiedene Arten des Aussagesatzes besitzen verschiedene Stilwerte. Entscheidende Rolle spielt dabei der Umfang und die Struktur des Satzes.
Der lange umfangreiche Satz dient in der Regel einer ruhigen sachlichen leidenschaftslosen Mitteilung. Er verfügt über einen hohen objektiven gehalt, d. h. vermittelt objektive Information. Solch ein Satz bringt in den Text Ruhe, Sachlichkeit, Objektivität, Glaubwürdigkeit und wirkt objektiv-konstatierend. Nicht umsonst ist der Aussagesatz im Stil der Wissenschaft und des offiziellen Verkehrs vorherrschend.
Wenn der Aussagesatz zu komplieziert aufgebaut ist, verliert er die Verständlichkeit; der Satz wirkt papierend (казённо) und markiert das Amtsdeutsch, die Kanzleisprache. Die schöne Literatur benutzt zu kompliziert aufgebaute Aussagesätze zum Ziel der Parodierung einer pseudowissenschaftlichen oder pseudooffiziellen Rede.
Der kurze Aussagesatz ist oft Ausdruck eines gefühlsbetonten Inhalts. Er kann eine große stilistische Kraft haben, dem Text Lebendigkeit, Ungezwungenheit, Emotionalität verleihen. Der kurze Aussagesatz kann verschiedene Gefühle widergeben, z.B. die innere Spannung, die Eile, den schnellen Wechsel der Ereignisse. Als Beispiel dafür dient eine Replik aus Lessings Drama “Nathan der Weise”: “Der Vater war fern. Er kommt – er hört – er sucht mich aus – er dankt”. Die Aufeinanderfolge einzelner Handlungen des Vaters wird hier mit Hilfe einfacher Aussagesätze anschaulich gemacht. Man versteht: Nathan handelt ohne lange nachzudenknen.
2. Der Ausrufesatz ist immer Ausdruck des inneren Erlebens. Sein Stilwert besteht in der affektbetonten Darstellung eines Sachverhalts. Die Skala der Gefühle des Sprechenden reicht dabei vom tiefsten Abscheu bis zur höchsten Verehrung, vom Hass bis zur Freude. Der Ausrufesatz ist am Platze, wenn der Leser aufgerüttelt (встряхнуть, взбудоражить) werden soll oder wenn Streit und Polemik einsetzt.
Eigentliche Ausrufesätze sind nach den folgenden Modellen aufgebaut: Welche Freude! Was für ein Mädchen! So ein Schwindel! (обман)
Aber oft haben sie auch die Form eines Fragesatzes mit Spitzenstellung des finite Verbs oder eines Fragewortes, z.B. “Bin ich glücklich!” “Wie alt sieht er aus!”
Zahlreich sind eingliedrige und elliptische Ausrufesätze solche wie z.B. “Hurra!” “Hilfe!” “Ach wo!” Allen diesen Modellen ist ein Zug gemein: eine spezifische Intonation. Welche Bewertung sich im Satz realisiert - Bewunderung, Missbilligung, Freude, Zorn, Ironie – hängt von der Lexik, Intonation und Situation ab. Die Funktionsbereiche der Ausrufesätze sind Alltagsrede und schöne Literatur. In der Sachprosa werden sie in der Regel vermieden.
3. Der Fragesatz enthält kein Bewertungssem. Sein Hauptsem ist die Frage. Stilistik unterscheidet echte und scheinbare Fragesätze. Die echten Fragesätze werden aus Unwissenheit gestellt und verlangen eine Antwort. Scheinbare Fragesätze erfordern keine Antwort.
Die echten Fragesätze bekommen in der schönen Literatur verschiedene Stilwerte: 1) In der Autorenrede lockern sie den Satz auf (разнообразить, оживить), verleihen ihm Lebhaftigkeit und Vertraulichkeit, denn der Autor nimmt damit den unmittelbaren Kontakt mit dem Leser auf. 2) In der Figurenrede eines Kunstwerkes demonstrieren Fragesätze die Gefühlsaktivität einer Person und Wissensdrang, auch Erregung, Ungeduld, Hoffnung, Zweifel. So stellt der alte Mann viele Fragen an seinen neuen Bekannten in Borchrts Erzählung: “Wie alt bist Du denn?” “Worauf passt Du denn auf?” “Wohl auf Geld, was?”
Die scheinbare Frage heißt auch die rhetorische Frage. Sie stellt in Wirklichkeit eine Behauptung oder einen Ausruf dar. In künstlerischen Werken ist die rhetorische Frage Ausdruck des inneren Erlebens, tiefempfundener Gefühle.
14.Grammatik der deutschen Gegenwartssprache aus stilistischer Sicht. Allgemeine Gesetzmäßigkeiten der stilistisch markierten Wortfolge im deutschen Satz.
читать дальшеJede Wortart zeichnet sich durch lexikalische und grammatische Eigenheiten aus, die ihre Bedeutung und ihren Stilwert bedingen.
Das Verb bildet ein Viertel des Gesamtwortschatzes. Das Verb ist dazu berufen, Tätigkeiten, Zustände, Ereignisse festzustellen, die Kraft, Bewegung, Veränderung, Leben in die Schilderung hineinzutragen. Daraus ergibt sich eine Schlußfolgerung für die Stilistik: je dynamischer eine Schilderung sein soll, desto mehr Verben nutzt sie aus. Der sog. Verbalstil ist die Darstellungsweise, der eine hohe Gebrauchsfrequenz vollwertiger Verben eigen ist. Unter dem Nominalstil versteht man gewöhnlich die hohe Gebrauchsfrequenz der Substantive sowie der Adjektive als nominative Wortarten.
Die Verben können sogar das Leblose beleben, wenn man die Gegenstände personifiziert, ihnen Bewegungen, Gefühle, Handlungen zumutet; so entstehen verbale Metaphern: Die Sterne zittern… Da trudelte der Mond über die Dächer... Die Fensterflügel miaute. In diesen Metaphern, wo der Übertragungsbegriff im Verb steckt, ist auch die Wahl des Verbs beachtenswert. Den bildhaften Verben stehen als Gegenstück die Funktionsverben mit verblasster Bedeutung gegenüber, die in Verbindung mit abstrakten Substantiven “Streckformen” bilden. Sie werden sehr oft in der offiziellen Sachprosa und der Publizistik gebraucht: zur Kenntnis bringen, in Kenntnis setzen, zur Kenntnis nehmen, Kenntnis bekommen (erhalten, erlangen).
Die Substantive sind zahlenmäßig die reichste Wortart, die 50-60 % des Gesamtwortschatzes zuzurechnen ist. Erstens benennen sie die materiellen Dinge der Außenwelt, zweitens gelten sie als Gipfel der abstrakten Denkweise der Menschen. Nicht nur im Wortschatz, auch in unterschiedlichen Textsorten überwiegen meist die Substantive. Reich an Nomina ist der Stil der Wissenschaft: hier überwiegen Abstrakta und Termini, die bei der wissenschaftlichen Darlegung notwendige Begriffe und Verallgemeinerungen verkörpern. Der substantivische Stil ist dem Stil des öffentlichen Verkehrs eigen (offizielle Dokumente). Der Nominalstil in der schönen Literatur dient verschiedenen Zwecken. Die Substantive malen Einzeldinge, Einzelerscheinungen: Hamburg! Das ist mehr als ein Haufen Steine, Dächer, Fenster, Tapeten, Betten, Straßen, Brücken, Laternen.
Eine Folge von Substantiven kann aber auch die Vorstellung einer energischen Bewegung erwecken. Das Fehlen des Verbs kann sogar in einigen Satzarten den dynamischen Effekt steigern: Ich raus aus dem Bett und ans Fenster, er an die Tür.
Grund- und Übertragungsbegriff stehen bei der substantivischen Metapher in syntaktischer Beziehung zueinander: Dieser steinerne Wald von Häusern.
Die Adjektive bilden ein Sechstel des Gesamtwortschatzes. Sie geben objektive und subjektive Merkmale der Gegenstände sowie Einschätzungen und Beurteilungen der Dinge wieder. Sie heben einzelne Besonderheiten des Gegenstandes hervor.
In der Wissenschaft dienen die Adjektive zur Präzisierung der Begriffe. Da die Adjektive eine charakterisierende, urteilende und registrierende Funktion besitzen, findet man sie in beschreibenden Texten (in Landschafts- und Portärtsschilderungen, Berichten, in der Werbung). Auffalend ist die hohe Frequenz der Adjektive in der “Werbesprache”.
Ein Stoff ist modisch, preiswert, bügelfrei, porentief, atmungsaktiv, wasserdicht. Ein Kleid hauteng, kniefrei, fleckenunempfindlich. Die Strümpfe sind laufmaschinensicher.
In der attributiven Verwendung erlauben die Adjektive eine sprachökonomische Informationskonzentration, wie sie besonders in juristischen und wissenschaftlichen Texten üblich sind. Im prädikativen Gebrauch erzielen sie eine statische Wirkung. Deshalb bildet der adjektivische Stil einen Gegensatz zum dynamischen Verbalstil.
Ein und derselbe Gegenstand kann bei verschiedenen Menschen andere Eindrücke hervorrufen, jedem fällt ein besonderes Merkmal auf. Bei der metaphorischen oder metonymischen Übertragung der Eigenschaft spielt eine große Rolle eine adjektivische Metapher: ängstliche Fenster, blinde Hände, ein sehr müdes Meer.
15.Grammatik der deutschen Gegenwartssprache aus stilistischer Sicht. Besondere Arten der stilistisch kolorierten Wortfolge.
читать дальшеZu den Abarten der stilistisch kolorierten Wortfolge gehören Prolepse, Nachtrag, Parenthese, Aposiopese.
Die Prolepse ist eine besondere Erscheinungsart der stilistischen Anfangsstellung. Unter Prolepse versteht man die Wiederaufnahme eines Substantivs durch ein Pronomen oder Adverb, bei völliger Absonderung dieses Substantiv in Spitzenstellung (mit oder ohne Komma): Mein Schatz, der ist auf Wanderschaft. Die Nacht, das ist für dich die Ewigkeit. (in der Poesie) Dem Kerl, dem werd ich’s geben! “Wo sind deine Eltern?” – “Mein Vater, der ist in der Arbeit, und meine Mutter, die ist auf den Markt gegangen. (in der Alltagsrede) Das Substantiv, das besonderen semantisch-expressiven Nachdruck erhalten soll, steht im Nominativ, durch eine Pause von dem nachfolgenden Neuansatz getrennt: Die Kinder, sie hören es gerne.
