убил лису – сам съел колобка.
29.Phraseologische Wortverbindungen aus stilistischer Sicht. Stilistische Möglichkeiten der Zusammensetzungen.
читать дальшеDie zweite Gruppe umfasst Fügungen, bei denen die stilistischen Kategorien Bildkraft, Emotionalität in den Vordergrund rücken – phraseologische Wortverbindungen, phraseologische Wortfügungen. Hier lassen sich unterscheiden:
a) Idiome – Fügungen, die einen Einzelbegriff ausdrücken, deren Äquivalent demnach das Wort bildet: den Kopf in den Sand stecken, auf volle Touren kommen, etwas aus dem Stegreif tun, etwas aufs Tapet bringen. Sie sind in der Regel stark expressiv und bildhaft. Insbesondere den Idiomen eignen sich alle möglichen Ausdrucksnuancen (scherzhaft, spöttisch, satirisch, abwertend, feierlich, vertraulich u.a.m), auf jeden Fall ist die Expressivität deutlich spürbar;
b) Zwillingsformeln – Wortpaare, die meist einen Begriff tautologisch ausdrücken: blass und bleich, zittern und zagen, in Saus und Braus. Ein Begriff kann durch zwei thematisch nahestehende Wörter formelhaft gegeben werden: kreuz und quer, hoffen und harren, bei Nacht und Nebel. Seltener wird ein Begriff in antonymische Komponenten zerlegt: nach Jahr und Tag (d.h. nach geraumer Zeit), hier und dort (d.h. an manchen Orten). Formal sind die Zwillingsformeln durch Alliteration (mit Kind und Kegel), durch Assonanz (vom echtem Schrot und Korn), oder durch Endreim (in Saus und Braus) gebunden. Die Stilfärbung der Zwillingsformeln schwankt zwischen literarisch-umgangssprachlich und einfach-literarisch. Wortpaare wie: mit Kind und Kegel, mit Mann und Maus, mit Ach und Krach klingen aufgelockert umgangssprachlich. Hingegen sind solche wie: über Stock und Stein, mit Mühe und Not, Angst und bleich, zittern und zagen vollständig schriftsprachlich;
c) Die stehenden Vergleiche haben starke Bildkraft: weiß wie Schnee, zittern wie Espenlaub, klar wie dicke Tinte, lügen wie geschmiert, wie gedruckt, wie telegraphiert. Sie sind zum überwiegenden Teil literarisch-umgangssprachlich und familiär gefärbt; störrisch wie ein Esel, wie die Kuh vorm neuen Tor dastehen, wie der Hahn am Mist schreiben. Sie können aber auch einfach-literarisch und – in seltenen Fällen – gewählte Stilfärbung besitzen: wie eine Nachtigall singen, tief wie das Grab, zierlich wie ein Elf.
d) Die Sprichwörter, Aphorismen, Sentenzen, Losungen – Fügungen, die einen geschlossenen Gedanken in Satzform mitteilen. Sie sind echtes Nationalgut. Dem Inhalt nach sind sie meistens lehrhaft: Schmiede das Eisen, solange es heiß ist; Wer zuletzt lacht, lacht am besten; Ende gut, alles gut. Sie können aber auch gesellschaftskritischen Charakter haben: Lässt Gewalt sich blicken, geht das Recht auf Krücken; Die kleinen Diebe hängt man, vor den großen zieht man den Hut ab.
Was die semantisch-expressive Stilfärbung betrifft, so sind die Sprichwörter meistens einfach-literarisch oder literarisch-umgangssprachlich. Das hängt zusammen mit ihrer belehrenden Tendenz, mit ihrer inhaltlichen Verallgemeinerung.
Zahlreiche Sentenzen, Aphorismen und Aussprüche berühmter Dichter, Staatsmänner, Gelehrten sind als feste Elemente des Wortbestands in den allgemeinen Sprachgebrauch eingeflossen. Nach alter Tradition werden sie unter dem Namen geflügelte Worte in die Phraseologie eingegliedert. Diese Bezeichnung bedeutet, dass es sich um Aussprüche aus nachweisbaren Quellen handelt (Mythologie, Bibel, Literatur, Äßerungen von großer Dichter und Denker), um Aussprüche, die von Mund zu Mund «fliegen» und bereits feste Elemente des Wortbestands bilden: Proletarier aller Länder, vereinigt euch! [Marx, Engels].
