убил лису – сам съел колобка.
21.Mittel der Bildkraft. Strukturen und Funktionen der Metapher. Stilwerte besonderer Arten der Metapher.
читать дальшеUnter der Metapher versteht man die Übertragung der Namensbezeichnung von einem Gegenstand auf einen anderen, von einer Erscheinung auf eine andere, unter der Voraussetzung, dass es eine äußere oder innere Ähnlichkeit gibt. Die Metapher ist also ein Tropus, welchem eine äußere oder innere Abhängigkeit zugrunde liegt wie in folgendem Beispiel: Die Welt ist ein großer, unermesslicher Magen und braucht leichte, weiche, bewegliche Menschen, die er in seinen Kanälen verarbeiten kann.(Eichendorff) Die beiden Gegenstände (Welt/Magen) werden nicht, wie im Vergleich, gleichgesetzt, sondern inhaltlich verschmolzen und als identisch angesehen; es gilt also „A ist B“ und nicht, wie beim Vergleich, „A ist wie B“.
Nach der Häufigkeit und Verbreitung unterscheidet man:
a) verblasste („tote“) Metaphern: Feder als Schreibfeder oder Bestandteil einer Maschine.
Die Sprache ist sehr reich an verblassten Metaphern. Es gibt z.B. eine Menge technischer Geräte, die ursprünglich metaphorischer Herkunft sind: Fleischwolf: Gerät, das Fleisch zerkleinert; Müllschlucker: schachtartige Vorrichtung in einem Haus, durch die der Müll direkt in einen Großbehälter geleitet wird.
b) gemeinsprachliche (usuelle) Metaphern: Die Sirenen heulen bei Feueralarm auf (Vergleichsbasis – Klangart).
c) individuelle (kreative) Metaphern: Auf deiner Wange steht endgültiger Abschied [Strittmatter]. Der Sprecher gebraucht die individuelle Metapher als seine eigene sprachliche Schöpfung. Oft ermöglicht erst der Kontext die Identifikation der Metapher und das Erschließen der metaphorischen Bedeutung. In P. Celans Gedicht „Todesfluge“ lesen wir: Schwarze Milch der Frühe wir trinken sie abends, wir trinken sie mittags und morgens, wir trinken sie nachts, wir trinken und trinken…
Die schwarze Milch der Frühe steht hier für das todbringende Leben und Leid der Juden in einem Konzentrationslager. Aber enträtselt kann diese Metapher nur im Kontext des gesamten Lebens und Schaffens des Autors werden.
Nach der Struktur unterscheidet man:
a) knappe Metaphern: Angst flatterte in seinem Gesicht.
Eine knappe Metapher kann entweder eine Wortmetapher (Blütezeit, Pantoffelheld), eine phraseologische Redewendung (die erste Geige spielen, unter dem Pantoffel stehen), oder ein Satz (Der Handel blüht. Der Himmel weint.) sein.
b) erweiterte Metaphern: Er rührte an den Schlaf der Welt mit Worten, die wurden Maschinen, wurden Traktoren, Häuser, Bohrtürme und Minen …
Die erweiterte Metapher bekommt einen breiteren sprachlich-semantischen Umfang.
c) ausgebaute/geschlossene Metaphern: Der eine war ihr zu dick. «Das Weinfass!» sprach sie … Der vierte zu blass, «Der bleiche Tod!», der fünfte zu rot, «Der Zinshahn!», der sechste war nicht gerad genug, «Grünes Holz, hinterm Ofen getrocknet!» [«König Drosselbart»]
Eine ausgebaute Metapher umfasst mit einem bildlichen Geflecht, in dem ein Bild in ein anderes übergeht, gröβere Textfragmente oder einen ganzen Text (Textmetapher).
Für die morphologische Gliederung der Metaphern lassen sich drei Gruppen bilden:
1. substantivische Metaphern (Schafskopf), unter anderem Genitivmetaphern (das Gold der Haare, die Früchte des Zornes);
2. adjektivische Metaphern (schwarze Gedanken, goldene Worte);
3. verbale Metaphern (Die Natur erwacht. Das Meer jubelt);
4. partizipiale Metaphern (das erschöpfte Thema, die erstickende Atmosphäre).
Die Metaphern kommen in allen funktionalen Stilen vor. Sie bewirken höchste Knappheit und eine Zuspitzung der Darstellung. Die Metaphern appellieren an die Fantasie des Lesers/Hörers, indem sie verschiedene Bilder auslösen und zusätzliche (konnotative) Informationen vermitteln. In der schönen Literatur rufen sie ästhetische Wirkung hervor. Für die Lyrik sind Metaphern stilistische Mittel, in denen die Individualität des Autors ausgedrückt wird. In der Alltagsrede drücken Metaphern Eindringlichkeit, Humor und Spott aus. In der Wissenschaft dienen sie teils zur Benennung neuer Denotate, teils zur Veranschaulichung der Darstellung. In der Sprachwissenschaft spricht man z.B. von Wortstamm, Wurzel und Wortfamilie. Die Computersprache benutzt folgende Metaphern: Maus, Fenster, das Surfen im Internet, Speicher u.a. In der Presse – vor allen bei den Überschriften – spielen die Metaphern eine große Rolle: „Wir stehen an der Schwelle einer neuen Zeit“.
Nach dem Charakter der bildlichen Űbertragung lassen sich folgende Arten der Metapher beschreiben: Personifizierung (Entpersonifizierung), Allegorie, Symbol, Synästhesie, Antonomasie.
Personifizierung
Die Personifizierung (Personifikation, Verlebendigung) ist die Übertragung menschlicher Eigenschaften, Merkmale und Handlungen auf tierische und pflanzliche Organismen sowie auf Nichtlebewesen, d.h. die Übertragung von Eigenschaften eines Lebewesens auf ein unbelebtes Wesen: die Uhr schlägt, die Blumen flüstern zärtlich, der Wind singt.
Die Personifizierung ist die älteste Sonderform der Metapher, die aus dem Mythus, den Märchen und Sagen als ein veranschaulichendes Kunstmittel in die Dichtung eingegangen ist. Die Personifizierung lässt Gegenstände oder Vorgänge plastischer beschreiben und die emotionale Aussagekraft verstärken.
Die Personifizierung findet sich vor allem in der schönen Literatur, besonders in der Lyrik. Aber sie kommt auch in den wissenschaftlichen Texten vor: Die Pest zog durch das Land; Der Tod hauste in den Städten. Die Alltagssprache ist von den Personifizierungen voll: Das alte Jahr nimmt Abschied, das neue Jahr zieht ein; das Glück ist blind. Die Personifizierung wird erfolgreich auch in der Werbesprache gebraucht: Fiat-Autos mit Witz und Verstand; Renni (Arznei) räumt den Magen auf.
Als ein oppositionelles Glied zur Personifizierung tritt die sogenannte Entpersonifizierung: eine Art der Metapher, die Lebewesen als Gegenstände bezeichnet. Reich an entpersonifizierten Bildern ist z.B. die Erzählung von Wolfgang Borchert „Die Hundeblume“. Schon zu Beginn des Textes bezeichnet sich der Ich-Erzähler, Häftling in einem Gefängnis, mit der Nummer seiner Zellentür: Du, Nummer 432, Menschlein, wobei das Suffix – lein das Motiv der „Entmenschlichung“ sprachlich signalisiert.
Allegorie
Allegorie kann als eine Art der Personifizierung betrachtet werden. Es handelt sich um Verbildlichung von Ideen und abstrakten Begriffen, von Naturgeschehen und Naturgewalten (meist Verlebendigung in Menschengestalt). Der Ausgangspunkt der Allegorisierung ist also ein abstrakter Begriff.
Manche traditionellen Allegorien sind tief in der deutschen Sprache verankert. Die Sorge wird als graue weibliche Schattengestalt dargestellt, die sich am Bett des Schlafenden niederlässt – Frau Sorge „госпожа забота“. Der Tod erscheint als Sensenmann, in der Volksdichtung gewöhnlich als Gevatter Tod genannt. Der Frühling ist ein lieblicher Jüngling oder Freund Lenz. Der Winter wird als alter Mann, die Sonne als Frau dargestellt (im österreichischen Volksbrauch mit dem konkreten Namen «Liesl» angerufen: die Liesl scheint). Dies steht natürlich im Zusammenhang mit dem grammatischen Geschlecht der Substantive.
Seit der Antike finden sich Allegorien im öffentlichen Leben, in Literatur und bildender Kunst. Z.B. Hoffnung, Liebe, Fortuna, Gerechtigkeit werden oft als allegorische Frauengestalten mit bestimmten Attributen dargestellt.
Die Allegorie verlangt vom Autor wie vom Leser ein gemeinsames Wissen, damit sie verstanden werden kann, was oft nicht leicht fällt, da der Gegenstand, um den es eigentlich geht, oft nicht genannt wird. Bei der Verwendung einer Allegorie geht es immer um für das Kunstwerk wichtige Begriffe, über die der Leser nachdenken soll. Die stilistische Funktion besteht darin, besonders Wichtiges hervorzuheben. Die Allegorie wird auch in der Werbung verwendet: Auch in diesem Frühjahr hält Frau Mode eine Reihe hübscher Űberraschungen für sie bereit.
Symbol
Das Symbol grenzt an die Allegorie. Den Ausgangspunkt zur Entstehung des Symbols bildet ein Gegenstand, eine Pflanze, ein Tier, seltener ein Mensch. Es können auch reale Vorgänge aus dem Leben der Gesellschaft als Basis des Symbols benutzt werden. Das Symbol ist eine Bezeichnung des Gegenstandes, deren Bedeutungsinhalt gröβer als das direkt Ausgesagte ist.
Die Erde reist durch den Weltraum. Der Mensch sendet eiserne Tauben aus und harrt ungeduldig ihrer Heimkehr. Er wartet auf ein Ölblatt von Brüdern auf anderen Sternen. [Strittmatter] Die eisernen Tauben sind Flugkörper, die zu friedlichen Zwecken in den Kosmos fliegen. Diese individuelle Verbildlichung ist aus dem Kontext verständlich; dasselbe gilt für das alte gemeinsprachliche Symbol: Ölblatt als Zeichen des Friedens.
Das Symbol appelliert an die assoziativen Gefühle. Viele Symbole verankern sich in der Nationalkultur. Die meisten stammen dabei aus der Geschichte der Religion (Kreuz als Symbol des Christentums, Taube als Symbol des Friedens), der Kulturentwicklung (Ritter als Symbol der Tugend, Eule als Symbol der Weisheit, Rabe als Symbol der Langlebigkeit).
Gemeinsprachlich sind folgende Symbole: die Lilie ist das Sinnbild für Sanftmut und Unschuld, das Veilchen für Bescheidenheit, die Rose für Schönheit.
Die Farbe kann zum Symbol der Emotionalität werden: rote Rosen, aber rote Literatur. Der Sinn liegt zwischen den Zeilen.
Synästhesie
Die nächste Abart der Metapher ist die Synästhesie (griech.: Zusammenempfindung). Darunter versteht man die Verbindung von zwei verschiedenen Sinnesempfindungen, wobei eine von ihnen übertragene Bedeutung annimmt: seidene Stimme. Hier wird die Vorstellung durch Tast- und Gehörsempfindungen gebildet (Vergleichsbasis: Weichheit). In der Synästhesie kann eine beliebige Vereinigung von Sehen, Hören, Schmecken, Riechen und Tasten vor sich gehen: helle/dunkle Töne, giftige/kalte/warme Farben; duftende Stimme.
Die Synästhesie wird vor allem verwendet, um dem Leser eine neue Sicht auf Bekanntes zu ermöglichen oder die Sinneseindrücke zu verstärken.
Was die sprachliche Form betrifft, kommt die Synästhesie in Form von adjektivischen oder partizipialen Wortverbindungen vor: klingende Strahlen und strahlende Klänge (Heinrich Heine). Synästhetischen Charakter können auch Substantivwortgruppen, u.a. Genitivverbindungen, haben (die Kälte des Blicks, die Wärme der Stimme, der Duft der weiten Welt) oder verbale Wortgruppen (süβ/warm klingen, süβ schlafen/träumen).
Antonomasie
Die Antonomasie entwickelt sich auf der Basis des Personennamens. Unter der Antonomasie versteht man die metaphorisch-symbolische Verwendung bestimmter Eigennamen als Substitution der damit verbundenen Eigenschaften, Charaktertypen. Der Eigenname tritt als Gattungsname auf. So nennt man international einen eifersüchtigen Mann Othello, einen Kämpfer gegen das Böse Don Quichotte, einen leidenschaftlichen Frauenliebhaber Don Juan.