Der Nachtrag gilt als Gegenstück zur Prolepse. Darunter versteht man die Wiederaufnahme eines Pronomens oder Adverbs durch ein Substantiv in abgesonderter Endstellung. Das Substantiv oder eine Wortgruppe werden abgesondert, während das Pronomen oder Adverb dem Substantiv vorangehen: Dem werde ich ’s geben, diesem Kerl. Oh, dass sie ewig grünen bliebe, die schöne Zeit der jungen Liebe. Das Substantiv kann noch durch einen Nebensatz präzisiert werden: Wer hatte sievertrieben, die Angst, die die Menschen frass?
Sprengung des geschlossenen Satzbaues bewirkt die Parenthese (griech. Dazwischenschalten). So nennt man Schaltsätze, -gruppen, -wörter, die mitten in den Satz eingeführt werden. Graphisch wird der eingedrungene Schaltsatz durch Komma, Gedankenstrich, in der Klammer vorne und hinten bezeichnet. Die Parenthese kann expressiv und nichtexpressiv sein. Sie findet sich in allen Stilarten. Ob schöne Literatur oder wissenschaftliche Prosa, ob Amtsdokument oder Alltagsgespräch, immer besteht ihre Aufgabe darin, irgendeine Stelle des Satzes, in den sie eingeschoben ist, näher zu erklären: Die Bilder des Malers X., eines bekannten Künstlers der Nachwuchsgeneration, wurden ausgestellt. Ich bin schrecklich schläfrig – die halbe Nacht habe ich gelesen –, und mir fallen die Augen zu. … ihre ein wenig versonnene Art (sie trauerte damals um ihre Mutter) … all das machte einen tiefen Eindruck auf ihn. Als wesentliches Kennzeichen der Alltagsrede treffen wir komische oder ironische Einschaltungen, ferner unpassende Einschaltungen. Gerade die Parenthesen verleihen dem Umgangssprachstil inhaltliche und formale Ungezwungenheit: Wie schnell sie ist. Ich schau nur weg, und, hast du nicht gesehen, hat sie schon die Finger danach ausgestreckt. Der Autor steckt oft eine witzige oder sarkastische, positive oder negative Bemerkung in der Parenthese. Bei der Beschreibung einer Dorfkneipe: Im öffentlichen Schankraum – eine verräucherte, schnapsstinkende Bude mit einigen Reh- und Hirschgeweihen an den Wänden – wurde nur den Bauern ausgeschenkt.
Als Sprengung des geschlossenen Satzbaus kann man auch Aposiopesebezeichnen, d.h. alle Fälle von plötzlichem Abbruch: Dass dich - ! Hol dich - ! Wart, ich will dich! Das wäre! Der Sprechende setzt zu einem erregten Ausdruck an (Dass dich der Teufel hol! – Da soll doch gleich der dreinfahren! – Das wäre doch eine Gemeinheit!), beherrscht sich jedoch und spricht nicht zu Ende. Der plötzliche Abbruch wirkt aber vielleicht noch mehr, als wenn der Satz zu Ende gesprochen würde. Die Aposiopese – und darin beruht ihr wichtigster stilistischer Ausdruckswert – ist dazu geschaffen, Spannung und Neugier zu erwecken. Die Mutter redet auf ihre verstockten Kinder ein: Wenn ihr noch einmal macht, werdet ihr sehen, was -. An einer erregenden Stelle wird plötzlich abgebrochen, es bleibt dem Leser überlassen, sich das Weitere auszumalen. In der schönen Literatur dient die Aposiopese gewöhnlich als Spannungsmittel. Die Aposiopese erscheint mit Vorliebe am Ende des Kapitels: “Nicht möglich,” schrie sie auf, erbleichte und … (Fortsetzung folgt.) Die Verwendungsmöglichkeiten des plötzlichen Abbruchs in der Sprachwirklichkeit sind ungeheuer mannigfaltig; wir begnügen uns mit den bisher aufgezählten.
16.Grammatik der deutschen Gegenwartssprache aus stilistischer Sicht. Wortarten aus stilistischer Sicht. Stilwerte des Verbs, des Adjektivs, des Substantivs.
читать дальшеWortarten aus stilistischer Sicht. Jede Wortart zeichnet sich durch lexikalische und grammatische Eigenschaften aus. Sie bestimmen ihre Bedeutung und ihren Stillwert, Die Wortarten bieten reiche stilistische Möglichkeiten. Das Verb macht ein Viertel des Wortschatzes aus. Das Verb verfügt über die Kraft, Bewegung, Veränderung, Leben in die Schilderung hineinzutragen. Je dynamischer eine Schilderung sein soll, desto mehr Verben nutzt sie aus. Die Verben können das Leblose beleben. Das sind verbale Metaphern. Z.B: H.Hesse „Sprache“ – „Die Sonne spricht zu uns mit Licht. Mit Duft und Farbe spricht die Blume. Mit Wolken, Schnee und Regen. Spricht die Luft“. In der wissenschaftliche Sahprosa und der Publizistik werden verblasste Wortfiguren gebraucht zu Kenntnis nehmen, in der Kenntnis bringen usw. Von Nominalstill sprechen wir, wenn sehr oft die Adjektive und Substantive vorkommen. Die Adjektive machen ein Sechstel des Wortschatzes aus. Sie geben objektive oder subjektive Merkmale der Gegenstände wieder. Im Still der Wissenschaft dienen sie zur Präzisierung von Begriffen. Die Adjektive haben eine charakterisierende, urteilende und registrierende Funktion. Wir erinnern uns an Porträtbeschreibungen und Landbeschreibungen. Ganz anders ist es im Verbund. Z.B: „Der Stoff ist modisch, preiswert, bügelfrei, wasserdicht.“ Die Beispiele der adjektivischen Metaphern: „ängstliche Fenster“, „blinde Hände“, „ein sehr müdes Meer“. Farbenmetaphern: „gelben Menschenneit“, „blaue Gedanke“. Die Substantive machen 50-60% des Wortschatzes aus. Der Nominalstill in der schöngeistigen Literatur dient unterschiedlichen Zwecken. Die Nomina werden zu Hauptträgern der Impressionen, sie malen einzeln Dinge, einzeln Erscheinungen. Z.B: „Hamburg! Das ist mehr als ein Haufen Steine, Dächer, Fenster, Tapeten, Betten, Straßen…“ Das Fehlen der Verben steigert hier den dynamischen Effekt. Die Beispiele der substantivischer Metaphern: „ein Meer von Glück“, „ein Wald von Häusern“. Der Artikel ist Hauptträger zum Ausdrück der Kategorie der Bestimmtheit und Unbestimmtheit. Jeder einzelne funktional Still hat in seiner Besonderheit im Gebrauch des Artikels, z.B in der Alltagsrede bedeutet der Artikel vor Eigennahmen das intime Verhalten zu einer gut bekannten Person. In Still der öffentlichen Rede werden die Substantive in der Regel ohne Artikel gebrauch, z.B „Eintritt verboten“, „Sprechstunde von 9 bis 5“. Der Artikel selbst besitzt keinen Stillwert. Er bekommt ihn nur bei Unterstützung von inner- und außerlinguistischen Faktoren.
17.Phonetik aus stilistischer Sicht. Intonatorisch-stilistische Fragen. Stilistisch bedingte Besonderheiten der Aussprache.
читать дальшеIntonatorisch-stilistische Fragen
Die Intonation der deutschen Sprache hat allgemeine Gesetzmäßigkeiten, die für alle Äußerungen, für alle Stile gelten. Aber daneben gibt es gewisse intonatorische Merkmale in einzelnen Funktionalstilen und ihren Substilen. Die intonatorische Gestaltung eines wissenschaftlichen Vortrags kennzeichnet sich durch ein verlangsamtes Sprechtempo, damit das Gesagte besser eingeprägt wird; durch deutliche Pausen, durch intonatorische Hervorhebung der informationswichtigen Satzteile, durch etwas eintönige Satzmelodie, weil die Rede emotionsarm ist und nirgends unterbrochen wird.
Der Stil der Alltagsrede hat eine andere intonatorische Charakteristik. Die Intonation ist hier beweglich, ausdrucksvoll. Hier sind zwei oder einige Gesprächspartner vorhanden, die fragen und antworten. Wichtig sind paralinguistische Elemente (d. h. Gesten und Mimik), die die sprachliche Information ergänzen und unterstützen. Diese Bewegungen, Achselzucken oder Kopfnicken zerreißen die gleichmäßige Tonführung.
In ihrer stilistischen expressiven Rolle erfüllt die Intonation drei Funktionen:
1) Hinweis auf die emotionale Beteiligung des Sprechenden am Gesagten,
2) Hinweis auf den Geltungsgrad der Aussage (Zweifel, Überzeugung, Wunsch);
3) Steigerung der Aufmerksamkeit.
Zu zwei ersten Funktionen muss man folgendes sagen: Jedes Sprechen ist mehr oder weniger emotional gefärbt. Es ist allgemein bekannt, dass sogar ein isolierter Satz Gefühle unterschiedlicher Art ausdrücken kann, z.B. der Satz “Er ist fort!” Die Intonation drückt hier allein, ohne andere Sprachmittel die entsprechende Emotion aus (Freude, Kummer, Enttäuschung usw.). Meistenteils aber erfüllt die Intonation diese zwei Funktionen im Zusammenwirken mit anderen Sprachmitteln lexikalischer und grammatischer Art, z.B. der Satz “Ach, wie glücklich bin ich heute!” Das Gefühl der Freude findet seinen Ausdruck in der Intonation und wird verstärkt durch die Interjektion “ach”, das Wort “glücklich” und die Struktur des Ausrufesatzes.
Die dritte Funktion, die Steigerung der Aufmerksamkeit, erfolgt als die Hervorhebung der wichtigsten Teile einer Aussage durch Akzent oder Pause. Z.B. der Satz “Gefeiert wird heute!” Nur der Akzent lässt schließen, ob das erste oder das letzte Wort in diesem Satz das Rhema ist.
Stilistisch bedingte Besonderheiten der Aussprache
Die Aussprache ist meist funktionalstilistisch bedingt. Die Aussprache bei öffentlicher Rede (und auf der Bühne) zeichnet sich durch das verlangsamte Tempo, die klar ausgesprochenen Laute, deutlich voneinander abgegerenzte Wörter aus. Bei einer privaten Unterhaltung im Alltagsleben aber ändert sich die Sprechweise. Sie zeichnet sich durch eine rasche Manier, durch eine gewisse Lässigkeit aus: die unbetonten Vokale werden leicht reduziert, einzelne Konsonanten fallen aus, einige Silben werden verschluckt, die Endungen werden undeutlich ausgesprochen. Die entstehenden Verschmelzungen (слияния) und Abkürzungen werden zum Merkmal der Alltagsrede, z.B. runter (statt “herunter”), warn (statt “waren”), ich hab’ (statt “ich habe”), ich sag’s dir (statt “ich sage es dir”), heut’ (statt “heute”); Dienstwörter verschmelzen auch mit Vollwörtern: siehste (statt “siehst du”), kannste (statt “kannst du”), hammer (statt “haben wir”).