Mit dem Namen «geflügelte Worte» werden auch phraseologische Fügungen bezeichnet, die einen Einzelbegriff ausdrücken: der Prediger in der Wüste (d.h. jemand, der etwas lehrt, ohne dass man auf ihn hört); die bessere Hälfte (d.h. die Gemahlin); den Rubikon überschreiten (d.h. eine entscheidende Handlung unternehmen).
Während Idiome und Sprichwörter gewöhnlich dem nationalem Erbgut angehören, stammt ein großer Teil der geflügelten Worte aus fremden Sprachen. Sie bilden eine besondere Art phraseologischer Übersetzungslehnwörter.
Obwohl die Gruppe der «geflügelten Worte» in struktureller Hinsicht sehr mannigfaltig ist, besitzt sie doch eine einheitliche semantisch-expressive Stilfärbung – sie schwankt zwischen einfach-literarisch und gewählt:
Gefallen ist der Würfel. [Julius Cäsar]; Die Trauben sind noch sauer. [Äsop]; Dem Glücklichen schlägt keine Stunde [F. Schiller]; Kein Talent, doch ein Charakter [H. Heine].
Oft haben Sentenzen und Sprichwörter denselben Inhalt, aber verschiedene Stilfärbung: Man lernt, solange man lebt. – Man wird so alt wie 'ne Kuh und lernt doch immer zu.
Stilistische Möglichkeiten der Zusammensetzungen
Jedes Modell einer Zusammensetzung ist als Stilmittel verwertbar. Die Zusammensetzungen können verschiedene stilistische Funktionen ausüben.
1. Sie drücken expressive Steigerung aus: himmelhoch, funkelnagelneu, kohlpechrabenschwarz. Das Modell Substantiv + Adjektiv besitzt eine erstaunlich schöpferische Kraft, besonders in der Reklame und in der Belletristik: flaschengrün, beduinblau, tabakbraun, muskatfarben, polarweiß.
2. Innerhalb einer Zusammensetzung vollzieht sich eine Metapher oder ein metaphorischer Vergleich: Pflaumenlippen «blau wie Pflaumen. In der Umgangssprache sind besonders beliebt metaphorische Personenbezeichnungen expressiver Art mit salopper Stilfärbung: Als Grundwort erscheinen Verwandschaftsnamen: Klatschbase, Kaffeetante, Stotteronkel. Sie neigen zum Übergang in die Klasse der Halbsuffixe; Tierbezeichnungen: Brummbär, Bücherwurm (die sog. Tiermetaphern).
3. Die Zusammensetzung ist das Mittel zur Verdichtung des Inhalts in einer möglichst knapper Form. Sie vereinigt Informationsreichtum mit Kürze. Z. B. in der Werbung: vitaminfrisches Gemüse (so frisch, dass die Vitamine erhalten sind), mundfrisch (kommt ganz frisch in den Mund), gartenfrisch kommt frisch aus dem Garten), geruchfestes Geschirr (kein Geruch bleibt anhaften), kniefreies Kleid, kochfertige Speisen. Die Publizistik wimmelt von Komposita: Kosmosmacht, Welttitelkämpfe, Haus-Haus-Verkehr (Beförderung von Gütern vom Haus des Absenders bis zum Haus des Empfängers); Boden-Luft-Rakete (Kampfrakete, die vom Boden abgeschossen gegen Objekte in der Luft verwendet wird); Kosten-Nutzen-Rechnung (ständige Beobachtung der Entwicklung der Kosten im Verhältnis zum erreichten ökonomischen Nutzen); Sekretärinnen-Verhältnis (Verhältnis von Chef und Sekretärin).
4. Der Dichter schafft neue Komposita im Streben nach einem präzisen und ausdrucksvolleren Wort: Was ist denn Zeit? Den Raum nehmen wir doch mit unseren Organen wahr, mit dem Gesichssinn und dem Tastsinn. Schön! Aber welches ist denn unser Zeitorgan? [Mann] Der Kontext enthält schon alle Elemente, die das Erscheinen einer Neuschöpfung vorbereiten Zeit, Organ > Zeitorgan. Oft sind die dichterische Komposita emotional: honigsüße Liebe; oder berufsmäßig gefärbt: ferkeljung, stierwild; oder ironisch gefärbt: sackleere Eisamkeit, eigenbeinig hinterm Pflug einhertrampeln [Srittmatter].