Zur metaphorischen Antonomasie gehören auch die so genannten „sprechenden Namen“. Z.B. heiβt der erste Mann von Tony Buddenbrook bei Thomas Mann Grünlich, was im Deutschen Assoziationen mit grün als „noch wenig Erfahrung besitzend“ (oft abwertend) hat. Ein groβer Meister sprechender Namen war in der deutschen Literatur Heinrich Mann: Diederich Heβling (Analogie mit hässlich) im Roman „Der Untertan“.
22.Mittel der Bildkraft. Struktur und Funktionen der Metonymie.
читать дальшеDie Metonymie ist die Übertragung aufgrund räumlicher, zeitlicher, stofflicher und logischer Beziehungen. Hauptkriterium ist ein Austausch zweier Begriffe aus unterschiedlichen Sinnbereichen.
Die Vertauschung zweier Wörter aus verschiedenen Begriffsbezirken beruht:
1. auf einem Raumverhältnis: Die ganze Universität kam zur Jubiläumsfeier. (anstatt: alle Professoren und Studenten kamen …). Am Sonntag zieht die ganze Stadt ins Freie (anstatt: die Einwohner der Stadt);
2. auf einem Zeitverhältnis: Das Zeitalter der Technik fordert… (anstatt: die Menschen dieses Zeitalters);
3. auf einem Stoffverhältnis (zwischen Rohstoff und Fertigprodukt): Traube anstatt Wein, Stahl anstatt Dolch, Nerz anstatt Mantel aus Nerz;
4. auf einem Kausalverhältnis: „Die Torheit wächst auf den Bergen“ (H.Heine): auf den Bergen wächst Weintraube, aus Weintraube wird Wein gemacht, Wein ist Ursache der Torheit. Übertragung vom Mittel auf das Ergebnis: Zunge anstatt Sprache, Hand anstatt Handschrift.
5. auf einem Symbolverhältnis (zwischen einem Konkretum und einem Abstraktum bzw. zwischen einer Erscheinung und einem Emblem): Lorbeer anstatt Ruhm, Taube anstatt Friede, Herd anstatt Haus. Er hat das Szepter (die Herrschaft) dreiβig Jahre in seinen Händen.
6. auf einem assotiativen bzw. logischen Verhältnis: Das neue Besen (die Putzfrau) ist noch nicht gekommen; eine giftige Blume (unbeliebte alte Lehrerin); eine Röntgenbluse (durchsichtige Bluse).
7. auf einem Qualitätsverhältnis (zwischen Eigenschaft/Qualität und Eigenschafts-/Qualitätsträger): Dunkles Blau (d.h. dunkelblauer See) wächst jetzt aus dem Schilf (Erwin Strittmatter).
8. auf einem onomastischen Zusammenhang (metonymische Antonomasie):
Mein Freund hat sich einen Opel/Ford/Peugeot gekauft (Zusammenhang zwischen Erfinder (Erzeuger) und Erfindungs-, (Erzeugungs-)produkt).
Sowohl Kinder als auch Erwachsene lesen gern Michael Ende (Zusammenhang zwischen Autor (Dichter, Maler, Komponist) und seinem Werk).
1812 überfiel Napoleon Russland, und es begann der Erste Vaterländische Krieg (Zusammenhang zwischen Feldherrn und seinen Truppen).
Eine besondere Art der onomastischen Metonymie sind die so genannten „typischen“ nationalen Rufnamen, die anstelle von Volksnamen gebraucht werden, z.B. Fritz/Hans (Deutscher), Iwan (Russe), Katjuscha/Natascha (Russin) usw.
9. auf der Basis der Quantitätsverhältnisse (die sogenannte Synekdoche) - «Teil für das Ganze» (Pars pro Toto): Mein Fuß (anstatt: ich) betritt nicht mehr diese Schwelle.
Synekdoche
Der häufigste Fall von Metonymie basiert auf einem Quantitätsverhältnis und wird Synekdoche (griech. Mitverstehen) genannt. Unter Synekdoche versteht man das Ersetzen eines semantisch weiteren Ausdrucks durch einen semantisch engeren Ausdruck und umgekehrt.
Die Synekdoche erscheint in mehreren Variationen:
• die Übertragung des Ganzen auf seinen Teil (das so genannte Pars pro Toto)
Dieser kluge Kopf (d.h. diese kluge Person) wird schon eine richtige Lösung finden.
Seit der Junge sie zum ersten Mal gesehen hat, kennt sein Auge keinen Schlaf.
Die Menge zählte tausend Köpfe (anstatt: Menschen).
Als eine besondere Art der Synekdoche (Pars pro Toto) gilt das Bahuvrihi: ein metonymisches Bild, in dem ein Lebewesen bzw. eine Person durch einen Körperteil oder ein charakteristisches Kleidungsstück benannt werden. Die Bahuvrihis kommen vor allem in den volkstümlichen Genres, z.B. in dem Märchen vor: Rotkäppchen, Langohr (Hase).
• die Übertragung des Teils auf das Ganze (das so genannte Totum pro Parte)
Deutschland (die deutsche Fuβballnationalmannschaft) gewann den Europapokal.
Die gestrige Gesellschaft = ein paar Menschen
Die ganze Welt klatschte Beifall = eine Gruppe von Menschen
• die Übertragung der Mehrzahl auf die Einzahl (Numerus-Beziehung)
Auch in Moskauer und Leningrader Gebiet wird jetzt die Weinrebe gepflanzt (anstatt: die Weinreben).
Der Russe und der Deutsche (anstatt: Russen und Deutschen) waren Gegner im 2. Weltkrieg.
23.Mittel der Bildkraft. Arten und Stilbedeutungen des Epithetons.
читать дальшеDas Epitheton ist jede Merkmalsbestimmung eines Substantivs, durch die der betreffende Begriff entweder logisch-sachlich konkretisiert oder emotional eingeschätzt wird. Mit seiner Hilfe entsteht vor dem geistigen Auge des Lesers oder Hörers die Vorstellung von Farbe, Form, Klang, Geruch, aber auch die Vorstellung von Eigenschaften und Merkmalen.
Das Epitheton erscheint in allen Redestilen. Es ist ein stilistischer Begriff, grammatisch ausgedrückt:
a) durch kongruierendes adjektivisches oder partizipiales Attribut: das neue (spannende) Buch;
b) durch nichtkongruierendes Attribut: prima Qualität, lila Kleid, ganz Berlin, Röslein rot, das Jahr 2002;
c) durch erweitertes Attribut: die im Raum sitzenden Studenten;
d) durch Genitivattribut: das Lied der Lieder, Schillers Balladen;
e) durch präpositionales Attribut: die Werke von Goethe, der Mann mit der Brille, die Hilfe für den Kranken;
f) durch adverbiales Attribut: das Haus rechts, die Bäume rundum;
g) durch Attributsatz: Das Zimmer, das mein Freund mietet, ist sehr gemütlich;
h) durch Bestimmungswort im zusammengesetzten Substantiv: das Klassenzimmer, der Schreibtisch.
Epitheta können nach dem Inhalt unterschieden werden.
Konkretisierende (logisch-sachliche) Epitheta geben die sinnlich wahrnehmbaren Merkmale an (die Vorstellung von Farbe, Form, Klang, Geruch und anderen Sinnesempfindungen): Er schenkte ihr eine herrlich duftende gelbe Teerose; Auf dem Tisch stand eine hohe grüne Vase; Transistor mit Kurzwellen. Im wissenschaftlichen und offiziellen Stil tragen Epitheta zur Verdeutlichung und näheren Erklärung des Gesagten bei: die obengenannten Beispiele, die anliegenden Dokumente.
Bewertende (emotionale) Epitheta offenbaren die persönliche Einstellung des Sprechenden zum Gegenstand der Darstellung. Im Stil der Wissenschaft kommen derartige Beiwörter selten vor. Sehr häufig werden die bewertenden Epitheta in der Publizistik verwendet. Der Stil der Alltagsrede ist in der Regel von bewertenden Epitheta stark durchsetzt: ein entzückender Mensch, ein schrecklich interessanter Roman, mächtiges Glück. Besonders wichtig sind Epitheta in der schönen Literatur, weil sie die persönliche Einstellung des Sprechenden anzeigen. Bewertende Epitheta können als positiv bewertende: ein bildhübsches Mädchen oder als negativ bewertende: diese schreckliche Stimme Epitheta betrachtet werden.
Stehende Epitheta bilden mit ihrem Begriff eine formelhafte Verbindung: grünes Gras, kühler Brunnen, tiefes Tal, feines Liebchen, böse (alte) Hexe, buckliges Männlein, stolzer (grausamer) König.
Den Gegensatz zu den stehenden bilden die unerwarteten Epitheta. Das sind solche Beiwörter, die im Sprachgebrauch nicht üblich sind. Meist beruhen sie auf übertragener Bedeutung (metaphorische Epitheta): abstrakte Beine, mathematisches Gesicht, schlafende Schaufenster.
Lieblingsepitheta sind Epitheta, die zu einer bestimmten Zeit, innerhalb eines bestimmten Kollektivs, von bestimmten sozialen Gruppen, von bestimmten literarischen Richtungen und einzelnen Dichtern häufig gebraucht werden. So war in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts der Gebrauch des Epithetons fabelhaft in der Mode, besonders in den Kreisen der bürgerlichen Jugend: ein fabelhaftes Buch, ein fabelhaftes Konzert, eine fabelhafte Überraschung. Im Allgemeinen haben die Lieblingsepitheta keine lange Dauer. Es sei aber ein Adjektiv erwähnt, das sich im Deutschen seit den ältesten Perioden der Sprache als Lieblingsepitheton erhalten hat. Es ist das Epitheton süß in übertragener Bedeutung: ein süßes Kind, süße Augen, ein süßes Ding.
Tautologische Epitheta sind solche Beiwörter, die von ihrem substantivischen Begriff ein Merkmal hervorheben, das schon in ihm selbst enthalten ist: ein Riese von ungeheurer Gestalt, eine Tarnkappe, die unsichtbar macht.
24.Mittel der Bildkraft. Arten und Stilwerte der Umschreibung. Stilistische Aufgabe von besonderen Arten der Umschreibung.
читать дальшеZu den Mitteln der Umschreibung gehört vor allem die stilistische Periphrase. Darunter versteht man die sekundäre Nominierung eines Denotats entweder durch Hervorhebung charakteristischer Merkmale, Eigenschaften, Tätigkeiten, Wirkungen (Rom – die Stadt der sieben Hügel) oder durch Verbildlichung in uneigentlicher Rede (die Ostsee – das Meer des Friedens), d.h. die Umschreibung der üblichen Bezeichnung einer Sache, Person, eines Vorgangs oder einer Erscheinung durch ein anderes Wort oder eine Wendung, die wesentliche oder charakteristische Eigenschaften des betreffenden Gegenstandes ausdrücken.
Die Umschreibung eines Gegenstandes oder einer Erscheinung erfolgt entweder auf Grund direkter Wortbedeutung (sog. logische Periphrase) oder auf Grund übertragener Wortbedeutung (metaphorische und metonymische Periphrase).
Zahlreiche logische Periphrasen sind auf der Hervorhebung objektiver Merkmale begründet: Die Apenninenhalbinsel – Italien (wissenschaftlich-nüchtern) / das Land, wo die Zitronen blühen – Italien (poetisch-emotional); Stadt an der Elbe/Elbmetropole/Elb-Athen/Elb-Florenz – Dresden; die Stadt der Lieder – Wien; das Land der Pyramiden – Ägypten. Umfangreich ist die Gruppe logischer Periphrasen zur Umschreibung von Eigennamen: der Dichter der Ilias – Homer, der Dichter des Faust – Goethe u. ä.
Metaphorische und metonymische Periphrasen entstehen auf Grundlage einer Merkmalshervorhebung, in der eine Metapher oder eine Metonymie eingeschlossen ist. In der bildlichen Periphrase wird das Wort nicht genannt. Und doch versteht man aus den lexischen Elementen der Periphrase, welchen Begriff sie in sich einschließt: Langfinger – Dieb.
Es gibt bildliche Umschreibungen, die sich von den Metaphern schwer unterscheiden lassen. Bei der Wendung "der Unruheherd in Europa" lässt sich nicht genau feststellen, worum es geht: um eine metaphorische Beschreibung oder um eine Metapher. In solchen Fällen begnügt man sich mit der Feststellung: es ist ein sprachliches Bild.
Der Verbreitung nach können Periphrasen gemeinsprachlich und individuell sein. Wendungen wie Lenz des Lebens (Jugend), König der Lüfte (Adler), Beherrscher des Olymps/Olympier (Zeus) sind gemeinsprachliche metaphorische Periphrasen. In all diesen Beispielen bestimmen die lexischen Elemente der Periphrase einen Begriff, der in der Umschreibung selbst nicht genannt ist.