Einige Besonderheiten der Aussprache dienen zur Gestaltung des Sprachporträts, und zwar zur territorialen und zur individuell-psychologischen Charakteristik. Eine Figur kann Dialekt oder übertrieben emotionell, feierlich oder einfach reden. Bei einem Meister haben Figuren ihre besondere Sprechart. Es können außerdem typische Lautmerkmale schriftlich wiedergegeben werden: die Dehnung der Vokale und Konsonanten ermöglicht Ausdruck verschiedener Emotionen, z.B. Lliieber Freund! (Ironie, Entrüstung (возмущение, негодование), überzeugendes Zureden ); Neiin! (die gefühlsbetonte Verneinung); Rrraus! (ein Wutanfall). Graphisch wird die gefühlsmäßige Aussprache durch Verdoppelung der Buchstaben, Striche, Pünktchen dargestellt.
Eine starke Erregung verursacht Stottern. Der Autor verwendet das zur Charakteristik des Gefühlszustandes der Figur, z.B. V-Vater? M.. mit m.. meinem V… Vater?
Charakterologische Bedeutung können auch phonetische Fehler bekommen, z.B. in der Rede eines Kindes oder eines Ausländers. Eine falsche Aussprache von Fremdwörtern wird als Mittel der Ironie gebraucht.
18.Phonetik aus stilistischer Sicht. Stilistische Möglichkeiten der Klangstilmittel.
читать дальшеZu den Klangstilmitteln der modernen deutschen Sprache gehören die Lautmalerei, die Alliteration und die Assonanz.
1) Unter der Lautmalerei (звукоподражание) versteht man die bewusste Verwendung gewisser Laute zum stilistischen Effekt.
Die Wurzeln der Lautmalerei stecken in der Volkssprache und der Volksdichtung. Jede Nationalsprache bildet mit der Zeit ihre besonderen Lautnachahmungstraditionen aus. Das Sausen (шум, свист) und Heulen des Windes, das Rauschen des Wassers, das Zischen der Flamme wird im Deutschen gewöhnlich durch die Zischlaute [s], [z], [ts], [ʃ] sowie durch Sonorlaute [l], [r] wiedergegeben. Die hohen Naturlaute werden meist mit den Vokalen der vorderen Reihe [i], [y:], [ae], [e:] die tiefen Naturlaute mit [u:] untermalt. So hat die deutsche Sprache zur Wiedergabe von hohen Tier- und Vogelstimmen die Verben “piepsen”, “singen”, “zwitschern”, “trillern” usw., für tiefe Stimmen hingegen Verben wie “muhen” (мычать), “brummen” (рычать, реветь), “grunzen”. So wird im Sprachgebrauch ein schwaches Glöcklein mit dem Klang “bim-bim” nachgeahmt, eine starke Glocke hingegen mit “bam-bam” oder “bum-bum”.
Die schöne Literatur benutzt diese Tendenzen im Dienste der Lautinstrumentierung des Textes. Man untermalt das Thema von Wasser z.B. durch Zisch- und Sonorlaute. So bei Schiller in der Ballade “Der Taucher”: “Und es wallet (бурлит) und siedet (кипит) und brauset (пенится) und zischt…” Bei Goethe in der Ballade “Der Fischer”: “Das Wasser rauscht’, das Wasser schwoll…”
Der Konsonant [r] mit seiner vibrierenden Artikulation entspricht am treffendsten dem Geräusch des Donners, Gebrülls, Geriesels (журчание). Die Konsonanten [s], [z], [ʃ], [tʃ] sind nicht zufällig Zischlaute genannt; die Reibelaute eignen sich zur Imitation der Dauergeräusche usw. Der Unterschied zwischen langen und kurzen, offenen und geschlossenen Vokalen, den Vokalen der hohen und tiefen Zungenlage kann zur Lautinstrumentierung benutzt werden. Aber in einem isolierten Vokal oder Konsonanten steckt kein Ausdruckswert.
Die Lautmalerei wirkt auf den Leser/Hörer nur, wenn sie in Übereinstimmung mit der Bedeutung des Wortes, mit dem Kontext gebraucht wird. Die Zisch- und Sonorlaute untermalen z.B. die Geräusche des Wassers, Feuers, Windes, der Bewegung einer Schlange, Maus im Laub oder Gras. Das heißt - sie sind dort am Platze, wo sie die realen physichen Geräusche nachahmen und entsprechende Konnotationen im Leser (Hörer) wachrufen.
2) Bei der Lautinstrumentierung ist die Anordnung der Laute wesentlich. Sie kann dreifach sein: die Klangträger stehen im Anlaut, im Inlaut und im Auslaut.
Die Wiederholung desselben Konsonanten im Anlaut gehört zu der altertümlichen Tradition der germanischen Dichtung und trägt den Namen der Alliteration. Sie findet sich oft in alten Zwillingsformeln: durch dick und dünn (напролом), bei Wind und Wetter (в непогоду, в ненастье), über Stock und Stein (очертя голову, сломя голову, напролом).
Im modernen Werk wird die Alliteration meist im Dienste der Poetisierung des Textes verwendet. Sie wirkt ästhetisch auf den Leser, fesselt seine Aufmerksamkeit, dient als “Reizmittel”. Heine greift zu diesem Stilmittel für die Instrumentierung des stürmischen Meers:
Über das wüste, wogende Wasser
Weithin rollen die Donner
Und springen die weißen Wellenrosse.
3) Die Wiederholung derselben Vokale im Inlaut heißt die Assonanz (der innere Reim). Die Assonanz dient heute vorwiegend dazu, die Aufmerksamkeit des Lesers auf den Inhalt zu konzentrieren.
Man findet sie auch oft in den Zwillingsformeln “ganz und gar”, “von echtem Schrot und Korn” (старой закалки).
Die inlautenden Vokale können auch nach dem Prinzip des Kontrastes angeordnet werden. In diesen Fällen beruht der Klangeffekt auf der Ungleichkeit der hohen und tiefen Zungenlage bei der Aussprache mancher Vokale: durch Nacht und Wind; tief und weit. Oder in folgenden Zeilen aus “Erlkönig”:
Meine Töchter führen den nächtlichen Reihn
Und wiegen und tanzen und singen dich ein.
Die Abwechslung der Vokale ie – a – i in den Verben wiegen – tanzen – singen gibt die bunte Vielfalt des Reigens.
Der phonetische Parallelismus im Auslaut ist das Hauptprinzip des modernen Reims.
19.Mittel der Bildkraft. Zwei Komponenten des Begriffs „Bildkraft“. Begriffe der Stilfigur, des Tropus und Sprachbildes.
читать дальшеAls Mittel der Bildkraft werden in der Rede beliebiger kommunikativer Bereiche Bildhaftigkeit und Bildlichkeit behandelt.
Die Bildhaftigkeit (наглядность) erwächst aus der lexikalischen Struktur der Einzelwörter und Wendungen aufgrund direkter (eigentlicher) Bedeutung. E. Riesel versteht unter der Bildhaftigkeit „jede anschaulich-sinnfällige Darstellung eines Gegenstands oder einer Erscheinung“
Als Mittel der Bildhaftigkeit können die verschiedensten sprachlichen Erscheinungen dienen:
- die richtige Wortwahl aus thematischen und synonymischen Reihen;
- die passende funktionale Verwendung der lexikalischen Schicht;
- die Wahl der entsprechenden normativ-expressiven Stilfärbung usw.
Bildhaftigkeit ist die Wirkung aller Wörter des Sprachsystems, die Gegenstände, Vorgänge und Erscheinungen der wahrgenommenen Realität außerhalb des Kontextes so lebendig in unseren Bewusstsein reproduzieren, dass sie Gesichts-, Gehörs-, Geruchs-, Geschmacks- und Tastenempfindungen hervorrufen.
Besonders interessant ist die Betrachtung der bildhaften Verben. Das Lexem gehen gibt eine visuelle und kinästhetische (motorische) Vorstellung von verhältnismäßig geringer Bildkraft: die Fortbewegung eines Menschen. Hingegen ermöglicht das Verb trippeln einen viel deutlicheren Einblick in die Eigenart dieser Wirklichkeitserscheinung. Denn in der lexikalischen Struktur ist das zusätzliche Sem „mit kleinen Schritten gehen“ enthalten.
Das Verb «nippen» enthält neben dem denotativen Grundsem „trinken“ die lexischen Zusatzelemente „in kleinen Schlucken“, „mit Pausen“. Dieser Ausdruck bewirkt in gewissem Sinn eine Geschmackempfindung (ein süßer Likör, ein saurer Wein) und sogar ein Tastgefühl (man spürt unwillkürlich die wiederholte Berührung zwischen Lippen und Glas).
Es wäre falsch zu behaupten, dass das besondere bildhafte Wort immer vorzuziehen ist. Es gibt jedoch Kontexte und Situationen, in denen wegen der funktionalen Anwendungsformen allgemeine, blasse, farblose Wörter und Ausdrücke zu verwenden sind (z.B. im Amtsstil). So fordern die funktionalen Anwendungsnormen für Über- und Unterschrift in einem Brief an Fremde z. B. die Formulierung: Sehr geehrter Herr Schmidt! … Mit vorzüglicher Hochachtung Hans Schmidt. Eine Mutter hingegen schreibt ihrem Kind: Mein innigstgeliebtes Mäuschen! … Ich drücke dich ans Herz. Deine Mutti. In diesen Beispielen entsteht deutlich der Kontrast zwischen der bildkräftigen, emotionalen Ausdrucksweise im Privatbrief und der trockenen im Amtsbrief.
Die Bildlichkeit (образность, фигуральность) entsteht aufgrund syntagmatisch bedingter Bedeutungsübertragung oder eines Begriffsaustausches. Unter der Bildlichkeit versteht E. Riesel „das Ergebnis eines Zusammentreffens zweier Begriffe aus verschiedenen Begriffssphären, das Werden einer neuen begrifflichen Qualität durch Nebeneinanderstellung oder Austausch eben dieser zwei in Verbindung geratenen Begriffe.“ Sie ist figürliche, uneigentliche Rede, die erst aus dem Kontext eindeutig und voll erschlossen werden kann.