Das Verständnis einer okkasionellen Zusammensetzung wird wesentlich erschwert, wenn der Schöpfer die Gesetze der inneren Valenz verletzt. In den Wörtern dumm-schlaue Diplomaten [Tucholsky], unser neualter Bergdienst [Mann], nahfern [Goethe], Unglücksglück [Seghers] sind Gegensatzbegriffe oxymoronartig gekoppelt, wodurch die semantische Kongruenz gestört wird.
30.Stilistische Möglichkeiten der Ableitungen.
читать дальшеDie Ableitungen, die mit Hilfe der Affixe und Halbaffixe gebildet werden, stellen aus stilistischer Sicht drei Schichten dar:
1. die Ableitungen mit absoluter Stilfärbung;
2. die Derivate mit partieller absoluter Stilfärbung;
3. die Ableitungen mit kontextualer Stilfärbung.
Die Ableitungen mit absoluter Stilfärbung entstehen nach den Wortbildungsmodellen mit expressiven Suffixen: -bold, -ian, -chen, -lein (und ihre Varianten -elchen, -li, -le, -l u. a.).
Eine kleine geschlossene, nichtproduktive Wortgruppe bilden die Personenbezeichnungen auf -bold und -ian: Rauf-, Trunken-, Tugend-, Witzbold; Grobian, Schlendrian. Ihr emotional-expressiver Gehalt ist so groß, dass sie zu Schimpfwörtern werden. Ihre stilistische Charakteristik ist: Alltagsrede / salopp (grob) / abwertend.
Im Gegensatz zu dieser Gruppe erfassen die Suffixe -chen, -lein praktisch fast alle Substantive. Sie verleihen den Ableitungen zwei Seme – „Verkleinerung“ und „Bewertung“ (positive oder negative), die manchmal zusammenwirken, manchmal einander verdrängen. Das wird durch die lexikalischen Seme des Grundwortes, sowie durch den Redezusammenhang und die Situation bedingt.
Die im Alltag übliche Verkleinerung der Personen- und Verwandschaftsnamen Lieschen, Liesel, Karlchen, Heini; Mutti, Onkelchen verraten das liebevolle Verhalten des Sprechers zu der genannten Person. Besonders beliebt sind die Diminutiva in der Kinderliteratur: Dornröschen, Aschenbrödel, Schneewittchen, Rotkäppchen, Zwerglein, Hänsel, Gretel.
In der Belletristik schaffen die Diminutiva die Atmosphäre der Ungezwungenheit, Gemütlichkeit, Zärtlichkeit, oder sie stehen im Dienst von Humor und Satire.
Die Ableitungen mit partieller Stilfärbung. Die geringe Zahl der Modelle mit allseitig absoluter Stilfärbung wird durch die Ableitungen mit partieller Stilfärbung kompensiert. Dazu gehören solche, die nur bestimmte Wortgruppen stilistisch markieren.
Bei den substantivischen Ableitungen auf -ling zeichnet sich nur eine Gruppe durch ein negatives Bewertungssem aus. Sie erfasst Personenbezeichnungen wie Dichterling, Schreiberling, Schwächling, Weichling. Andere Gruppen desselben Wortbildungsmodells enthalten kein Bewertungssem: Sperling, Schmetterling, Säugling, Jüngling etc.
Zu nennen ist noch die «negative» Gruppe des Modells mit dem Sufix -erei (-elei): Lauferei, Schlägerei, Liebelei. Es sind lauter menschliche Handlungen, abschätzig beurteilt. Daneben gibt es ganz «sachliche» Wortgruppen ohne Bewertungssem: Druckerei – die Bezeichnung des Ortes, Stickerei – die Bezeichnungen der Tätigkeiten.
Eine teils familiär-umgangssprachliche, teils veraltete Note erhalten die von männlichen Familien- und Berufsnamen abgeleiteten weiblichen Namen: die Schulzin, die Müllerin, Webern, die Meiersche, Krügersche, Lehrersche. Die Suffixe -(i)n und -sche haben im Allgemeinen abwertenden Charakter.