Der Struktur nach unterscheidet man: einfache Umschreibungen (überwiegend Wortgruppen oder Komposita): Tochter des Himmels – der Mond, der Korse – Napoleon;
erweiterte Umschreibungen (in Satzform): geographische Untersuchungen in fremden Taschen machen (Taschendiebstahl), wirkendes Mitglied einer öffentlichen Spinnanstalt werden (Strafanstalt). [Heine]
Der pragmatischen und stilistischen Leistung nach unterscheidet man:
1. Euphemismus (vom griech.: gut sprechen) – eine Periphrase, die den Zweck hat, etwas Unangenehmes angenehmer darzustellen, etwas Unhöfliches höflicher, etwas Schreckliches harmloser auszudrücken: Eier – Fliegerbomben, Eierlegen – Bombenabwurf, rollende Konservenbüchsen – allerlei Arten von schweren Panzern, der Schwarze – der Teufel. Der Euphemismus tritt häufig in Presse und Publizistik, im Diplomatenverkehr und in anderen Formen offizieller Rede auf: Arbeitswillige – Arbeitslose, Umschulungslager – KZ (in der Nazilügeterminologie). Wenn man sagt, dass die Angaben auf unrichtiger Information beruhen oder jeder Grundlage entbehren, bleibt zwar die äußere Form der Höflichkeit bewahrt, dabei wird aber doch unmissverständlich Kritik am Gegner geübt. Die euphemistische Umschreibung wird in der Publizistik hauptsächlich zum Aufdecken des wahren Sachverhalts gebraucht, zur Entlarvung von Lüge. In der Dichtung wird der Euphemismus verwendet, um manche Härte des Inhalts und der Form zu verhüllen; oft wird aber durch seine Verwendung satirische Wirkung hervorgerufen und vertieft.
2. Die Litotes (griech.: Schlichtheit) – eine Periphrase auf Grund von Verneinung. Man versteht darunter verneinende Periphrase mit verstärkt positiver Aussageabsicht : Das ist nicht übel – Das ist sehr gut, Diese Idee ist so dumm nicht! Sie ist gar nicht dumm! – Die Idee ist sogar sehr klug. Manchmal kommt auch die negative Aussageabsicht: Ich möchte nicht sagen, dass deine Leistungen auf der Höhe sind. Durch die Verneinung wird der Eindruck der Unzulässigkeit, der schlechten Arbeit stärker unterstrichen.
3. Die Hyperbel (griech.: Übertreibung) – die Darstellung des Sachverhalts in übertriebener Form: todmüde anstatt müde, es regnet wie in Strömen anstatt es regnet stark, eine Ewigkeit warten anstatt lange warten. Sehr häufig treten Übertreibungen in den sog. Zahlenhyperbeln auf: ich habe dir das schon tausendmal gesagt, bitte tausendmal um Entschuldigung, der Tausendfuß / der Tausendfüßler – сороконожка.
Die Volksdichtung enthält eine Reihe stehender (traditioneller) Hyperbeln: tausendschönes Mädchen, die marmorweiße Stirn. Das sind die sogenannten „Volkssuperlative“ (todmüde, splitternackt), die in der Umgangssprache stark vertreten sind. Der Volkssuperlativ ist ein zusammengesetztes Adjektiv, wo das Bestimmungswort den höchsten Grad der Eigenschaft im Grundwort bezeichnet.
Besonders viel wird die Hyperbel in der Werbung verwendet. Die Ware wird angekündigt als: feinst, hochfein, extrafein, superfein, prima, extraprima usw.
Gegenstück der Übertreibung ist die sog. Untertreibung – die Meiose, die den Sachverhalt unterspielt: Er hat nur zwei Worte zum Thema gesagt; Er wohnt einen Katzensprung von uns entfernt; Ich lade dich zu einem Butterbrot ein; Trinken wir einen Tropfen Wein!
4. Ironie (im engeren Sinne) ist die Umschreibung durch Gegenteil. Die Mitteilung wird nicht direkt durch Nennung des realen Sachverhalts gemacht, sondern durch Behaupten des Gegenteils. Das Wetter ist ja wirklich prachtvoll! – sagt man, wenn man, gebadet wie eine Maus, aus dem regentriefenden Mantel schlüpft.
Die Umschreibung ist in allen funktionalen Stilen gebräuchlich und geliebt. In der Sachprosa werden logische, nüchtern-trockene Periphrasen verwendet: “Schreiber dieses Briefes" statt "ich", "Apenninenhalbinsel" statt "Italien". Die Alltagsrede kennt viele Umschreibungen: "die Blondine", "der Lange", "die Schlange" statt "die Menschenreihe". In der Schlange steht man hinter "einem karierten Mantel". Sich selbst bezeichnet man als "meiner Mutter Sohn, Tochter" usw. In der Publizistik, in der schönen Literatur werden die Umschreibungen sehr oft verwendet: "der wahnsinnige Verbrecher" statt „Hitler; "die Söhne Albiong" statt Englän.
25.Lexisch-grammatische Stilfiguren. Strukturen und Stilwerte der Aufzählung.
читать дальшеEine weitere Gruppe von stilistischen Verbindungsmöglichkeiten zwischen Wörtern, Wortgruppen, Sätzen und Absätzen bilden die verschiedenen Arten der Wiederholung. Die Wiederholung bezieht sich auf alle Spracheinheiten: Phoneme, Morpheme, Wörter, Wortgruppen, Sätze können im Text mehrfach verwendet werden, um eine gewisse Stilwirkung auszulösen. Wiederholt wird das, was semantisch und emotional besonders unterstrichen werden soll. Je nach den wiederholten Sprachelementen unterscheidet man lexikalische, grammatische und phonetische Wiederholung.
Die Aufzählung ist eines der ältesten sprachlichen Ausdrucksmittel. Sie ist beliebt in den meisten Stilarten wegen der Anschaulichkeit, Dynamik und Rhythmik. Darunter versteht man eine Kette von gleichartigen Bezeichnungen der Gegenstände, Handlungen, Merkmale: An der Neujahrstanne hingen viele Äpfel, Nüsse, Apfelsinen, Backwerk und noch viele andere gute Sachen.
Man spricht über:
a) alliterierende Aufzählung mit gleichen Anfangslauten: Dies Zusammenspiel der Farben, Formen, Felsen, Fichten;
b) alternative Aufzählung: Die Jacke soll entweder blau oder gelb oder rosa sein, der Rock soll entweder weiß oder schwarz oder grau sein;
c) paarige Aufzählung: Früher war sie doch fröhlich und lebhaft, sanft und streng, gutmütig und zuvorkommend;
d) asyndetische (unverbundene) Aufzählung: Er kannte die Mängel des Stils, des Aufbaus, der Charakteristik;
e) syndetische (verbundene) Aufzählung: Man hat gesagt, man hat es sogar geschrieben und drucken lassen, dass ich das Leben hasse oder fürchte oder verachte oder verabscheue [Mann];
Die Klimax ist eine steigende Aufzählung einzelner Wörter (Redeteile): Es regnete stundenlang, nächtelang, tagelang, wochenlang.
Neben der steigenden Aufzählung sei noch die fallende Aufzählung – die Antiklimax – genannt, gleichfalls in allen Stilarten vertreten: Überall herrschte Jubel. Die ganze Stadt, alle Häuser und Wohnungen legten das Festkleid an. Aufzählung als Aneinanderreihung ganzer Sätze besitzt gewöhnlich emotionalen Charakter. Die Sätze (Satzelemente) verbindet man miteinander asyndetisch und polysyndetisch.
26.Lexisch-grammatische Stilfiguren. Arten und Stilbedeutungen der Wiederholung. Stilbedeutungen der Antithese und des Chiasmus.
читать дальшеEine weitere Gruppe von stilistischen Verbindungsmöglichkeiten zwischen Wörtern, Wortgruppen, Sätzen und Absätzen bilden die verschiedenen Arten der Wiederholung. Die Wiederholung bezieht sich auf alle Spracheinheiten: Phoneme, Morpheme, Wörter, Wortgruppen, Sätze können im Text mehrfach verwendet werden, um eine gewisse Stilwirkung auszulösen. Wiederholt wird das, was semantisch und emotional besonders unterstrichen werden soll. Je nach den wiederholten Sprachelementen unterscheidet man lexikalische, grammatische und phonetische Wiederholung.
I. Lexikalische Wiederholung
1. die wortwörtliche Wiederholung, bei der ein Wort, eine Wortgruppe oder ein Satz mehrmals in gleicher Form wiederaufgenommen werden.
a) echte (wörtliche) Wiederholung, d.h. grammatisch unveränderte, vermehrte Wiederholung von Wörtern, Ausdrücken. Die Elemente werden hintereinandergereiht: Aus. Aus. Aus. Mein Vater, mein Vater, jetzt fasst er mich an!
b) Antwortwiederholung im Dialog: “Ist das Buch interessant?” – “Interessant, sogar sehr.”
c) erweiterte (präzisierende) Wiederholung: Ich habe Kopfschmerzen, abscheuliche Kopfschmerzen.
2. variierte Wiederholung, bei der Wort, Wortgruppe oder Satz in irgendwie veränderter Form wiederauftauchen:
a) flektierte Wiederholung. Bei dieser Wiederholung entsteht irgendeine grammatische Veränderung: ein Substantiv in einem anderen Kasus, ein Adjektiv in Steigerungsstufe und a.m.: die Rose der Rose. In dem Garten ist ein Baum, auf dem Baum ist ein Nest, in dem Nest ist ein Ei, in dem Ei ist …
b) Wiederholung von Wörtern gleicher Stämme: einen Tanz tanzen, einen Traum träumen, ein schweres Leben leben, helles Lachen lachen.
3. synonymische Wiederholung, bei der nicht dasselbe Wort (Wortgruppe, Satz) wiederkehrt, sondern ein sinngleicher oder sinnähnlicher Ausdruck.
a) Pleonasmus (griech.: Überfluss) – Wiederholung eines Begriffs durch zwei verschiedene grammatische Redeteile: ein alter Greis, ein armer Bettler.
b) Tautologie – Wiederholung des Begriffs durch zwei gleiche grammatische Redeteile oder Dienstwörter: Hohn und Spott, angst und bang, Pinkepinke, soso, Singsang, wortwörtlich, immer und ewig, Feuer und Flamme. Er hat es bereits schon gesagt. Pleonasmus und Tautologie werden heute nicht mehr streng geschieden.
Die synonymischen Wiederholungen – Pleonasmus und Tautologie – kommen in verschiedenen Stilarten vor; ihr stilistischer Ausdruckswert kann jedoch nur im Einzelnen konkret bestimmt werden. So verwendet die wissenschaftliche Prosa alle Fälle synonymischer Wiederholung zur sachlichen Präzisierung. In der volkstümlichen Alltagsrede sind die Tautologien ein beliebtes Verstärkungsmittel: Es war einmal ein alter, alter Greis.
Als Abart der lexikalischen Wiederholung kann man kompositorische Wiederholung betrachten. Kompositorische Wiederholungen sind Mittel des Textaufbaus. Zu den Abarten der kompositorischen Wiederholung gehören Anapher, Epipher, Rahmen- oder Ringwiederholung, Anadiplose.
Unter Anapher versteht man die Wiederholung desselben Wortes, oder derselben Wortgruppe an der Spitze der Sätze: Da wurde sie bestürzt … Da sprach sie …
Unter Epipher versteht man die Wiederholung des letzten Wortes oder der letzten Wortgruppe am Ende mehrerer Sätze: Er tut das alles mit Anteil, er isst beflissen, trinkt beflissen, liest beflissen.
Die Rahmenwiederholung (Ringwiederholung) besteht in der Wiederkehr derselben Sprachelemente am Anfang und am Ende eines Satzes: Warum hast du mich allein gelassen, warum?
Anadiplose ist die Wiederholung eines Satzelementes, das am Ende des Satzes steht, an der Spitze des nächsten Satzes: Oder es war der Regen? Der Regen auf den dunkelroten Ziegeln.
Wenn ein und dasselbe Element unregelmäßig im Text wiederkehrt, so spricht man über Leitmotiv. Das ist eine mehrmalige, sinntragende Wiederholung eines Sprachelementes mit dem Textthema relevanten Inhalt.
II. Grammatische Wiederholung
Noch eine Gruppe von stilistischen Verbindungsmöglichkeiten zwischen einzelnen Wörtern, Wortgruppen, Sätzen und Absätzen bilden Parallelismus und Antithese.