Der Tropus ist Mittel des bildlichen Ausdrucks auf Grund übertragener Bedeutung. Zwei Wörter werden in diesem Fall nicht – wie beim Vergleich – nebeneinandergestellt, sondern eins durch das andere ausgetauscht. Unter dem Tropus versteht man:
1. die Übertragung der Namensbezeichnung von einem Gegenstand auf einen anderen, von einer Erscheinung auf eine andere unter der Voraussetzung, dass es eine Ähnlichkeit gibt. In diesem Fall sprechen wir von der Metapher;
2. den Ersatz der Namensbezeichnung durch eine andere, wenn es eine logische Verbindung gibt. In diesem Fall sprechen wir von der Metonymie.
Sprachbild – sprachliche Äußerung, in der das Gemeinte bildlich und nicht wortwörtlich oder in einer „bildhaften Figur“ ausgedrückt wird.
20.Mittel der Bildkraft. Struktur und Stilwerte des Vergleichs.
читать дальшеDer Vergleich verbindet zwei Wörter aus verschiedenen Begriffsbezirken und ruft durch die bloße Nebeneinanderstellung sprachökonomisch eine Fülle von bildhaften Assoziationen hervor. Wird z. B. von einem Menschen gesagt, dass er wie ein Löwe kämpft, so werden die zwei Substantive Mensch und Löwe zueinander in Beziehung gebracht; dies löst eine Serie von Einzelbildern aus und erweckt eine neue Vorstellung: mutiger, tapferer Mensch.
Jeder Vergleich besitzt eine Vergleichsbasis, d. h. das Dritte des Vergleichs; das Verbindende, das Gemeinsame zwischen den beiden Komponenten des Vergleichs.
Wenn man im Alltagsstil sagt: Diese Frau ist so dick wie eine Litfasssäule, so ist die Vergleichbasis augenfällig-konkret (der große Umfang); wenn es idiomatisch heißt: Er sieht aus wie sieben Tage Regenwetter, so liegt das Gemeinsame des Vergleichs in einer Gefühlsstimmung: trüb das Wetter, trüb die Stimmung, trüb der Gesichtsausdruck.
Strukturell gesehen besteht der Vergleich immer aus einem Grundbegriff (einer Vergleichspartikel: als, als ob, als wenn, als wie, wie u.a.) und einem Nebenbegriff (z.B. er arbeitet wie ein Pferd). Seltener ist, dass anstatt der komparativen Partikeln auch Verben stehen können: er ähnelte (= glich) einem Pferd.
1. Nach der pragmatischen Wirkung unterscheidet man:
a) rational präzisierende Vergleiche (direkte Vergleiche, Sachvergleiche), d. h. Vergleiche aufgrund direkter (eigentlicher) Bedeutung, mit rationaler, objektiv-präzisierender Aussageabsicht.
So sagt die Mutter mit Stolz: Mein Sohn ist ebenso groß wie der Vater. Damit stellt sie objektiv fest, dass ihr Mann und der Junge von gleicher Größe sind. Rational-präzisierende Vergleiche stecken oft in der eigentlichen Bedeutung adjektivischer und substantivischer Kleinkontexte (Komposita): honigsüß, messerscharf, Kirschenmund, mit Bienenfleiß (arbeiten). Die wissenschaftliche Prosa neigt zu sachlichen Vergleichen. Termini und Fachausdrücke unterschiedlicher Bereiche können objektiv-präzisierende Vergleiche im Bestimmungswort enthalten. Ein Mantelgesetz ist ein Gesetz, das wie ein Mantel mehrere allgemeine Bestimmungen umfasst, die erst im weiteren durch spezielle Verordnungen geregelt werden.
b) metaphorisch-hyperbolische Vergleiche (bildliche Vergleiche), d. h. Vergleiche aufgrund metaphorischer, uneigentlicher Bedeutung, meist hyperbolisch zugespitzt, emotional und subjektiv bewertend: Du hast ja Nerven wie Stricke, sagt man bewundernd zu einem nervenstarken Menschen.
2. Nach der Struktur unterscheidet man:
a) einfache Vergleiche und b) erweiterte Vergleiche.
Die einfachen Vergleiche bestehen aus einer Wortgruppe. Sie werden durch wie, als, als ob eingeleitet: er ist so alt wie du; sie ist älter als mein Bruder; Du tust so, als ob du ein kleines Kind wärest. Als knappste Form des Vergleichs darf man ein Kompositum ansehen, in dem der Vergleich im Bestimmungswort eingeschlossen ist: Bärenhunger, kirschrot, zitronensauer, kreideweiβ, butterweich.
Die erweiterten Vergleiche enthalten eine beliebige nähere Bestimmung des Begriffs, mit dem verglichen wird: Alltagssprache ist ein bescheidenes Thema, das sich unter den anderen Vortragsthemen ausnimmt wie ein Dackel in einer Versammlung von Berhardinern.
3. Nach der Häufigkeit und Verbreitung unterscheidet man:
a) gemeinsprachliche (usuelle, konventionelle) Vergleiche und b) individuelle (okkasionelle, kreative, spontane) Vergleiche.
Die gemeinsprachlichen Vergleiche werden überall gebraucht. Man nennt sie so, weil sie „für die meisten Sprachträger eines Kulturareals einleuchtend wirken“: leicht wie eine Feder, stark wie ein Bär.
In der schönen Literatur, in der Publizistik, manchmal auch im Alltagsverkehr stoßen wir oft auf Einmalbildungen: Gerüchte waren wie ein Schwarm Krähen aufgeflogen. Der Flug der Krähen gleicht einer Sonate, voll verblichener Akkorde und männlicher Schwermut. [Remarque] Der letzte Vergleich ist auf individuellen Phantasie- und Gefühlsvorstellungen aufgebaut. Das ist ein individueller Vergleich. Betrachten wir zwei Vergleiche über das Lachen eines Menschen: Er lachte sein sanftes gutturales Lachen, das klang, als gluckste eine Quelle in seiner Brust. – Er lachte wie sechs Truthähne.[Remarque] Das erste Textbeispiel ist mit einem aus dem Leben gegriffenen Bild leicht vorstellbar, das zweite hingegen überrascht durch Unvorhersehbarkeit einer solchen Feststellung und befremdet.
Vergleiche kommen in allen funktionalen Stilen vor. Entweder sind sie bildhaft (er schleicht wie die Katze um den heißen Brei; sie hat Geld wie Heu) oder sachlich (diese Metapher ist wie ein Symbol für...).
Die rational-präzisierenden Vergleiche verstärken Konkretheit, Anschaulichkeit der Äußerung, bei metaphorisch-hyperbolischen Vergleichen treten Bildkraft, Expressivität und subjektive Wertung in den Vordergrund. Oft haben Vergleiche satirischen Charakter: Die Zahl der Göttingen Professoren war so groβ wie Sand am Meer. Ein treffender Vergleich trägt zur Knappheit und Zuspitzung des Ausdrucks, zur Sprachökonomie bei.
читать дальшеUnter Fachausdrücken (Fachlexik) versteht man
1) Termini verschiedener Wissensgebiete: Intoxikation (Medizin), Kernspaltung (Physik), Alliteration (Philologie);
2) Berufslexik verschiedener Berufsspären (Proffesionalismen): sichtiges Wetter (Seemanssprache), d. h. klares Wetter für die Seeausfahrt, abteufen (Bergamannssprache), d. h. einen senkrechten Schacht ausgraben;
3) funktionalstilistisch gefärbte Lexik nichtterminlogischen Charakters. Das sind z. B. Adverbien und Präpositionen, deren Gebrauch sich nur auf bestimmte Stile beschränkt, wie etwa im Amtsstil verbindlichst, behufs, zwecks, gemäß; Substantive auf -nahme und -zwecks: etwas als Nachnahme schicken (unter Einziehen der Kosten vom Empfänger), in Bedachnahme auf bereits erfolgte Zahlung.
Fachausdrücke können in verschiedenen Sphären des gesellschaftlichen Sprachverkehrs auftreten. Selbstverständlich kommt es zur Widerspiegelung der objektiven beruflichen Sprachcharakteristik bei entsprechender Thematik in der schönen Literatur, der Presse und Publizistik.
Von den Fachausdrücken sind die sog. «Berufsjargonismen» abzugrenzen. In der Beruflexik macht sich Tendenz zur Sprachökonomie bemerkbar und damit im Zusammenhang auch gelegentlich ein Übergang zu den emotionalen Synonymen, zu den Berufsjargonismen. Wie schon der Name sagt, bilden sie einen Grenzfall zwischen Proffesionalismen und Jargonismen. Wie die Berufslexik, dienen sie zur Verständigung innerhalb eines bestimmten Berufskreises; sie unterscheiden sich aber von ihnen dadurch, dass sie nicht wie diese objektiv-neutrale Bezeichnung eines Produktionsvorgangs, sondern ein stilistisches Synonym dazu darstellen: einen scherzhaften oder satirischen Ausdruck von umgangssprachlicher Färbung. Sie machen sich in erster Linie im Stil de Alltagsverkehrs bei den Vertretern verschiedener Berufskrese breit. Die scherzhaften Ausdrücke Gänse anstatt Gänsefüßchen (unter Korrektoren), Manus anstatt Manuskript (unter Redakteuren und Journalisten), beide bequemen Kurzwörter, haben literarisch-umgangssprachliche Stilfärbung; anders steht es mit dem Wort Revolverblatt. Revolverblatt (auch Käseblatt) ist die Bezeichnung für eine Zeitung übelster Sorte, die alle möglichen schmutzigen Interessen ihrer Geldgeber vertritt. Dieses Wort klingt bedeutend familiärer und bedeutend emotionaler als die früher angeführten Berufsjargonismen; sie nähern sich, wenn auch von einer anderen Seite her, den Vulgarismen.
12.Charakterologische Lexik. Fremdsprachige Wörter. Internationalismen, Fremdwörter. Realien.
читать дальшеDie fremdsprachigen Wörter (Internationalismen, Fremdwörter) sind eindeutige Bezeichnungen, die dazu verhelfen, bestimmte Erscheinungen der Wirklichkeit möglichst klar und sprachökonomisch auszudrücken. Internazionalismen wie Elekrizität, antik oder allgemeinverbreitete Fremdwörter wie Friseur, Installateur bezeichnen eindeutig und unmissverständlich den nötigen Begriff oder Sachverhalt. Der Großteil aller volkstümlichen Fremdwörter ist expressiv gefärbt. Zum Beispiel Wörter prima, kolossal und ähnliche Modewörter sind alle gefühlsbeladen. In der letzen Zeit spricht man von Exotismen. Bei den Exotismen handelt es sich um Wörter, die zur Bezeichnung von spezifisch nationalen, fremdländischen Erscheinungen usw. dienen. Häufig sind dies Benennungen von typischen Mahlzeiten, Kleidung, Pflanzen, Sitten, gesellschaftlichen Erscheinungen: das Judo, das Karate, das Aikido, Ikebana, Tamagotschi. Auch die russischen Exsotismen: der Mushik, die Troika, der Wodka, der Samowar, die Papirossa, der Ukas, der Kwas, der Gospodin, die Ucha, der Rassolnik, die Kulebjaka, der Kefir, der Uschanka. Sehr verbreitet sind heute in der deutschen Sprache Fremdwörter amerikanischer Herkunft: der Killer, der Schmerzkiller, die Geburtstags-Party, der Freak, small talk, der Outsider .