Die Anknüpfung des lateinischen Suffixes -ant an deutsche Wurzeln ergibt eine Gruppe mit abwertender Einschätzung und salopper bis grober Stilfärbung; diese Gruppe stammt aus dem Studentenjargon: Haselant (Narr), Paukant (von pauken), Schmierant (schmieren); verächtliche Bedeutung haben auch die aus Fremdbestandteilen zusammengesetzten Bildungen: Poetaster, Kritikaster, Philosophaster, Politikaster, Grammatikaster, Medikaster, Schwachmatikus.
Zu den partiell kolorierten Modellen gehört das Modell mit dem Präfix ge- und den Suffixen -e, -er, -el, -sel oder dem Nullsufix: Gespött. Außer dem Sem “Gesamtheit“, das allen Wortgruppen eigen ist, besitzt eine Gruppe noch ein negatives Bewertungssem. Abwertend sind: Geschieße, Gemecker, Geheul, Geschnatter, Getue, Gekritzel, Geschreibsel.
Manche Bildungen haben Varianten: das Gebelle «abwertend» – das Gebell «neutral»; das Gehabe «abwertend» – das Gehaben «neutral».
Zu den partiell gefärbten Lexik gehören auch adjektivische Modelle mit dem Suffix -isch. Die Ableitungen tierisch, weibisch, kindisch bezeichnen einen Mangel, eine abschätzige Charakteristik eines Menschen, während andere Adjektive desselben Modells völlig neutral sind: russisch, politisch, städtisch etc.
Sehr groß ist die Zahl der Präfixe und Halbpräfixe der subjektiven Einschätzung. Ihre Ausdrucksmöglichkeiten sind reicher als die der Suffixe. Während es kein einziges verstärkendes oder vergrößerndes Suffix im Deutschen gibt, finden sich ganze synonymische Reihen von Präfixen und Halbpräfixen mit den Semen „Steigerung“ („Vergrößerung“) und „Bewertung“: die Präfixe un-, erz- ur-; die Halbpräfixe Haupt-, Grund-, Kern-, Spitzen-; Bomben-, Riesen-; Super-; maxi-, makro-, mikro-; blitz-, blut-, mords-.
Un- drückt gewöhnlich Steigerung und abschätzige Bewertung aus: Unmenge, Unsumme, Unzahl. Bei Personenbezeichnungen mit un- verdrängt das negative Bewertugnssem das Sem „Steigerung“: Unmensch, Unweib.
Auch die Bildungen mit dem Präfix Erz- vereinigen oft Verstärkung und Missbiligung: Erzfeind, Erznarr, Erzdummheit, Erzschurke, Erzschelm. Verstärkend ist auch das Präfix Ur-: Urgemütlichkeit, Urmusikanten, Urgewalt. Die Bewertung ist hier durchaus positiv.
Eine offene produktive Reihe stellen Bildungen mit den verstärkenden Halbpräfixen Haupt-, Grund-, Kern-, Spitzen-dar, die die Publizistik und auch die Umgangssprache unaufhörlich bereichern: Hauptfrage, -problem, -weg; -feind, -person; Grundfrage, -gedanke, -widerspruch. Die synonymische Austauschbarkeit wird manchmal blockiert. Das Halbpräfix Grund- wird bevorzugt mit Abstrakta kombiniert: Grundneigung, -wille, -eindruck. In Verbindung mit Personenbezeichnungen und bei den meisten Sachbezeichnungen wird Haupt-verwendet und lässt sich dann nicht durch Grund- ersetzen. Also nur Hauptarzt, Hauptbahnhof. Als drittes Glied der synonymischen Gruppe reiht sich das Halbpräfix Kern- ein: Kernfrage, Kernproblem, Kernfach, Kernspruch, Kerngedanke. Als Modewörter in der Publizistik verbreiten sich rasch die Bildungen mit Spitzen-: Spitzenleistungen (sehr hohe Leistungen), Spitzenkandidat, Spitzenposition (führende, leitende Position), Spitzenfilm, Spitzentiere (Kühe mot höchster Milchleistung), Spitzengeschwindigkeit, Spitzentemperatur. Die Bewertung ist positiv oder gleich null.
Ferner kommen die antonymischen Modewörter makro-/mikro-, mini-/super- als Halbpräfixe in Betracht: Minikleid, Mini-Laden, Superbauten (statt Großbauten). Sie verstärken oder verringern einen Begirff, zugleich verleihen sie der Aussage eine modische Note. Die Komponenten mega-, multi-, mammut- dienen auch zur Verstärkung: Megastadt, Megapleite, Multimillionär, Multilinguismus (Vielsprachigkeit), Mammutprojekt, Mammutfilm, Mammutbürokratieverfahren.