1. Unter Parallelismus versteht man die symmetrische Stellung gleichartiger Satzglieder oder ganzer Sätze, d. h. symmetrische Wiederholung der grammatischen Strukturen: Und keiner weiß: wohin? Und alle fahren: mit. Der grammatische Parallelismus kann emotionale Expressivität zum Ausdruck bringen, er schafft Symmetrie, Reim und Rhythmus, besonders in der Dichtung: Wie herrlich leuchtet mir die Natur! Wie glänzt die Sonne! Wie lacht der Flur! [Goethe]
2. Als Gegenstück zum Parallelismus betrachtet man die Gegensatzfiguren:
a) Die Antithese, auch Kontrast genannt. Eine Antithese entsteht durch Gegenüberstellung zweier Begriffe, die auf einer logischen Ebene liegen: N. ist ein guter Dramatiker, aber ein mäßiger Lyriker. Lila geht über die Bühne grüβend und begrüßt. Die einen bestellen Sekt, weil er teuer ist, die anderen, obwohl er teuer ist.
Im Gegensatz zur logischen Antithese spricht man von einer «schiefen» (unlogischen) Antithese, wenn die Verbindungsebene zwischen den Polen der Gegenüberstellung fehlt. Auf «schiefen» Antithesen werden zahlreiche volkstümliche Scherze und geflügelte Worte aufgebaut: «Spielen Sie Klavier?» – «Nein, aber meine Großmutter schreibt Romane.» Ebenso wie der Parallelismus, spielt auch die Antithese eine wichtige Rolle im Stil der wissenschaftlichen Prosa. Sie trägt zur logischen Gliederung des Gedankengehalts bei und bewirkt durch Schärfe und Gegenüberstellung größere Klarheit und dadurch größere Überzeugungskraft: Während in England und Frankreich das Emporkommen des Handels und der Industrie die Verkettung der Interessen über das ganze Land zur Folge hatte, brachte Deutschland es nur zur Gruppierung der Interessen nach Provinzen …
b) Der Chiasmus, benannt nach dem griechischen Buchstaben “Chi” (auch “Kreuzfigur”). Unter Chiasmus versteht man Kreuzstellung von Satzgliedern, d.h der Chiasmus entsteht dadurch, dass zu einer Antithese eine zweite hinzutritt, aber umgekehrten Inhalts: … dass in Bologna die kleinsten Hunde und die größten Gelehrten, in Göttingen hingegen die kleinsten Gelehrten und die größten Hunde zu finden sind [Heine];.
Im Stil des Alltagsverkehrs wird die Kreuzfigur seltener gebraucht. Hingegen ist sie in der schönen Literatur ein beliebtes Ausdrucksmittel. In der schönen Literatur ist auch Chiasmus mit kämpferischem Sinn verbreitet: Brecht das Doppeljoch entzwei! Brecht die Not der Sklaverei! Brecht die Sklaverei und Not! Brot ist Freiheit, Freiheit – Brot [Herwegh]; oder mit lyrischer Stilfärbung: … ein Blumengarten von klingenden Strahlen und strahlenden Klängen [Heine]; … das war kein Schnee, es waren Blumen, Schneeblumen, Blumenschnee [Mann].
27.Mittel zum Ausdruck von Humor und Satire. Stilistische Möglichkeiten des Wortwitzes.
читать дальшеEinige Sprachmittel können im entsprechenden Kontext humoristischen oder satirischen Ausdruckswert annehmen. Hier ist die Rede von gelegentlichen, kontextualen Mitteln im Dienst von Humor und Satire.
Wortwitze (Doppelsinn und Wortspiel)
Der Doppelsinn ist Gebrauch von mehrdeutigen Wörtern in einem Kontext. Das ist ein Stilmittel, das seinen Ursprung der Mehrdeutigkeit des Wortes und der Homonymie verdankt. Das Substantiv Kohl z.B. ist einerseits Bezeichnung für ein Gemüse (Weißkohl, Rotkohl, Blumenkohl), andererseits aber existiert im deutschen Sprachgebrauch die übertragene Bedeutung von Kohl als Unsinn (Kohl reden). Mit dem Lautkomlex Kohl kann also sowohl die wörtliche als auch die übertragene Bedeutung gemeint sein. Dieselbe Erscheinung kommt auch in vielen Wortgruppen und stehenden Wortverbindungen vor: ein Hühnchen rupfen (direkt – ein Huhn vor dem Kochen von seinen Federn reinigen; übertragen – einen Streit mit jemandem haben). Ohne Kontext ist es schwer zu verstehen, worum es sich handelt.
Der Doppelsinn als stilistisches Mittel fordert, das Gesagte in zweifachem Sinn zu verstehen. Doppelsinn beruht auf zwei Bedeutungen eines Wortes oder zwei Homonymen, wenn der Kontext zwei Auslegungen zulässt.
Auf Doppelsinn beruht die Mehrzahl volkstümlicher Scherzfragen und Rätsel, wie z.B. „Warum sind die Zahnärzte die gründlichsten Leute der Welt?“ – „Weil sie alles bei der Wurzel anfassen“. Wurzel ist mehrdeutig: Wurzel eines Zahns, Wurzel als Grundlage einer Erscheinung; phraseologische Fügung etwas bei der Wurzel anfassen, d.h. gründlich machen. Und weiter; „Aber die Zahnärzte sind auch die feigsten Leute der Welt, weil sie immer gleich ausreißen“ (ausreißen im wörtlichen Sinn hier: einen Zahn ziehen, im übertragenen Sinn: davonlaufen).
Der offizielle Stil in allen seinen Abarten, sowie der wissenschaftliche Stil, falls er nicht satirisch-polemisch gefärbt ist, lehnen den Doppelsinn als Stilmittel ab. Denn ihre funktionale Spezifik ist unvereinbar mit dem expressiven Ausdruckswert dieses Stilmittels.
Das Wortspiel ist ein Spiel mit gleich oder ähnlich klingenden, aber in der Bedeutung unterschiedlichen Wörtern: Gib Opi nie viel Opium, denn Opium bringt Opi um.
Zwei verschiedene Wörter werden auf Grund von Lautähnlichkeit irgendwie zueinander in Beziehung gesetzt:
1. durch eine Änderung in der Wortbildung: Wirtschaft – verwirtschaften, Diener – Verdiener auf Kosten anderer;
2. durch phonetische Änderung: Und die Lautesten sind nicht immer die Lautersten. [Bredel] Auf den ersten Blick will es scheinen, als ob hier nur eine lautliche Änderung vor sich gegangen sei (Einschieben des «r»), in Wirklichkeit aber handelt es sich hier um zwei Wörter von völlig verschiedener Semantik: die Lautesten – von laut; die Lautersten – von lauter (d.h. die Ehrlichsten). Künstler, Kunststudenten und Schulen bemalen die Bärenfiguren. Anschließend bringt man «Tiere» in die Berliner Stadtbezirke. Nach wenigen Wochen standen fast 300 Bären überall in «Bärlin», viele davon in der Einkaufsstraße Kurfürstendamm. [Juma]
3. durch das Spiel mit den lexischen Elementen einer phraseologischen Fügung: „Was macht denn N.N.?“ – „Was er macht? Einen schlechten Eindruck.“;
4. durch verschiedene Arten der Kontamination: ich saß neben ihm, und er behandelte mich ganz famillionär [Heine]. Hier haben wir eine bewusste Verschmelzung von zwei klangähnlichen Wörtern: familiär und Millionär.
28.Mittel zum Ausdruck von Humor und Satire. Stilwerte der Wortverbindungen mit Überraschungs– und Verfremdungseffekt.
читать дальшеEinige Sprachmittel können im entsprechenden Kontext humoristischen oder satirischen Ausdruckswert annehmen. Hier ist die Rede von gelegentlichen, kontextualen Mitteln im Dienst von Humor und Satire.
Wortwitze (Doppelsinn und Wortspiel)
Unter «unlogischen Verbindungen» versteht man eine bestimmte Zusammenstellung von inhaltlich nicht zueinander passenden Wörtern, Wortgruppen und Sätzen. Solche Wortverbindung schafft Überraschungs- bzw. Verfremdungseffekt. Zu den Fügungen mit scheinbarer Unlogik gehören vor allem Oxymoron, Zeugma und Falschkoppelung.
Das Oxymoron (griech.: scharfsinnig-dumm) – die scheinbar widersinnige Verbindung von Gegensätzen, deren Vereinigung wieder eine sinnvolle Ganzheit ergibt. Dieses Stilmittel ist dazu berufen, widersprüchliche Erscheinungen der Wirklichkeit expressiv und emotional widerzuspiegeln. Das Oxymoron wird sprachlich ausgedrückt:
1. durch eine kopulative Zusammensetzung: dummklug, Freundfeind;
2. durch ein attributivisches Verhältnis: hässliche Schönheit, bittere Freude.
Das Oxymoron kann individuelle Einmalbildung sein: Scherzernst – ein Gedicht, das in scherzhafter Form, aber mit ernst gemeintem Inhalt veröffentlicht wird [Holz]. Es ist kennzeichnend für den Individualstil mancher Schriftsteller. Bekannt ist Goethes Vorliebe für dieses Stilistikum: helldunkel, gelassenkühn. H. Mann bringt im «Untertan» einige widersprüchliche «kühne» Wortverbindungen, die den Charakter des Haupthelden beleuchten: wohliges Grausen, süßer Schauder.
Zahlreiche oxymoronische Verbindungen gehen in den allgemeinen Sprachgebrauch ein: verschlimmbessern, Verschlimmbesserung, betrogene Betrüger. In der Sprache kann ein Oxymoron den ursprünglichen Widersinn verlieren und einen neuen Grundbegriff bilden: ein weißer Rabe „große Seltenheit“, ein lebender Leichnam „völlig verfallener oder innerlich toter Mensch“, weiße Kohle „Wasserkraft“.
Das Zeugma (griech.: Zusammenjochung) – die bewusste Vereinigung begrifflich unvereinbarer Wörter, grammatisch durch gleichartige Satzglieder ausgedrückt. Diese Wörter können durch ein gemeinsames Verb oder Adjektiv verbunden sein, sie können aber auch unverbunden als bloße Aufzählung erscheinen. Die semantische Unverträglichkeit entsteht:
• durch unpassende Verbindung zweier Substantive mit einem gemeinsamen Verb: Er brach das Siegel auf und das Gespräch nicht ab. [Chamisso]; Es bleibt mir nichts übrig, als meine Aktentasche und Abschied von dir zu nehmen. Das Verb steht mit einem Substantiv in wörtlicher, mit dem anderen in übertragener Bedeutung, deshalb ist diese Verbindung unpassend;
• durch unpassende Verbindung zweier Substantive mit einem Adjektiv: Die Stadt Göttingen, berühmt durch ihre Würste und Universität [Heine];
• durch das Fehlen des Verbindungswortes, d.h. das Zeugma wird durch unpassende Zusammenstellung von Wörtern gebildet, die logisch nichts miteinander zu tun haben: Diese Stadt hatte 40 000 Einwohner, ein Rathaus, 21 Kaffeehäuser, eine Synagoge, ein Zuchthaus, ein Krankenhaus, ein ebenso gutes Theater und eine Galgen für Diebe [Heine];
• durch unpassende Schlusszusammenfassung: beständig, klang es mir noch in den Ohren, wie „Tribonian, Justinian, Hermogenian und Dummerjahn“ [Heine].
Die Falschkoppelung ist die unlogische Koppelung von Satzgliedern, aber nicht von gleichartigen wie beim Zeugma. So werden, z.B. Attribute oder Partizipien zu Substantiven gestellt, zu denen sie logisch nicht passen:
ein möblierter Herr „ein Herr, der ein möbliertes Zimmer sucht“ – eine Formulierung, die an Haustoren angebracht, die Aufmerksamkeit der Vorübergehenden auf sich lenken sollte;
kalte Mamsell „eine Angestellte, die am Buffet kalte Speisen ausgibt“;
gebildete Umgangssprache „Umgangssprache der Gebildeten“.
„Ist der Herr(die Dame) motorisiert?“, lautet eine schon übliche Frage bei Ankunft eines Gastes im Empfangsbüro eines Hotels.
Verblasste Falschkoppelungen, die nicht mehr als unlogisch und witzig empfunden werden, haben wir in folgenden Beispielen: Der Baum hängt voll Obst. Natürlich hängt nicht der Baum selbst, sondern das Obst auf dem Baum. Das Verb ist nicht mit einem richtigen Substantiv gekoppelt. Ebenso: Die Fenster hingen voll Menschen. Der Hügel wimmelt von Ameisen. Vgl. auch: der Wasserhahn läuft (anstatt: das Wasser läuft aus dem Hahn); der Becher schäumt (anstatt: der Champagner im Becher schäumt).
Als unlogische Verbindung kann auch der sog. Schlagsatz gelten. Unter einem Schlagsatz versteht man eine erweiterte Schlusszusammenfassung, eine Satzgruppe oder einen Satz, die durch ihren Inhalt dem Vorangehenden widersprechen und es null und nichtig machen: Die Stadt [Göttingen] selbst ist schön und gefällt einem, wenn man sie mit dem Rücken ansieht [Heine].