Die stilistische Funktion der fremdsprachigen Wörter tritt besonders stark in der schönen Literatur, zum Teil auch in der Publizistik, hervor:
a) Fremdsprachige Wörter helfen dazu, das Kolorit der Darstellung zu verstehen (historisches, nationales, soziales und berufliches Kolorit). So findet man in Bertolt Brechts “Dreigroschenroman” eine Fülle von englischen Realienbezeichnungen (Städte, Straßen, Plätze, Brücken, Organisationen, Titel aller Art), die dem Leser allerdings nicht immer bekannt sind. Aber sie geben dem Leser in ihrer Gesamtheit eine unmissverständliche Zeichnung des geographischen Hintergrunds, auf dem die Handlung vor sich geht.
b) Die fremdsprachigen Wörter können im Dienst von Humor und Satire stehen. Sie werden dabei von den ungebildeten Personen phonetisch und morphologisch entstellt oder falsch verwendet.
c) Eine wichtige stilistische Funktion der Fremdwörter in verschiedenen Stilen des schriftlichen und mündlichen Verkehrs besteht in der Vermeidung von Wiederholung und damit in der Variierung und Belebung der sprachlichen Darstellung. Wenn das fremdsprachige Wort und sein deutsches Äquivavelnt vollständige Synonyme bilden, so sind sie meist austauschbar: Zur Vermeidung von Wiederholung gebraucht man: Regissieur und Spielleiter, korrigieren und verbessern, physisch und körperlich, Enegrie und Tatkraft usw.
Im Zusammenhang mit den Fachausdrücken sollen die sog „Realienwörter“ oder ''Realienbezeichnungen'' erwähnt werden. Während die Fachausdrücke und die beruflichen Jargonismen als Schichten des Wortschatzes eine lexikologische Erscheinung sind, müssen die Realienwörter als stilistische Kategorie angesehen werden. Darunter sind Wörter zu verstehen, die Realien, d.h. Tatsachen aus den verschiedensten Wissens- und Lebensgebieten angeben. Dazu gehören Namen von politischen und kulturellen Organisationen, Titel, Kulturdenkmäler, nationale Speisen und Getränke, nationale Kleidung, mythologische Namen, geographische Namen usw. Sprachlich werden sie ausgedrückt durch Termini und Berufslexik, durch lexische Archaismen und Historismen, durch Neologismen (oft in Form von Kurzwörtern), durch phraseologische Fügungen (insbesondere Zitate); durch Familiennamen, Städte-,Länder-, Fluss- und Bergnamen, durch Ziffernmaterial.
Die Realienwörter bilden einen wesentlichen Faktor in verschiedenen Stilen der Nationalsprache. Eine besonders wichtige Rolle spielen sie im Stil der Wissenschaft und im publizistischen Stil, wo sie zur Beweisführung dienen. In der schönen Literatur verhelfen sie meist, das zeitliche, nationale, örtliche und berufliche Kolorit der Handlung zu vermitteln.
13.Grammatik der deutschen Gegenwartssprache aus stilistischer Sicht. Stilwerte der Satzarten: Aussage-, Frage-, Ausrufesätze.
читать дальше1. Stilwerte des Aussagesatzes
2. Stilwerte des Ausrufesatzes
3. Stilwerte des Fragesatzes
1. Der Aussagesatz ist die herrschende Satzart in der wissenschaftlichen und künstlerischen Prosa. Er ist für das Erzählen und und Beschreiben charakteristisch. Der Aussagesatz ist syntaktisch am vielseitigsten entwickelt: er verfügt über mannigfaltige Formen: von einem eingliedrigen Satz bis zum vielgliedrigen kunsvoll zusammengefügten Satzgebilde. Verschiedene Arten des Aussagesatzes besitzen verschiedene Stilwerte. Entscheidende Rolle spielt dabei der Umfang und die Struktur des Satzes.
Der lange umfangreiche Satz dient in der Regel einer ruhigen sachlichen leidenschaftslosen Mitteilung. Er verfügt über einen hohen objektiven gehalt, d. h. vermittelt objektive Information. Solch ein Satz bringt in den Text Ruhe, Sachlichkeit, Objektivität, Glaubwürdigkeit und wirkt objektiv-konstatierend. Nicht umsonst ist der Aussagesatz im Stil der Wissenschaft und des offiziellen Verkehrs vorherrschend.
Wenn der Aussagesatz zu komplieziert aufgebaut ist, verliert er die Verständlichkeit; der Satz wirkt papierend (казённо) und markiert das Amtsdeutsch, die Kanzleisprache. Die schöne Literatur benutzt zu kompliziert aufgebaute Aussagesätze zum Ziel der Parodierung einer pseudowissenschaftlichen oder pseudooffiziellen Rede.
Der kurze Aussagesatz ist oft Ausdruck eines gefühlsbetonten Inhalts. Er kann eine große stilistische Kraft haben, dem Text Lebendigkeit, Ungezwungenheit, Emotionalität verleihen. Der kurze Aussagesatz kann verschiedene Gefühle widergeben, z.B. die innere Spannung, die Eile, den schnellen Wechsel der Ereignisse. Als Beispiel dafür dient eine Replik aus Lessings Drama “Nathan der Weise”: “Der Vater war fern. Er kommt – er hört – er sucht mich aus – er dankt”. Die Aufeinanderfolge einzelner Handlungen des Vaters wird hier mit Hilfe einfacher Aussagesätze anschaulich gemacht. Man versteht: Nathan handelt ohne lange nachzudenknen.
2. Der Ausrufesatz ist immer Ausdruck des inneren Erlebens. Sein Stilwert besteht in der affektbetonten Darstellung eines Sachverhalts. Die Skala der Gefühle des Sprechenden reicht dabei vom tiefsten Abscheu bis zur höchsten Verehrung, vom Hass bis zur Freude. Der Ausrufesatz ist am Platze, wenn der Leser aufgerüttelt (встряхнуть, взбудоражить) werden soll oder wenn Streit und Polemik einsetzt.
Eigentliche Ausrufesätze sind nach den folgenden Modellen aufgebaut: Welche Freude! Was für ein Mädchen! So ein Schwindel! (обман)
Aber oft haben sie auch die Form eines Fragesatzes mit Spitzenstellung des finite Verbs oder eines Fragewortes, z.B. “Bin ich glücklich!” “Wie alt sieht er aus!”
Zahlreich sind eingliedrige und elliptische Ausrufesätze solche wie z.B. “Hurra!” “Hilfe!” “Ach wo!” Allen diesen Modellen ist ein Zug gemein: eine spezifische Intonation. Welche Bewertung sich im Satz realisiert - Bewunderung, Missbilligung, Freude, Zorn, Ironie – hängt von der Lexik, Intonation und Situation ab. Die Funktionsbereiche der Ausrufesätze sind Alltagsrede und schöne Literatur. In der Sachprosa werden sie in der Regel vermieden.
3. Der Fragesatz enthält kein Bewertungssem. Sein Hauptsem ist die Frage. Stilistik unterscheidet echte und scheinbare Fragesätze. Die echten Fragesätze werden aus Unwissenheit gestellt und verlangen eine Antwort. Scheinbare Fragesätze erfordern keine Antwort.
Die echten Fragesätze bekommen in der schönen Literatur verschiedene Stilwerte: 1) In der Autorenrede lockern sie den Satz auf (разнообразить, оживить), verleihen ihm Lebhaftigkeit und Vertraulichkeit, denn der Autor nimmt damit den unmittelbaren Kontakt mit dem Leser auf. 2) In der Figurenrede eines Kunstwerkes demonstrieren Fragesätze die Gefühlsaktivität einer Person und Wissensdrang, auch Erregung, Ungeduld, Hoffnung, Zweifel. So stellt der alte Mann viele Fragen an seinen neuen Bekannten in Borchrts Erzählung: “Wie alt bist Du denn?” “Worauf passt Du denn auf?” “Wohl auf Geld, was?”
Die scheinbare Frage heißt auch die rhetorische Frage. Sie stellt in Wirklichkeit eine Behauptung oder einen Ausruf dar. In künstlerischen Werken ist die rhetorische Frage Ausdruck des inneren Erlebens, tiefempfundener Gefühle.
14.Grammatik der deutschen Gegenwartssprache aus stilistischer Sicht. Allgemeine Gesetzmäßigkeiten der stilistisch markierten Wortfolge im deutschen Satz.
читать дальшеJede Wortart zeichnet sich durch lexikalische und grammatische Eigenheiten aus, die ihre Bedeutung und ihren Stilwert bedingen.
Das Verb bildet ein Viertel des Gesamtwortschatzes. Das Verb ist dazu berufen, Tätigkeiten, Zustände, Ereignisse festzustellen, die Kraft, Bewegung, Veränderung, Leben in die Schilderung hineinzutragen. Daraus ergibt sich eine Schlußfolgerung für die Stilistik: je dynamischer eine Schilderung sein soll, desto mehr Verben nutzt sie aus. Der sog. Verbalstil ist die Darstellungsweise, der eine hohe Gebrauchsfrequenz vollwertiger Verben eigen ist. Unter dem Nominalstil versteht man gewöhnlich die hohe Gebrauchsfrequenz der Substantive sowie der Adjektive als nominative Wortarten.
Die Verben können sogar das Leblose beleben, wenn man die Gegenstände personifiziert, ihnen Bewegungen, Gefühle, Handlungen zumutet; so entstehen verbale Metaphern: Die Sterne zittern… Da trudelte der Mond über die Dächer... Die Fensterflügel miaute. In diesen Metaphern, wo der Übertragungsbegriff im Verb steckt, ist auch die Wahl des Verbs beachtenswert. Den bildhaften Verben stehen als Gegenstück die Funktionsverben mit verblasster Bedeutung gegenüber, die in Verbindung mit abstrakten Substantiven “Streckformen” bilden. Sie werden sehr oft in der offiziellen Sachprosa und der Publizistik gebraucht: zur Kenntnis bringen, in Kenntnis setzen, zur Kenntnis nehmen, Kenntnis bekommen (erhalten, erlangen).