Die Umgangssprache bevorzugt andere verstärkende Halbpräfixe mit emotionalem Beiklang: Riesenfreude, -hunger – Mordshunger, -durst, -appetit, -kerl, -skandal; blitzsauber, -blank, -schnell; blutjung, -arm, -wenig; kreuzlahm,-brav, -dumm, -fidel; stockdumm, -heiser, -blind, -taub.
Besonders beliebt in der Umgangssprache sind die emotional-expressiven Bezeichnungen von Menschen mit einem Personennamen als zweite Komponente. Sie konzentrieren sich um die gebräuchlichsten Vornamen:
-fritze (von Fritz): Flimmerfritze «киношник», Klimperfritze «горе-пианист», Plärrfritze «горлодер (о певце)», Werbefritze «рекламщик», Bankfritze «банковская крыса (о чиновниках банка)», Versicherungsfritze «страховщик (о страховом агенте)», Heulfritze «рева, нытик (о мальчике, мужчине)», Meckerfritze «ворчун, придира», Quatschfritze «брехун, пустомеля», Pimpelfritze «неженка, нюня (о мужчине)», Trödelfritze «копуша»;
-hanne (von Johanne): Prahlhanne «хвастунья», Stotterhane «заика», Quatschhanne «сплетница»;
-hannes (von Johannes): Gaffhannes «зевака», Kleckerhannes «грязнуля, свинья»;
-hans (von Hans): Schwafelhans «брехун, пустомеля», Grillenhans «чудик», Langhans «дылда», Schwindelhans «аферист, мошенник»;
-jule (von Julia): Telefonjule «телефонисточка», Lachjule «хохотушка»;
-karl (von Karl): Küchenkarl «кошевар», Nietenkarl «бездарь, дырка от бублика (о человеке)»;
-liese (von Liese): Heulliese «рева, плакса», Pfennigliese «жадина, скряга», Strubbelliese «растрепа», Zimperliese «недотрога, жеманница», Klatschliese «сплетница».
Die Ableitungen mit kontextualer Stilfärbung. Bestimmte Funktionalstile haben eine besondere Vorliebe für bestimmte Ableitungen. Sprachstile, die das abstrakte Substantiv, vorrangig Ableitungen auf -ung, -heit, -keit, -schaft, -tum, -nis in reichem Maße verwenden, sind die Wissenschaft, der öffentliche Verkehr, die Publizistik. Im Jugendjargon sind Ableitungen auf -e besonders produktiv: die Rieche (Nase), die Heule (Transistor), die Heize (Ofen), die Tobe (Wut), die Lache (Lachen), die Trinke (Trinkgefäß
, die Bediene (eine angenehme Sache), die Benehme (das Benehmen), sowie das Präfix un-: Unhahn (abwertend: junger Mann), Unzahn (abwertend: junges Mädchen).
Typisch für den Kanzleistil sind die Bildungen mit den Halbsuffixen -halber, -maßen, -weise: krankheitshalber, ordnungshalber, verdientermaßer, gewissermaßer, korrekterweise, unvermeidlicherweise.
31.Makrostilistik. Erzählperspektive als linguistische Kategorie.
читать дальшеDie Erzählperspektive ist der Standpunkt, von dem aus ein Geschehen aufgefaßt und erzählt wird. Das ist das Verhältnis des Erzählers zu den Vorgängen im Werk als Mittel der Erzählstrategie. Man unterscheidet im Werk der schöngeistigen Literatur die Erzählperspektive des Autors, der Figur, räumliche und zeitliche Perspektive.
Der Autor kann offen in Szene treten (besonders in der Ich-Form der Erzählung, in autobiographischen Werken, Tagebüchern, Memorien). Der Autor ist der Schöpfer des Werkes, er schafft das Sujet, den Erzähler, die Figuren, er lässt sie reden und handeln.