читать дальшеUnter der Metapher versteht man die Übertragung der Namensbezeichnung von einem Gegenstand auf einen anderen, von einer Erscheinung auf eine andere, unter der Voraussetzung, dass es eine äußere oder innere Ähnlichkeit gibt. Die Metapher ist also ein Tropus, welchem eine äußere oder innere Abhängigkeit zugrunde liegt wie in folgendem Beispiel: Die Welt ist ein großer, unermesslicher Magen und braucht leichte, weiche, bewegliche Menschen, die er in seinen Kanälen verarbeiten kann.(Eichendorff) Die beiden Gegenstände (Welt/Magen) werden nicht, wie im Vergleich, gleichgesetzt, sondern inhaltlich verschmolzen und als identisch angesehen; es gilt also „A ist B“ und nicht, wie beim Vergleich, „A ist wie B“.
Nach der Häufigkeit und Verbreitung unterscheidet man:
a) verblasste („tote“) Metaphern: Feder als Schreibfeder oder Bestandteil einer Maschine.
Die Sprache ist sehr reich an verblassten Metaphern. Es gibt z.B. eine Menge technischer Geräte, die ursprünglich metaphorischer Herkunft sind: Fleischwolf: Gerät, das Fleisch zerkleinert; Müllschlucker: schachtartige Vorrichtung in einem Haus, durch die der Müll direkt in einen Großbehälter geleitet wird.
b) gemeinsprachliche (usuelle) Metaphern: Die Sirenen heulen bei Feueralarm auf (Vergleichsbasis – Klangart).
c) individuelle (kreative) Metaphern: Auf deiner Wange steht endgültiger Abschied [Strittmatter]. Der Sprecher gebraucht die individuelle Metapher als seine eigene sprachliche Schöpfung. Oft ermöglicht erst der Kontext die Identifikation der Metapher und das Erschließen der metaphorischen Bedeutung. In P. Celans Gedicht „Todesfluge“ lesen wir: Schwarze Milch der Frühe wir trinken sie abends, wir trinken sie mittags und morgens, wir trinken sie nachts, wir trinken und trinken…
Die schwarze Milch der Frühe steht hier für das todbringende Leben und Leid der Juden in einem Konzentrationslager. Aber enträtselt kann diese Metapher nur im Kontext des gesamten Lebens und Schaffens des Autors werden.
Nach der Struktur unterscheidet man:
a) knappe Metaphern: Angst flatterte in seinem Gesicht.
Eine knappe Metapher kann entweder eine Wortmetapher (Blütezeit, Pantoffelheld), eine phraseologische Redewendung (die erste Geige spielen, unter dem Pantoffel stehen), oder ein Satz (Der Handel blüht. Der Himmel weint.) sein.
b) erweiterte Metaphern: Er rührte an den Schlaf der Welt mit Worten, die wurden Maschinen, wurden Traktoren, Häuser, Bohrtürme und Minen …
Die erweiterte Metapher bekommt einen breiteren sprachlich-semantischen Umfang.
c) ausgebaute/geschlossene Metaphern: Der eine war ihr zu dick. «Das Weinfass!» sprach sie … Der vierte zu blass, «Der bleiche Tod!», der fünfte zu rot, «Der Zinshahn!», der sechste war nicht gerad genug, «Grünes Holz, hinterm Ofen getrocknet!» [«König Drosselbart»]
Eine ausgebaute Metapher umfasst mit einem bildlichen Geflecht, in dem ein Bild in ein anderes übergeht, gröβere Textfragmente oder einen ganzen Text (Textmetapher).
Für die morphologische Gliederung der Metaphern lassen sich drei Gruppen bilden:
1. substantivische Metaphern (Schafskopf), unter anderem Genitivmetaphern (das Gold der Haare, die Früchte des Zornes);
2. adjektivische Metaphern (schwarze Gedanken, goldene Worte);
3. verbale Metaphern (Die Natur erwacht. Das Meer jubelt);
4. partizipiale Metaphern (das erschöpfte Thema, die erstickende Atmosphäre).
Die Metaphern kommen in allen funktionalen Stilen vor. Sie bewirken höchste Knappheit und eine Zuspitzung der Darstellung. Die Metaphern appellieren an die Fantasie des Lesers/Hörers, indem sie verschiedene Bilder auslösen und zusätzliche (konnotative) Informationen vermitteln. In der schönen Literatur rufen sie ästhetische Wirkung hervor. Für die Lyrik sind Metaphern stilistische Mittel, in denen die Individualität des Autors ausgedrückt wird. In der Alltagsrede drücken Metaphern Eindringlichkeit, Humor und Spott aus. In der Wissenschaft dienen sie teils zur Benennung neuer Denotate, teils zur Veranschaulichung der Darstellung. In der Sprachwissenschaft spricht man z.B. von Wortstamm, Wurzel und Wortfamilie. Die Computersprache benutzt folgende Metaphern: Maus, Fenster, das Surfen im Internet, Speicher u.a. In der Presse – vor allen bei den Überschriften – spielen die Metaphern eine große Rolle: „Wir stehen an der Schwelle einer neuen Zeit“.
Nach dem Charakter der bildlichen Űbertragung lassen sich folgende Arten der Metapher beschreiben: Personifizierung (Entpersonifizierung), Allegorie, Symbol, Synästhesie, Antonomasie.
Personifizierung
Die Personifizierung (Personifikation, Verlebendigung) ist die Übertragung menschlicher Eigenschaften, Merkmale und Handlungen auf tierische und pflanzliche Organismen sowie auf Nichtlebewesen, d.h. die Übertragung von Eigenschaften eines Lebewesens auf ein unbelebtes Wesen: die Uhr schlägt, die Blumen flüstern zärtlich, der Wind singt.
Die Personifizierung ist die älteste Sonderform der Metapher, die aus dem Mythus, den Märchen und Sagen als ein veranschaulichendes Kunstmittel in die Dichtung eingegangen ist. Die Personifizierung lässt Gegenstände oder Vorgänge plastischer beschreiben und die emotionale Aussagekraft verstärken.
Die Personifizierung findet sich vor allem in der schönen Literatur, besonders in der Lyrik. Aber sie kommt auch in den wissenschaftlichen Texten vor: Die Pest zog durch das Land; Der Tod hauste in den Städten. Die Alltagssprache ist von den Personifizierungen voll: Das alte Jahr nimmt Abschied, das neue Jahr zieht ein; das Glück ist blind. Die Personifizierung wird erfolgreich auch in der Werbesprache gebraucht: Fiat-Autos mit Witz und Verstand; Renni (Arznei) räumt den Magen auf.
Als ein oppositionelles Glied zur Personifizierung tritt die sogenannte Entpersonifizierung: eine Art der Metapher, die Lebewesen als Gegenstände bezeichnet. Reich an entpersonifizierten Bildern ist z.B. die Erzählung von Wolfgang Borchert „Die Hundeblume“. Schon zu Beginn des Textes bezeichnet sich der Ich-Erzähler, Häftling in einem Gefängnis, mit der Nummer seiner Zellentür: Du, Nummer 432, Menschlein, wobei das Suffix – lein das Motiv der „Entmenschlichung“ sprachlich signalisiert.
Allegorie
Allegorie kann als eine Art der Personifizierung betrachtet werden. Es handelt sich um Verbildlichung von Ideen und abstrakten Begriffen, von Naturgeschehen und Naturgewalten (meist Verlebendigung in Menschengestalt). Der Ausgangspunkt der Allegorisierung ist also ein abstrakter Begriff.
Manche traditionellen Allegorien sind tief in der deutschen Sprache verankert. Die Sorge wird als graue weibliche Schattengestalt dargestellt, die sich am Bett des Schlafenden niederlässt – Frau Sorge „госпожа забота“. Der Tod erscheint als Sensenmann, in der Volksdichtung gewöhnlich als Gevatter Tod genannt. Der Frühling ist ein lieblicher Jüngling oder Freund Lenz. Der Winter wird als alter Mann, die Sonne als Frau dargestellt (im österreichischen Volksbrauch mit dem konkreten Namen «Liesl» angerufen: die Liesl scheint). Dies steht natürlich im Zusammenhang mit dem grammatischen Geschlecht der Substantive.
Seit der Antike finden sich Allegorien im öffentlichen Leben, in Literatur und bildender Kunst. Z.B. Hoffnung, Liebe, Fortuna, Gerechtigkeit werden oft als allegorische Frauengestalten mit bestimmten Attributen dargestellt.
Die Allegorie verlangt vom Autor wie vom Leser ein gemeinsames Wissen, damit sie verstanden werden kann, was oft nicht leicht fällt, da der Gegenstand, um den es eigentlich geht, oft nicht genannt wird. Bei der Verwendung einer Allegorie geht es immer um für das Kunstwerk wichtige Begriffe, über die der Leser nachdenken soll. Die stilistische Funktion besteht darin, besonders Wichtiges hervorzuheben. Die Allegorie wird auch in der Werbung verwendet: Auch in diesem Frühjahr hält Frau Mode eine Reihe hübscher Űberraschungen für sie bereit.
Symbol
Das Symbol grenzt an die Allegorie. Den Ausgangspunkt zur Entstehung des Symbols bildet ein Gegenstand, eine Pflanze, ein Tier, seltener ein Mensch. Es können auch reale Vorgänge aus dem Leben der Gesellschaft als Basis des Symbols benutzt werden. Das Symbol ist eine Bezeichnung des Gegenstandes, deren Bedeutungsinhalt gröβer als das direkt Ausgesagte ist.
Die Erde reist durch den Weltraum. Der Mensch sendet eiserne Tauben aus und harrt ungeduldig ihrer Heimkehr. Er wartet auf ein Ölblatt von Brüdern auf anderen Sternen. [Strittmatter] Die eisernen Tauben sind Flugkörper, die zu friedlichen Zwecken in den Kosmos fliegen. Diese individuelle Verbildlichung ist aus dem Kontext verständlich; dasselbe gilt für das alte gemeinsprachliche Symbol: Ölblatt als Zeichen des Friedens.
Das Symbol appelliert an die assoziativen Gefühle. Viele Symbole verankern sich in der Nationalkultur. Die meisten stammen dabei aus der Geschichte der Religion (Kreuz als Symbol des Christentums, Taube als Symbol des Friedens), der Kulturentwicklung (Ritter als Symbol der Tugend, Eule als Symbol der Weisheit, Rabe als Symbol der Langlebigkeit).
Gemeinsprachlich sind folgende Symbole: die Lilie ist das Sinnbild für Sanftmut und Unschuld, das Veilchen für Bescheidenheit, die Rose für Schönheit.
Die Farbe kann zum Symbol der Emotionalität werden: rote Rosen, aber rote Literatur. Der Sinn liegt zwischen den Zeilen.
Synästhesie
Die nächste Abart der Metapher ist die Synästhesie (griech.: Zusammenempfindung). Darunter versteht man die Verbindung von zwei verschiedenen Sinnesempfindungen, wobei eine von ihnen übertragene Bedeutung annimmt: seidene Stimme. Hier wird die Vorstellung durch Tast- und Gehörsempfindungen gebildet (Vergleichsbasis: Weichheit). In der Synästhesie kann eine beliebige Vereinigung von Sehen, Hören, Schmecken, Riechen und Tasten vor sich gehen: helle/dunkle Töne, giftige/kalte/warme Farben; duftende Stimme.
Die Synästhesie wird vor allem verwendet, um dem Leser eine neue Sicht auf Bekanntes zu ermöglichen oder die Sinneseindrücke zu verstärken.
Was die sprachliche Form betrifft, kommt die Synästhesie in Form von adjektivischen oder partizipialen Wortverbindungen vor: klingende Strahlen und strahlende Klänge (Heinrich Heine). Synästhetischen Charakter können auch Substantivwortgruppen, u.a. Genitivverbindungen, haben (die Kälte des Blicks, die Wärme der Stimme, der Duft der weiten Welt) oder verbale Wortgruppen (süβ/warm klingen, süβ schlafen/träumen).
Antonomasie
Die Antonomasie entwickelt sich auf der Basis des Personennamens. Unter der Antonomasie versteht man die metaphorisch-symbolische Verwendung bestimmter Eigennamen als Substitution der damit verbundenen Eigenschaften, Charaktertypen. Der Eigenname tritt als Gattungsname auf. So nennt man international einen eifersüchtigen Mann Othello, einen Kämpfer gegen das Böse Don Quichotte, einen leidenschaftlichen Frauenliebhaber Don Juan.