Die Substantive sind zahlenmäßig die reichste Wortart, die 50-60 % des Gesamtwortschatzes zuzurechnen ist. Erstens benennen sie die materiellen Dinge der Außenwelt, zweitens gelten sie als Gipfel der abstrakten Denkweise der Menschen. Nicht nur im Wortschatz, auch in unterschiedlichen Textsorten überwiegen meist die Substantive. Reich an Nomina ist der Stil der Wissenschaft: hier überwiegen Abstrakta und Termini, die bei der wissenschaftlichen Darlegung notwendige Begriffe und Verallgemeinerungen verkörpern. Der substantivische Stil ist dem Stil des öffentlichen Verkehrs eigen (offizielle Dokumente). Der Nominalstil in der schönen Literatur dient verschiedenen Zwecken. Die Substantive malen Einzeldinge, Einzelerscheinungen: Hamburg! Das ist mehr als ein Haufen Steine, Dächer, Fenster, Tapeten, Betten, Straßen, Brücken, Laternen.
Eine Folge von Substantiven kann aber auch die Vorstellung einer energischen Bewegung erwecken. Das Fehlen des Verbs kann sogar in einigen Satzarten den dynamischen Effekt steigern: Ich raus aus dem Bett und ans Fenster, er an die Tür.
Grund- und Übertragungsbegriff stehen bei der substantivischen Metapher in syntaktischer Beziehung zueinander: Dieser steinerne Wald von Häusern.
Die Adjektive bilden ein Sechstel des Gesamtwortschatzes. Sie geben objektive und subjektive Merkmale der Gegenstände sowie Einschätzungen und Beurteilungen der Dinge wieder. Sie heben einzelne Besonderheiten des Gegenstandes hervor.
In der Wissenschaft dienen die Adjektive zur Präzisierung der Begriffe. Da die Adjektive eine charakterisierende, urteilende und registrierende Funktion besitzen, findet man sie in beschreibenden Texten (in Landschafts- und Portärtsschilderungen, Berichten, in der Werbung). Auffalend ist die hohe Frequenz der Adjektive in der “Werbesprache”.
Ein Stoff ist modisch, preiswert, bügelfrei, porentief, atmungsaktiv, wasserdicht. Ein Kleid hauteng, kniefrei, fleckenunempfindlich. Die Strümpfe sind laufmaschinensicher.
In der attributiven Verwendung erlauben die Adjektive eine sprachökonomische Informationskonzentration, wie sie besonders in juristischen und wissenschaftlichen Texten üblich sind. Im prädikativen Gebrauch erzielen sie eine statische Wirkung. Deshalb bildet der adjektivische Stil einen Gegensatz zum dynamischen Verbalstil.
Ein und derselbe Gegenstand kann bei verschiedenen Menschen andere Eindrücke hervorrufen, jedem fällt ein besonderes Merkmal auf. Bei der metaphorischen oder metonymischen Übertragung der Eigenschaft spielt eine große Rolle eine adjektivische Metapher: ängstliche Fenster, blinde Hände, ein sehr müdes Meer.
15.Grammatik der deutschen Gegenwartssprache aus stilistischer Sicht. Besondere Arten der stilistisch kolorierten Wortfolge.
читать дальшеZu den Abarten der stilistisch kolorierten Wortfolge gehören Prolepse, Nachtrag, Parenthese, Aposiopese.
Die Prolepse ist eine besondere Erscheinungsart der stilistischen Anfangsstellung. Unter Prolepse versteht man die Wiederaufnahme eines Substantivs durch ein Pronomen oder Adverb, bei völliger Absonderung dieses Substantiv in Spitzenstellung (mit oder ohne Komma): Mein Schatz, der ist auf Wanderschaft. Die Nacht, das ist für dich die Ewigkeit. (in der Poesie) Dem Kerl, dem werd ich’s geben! “Wo sind deine Eltern?” – “Mein Vater, der ist in der Arbeit, und meine Mutter, die ist auf den Markt gegangen. (in der Alltagsrede) Das Substantiv, das besonderen semantisch-expressiven Nachdruck erhalten soll, steht im Nominativ, durch eine Pause von dem nachfolgenden Neuansatz getrennt: Die Kinder, sie hören es gerne.
Der Nachtrag gilt als Gegenstück zur Prolepse. Darunter versteht man die Wiederaufnahme eines Pronomens oder Adverbs durch ein Substantiv in abgesonderter Endstellung. Das Substantiv oder eine Wortgruppe werden abgesondert, während das Pronomen oder Adverb dem Substantiv vorangehen: Dem werde ich ’s geben, diesem Kerl. Oh, dass sie ewig grünen bliebe, die schöne Zeit der jungen Liebe. Das Substantiv kann noch durch einen Nebensatz präzisiert werden: Wer hatte sievertrieben, die Angst, die die Menschen frass?
Sprengung des geschlossenen Satzbaues bewirkt die Parenthese (griech. Dazwischenschalten). So nennt man Schaltsätze, -gruppen, -wörter, die mitten in den Satz eingeführt werden. Graphisch wird der eingedrungene Schaltsatz durch Komma, Gedankenstrich, in der Klammer vorne und hinten bezeichnet. Die Parenthese kann expressiv und nichtexpressiv sein. Sie findet sich in allen Stilarten. Ob schöne Literatur oder wissenschaftliche Prosa, ob Amtsdokument oder Alltagsgespräch, immer besteht ihre Aufgabe darin, irgendeine Stelle des Satzes, in den sie eingeschoben ist, näher zu erklären: Die Bilder des Malers X., eines bekannten Künstlers der Nachwuchsgeneration, wurden ausgestellt. Ich bin schrecklich schläfrig – die halbe Nacht habe ich gelesen –, und mir fallen die Augen zu. … ihre ein wenig versonnene Art (sie trauerte damals um ihre Mutter) … all das machte einen tiefen Eindruck auf ihn. Als wesentliches Kennzeichen der Alltagsrede treffen wir komische oder ironische Einschaltungen, ferner unpassende Einschaltungen. Gerade die Parenthesen verleihen dem Umgangssprachstil inhaltliche und formale Ungezwungenheit: Wie schnell sie ist. Ich schau nur weg, und, hast du nicht gesehen, hat sie schon die Finger danach ausgestreckt. Der Autor steckt oft eine witzige oder sarkastische, positive oder negative Bemerkung in der Parenthese. Bei der Beschreibung einer Dorfkneipe: Im öffentlichen Schankraum – eine verräucherte, schnapsstinkende Bude mit einigen Reh- und Hirschgeweihen an den Wänden – wurde nur den Bauern ausgeschenkt.
Als Sprengung des geschlossenen Satzbaus kann man auch Aposiopesebezeichnen, d.h. alle Fälle von plötzlichem Abbruch: Dass dich - ! Hol dich - ! Wart, ich will dich! Das wäre! Der Sprechende setzt zu einem erregten Ausdruck an (Dass dich der Teufel hol! – Da soll doch gleich der dreinfahren! – Das wäre doch eine Gemeinheit!), beherrscht sich jedoch und spricht nicht zu Ende. Der plötzliche Abbruch wirkt aber vielleicht noch mehr, als wenn der Satz zu Ende gesprochen würde. Die Aposiopese – und darin beruht ihr wichtigster stilistischer Ausdruckswert – ist dazu geschaffen, Spannung und Neugier zu erwecken. Die Mutter redet auf ihre verstockten Kinder ein: Wenn ihr noch einmal macht, werdet ihr sehen, was -. An einer erregenden Stelle wird plötzlich abgebrochen, es bleibt dem Leser überlassen, sich das Weitere auszumalen. In der schönen Literatur dient die Aposiopese gewöhnlich als Spannungsmittel. Die Aposiopese erscheint mit Vorliebe am Ende des Kapitels: “Nicht möglich,” schrie sie auf, erbleichte und … (Fortsetzung folgt.) Die Verwendungsmöglichkeiten des plötzlichen Abbruchs in der Sprachwirklichkeit sind ungeheuer mannigfaltig; wir begnügen uns mit den bisher aufgezählten.
16.Grammatik der deutschen Gegenwartssprache aus stilistischer Sicht. Wortarten aus stilistischer Sicht. Stilwerte des Verbs, des Adjektivs, des Substantivs.
читать дальшеWortarten aus stilistischer Sicht. Jede Wortart zeichnet sich durch lexikalische und grammatische Eigenschaften aus. Sie bestimmen ihre Bedeutung und ihren Stillwert, Die Wortarten bieten reiche stilistische Möglichkeiten. Das Verb macht ein Viertel des Wortschatzes aus. Das Verb verfügt über die Kraft, Bewegung, Veränderung, Leben in die Schilderung hineinzutragen. Je dynamischer eine Schilderung sein soll, desto mehr Verben nutzt sie aus. Die Verben können das Leblose beleben. Das sind verbale Metaphern. Z.B: H.Hesse „Sprache“ – „Die Sonne spricht zu uns mit Licht. Mit Duft und Farbe spricht die Blume. Mit Wolken, Schnee und Regen. Spricht die Luft“. In der wissenschaftliche Sahprosa und der Publizistik werden verblasste Wortfiguren gebraucht zu Kenntnis nehmen, in der Kenntnis bringen usw. Von Nominalstill sprechen wir, wenn sehr oft die Adjektive und Substantive vorkommen. Die Adjektive machen ein Sechstel des Wortschatzes aus. Sie geben objektive oder subjektive Merkmale der Gegenstände wieder. Im Still der Wissenschaft dienen sie zur Präzisierung von Begriffen. Die Adjektive haben eine charakterisierende, urteilende und registrierende Funktion. Wir erinnern uns an Porträtbeschreibungen und Landbeschreibungen. Ganz anders ist es im Verbund. Z.B: „Der Stoff ist modisch, preiswert, bügelfrei, wasserdicht.“ Die Beispiele der adjektivischen Metaphern: „ängstliche Fenster“, „blinde Hände“, „ein sehr müdes Meer“. Farbenmetaphern: „gelben Menschenneit“, „blaue Gedanke“. Die Substantive machen 50-60% des Wortschatzes aus. Der Nominalstill in der schöngeistigen Literatur dient unterschiedlichen Zwecken. Die Nomina werden zu Hauptträgern der Impressionen, sie malen einzeln Dinge, einzeln Erscheinungen. Z.B: „Hamburg! Das ist mehr als ein Haufen Steine, Dächer, Fenster, Tapeten, Betten, Straßen…“ Das Fehlen der Verben steigert hier den dynamischen Effekt. Die Beispiele der substantivischer Metaphern: „ein Meer von Glück“, „ein Wald von Häusern“. Der Artikel ist Hauptträger zum Ausdrück der Kategorie der Bestimmtheit und Unbestimmtheit. Jeder einzelne funktional Still hat in seiner Besonderheit im Gebrauch des Artikels, z.B in der Alltagsrede bedeutet der Artikel vor Eigennahmen das intime Verhalten zu einer gut bekannten Person. In Still der öffentlichen Rede werden die Substantive in der Regel ohne Artikel gebrauch, z.B „Eintritt verboten“, „Sprechstunde von 9 bis 5“. Der Artikel selbst besitzt keinen Stillwert. Er bekommt ihn nur bei Unterstützung von inner- und außerlinguistischen Faktoren.