Zur metaphorischen Antonomasie gehören auch die so genannten „sprechenden Namen“. Z.B. heiβt der erste Mann von Tony Buddenbrook bei Thomas Mann Grünlich, was im Deutschen Assoziationen mit grün als „noch wenig Erfahrung besitzend“ (oft abwertend) hat. Ein groβer Meister sprechender Namen war in der deutschen Literatur Heinrich Mann: Diederich Heβling (Analogie mit hässlich) im Roman „Der Untertan“.
22.Mittel der Bildkraft. Struktur und Funktionen der Metonymie.
читать дальшеDie Metonymie ist die Übertragung aufgrund räumlicher, zeitlicher, stofflicher und logischer Beziehungen. Hauptkriterium ist ein Austausch zweier Begriffe aus unterschiedlichen Sinnbereichen.
Die Vertauschung zweier Wörter aus verschiedenen Begriffsbezirken beruht:
1. auf einem Raumverhältnis: Die ganze Universität kam zur Jubiläumsfeier. (anstatt: alle Professoren und Studenten kamen …). Am Sonntag zieht die ganze Stadt ins Freie (anstatt: die Einwohner der Stadt);
2. auf einem Zeitverhältnis: Das Zeitalter der Technik fordert… (anstatt: die Menschen dieses Zeitalters);
3. auf einem Stoffverhältnis (zwischen Rohstoff und Fertigprodukt): Traube anstatt Wein, Stahl anstatt Dolch, Nerz anstatt Mantel aus Nerz;
4. auf einem Kausalverhältnis: „Die Torheit wächst auf den Bergen“ (H.Heine): auf den Bergen wächst Weintraube, aus Weintraube wird Wein gemacht, Wein ist Ursache der Torheit. Übertragung vom Mittel auf das Ergebnis: Zunge anstatt Sprache, Hand anstatt Handschrift.
5. auf einem Symbolverhältnis (zwischen einem Konkretum und einem Abstraktum bzw. zwischen einer Erscheinung und einem Emblem): Lorbeer anstatt Ruhm, Taube anstatt Friede, Herd anstatt Haus. Er hat das Szepter (die Herrschaft) dreiβig Jahre in seinen Händen.
6. auf einem assotiativen bzw. logischen Verhältnis: Das neue Besen (die Putzfrau) ist noch nicht gekommen; eine giftige Blume (unbeliebte alte Lehrerin); eine Röntgenbluse (durchsichtige Bluse).
7. auf einem Qualitätsverhältnis (zwischen Eigenschaft/Qualität und Eigenschafts-/Qualitätsträger): Dunkles Blau (d.h. dunkelblauer See) wächst jetzt aus dem Schilf (Erwin Strittmatter).
8. auf einem onomastischen Zusammenhang (metonymische Antonomasie):
Mein Freund hat sich einen Opel/Ford/Peugeot gekauft (Zusammenhang zwischen Erfinder (Erzeuger) und Erfindungs-, (Erzeugungs-)produkt).
Sowohl Kinder als auch Erwachsene lesen gern Michael Ende (Zusammenhang zwischen Autor (Dichter, Maler, Komponist) und seinem Werk).
1812 überfiel Napoleon Russland, und es begann der Erste Vaterländische Krieg (Zusammenhang zwischen Feldherrn und seinen Truppen).
Eine besondere Art der onomastischen Metonymie sind die so genannten „typischen“ nationalen Rufnamen, die anstelle von Volksnamen gebraucht werden, z.B. Fritz/Hans (Deutscher), Iwan (Russe), Katjuscha/Natascha (Russin) usw.
9. auf der Basis der Quantitätsverhältnisse (die sogenannte Synekdoche) - «Teil für das Ganze» (Pars pro Toto): Mein Fuß (anstatt: ich) betritt nicht mehr diese Schwelle.
Synekdoche
Der häufigste Fall von Metonymie basiert auf einem Quantitätsverhältnis und wird Synekdoche (griech. Mitverstehen) genannt. Unter Synekdoche versteht man das Ersetzen eines semantisch weiteren Ausdrucks durch einen semantisch engeren Ausdruck und umgekehrt.
Die Synekdoche erscheint in mehreren Variationen:
• die Übertragung des Ganzen auf seinen Teil (das so genannte Pars pro Toto)
Dieser kluge Kopf (d.h. diese kluge Person) wird schon eine richtige Lösung finden.
Seit der Junge sie zum ersten Mal gesehen hat, kennt sein Auge keinen Schlaf.
Die Menge zählte tausend Köpfe (anstatt: Menschen).
Als eine besondere Art der Synekdoche (Pars pro Toto) gilt das Bahuvrihi: ein metonymisches Bild, in dem ein Lebewesen bzw. eine Person durch einen Körperteil oder ein charakteristisches Kleidungsstück benannt werden. Die Bahuvrihis kommen vor allem in den volkstümlichen Genres, z.B. in dem Märchen vor: Rotkäppchen, Langohr (Hase).
• die Übertragung des Teils auf das Ganze (das so genannte Totum pro Parte)
Deutschland (die deutsche Fuβballnationalmannschaft) gewann den Europapokal.
Die gestrige Gesellschaft = ein paar Menschen
Die ganze Welt klatschte Beifall = eine Gruppe von Menschen
• die Übertragung der Mehrzahl auf die Einzahl (Numerus-Beziehung)
Auch in Moskauer und Leningrader Gebiet wird jetzt die Weinrebe gepflanzt (anstatt: die Weinreben).
Der Russe und der Deutsche (anstatt: Russen und Deutschen) waren Gegner im 2. Weltkrieg.
23.Mittel der Bildkraft. Arten und Stilbedeutungen des Epithetons.
читать дальшеDas Epitheton ist jede Merkmalsbestimmung eines Substantivs, durch die der betreffende Begriff entweder logisch-sachlich konkretisiert oder emotional eingeschätzt wird. Mit seiner Hilfe entsteht vor dem geistigen Auge des Lesers oder Hörers die Vorstellung von Farbe, Form, Klang, Geruch, aber auch die Vorstellung von Eigenschaften und Merkmalen.
Das Epitheton erscheint in allen Redestilen. Es ist ein stilistischer Begriff, grammatisch ausgedrückt:
a) durch kongruierendes adjektivisches oder partizipiales Attribut: das neue (spannende) Buch;
b) durch nichtkongruierendes Attribut: prima Qualität, lila Kleid, ganz Berlin, Röslein rot, das Jahr 2002;
c) durch erweitertes Attribut: die im Raum sitzenden Studenten;
d) durch Genitivattribut: das Lied der Lieder, Schillers Balladen;
e) durch präpositionales Attribut: die Werke von Goethe, der Mann mit der Brille, die Hilfe für den Kranken;
f) durch adverbiales Attribut: das Haus rechts, die Bäume rundum;
g) durch Attributsatz: Das Zimmer, das mein Freund mietet, ist sehr gemütlich;
h) durch Bestimmungswort im zusammengesetzten Substantiv: das Klassenzimmer, der Schreibtisch.
Epitheta können nach dem Inhalt unterschieden werden.
Konkretisierende (logisch-sachliche) Epitheta geben die sinnlich wahrnehmbaren Merkmale an (die Vorstellung von Farbe, Form, Klang, Geruch und anderen Sinnesempfindungen): Er schenkte ihr eine herrlich duftende gelbe Teerose; Auf dem Tisch stand eine hohe grüne Vase; Transistor mit Kurzwellen. Im wissenschaftlichen und offiziellen Stil tragen Epitheta zur Verdeutlichung und näheren Erklärung des Gesagten bei: die obengenannten Beispiele, die anliegenden Dokumente.
Bewertende (emotionale) Epitheta offenbaren die persönliche Einstellung des Sprechenden zum Gegenstand der Darstellung. Im Stil der Wissenschaft kommen derartige Beiwörter selten vor. Sehr häufig werden die bewertenden Epitheta in der Publizistik verwendet. Der Stil der Alltagsrede ist in der Regel von bewertenden Epitheta stark durchsetzt: ein entzückender Mensch, ein schrecklich interessanter Roman, mächtiges Glück. Besonders wichtig sind Epitheta in der schönen Literatur, weil sie die persönliche Einstellung des Sprechenden anzeigen. Bewertende Epitheta können als positiv bewertende: ein bildhübsches Mädchen oder als negativ bewertende: diese schreckliche Stimme Epitheta betrachtet werden.
Stehende Epitheta bilden mit ihrem Begriff eine formelhafte Verbindung: grünes Gras, kühler Brunnen, tiefes Tal, feines Liebchen, böse (alte) Hexe, buckliges Männlein, stolzer (grausamer) König.
Den Gegensatz zu den stehenden bilden die unerwarteten Epitheta. Das sind solche Beiwörter, die im Sprachgebrauch nicht üblich sind. Meist beruhen sie auf übertragener Bedeutung (metaphorische Epitheta): abstrakte Beine, mathematisches Gesicht, schlafende Schaufenster.
Lieblingsepitheta sind Epitheta, die zu einer bestimmten Zeit, innerhalb eines bestimmten Kollektivs, von bestimmten sozialen Gruppen, von bestimmten literarischen Richtungen und einzelnen Dichtern häufig gebraucht werden. So war in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts der Gebrauch des Epithetons fabelhaft in der Mode, besonders in den Kreisen der bürgerlichen Jugend: ein fabelhaftes Buch, ein fabelhaftes Konzert, eine fabelhafte Überraschung. Im Allgemeinen haben die Lieblingsepitheta keine lange Dauer. Es sei aber ein Adjektiv erwähnt, das sich im Deutschen seit den ältesten Perioden der Sprache als Lieblingsepitheton erhalten hat. Es ist das Epitheton süß in übertragener Bedeutung: ein süßes Kind, süße Augen, ein süßes Ding.
Tautologische Epitheta sind solche Beiwörter, die von ihrem substantivischen Begriff ein Merkmal hervorheben, das schon in ihm selbst enthalten ist: ein Riese von ungeheurer Gestalt, eine Tarnkappe, die unsichtbar macht.
24.Mittel der Bildkraft. Arten und Stilwerte der Umschreibung. Stilistische Aufgabe von besonderen Arten der Umschreibung.
читать дальшеZu den Mitteln der Umschreibung gehört vor allem die stilistische Periphrase. Darunter versteht man die sekundäre Nominierung eines Denotats entweder durch Hervorhebung charakteristischer Merkmale, Eigenschaften, Tätigkeiten, Wirkungen (Rom – die Stadt der sieben Hügel) oder durch Verbildlichung in uneigentlicher Rede (die Ostsee – das Meer des Friedens), d.h. die Umschreibung der üblichen Bezeichnung einer Sache, Person, eines Vorgangs oder einer Erscheinung durch ein anderes Wort oder eine Wendung, die wesentliche oder charakteristische Eigenschaften des betreffenden Gegenstandes ausdrücken.
Die Umschreibung eines Gegenstandes oder einer Erscheinung erfolgt entweder auf Grund direkter Wortbedeutung (sog. logische Periphrase) oder auf Grund übertragener Wortbedeutung (metaphorische und metonymische Periphrase).
Zahlreiche logische Periphrasen sind auf der Hervorhebung objektiver Merkmale begründet: Die Apenninenhalbinsel – Italien (wissenschaftlich-nüchtern) / das Land, wo die Zitronen blühen – Italien (poetisch-emotional); Stadt an der Elbe/Elbmetropole/Elb-Athen/Elb-Florenz – Dresden; die Stadt der Lieder – Wien; das Land der Pyramiden – Ägypten. Umfangreich ist die Gruppe logischer Periphrasen zur Umschreibung von Eigennamen: der Dichter der Ilias – Homer, der Dichter des Faust – Goethe u. ä.
Metaphorische und metonymische Periphrasen entstehen auf Grundlage einer Merkmalshervorhebung, in der eine Metapher oder eine Metonymie eingeschlossen ist. In der bildlichen Periphrase wird das Wort nicht genannt. Und doch versteht man aus den lexischen Elementen der Periphrase, welchen Begriff sie in sich einschließt: Langfinger – Dieb.
Es gibt bildliche Umschreibungen, die sich von den Metaphern schwer unterscheiden lassen. Bei der Wendung "der Unruheherd in Europa" lässt sich nicht genau feststellen, worum es geht: um eine metaphorische Beschreibung oder um eine Metapher. In solchen Fällen begnügt man sich mit der Feststellung: es ist ein sprachliches Bild.
Der Verbreitung nach können Periphrasen gemeinsprachlich und individuell sein. Wendungen wie Lenz des Lebens (Jugend), König der Lüfte (Adler), Beherrscher des Olymps/Olympier (Zeus) sind gemeinsprachliche metaphorische Periphrasen. In all diesen Beispielen bestimmen die lexischen Elemente der Periphrase einen Begriff, der in der Umschreibung selbst nicht genannt ist.
Der Struktur nach unterscheidet man: einfache Umschreibungen (überwiegend Wortgruppen oder Komposita): Tochter des Himmels – der Mond, der Korse – Napoleon;
erweiterte Umschreibungen (in Satzform): geographische Untersuchungen in fremden Taschen machen (Taschendiebstahl), wirkendes Mitglied einer öffentlichen Spinnanstalt werden (Strafanstalt). [Heine]
Der pragmatischen und stilistischen Leistung nach unterscheidet man:
1. Euphemismus (vom griech.: gut sprechen) – eine Periphrase, die den Zweck hat, etwas Unangenehmes angenehmer darzustellen, etwas Unhöfliches höflicher, etwas Schreckliches harmloser auszudrücken: Eier – Fliegerbomben, Eierlegen – Bombenabwurf, rollende Konservenbüchsen – allerlei Arten von schweren Panzern, der Schwarze – der Teufel. Der Euphemismus tritt häufig in Presse und Publizistik, im Diplomatenverkehr und in anderen Formen offizieller Rede auf: Arbeitswillige – Arbeitslose, Umschulungslager – KZ (in der Nazilügeterminologie). Wenn man sagt, dass die Angaben auf unrichtiger Information beruhen oder jeder Grundlage entbehren, bleibt zwar die äußere Form der Höflichkeit bewahrt, dabei wird aber doch unmissverständlich Kritik am Gegner geübt. Die euphemistische Umschreibung wird in der Publizistik hauptsächlich zum Aufdecken des wahren Sachverhalts gebraucht, zur Entlarvung von Lüge. In der Dichtung wird der Euphemismus verwendet, um manche Härte des Inhalts und der Form zu verhüllen; oft wird aber durch seine Verwendung satirische Wirkung hervorgerufen und vertieft.
2. Die Litotes (griech.: Schlichtheit) – eine Periphrase auf Grund von Verneinung. Man versteht darunter verneinende Periphrase mit verstärkt positiver Aussageabsicht : Das ist nicht übel – Das ist sehr gut, Diese Idee ist so dumm nicht! Sie ist gar nicht dumm! – Die Idee ist sogar sehr klug. Manchmal kommt auch die negative Aussageabsicht: Ich möchte nicht sagen, dass deine Leistungen auf der Höhe sind. Durch die Verneinung wird der Eindruck der Unzulässigkeit, der schlechten Arbeit stärker unterstrichen.
3. Die Hyperbel (griech.: Übertreibung) – die Darstellung des Sachverhalts in übertriebener Form: todmüde anstatt müde, es regnet wie in Strömen anstatt es regnet stark, eine Ewigkeit warten anstatt lange warten. Sehr häufig treten Übertreibungen in den sog. Zahlenhyperbeln auf: ich habe dir das schon tausendmal gesagt, bitte tausendmal um Entschuldigung, der Tausendfuß / der Tausendfüßler – сороконожка.
Die Volksdichtung enthält eine Reihe stehender (traditioneller) Hyperbeln: tausendschönes Mädchen, die marmorweiße Stirn. Das sind die sogenannten „Volkssuperlative“ (todmüde, splitternackt), die in der Umgangssprache stark vertreten sind. Der Volkssuperlativ ist ein zusammengesetztes Adjektiv, wo das Bestimmungswort den höchsten Grad der Eigenschaft im Grundwort bezeichnet.
Besonders viel wird die Hyperbel in der Werbung verwendet. Die Ware wird angekündigt als: feinst, hochfein, extrafein, superfein, prima, extraprima usw.
Gegenstück der Übertreibung ist die sog. Untertreibung – die Meiose, die den Sachverhalt unterspielt: Er hat nur zwei Worte zum Thema gesagt; Er wohnt einen Katzensprung von uns entfernt; Ich lade dich zu einem Butterbrot ein; Trinken wir einen Tropfen Wein!
4. Ironie (im engeren Sinne) ist die Umschreibung durch Gegenteil. Die Mitteilung wird nicht direkt durch Nennung des realen Sachverhalts gemacht, sondern durch Behaupten des Gegenteils. Das Wetter ist ja wirklich prachtvoll! – sagt man, wenn man, gebadet wie eine Maus, aus dem regentriefenden Mantel schlüpft.
Die Umschreibung ist in allen funktionalen Stilen gebräuchlich und geliebt. In der Sachprosa werden logische, nüchtern-trockene Periphrasen verwendet: “Schreiber dieses Briefes" statt "ich", "Apenninenhalbinsel" statt "Italien". Die Alltagsrede kennt viele Umschreibungen: "die Blondine", "der Lange", "die Schlange" statt "die Menschenreihe". In der Schlange steht man hinter "einem karierten Mantel". Sich selbst bezeichnet man als "meiner Mutter Sohn, Tochter" usw. In der Publizistik, in der schönen Literatur werden die Umschreibungen sehr oft verwendet: "der wahnsinnige Verbrecher" statt „Hitler; "die Söhne Albiong" statt Englän.
25.Lexisch-grammatische Stilfiguren. Strukturen und Stilwerte der Aufzählung.
читать дальшеEine weitere Gruppe von stilistischen Verbindungsmöglichkeiten zwischen Wörtern, Wortgruppen, Sätzen und Absätzen bilden die verschiedenen Arten der Wiederholung. Die Wiederholung bezieht sich auf alle Spracheinheiten: Phoneme, Morpheme, Wörter, Wortgruppen, Sätze können im Text mehrfach verwendet werden, um eine gewisse Stilwirkung auszulösen. Wiederholt wird das, was semantisch und emotional besonders unterstrichen werden soll. Je nach den wiederholten Sprachelementen unterscheidet man lexikalische, grammatische und phonetische Wiederholung.
Die Aufzählung ist eines der ältesten sprachlichen Ausdrucksmittel. Sie ist beliebt in den meisten Stilarten wegen der Anschaulichkeit, Dynamik und Rhythmik. Darunter versteht man eine Kette von gleichartigen Bezeichnungen der Gegenstände, Handlungen, Merkmale: An der Neujahrstanne hingen viele Äpfel, Nüsse, Apfelsinen, Backwerk und noch viele andere gute Sachen.
Man spricht über:
a) alliterierende Aufzählung mit gleichen Anfangslauten: Dies Zusammenspiel der Farben, Formen, Felsen, Fichten;
b) alternative Aufzählung: Die Jacke soll entweder blau oder gelb oder rosa sein, der Rock soll entweder weiß oder schwarz oder grau sein;
c) paarige Aufzählung: Früher war sie doch fröhlich und lebhaft, sanft und streng, gutmütig und zuvorkommend;
d) asyndetische (unverbundene) Aufzählung: Er kannte die Mängel des Stils, des Aufbaus, der Charakteristik;
e) syndetische (verbundene) Aufzählung: Man hat gesagt, man hat es sogar geschrieben und drucken lassen, dass ich das Leben hasse oder fürchte oder verachte oder verabscheue [Mann];
Die Klimax ist eine steigende Aufzählung einzelner Wörter (Redeteile): Es regnete stundenlang, nächtelang, tagelang, wochenlang.
Neben der steigenden Aufzählung sei noch die fallende Aufzählung – die Antiklimax – genannt, gleichfalls in allen Stilarten vertreten: Überall herrschte Jubel. Die ganze Stadt, alle Häuser und Wohnungen legten das Festkleid an. Aufzählung als Aneinanderreihung ganzer Sätze besitzt gewöhnlich emotionalen Charakter. Die Sätze (Satzelemente) verbindet man miteinander asyndetisch und polysyndetisch.
26.Lexisch-grammatische Stilfiguren. Arten und Stilbedeutungen der Wiederholung. Stilbedeutungen der Antithese und des Chiasmus.
читать дальшеEine weitere Gruppe von stilistischen Verbindungsmöglichkeiten zwischen Wörtern, Wortgruppen, Sätzen und Absätzen bilden die verschiedenen Arten der Wiederholung. Die Wiederholung bezieht sich auf alle Spracheinheiten: Phoneme, Morpheme, Wörter, Wortgruppen, Sätze können im Text mehrfach verwendet werden, um eine gewisse Stilwirkung auszulösen. Wiederholt wird das, was semantisch und emotional besonders unterstrichen werden soll. Je nach den wiederholten Sprachelementen unterscheidet man lexikalische, grammatische und phonetische Wiederholung.
I. Lexikalische Wiederholung
1. die wortwörtliche Wiederholung, bei der ein Wort, eine Wortgruppe oder ein Satz mehrmals in gleicher Form wiederaufgenommen werden.
a) echte (wörtliche) Wiederholung, d.h. grammatisch unveränderte, vermehrte Wiederholung von Wörtern, Ausdrücken. Die Elemente werden hintereinandergereiht: Aus. Aus. Aus. Mein Vater, mein Vater, jetzt fasst er mich an!
b) Antwortwiederholung im Dialog: “Ist das Buch interessant?” – “Interessant, sogar sehr.”
c) erweiterte (präzisierende) Wiederholung: Ich habe Kopfschmerzen, abscheuliche Kopfschmerzen.
2. variierte Wiederholung, bei der Wort, Wortgruppe oder Satz in irgendwie veränderter Form wiederauftauchen:
a) flektierte Wiederholung. Bei dieser Wiederholung entsteht irgendeine grammatische Veränderung: ein Substantiv in einem anderen Kasus, ein Adjektiv in Steigerungsstufe und a.m.: die Rose der Rose. In dem Garten ist ein Baum, auf dem Baum ist ein Nest, in dem Nest ist ein Ei, in dem Ei ist …
b) Wiederholung von Wörtern gleicher Stämme: einen Tanz tanzen, einen Traum träumen, ein schweres Leben leben, helles Lachen lachen.
3. synonymische Wiederholung, bei der nicht dasselbe Wort (Wortgruppe, Satz) wiederkehrt, sondern ein sinngleicher oder sinnähnlicher Ausdruck.
a) Pleonasmus (griech.: Überfluss) – Wiederholung eines Begriffs durch zwei verschiedene grammatische Redeteile: ein alter Greis, ein armer Bettler.
b) Tautologie – Wiederholung des Begriffs durch zwei gleiche grammatische Redeteile oder Dienstwörter: Hohn und Spott, angst und bang, Pinkepinke, soso, Singsang, wortwörtlich, immer und ewig, Feuer und Flamme. Er hat es bereits schon gesagt. Pleonasmus und Tautologie werden heute nicht mehr streng geschieden.
Die synonymischen Wiederholungen – Pleonasmus und Tautologie – kommen in verschiedenen Stilarten vor; ihr stilistischer Ausdruckswert kann jedoch nur im Einzelnen konkret bestimmt werden. So verwendet die wissenschaftliche Prosa alle Fälle synonymischer Wiederholung zur sachlichen Präzisierung. In der volkstümlichen Alltagsrede sind die Tautologien ein beliebtes Verstärkungsmittel: Es war einmal ein alter, alter Greis.
Als Abart der lexikalischen Wiederholung kann man kompositorische Wiederholung betrachten. Kompositorische Wiederholungen sind Mittel des Textaufbaus. Zu den Abarten der kompositorischen Wiederholung gehören Anapher, Epipher, Rahmen- oder Ringwiederholung, Anadiplose.
Unter Anapher versteht man die Wiederholung desselben Wortes, oder derselben Wortgruppe an der Spitze der Sätze: Da wurde sie bestürzt … Da sprach sie …
Unter Epipher versteht man die Wiederholung des letzten Wortes oder der letzten Wortgruppe am Ende mehrerer Sätze: Er tut das alles mit Anteil, er isst beflissen, trinkt beflissen, liest beflissen.
Die Rahmenwiederholung (Ringwiederholung) besteht in der Wiederkehr derselben Sprachelemente am Anfang und am Ende eines Satzes: Warum hast du mich allein gelassen, warum?
Anadiplose ist die Wiederholung eines Satzelementes, das am Ende des Satzes steht, an der Spitze des nächsten Satzes: Oder es war der Regen? Der Regen auf den dunkelroten Ziegeln.
Wenn ein und dasselbe Element unregelmäßig im Text wiederkehrt, so spricht man über Leitmotiv. Das ist eine mehrmalige, sinntragende Wiederholung eines Sprachelementes mit dem Textthema relevanten Inhalt.
II. Grammatische Wiederholung
Noch eine Gruppe von stilistischen Verbindungsmöglichkeiten zwischen einzelnen Wörtern, Wortgruppen, Sätzen und Absätzen bilden Parallelismus und Antithese.