17.Phonetik aus stilistischer Sicht. Intonatorisch-stilistische Fragen. Stilistisch bedingte Besonderheiten der Aussprache.
читать дальшеIntonatorisch-stilistische Fragen
Die Intonation der deutschen Sprache hat allgemeine Gesetzmäßigkeiten, die für alle Äußerungen, für alle Stile gelten. Aber daneben gibt es gewisse intonatorische Merkmale in einzelnen Funktionalstilen und ihren Substilen. Die intonatorische Gestaltung eines wissenschaftlichen Vortrags kennzeichnet sich durch ein verlangsamtes Sprechtempo, damit das Gesagte besser eingeprägt wird; durch deutliche Pausen, durch intonatorische Hervorhebung der informationswichtigen Satzteile, durch etwas eintönige Satzmelodie, weil die Rede emotionsarm ist und nirgends unterbrochen wird.
Der Stil der Alltagsrede hat eine andere intonatorische Charakteristik. Die Intonation ist hier beweglich, ausdrucksvoll. Hier sind zwei oder einige Gesprächspartner vorhanden, die fragen und antworten. Wichtig sind paralinguistische Elemente (d. h. Gesten und Mimik), die die sprachliche Information ergänzen und unterstützen. Diese Bewegungen, Achselzucken oder Kopfnicken zerreißen die gleichmäßige Tonführung.
In ihrer stilistischen expressiven Rolle erfüllt die Intonation drei Funktionen:
1) Hinweis auf die emotionale Beteiligung des Sprechenden am Gesagten,
2) Hinweis auf den Geltungsgrad der Aussage (Zweifel, Überzeugung, Wunsch);
3) Steigerung der Aufmerksamkeit.
Zu zwei ersten Funktionen muss man folgendes sagen: Jedes Sprechen ist mehr oder weniger emotional gefärbt. Es ist allgemein bekannt, dass sogar ein isolierter Satz Gefühle unterschiedlicher Art ausdrücken kann, z.B. der Satz “Er ist fort!” Die Intonation drückt hier allein, ohne andere Sprachmittel die entsprechende Emotion aus (Freude, Kummer, Enttäuschung usw.). Meistenteils aber erfüllt die Intonation diese zwei Funktionen im Zusammenwirken mit anderen Sprachmitteln lexikalischer und grammatischer Art, z.B. der Satz “Ach, wie glücklich bin ich heute!” Das Gefühl der Freude findet seinen Ausdruck in der Intonation und wird verstärkt durch die Interjektion “ach”, das Wort “glücklich” und die Struktur des Ausrufesatzes.
Die dritte Funktion, die Steigerung der Aufmerksamkeit, erfolgt als die Hervorhebung der wichtigsten Teile einer Aussage durch Akzent oder Pause. Z.B. der Satz “Gefeiert wird heute!” Nur der Akzent lässt schließen, ob das erste oder das letzte Wort in diesem Satz das Rhema ist.
Stilistisch bedingte Besonderheiten der Aussprache
Die Aussprache ist meist funktionalstilistisch bedingt. Die Aussprache bei öffentlicher Rede (und auf der Bühne) zeichnet sich durch das verlangsamte Tempo, die klar ausgesprochenen Laute, deutlich voneinander abgegerenzte Wörter aus. Bei einer privaten Unterhaltung im Alltagsleben aber ändert sich die Sprechweise. Sie zeichnet sich durch eine rasche Manier, durch eine gewisse Lässigkeit aus: die unbetonten Vokale werden leicht reduziert, einzelne Konsonanten fallen aus, einige Silben werden verschluckt, die Endungen werden undeutlich ausgesprochen. Die entstehenden Verschmelzungen (слияния) und Abkürzungen werden zum Merkmal der Alltagsrede, z.B. runter (statt “herunter”), warn (statt “waren”), ich hab’ (statt “ich habe”), ich sag’s dir (statt “ich sage es dir”), heut’ (statt “heute”); Dienstwörter verschmelzen auch mit Vollwörtern: siehste (statt “siehst du”), kannste (statt “kannst du”), hammer (statt “haben wir”).
Einige Besonderheiten der Aussprache dienen zur Gestaltung des Sprachporträts, und zwar zur territorialen und zur individuell-psychologischen Charakteristik. Eine Figur kann Dialekt oder übertrieben emotionell, feierlich oder einfach reden. Bei einem Meister haben Figuren ihre besondere Sprechart. Es können außerdem typische Lautmerkmale schriftlich wiedergegeben werden: die Dehnung der Vokale und Konsonanten ermöglicht Ausdruck verschiedener Emotionen, z.B. Lliieber Freund! (Ironie, Entrüstung (возмущение, негодование), überzeugendes Zureden ); Neiin! (die gefühlsbetonte Verneinung); Rrraus! (ein Wutanfall). Graphisch wird die gefühlsmäßige Aussprache durch Verdoppelung der Buchstaben, Striche, Pünktchen dargestellt.
Eine starke Erregung verursacht Stottern. Der Autor verwendet das zur Charakteristik des Gefühlszustandes der Figur, z.B. V-Vater? M.. mit m.. meinem V… Vater?
Charakterologische Bedeutung können auch phonetische Fehler bekommen, z.B. in der Rede eines Kindes oder eines Ausländers. Eine falsche Aussprache von Fremdwörtern wird als Mittel der Ironie gebraucht.
18.Phonetik aus stilistischer Sicht. Stilistische Möglichkeiten der Klangstilmittel.
читать дальшеZu den Klangstilmitteln der modernen deutschen Sprache gehören die Lautmalerei, die Alliteration und die Assonanz.
1) Unter der Lautmalerei (звукоподражание) versteht man die bewusste Verwendung gewisser Laute zum stilistischen Effekt.
Die Wurzeln der Lautmalerei stecken in der Volkssprache und der Volksdichtung. Jede Nationalsprache bildet mit der Zeit ihre besonderen Lautnachahmungstraditionen aus. Das Sausen (шум, свист) und Heulen des Windes, das Rauschen des Wassers, das Zischen der Flamme wird im Deutschen gewöhnlich durch die Zischlaute [s], [z], [ts], [ʃ] sowie durch Sonorlaute [l], [r] wiedergegeben. Die hohen Naturlaute werden meist mit den Vokalen der vorderen Reihe [i], [y:], [ae], [e:] die tiefen Naturlaute mit [u:] untermalt. So hat die deutsche Sprache zur Wiedergabe von hohen Tier- und Vogelstimmen die Verben “piepsen”, “singen”, “zwitschern”, “trillern” usw., für tiefe Stimmen hingegen Verben wie “muhen” (мычать), “brummen” (рычать, реветь), “grunzen”. So wird im Sprachgebrauch ein schwaches Glöcklein mit dem Klang “bim-bim” nachgeahmt, eine starke Glocke hingegen mit “bam-bam” oder “bum-bum”.
Die schöne Literatur benutzt diese Tendenzen im Dienste der Lautinstrumentierung des Textes. Man untermalt das Thema von Wasser z.B. durch Zisch- und Sonorlaute. So bei Schiller in der Ballade “Der Taucher”: “Und es wallet (бурлит) und siedet (кипит) und brauset (пенится) und zischt…” Bei Goethe in der Ballade “Der Fischer”: “Das Wasser rauscht’, das Wasser schwoll…”
Der Konsonant [r] mit seiner vibrierenden Artikulation entspricht am treffendsten dem Geräusch des Donners, Gebrülls, Geriesels (журчание). Die Konsonanten [s], [z], [ʃ], [tʃ] sind nicht zufällig Zischlaute genannt; die Reibelaute eignen sich zur Imitation der Dauergeräusche usw. Der Unterschied zwischen langen und kurzen, offenen und geschlossenen Vokalen, den Vokalen der hohen und tiefen Zungenlage kann zur Lautinstrumentierung benutzt werden. Aber in einem isolierten Vokal oder Konsonanten steckt kein Ausdruckswert.
Die Lautmalerei wirkt auf den Leser/Hörer nur, wenn sie in Übereinstimmung mit der Bedeutung des Wortes, mit dem Kontext gebraucht wird. Die Zisch- und Sonorlaute untermalen z.B. die Geräusche des Wassers, Feuers, Windes, der Bewegung einer Schlange, Maus im Laub oder Gras. Das heißt - sie sind dort am Platze, wo sie die realen physichen Geräusche nachahmen und entsprechende Konnotationen im Leser (Hörer) wachrufen.
2) Bei der Lautinstrumentierung ist die Anordnung der Laute wesentlich. Sie kann dreifach sein: die Klangträger stehen im Anlaut, im Inlaut und im Auslaut.
Die Wiederholung desselben Konsonanten im Anlaut gehört zu der altertümlichen Tradition der germanischen Dichtung und trägt den Namen der Alliteration. Sie findet sich oft in alten Zwillingsformeln: durch dick und dünn (напролом), bei Wind und Wetter (в непогоду, в ненастье), über Stock und Stein (очертя голову, сломя голову, напролом).
Im modernen Werk wird die Alliteration meist im Dienste der Poetisierung des Textes verwendet. Sie wirkt ästhetisch auf den Leser, fesselt seine Aufmerksamkeit, dient als “Reizmittel”. Heine greift zu diesem Stilmittel für die Instrumentierung des stürmischen Meers:
Über das wüste, wogende Wasser
Weithin rollen die Donner
Und springen die weißen Wellenrosse.
3) Die Wiederholung derselben Vokale im Inlaut heißt die Assonanz (der innere Reim). Die Assonanz dient heute vorwiegend dazu, die Aufmerksamkeit des Lesers auf den Inhalt zu konzentrieren.
Man findet sie auch oft in den Zwillingsformeln “ganz und gar”, “von echtem Schrot und Korn” (старой закалки).
Die inlautenden Vokale können auch nach dem Prinzip des Kontrastes angeordnet werden. In diesen Fällen beruht der Klangeffekt auf der Ungleichkeit der hohen und tiefen Zungenlage bei der Aussprache mancher Vokale: durch Nacht und Wind; tief und weit. Oder in folgenden Zeilen aus “Erlkönig”:
Meine Töchter führen den nächtlichen Reihn
Und wiegen und tanzen und singen dich ein.
Die Abwechslung der Vokale ie – a – i in den Verben wiegen – tanzen – singen gibt die bunte Vielfalt des Reigens.
Der phonetische Parallelismus im Auslaut ist das Hauptprinzip des modernen Reims.