1. Unter Parallelismus versteht man die symmetrische Stellung gleichartiger Satzglieder oder ganzer Sätze, d. h. symmetrische Wiederholung der grammatischen Strukturen: Und keiner weiß: wohin? Und alle fahren: mit. Der grammatische Parallelismus kann emotionale Expressivität zum Ausdruck bringen, er schafft Symmetrie, Reim und Rhythmus, besonders in der Dichtung: Wie herrlich leuchtet mir die Natur! Wie glänzt die Sonne! Wie lacht der Flur! [Goethe]
2. Als Gegenstück zum Parallelismus betrachtet man die Gegensatzfiguren:
a) Die Antithese, auch Kontrast genannt. Eine Antithese entsteht durch Gegenüberstellung zweier Begriffe, die auf einer logischen Ebene liegen: N. ist ein guter Dramatiker, aber ein mäßiger Lyriker. Lila geht über die Bühne grüβend und begrüßt. Die einen bestellen Sekt, weil er teuer ist, die anderen, obwohl er teuer ist.
Im Gegensatz zur logischen Antithese spricht man von einer «schiefen» (unlogischen) Antithese, wenn die Verbindungsebene zwischen den Polen der Gegenüberstellung fehlt. Auf «schiefen» Antithesen werden zahlreiche volkstümliche Scherze und geflügelte Worte aufgebaut: «Spielen Sie Klavier?» – «Nein, aber meine Großmutter schreibt Romane.» Ebenso wie der Parallelismus, spielt auch die Antithese eine wichtige Rolle im Stil der wissenschaftlichen Prosa. Sie trägt zur logischen Gliederung des Gedankengehalts bei und bewirkt durch Schärfe und Gegenüberstellung größere Klarheit und dadurch größere Überzeugungskraft: Während in England und Frankreich das Emporkommen des Handels und der Industrie die Verkettung der Interessen über das ganze Land zur Folge hatte, brachte Deutschland es nur zur Gruppierung der Interessen nach Provinzen …
b) Der Chiasmus, benannt nach dem griechischen Buchstaben “Chi” (auch “Kreuzfigur”). Unter Chiasmus versteht man Kreuzstellung von Satzgliedern, d.h der Chiasmus entsteht dadurch, dass zu einer Antithese eine zweite hinzutritt, aber umgekehrten Inhalts: … dass in Bologna die kleinsten Hunde und die größten Gelehrten, in Göttingen hingegen die kleinsten Gelehrten und die größten Hunde zu finden sind [Heine];.
Im Stil des Alltagsverkehrs wird die Kreuzfigur seltener gebraucht. Hingegen ist sie in der schönen Literatur ein beliebtes Ausdrucksmittel. In der schönen Literatur ist auch Chiasmus mit kämpferischem Sinn verbreitet: Brecht das Doppeljoch entzwei! Brecht die Not der Sklaverei! Brecht die Sklaverei und Not! Brot ist Freiheit, Freiheit – Brot [Herwegh]; oder mit lyrischer Stilfärbung: … ein Blumengarten von klingenden Strahlen und strahlenden Klängen [Heine]; … das war kein Schnee, es waren Blumen, Schneeblumen, Blumenschnee [Mann].
27.Mittel zum Ausdruck von Humor und Satire. Stilistische Möglichkeiten des Wortwitzes.
читать дальшеEinige Sprachmittel können im entsprechenden Kontext humoristischen oder satirischen Ausdruckswert annehmen. Hier ist die Rede von gelegentlichen, kontextualen Mitteln im Dienst von Humor und Satire.
Wortwitze (Doppelsinn und Wortspiel)
Der Doppelsinn ist Gebrauch von mehrdeutigen Wörtern in einem Kontext. Das ist ein Stilmittel, das seinen Ursprung der Mehrdeutigkeit des Wortes und der Homonymie verdankt. Das Substantiv Kohl z.B. ist einerseits Bezeichnung für ein Gemüse (Weißkohl, Rotkohl, Blumenkohl), andererseits aber existiert im deutschen Sprachgebrauch die übertragene Bedeutung von Kohl als Unsinn (Kohl reden). Mit dem Lautkomlex Kohl kann also sowohl die wörtliche als auch die übertragene Bedeutung gemeint sein. Dieselbe Erscheinung kommt auch in vielen Wortgruppen und stehenden Wortverbindungen vor: ein Hühnchen rupfen (direkt – ein Huhn vor dem Kochen von seinen Federn reinigen; übertragen – einen Streit mit jemandem haben). Ohne Kontext ist es schwer zu verstehen, worum es sich handelt.
Der Doppelsinn als stilistisches Mittel fordert, das Gesagte in zweifachem Sinn zu verstehen. Doppelsinn beruht auf zwei Bedeutungen eines Wortes oder zwei Homonymen, wenn der Kontext zwei Auslegungen zulässt.
Auf Doppelsinn beruht die Mehrzahl volkstümlicher Scherzfragen und Rätsel, wie z.B. „Warum sind die Zahnärzte die gründlichsten Leute der Welt?“ – „Weil sie alles bei der Wurzel anfassen“. Wurzel ist mehrdeutig: Wurzel eines Zahns, Wurzel als Grundlage einer Erscheinung; phraseologische Fügung etwas bei der Wurzel anfassen, d.h. gründlich machen. Und weiter; „Aber die Zahnärzte sind auch die feigsten Leute der Welt, weil sie immer gleich ausreißen“ (ausreißen im wörtlichen Sinn hier: einen Zahn ziehen, im übertragenen Sinn: davonlaufen).
Der offizielle Stil in allen seinen Abarten, sowie der wissenschaftliche Stil, falls er nicht satirisch-polemisch gefärbt ist, lehnen den Doppelsinn als Stilmittel ab. Denn ihre funktionale Spezifik ist unvereinbar mit dem expressiven Ausdruckswert dieses Stilmittels.
Das Wortspiel ist ein Spiel mit gleich oder ähnlich klingenden, aber in der Bedeutung unterschiedlichen Wörtern: Gib Opi nie viel Opium, denn Opium bringt Opi um.
Zwei verschiedene Wörter werden auf Grund von Lautähnlichkeit irgendwie zueinander in Beziehung gesetzt:
1. durch eine Änderung in der Wortbildung: Wirtschaft – verwirtschaften, Diener – Verdiener auf Kosten anderer;
2. durch phonetische Änderung: Und die Lautesten sind nicht immer die Lautersten. [Bredel] Auf den ersten Blick will es scheinen, als ob hier nur eine lautliche Änderung vor sich gegangen sei (Einschieben des «r»), in Wirklichkeit aber handelt es sich hier um zwei Wörter von völlig verschiedener Semantik: die Lautesten – von laut; die Lautersten – von lauter (d.h. die Ehrlichsten). Künstler, Kunststudenten und Schulen bemalen die Bärenfiguren. Anschließend bringt man «Tiere» in die Berliner Stadtbezirke. Nach wenigen Wochen standen fast 300 Bären überall in «Bärlin», viele davon in der Einkaufsstraße Kurfürstendamm. [Juma]
3. durch das Spiel mit den lexischen Elementen einer phraseologischen Fügung: „Was macht denn N.N.?“ – „Was er macht? Einen schlechten Eindruck.“;
4. durch verschiedene Arten der Kontamination: ich saß neben ihm, und er behandelte mich ganz famillionär [Heine]. Hier haben wir eine bewusste Verschmelzung von zwei klangähnlichen Wörtern: familiär und Millionär.
28.Mittel zum Ausdruck von Humor und Satire. Stilwerte der Wortverbindungen mit Überraschungs– und Verfremdungseffekt.
читать дальшеEinige Sprachmittel können im entsprechenden Kontext humoristischen oder satirischen Ausdruckswert annehmen. Hier ist die Rede von gelegentlichen, kontextualen Mitteln im Dienst von Humor und Satire.
Wortwitze (Doppelsinn und Wortspiel)
Unter «unlogischen Verbindungen» versteht man eine bestimmte Zusammenstellung von inhaltlich nicht zueinander passenden Wörtern, Wortgruppen und Sätzen. Solche Wortverbindung schafft Überraschungs- bzw. Verfremdungseffekt. Zu den Fügungen mit scheinbarer Unlogik gehören vor allem Oxymoron, Zeugma und Falschkoppelung.
Das Oxymoron (griech.: scharfsinnig-dumm) – die scheinbar widersinnige Verbindung von Gegensätzen, deren Vereinigung wieder eine sinnvolle Ganzheit ergibt. Dieses Stilmittel ist dazu berufen, widersprüchliche Erscheinungen der Wirklichkeit expressiv und emotional widerzuspiegeln. Das Oxymoron wird sprachlich ausgedrückt:
1. durch eine kopulative Zusammensetzung: dummklug, Freundfeind;
2. durch ein attributivisches Verhältnis: hässliche Schönheit, bittere Freude.
Das Oxymoron kann individuelle Einmalbildung sein: Scherzernst – ein Gedicht, das in scherzhafter Form, aber mit ernst gemeintem Inhalt veröffentlicht wird [Holz]. Es ist kennzeichnend für den Individualstil mancher Schriftsteller. Bekannt ist Goethes Vorliebe für dieses Stilistikum: helldunkel, gelassenkühn. H. Mann bringt im «Untertan» einige widersprüchliche «kühne» Wortverbindungen, die den Charakter des Haupthelden beleuchten: wohliges Grausen, süßer Schauder.
Zahlreiche oxymoronische Verbindungen gehen in den allgemeinen Sprachgebrauch ein: verschlimmbessern, Verschlimmbesserung, betrogene Betrüger. In der Sprache kann ein Oxymoron den ursprünglichen Widersinn verlieren und einen neuen Grundbegriff bilden: ein weißer Rabe „große Seltenheit“, ein lebender Leichnam „völlig verfallener oder innerlich toter Mensch“, weiße Kohle „Wasserkraft“.
Das Zeugma (griech.: Zusammenjochung) – die bewusste Vereinigung begrifflich unvereinbarer Wörter, grammatisch durch gleichartige Satzglieder ausgedrückt. Diese Wörter können durch ein gemeinsames Verb oder Adjektiv verbunden sein, sie können aber auch unverbunden als bloße Aufzählung erscheinen. Die semantische Unverträglichkeit entsteht:
• durch unpassende Verbindung zweier Substantive mit einem gemeinsamen Verb: Er brach das Siegel auf und das Gespräch nicht ab. [Chamisso]; Es bleibt mir nichts übrig, als meine Aktentasche und Abschied von dir zu nehmen. Das Verb steht mit einem Substantiv in wörtlicher, mit dem anderen in übertragener Bedeutung, deshalb ist diese Verbindung unpassend;
• durch unpassende Verbindung zweier Substantive mit einem Adjektiv: Die Stadt Göttingen, berühmt durch ihre Würste und Universität [Heine];
• durch das Fehlen des Verbindungswortes, d.h. das Zeugma wird durch unpassende Zusammenstellung von Wörtern gebildet, die logisch nichts miteinander zu tun haben: Diese Stadt hatte 40 000 Einwohner, ein Rathaus, 21 Kaffeehäuser, eine Synagoge, ein Zuchthaus, ein Krankenhaus, ein ebenso gutes Theater und eine Galgen für Diebe [Heine];
• durch unpassende Schlusszusammenfassung: beständig, klang es mir noch in den Ohren, wie „Tribonian, Justinian, Hermogenian und Dummerjahn“ [Heine].
Die Falschkoppelung ist die unlogische Koppelung von Satzgliedern, aber nicht von gleichartigen wie beim Zeugma. So werden, z.B. Attribute oder Partizipien zu Substantiven gestellt, zu denen sie logisch nicht passen:
ein möblierter Herr „ein Herr, der ein möbliertes Zimmer sucht“ – eine Formulierung, die an Haustoren angebracht, die Aufmerksamkeit der Vorübergehenden auf sich lenken sollte;
kalte Mamsell „eine Angestellte, die am Buffet kalte Speisen ausgibt“;
gebildete Umgangssprache „Umgangssprache der Gebildeten“.
„Ist der Herr(die Dame) motorisiert?“, lautet eine schon übliche Frage bei Ankunft eines Gastes im Empfangsbüro eines Hotels.
Verblasste Falschkoppelungen, die nicht mehr als unlogisch und witzig empfunden werden, haben wir in folgenden Beispielen: Der Baum hängt voll Obst. Natürlich hängt nicht der Baum selbst, sondern das Obst auf dem Baum. Das Verb ist nicht mit einem richtigen Substantiv gekoppelt. Ebenso: Die Fenster hingen voll Menschen. Der Hügel wimmelt von Ameisen. Vgl. auch: der Wasserhahn läuft (anstatt: das Wasser läuft aus dem Hahn); der Becher schäumt (anstatt: der Champagner im Becher schäumt).
Als unlogische Verbindung kann auch der sog. Schlagsatz gelten. Unter einem Schlagsatz versteht man eine erweiterte Schlusszusammenfassung, eine Satzgruppe oder einen Satz, die durch ihren Inhalt dem Vorangehenden widersprechen und es null und nichtig machen: Die Stadt [Göttingen] selbst ist schön und gefällt einem, wenn man sie mit dem Rücken ansieht [Heine].