19.Mittel der Bildkraft. Zwei Komponenten des Begriffs „Bildkraft“. Begriffe der Stilfigur, des Tropus und Sprachbildes.
читать дальшеAls Mittel der Bildkraft werden in der Rede beliebiger kommunikativer Bereiche Bildhaftigkeit und Bildlichkeit behandelt.
Die Bildhaftigkeit (наглядность) erwächst aus der lexikalischen Struktur der Einzelwörter und Wendungen aufgrund direkter (eigentlicher) Bedeutung. E. Riesel versteht unter der Bildhaftigkeit „jede anschaulich-sinnfällige Darstellung eines Gegenstands oder einer Erscheinung“
Als Mittel der Bildhaftigkeit können die verschiedensten sprachlichen Erscheinungen dienen:
- die richtige Wortwahl aus thematischen und synonymischen Reihen;
- die passende funktionale Verwendung der lexikalischen Schicht;
- die Wahl der entsprechenden normativ-expressiven Stilfärbung usw.
Bildhaftigkeit ist die Wirkung aller Wörter des Sprachsystems, die Gegenstände, Vorgänge und Erscheinungen der wahrgenommenen Realität außerhalb des Kontextes so lebendig in unseren Bewusstsein reproduzieren, dass sie Gesichts-, Gehörs-, Geruchs-, Geschmacks- und Tastenempfindungen hervorrufen.
Besonders interessant ist die Betrachtung der bildhaften Verben. Das Lexem gehen gibt eine visuelle und kinästhetische (motorische) Vorstellung von verhältnismäßig geringer Bildkraft: die Fortbewegung eines Menschen. Hingegen ermöglicht das Verb trippeln einen viel deutlicheren Einblick in die Eigenart dieser Wirklichkeitserscheinung. Denn in der lexikalischen Struktur ist das zusätzliche Sem „mit kleinen Schritten gehen“ enthalten.
Das Verb «nippen» enthält neben dem denotativen Grundsem „trinken“ die lexischen Zusatzelemente „in kleinen Schlucken“, „mit Pausen“. Dieser Ausdruck bewirkt in gewissem Sinn eine Geschmackempfindung (ein süßer Likör, ein saurer Wein) und sogar ein Tastgefühl (man spürt unwillkürlich die wiederholte Berührung zwischen Lippen und Glas).
Es wäre falsch zu behaupten, dass das besondere bildhafte Wort immer vorzuziehen ist. Es gibt jedoch Kontexte und Situationen, in denen wegen der funktionalen Anwendungsformen allgemeine, blasse, farblose Wörter und Ausdrücke zu verwenden sind (z.B. im Amtsstil). So fordern die funktionalen Anwendungsnormen für Über- und Unterschrift in einem Brief an Fremde z. B. die Formulierung: Sehr geehrter Herr Schmidt! … Mit vorzüglicher Hochachtung Hans Schmidt. Eine Mutter hingegen schreibt ihrem Kind: Mein innigstgeliebtes Mäuschen! … Ich drücke dich ans Herz. Deine Mutti. In diesen Beispielen entsteht deutlich der Kontrast zwischen der bildkräftigen, emotionalen Ausdrucksweise im Privatbrief und der trockenen im Amtsbrief.
Die Bildlichkeit (образность, фигуральность) entsteht aufgrund syntagmatisch bedingter Bedeutungsübertragung oder eines Begriffsaustausches. Unter der Bildlichkeit versteht E. Riesel „das Ergebnis eines Zusammentreffens zweier Begriffe aus verschiedenen Begriffssphären, das Werden einer neuen begrifflichen Qualität durch Nebeneinanderstellung oder Austausch eben dieser zwei in Verbindung geratenen Begriffe.“ Sie ist figürliche, uneigentliche Rede, die erst aus dem Kontext eindeutig und voll erschlossen werden kann.
Der Tropus ist Mittel des bildlichen Ausdrucks auf Grund übertragener Bedeutung. Zwei Wörter werden in diesem Fall nicht – wie beim Vergleich – nebeneinandergestellt, sondern eins durch das andere ausgetauscht. Unter dem Tropus versteht man:
1. die Übertragung der Namensbezeichnung von einem Gegenstand auf einen anderen, von einer Erscheinung auf eine andere unter der Voraussetzung, dass es eine Ähnlichkeit gibt. In diesem Fall sprechen wir von der Metapher;
2. den Ersatz der Namensbezeichnung durch eine andere, wenn es eine logische Verbindung gibt. In diesem Fall sprechen wir von der Metonymie.
Sprachbild – sprachliche Äußerung, in der das Gemeinte bildlich und nicht wortwörtlich oder in einer „bildhaften Figur“ ausgedrückt wird.
20.Mittel der Bildkraft. Struktur und Stilwerte des Vergleichs.
читать дальшеDer Vergleich verbindet zwei Wörter aus verschiedenen Begriffsbezirken und ruft durch die bloße Nebeneinanderstellung sprachökonomisch eine Fülle von bildhaften Assoziationen hervor. Wird z. B. von einem Menschen gesagt, dass er wie ein Löwe kämpft, so werden die zwei Substantive Mensch und Löwe zueinander in Beziehung gebracht; dies löst eine Serie von Einzelbildern aus und erweckt eine neue Vorstellung: mutiger, tapferer Mensch.
Jeder Vergleich besitzt eine Vergleichsbasis, d. h. das Dritte des Vergleichs; das Verbindende, das Gemeinsame zwischen den beiden Komponenten des Vergleichs.
Wenn man im Alltagsstil sagt: Diese Frau ist so dick wie eine Litfasssäule, so ist die Vergleichbasis augenfällig-konkret (der große Umfang); wenn es idiomatisch heißt: Er sieht aus wie sieben Tage Regenwetter, so liegt das Gemeinsame des Vergleichs in einer Gefühlsstimmung: trüb das Wetter, trüb die Stimmung, trüb der Gesichtsausdruck.
Strukturell gesehen besteht der Vergleich immer aus einem Grundbegriff (einer Vergleichspartikel: als, als ob, als wenn, als wie, wie u.a.) und einem Nebenbegriff (z.B. er arbeitet wie ein Pferd). Seltener ist, dass anstatt der komparativen Partikeln auch Verben stehen können: er ähnelte (= glich) einem Pferd.
1. Nach der pragmatischen Wirkung unterscheidet man:
a) rational präzisierende Vergleiche (direkte Vergleiche, Sachvergleiche), d. h. Vergleiche aufgrund direkter (eigentlicher) Bedeutung, mit rationaler, objektiv-präzisierender Aussageabsicht.
So sagt die Mutter mit Stolz: Mein Sohn ist ebenso groß wie der Vater. Damit stellt sie objektiv fest, dass ihr Mann und der Junge von gleicher Größe sind. Rational-präzisierende Vergleiche stecken oft in der eigentlichen Bedeutung adjektivischer und substantivischer Kleinkontexte (Komposita): honigsüß, messerscharf, Kirschenmund, mit Bienenfleiß (arbeiten). Die wissenschaftliche Prosa neigt zu sachlichen Vergleichen. Termini und Fachausdrücke unterschiedlicher Bereiche können objektiv-präzisierende Vergleiche im Bestimmungswort enthalten. Ein Mantelgesetz ist ein Gesetz, das wie ein Mantel mehrere allgemeine Bestimmungen umfasst, die erst im weiteren durch spezielle Verordnungen geregelt werden.
b) metaphorisch-hyperbolische Vergleiche (bildliche Vergleiche), d. h. Vergleiche aufgrund metaphorischer, uneigentlicher Bedeutung, meist hyperbolisch zugespitzt, emotional und subjektiv bewertend: Du hast ja Nerven wie Stricke, sagt man bewundernd zu einem nervenstarken Menschen.
2. Nach der Struktur unterscheidet man:
a) einfache Vergleiche und b) erweiterte Vergleiche.
Die einfachen Vergleiche bestehen aus einer Wortgruppe. Sie werden durch wie, als, als ob eingeleitet: er ist so alt wie du; sie ist älter als mein Bruder; Du tust so, als ob du ein kleines Kind wärest. Als knappste Form des Vergleichs darf man ein Kompositum ansehen, in dem der Vergleich im Bestimmungswort eingeschlossen ist: Bärenhunger, kirschrot, zitronensauer, kreideweiβ, butterweich.
Die erweiterten Vergleiche enthalten eine beliebige nähere Bestimmung des Begriffs, mit dem verglichen wird: Alltagssprache ist ein bescheidenes Thema, das sich unter den anderen Vortragsthemen ausnimmt wie ein Dackel in einer Versammlung von Berhardinern.
3. Nach der Häufigkeit und Verbreitung unterscheidet man:
a) gemeinsprachliche (usuelle, konventionelle) Vergleiche und b) individuelle (okkasionelle, kreative, spontane) Vergleiche.
Die gemeinsprachlichen Vergleiche werden überall gebraucht. Man nennt sie so, weil sie „für die meisten Sprachträger eines Kulturareals einleuchtend wirken“: leicht wie eine Feder, stark wie ein Bär.
In der schönen Literatur, in der Publizistik, manchmal auch im Alltagsverkehr stoßen wir oft auf Einmalbildungen: Gerüchte waren wie ein Schwarm Krähen aufgeflogen. Der Flug der Krähen gleicht einer Sonate, voll verblichener Akkorde und männlicher Schwermut. [Remarque] Der letzte Vergleich ist auf individuellen Phantasie- und Gefühlsvorstellungen aufgebaut. Das ist ein individueller Vergleich. Betrachten wir zwei Vergleiche über das Lachen eines Menschen: Er lachte sein sanftes gutturales Lachen, das klang, als gluckste eine Quelle in seiner Brust. – Er lachte wie sechs Truthähne.[Remarque] Das erste Textbeispiel ist mit einem aus dem Leben gegriffenen Bild leicht vorstellbar, das zweite hingegen überrascht durch Unvorhersehbarkeit einer solchen Feststellung und befremdet.
Vergleiche kommen in allen funktionalen Stilen vor. Entweder sind sie bildhaft (er schleicht wie die Katze um den heißen Brei; sie hat Geld wie Heu) oder sachlich (diese Metapher ist wie ein Symbol für...).
Die rational-präzisierenden Vergleiche verstärken Konkretheit, Anschaulichkeit der Äußerung, bei metaphorisch-hyperbolischen Vergleichen treten Bildkraft, Expressivität und subjektive Wertung in den Vordergrund. Oft haben Vergleiche satirischen Charakter: Die Zahl der Göttingen Professoren war so groβ wie Sand am Meer. Ein treffender Vergleich trägt zur Knappheit und Zuspitzung des Ausdrucks, zur Sprachökonomie bei.