Der Erzähler tritt in der Ich- oder Er-Form. Erzählt man aus der Perspektive des Autors, so spricht man über den auktorialen Erzähler. Erzählt man aus der Perspektive einer Textperson, so spricht man über den personalen Erzähler. Der Autor wählt zum Erzähler eine beliebige erfundene Person: ein Kind eine Frau, ein Tier. Einerseits kann der auktoriale Erzähler möglichst objektiv, distanziert, sachlich berichten, ohne seine Stellungnahme zu verraten; andererseits kann er sich ins Geschehen einmischen, seine Meinung äußern, die Geschehnisse kommentieren (ein subjektiver Betrachter). Er erzählt, schildert, charakterisiert. Er bewegt sich frei zwischen Schauplätzen, Gefühlen, Gedanken der Figuren, manchmal tritt er hinter der Figur zurück. Dann geht es um die erlebte Rede oder um den inneren Monolog der Figuren, was als Erzählperspektive der handelnden Figur zu bezeichnen ist.
Der Erzähler und die Figuren können verschiedenem Zeitraum angehören, deshalb wird zwischen Erzählzeit und erzählter Zeit unterscheiden. Die Erzählzeit wird als Zeitebene des Erzählens bestimmt, erzählte Zeit ist die Zeitebene der Handlung.
32.Makrostilistik. Arten der Rededarstellung. Sprachporträt.
читать дальшеEs gibt 3 Arten der Rededarstellung: direkte, indirekte und erlebte Rede. Die Wahl der Rededarstellung hängt von der Stilart ab, von Zweck und Inhalt der Mitteilung. Die direkte Rede, vom Stilforscher als Figurensprache bezeichnet, bringt die Rede oder die Gedanken eines Menschen wörtlich genau, wie er selbst spricht oder denkt. Eine wichtige Rolle bei der Verwendung der direkten Rede spielt die sog. Redeeinkleidung, d.h. die Worte, mit denen die fremde Aussage eingeleitet wird. Bei der Redeeinleitung entstehen viele Variationsmöglichkeiten. Man gebraucht:
a) Verben des Sagens, die ganz allgemeine Bedeutung haben: sagen, reden, sprechen;
b) Verben des Sagens, die die Art des Sprechens charakterisieren: flüstern, schreien, stottern, lispeln, rufen, stammeln;
c) Verben, die Gedanken und Gefühle beschreiben: denken, träumen, sich überlegen, sich erinnern, empfinden, fühlen;
d) Verben des Antwortens und Fragens: antworten, erwidern, fragen, forschen…
Die Verwendung der direkten Rede verleiht dem Gesamttext Lebhaftigkeit, Glaubwürdigkeit, Anschaulichkeit.
Bei der indirekten Rede wird die fremde Rede wiedergegeben. Ihre Merkmale sind: 3. Person, oft Nebensatz (sagte, dass…, meinte, dass…), oft Konjunktiv statt Indikativ. Die indirekte Rede erfüllt im literarischen Text folgende Aufgaben:
a) Sie erfüllt die kompositorische Funktion der Abwechslung, d.h. direkte Rede wechselt die indirekte und umgekehrt;
b) Sie trägt zur Charakterisierung einer Figur bei, d.h. sie zeugt von der Interesselosigkeit der Person an dem Mitzuteilenden oder vom Bestreben, ihre distanzierte Haltung, Objektivität zu betonen.
Viele emotionale Effekte werden in der indirekten Rede (Autorensprache) gestrichen. Die Autorensprache ist mit der sprachlichen Gestaltung von Gedanken und Kommentaren des Verfassers von Texten verbunden. Durch den Autor wird eine gewisse Zensur geübt. Die indirekte Rede enthält in der Regel keinerlei Lexik aus territorialen Dialekten, Argot und Jargons, sie lässt auch keinerlei grammatische Nachlässigkeit zu.
Die erlebte Rede ist die Darstellung der Gedanken und Gefühle der handelnden Personen in solch einer Form, als würden sie vom Autor (Darsteller) miterlebt. Der Erzähler identifiziert sich mit der Person, deren Rede oder Gedanken er anführt: Georg lag draußen unter dem graublauen Himmel in einer Ackerfurche. … Nur jetzt nicht steckenbleiben. Zu Abend in der Stadt sein. Stadt, das war die Höhle mit ihren Schlupfwinkeln, ihren gewundenen Gängen. …Bis zur Nacht nach Frankfurt, gleich hinaus zu Leni. Einmal bei Leni, war ihm das Weitere einfach erschienen. Anderthalb Stunden Eisenbahnfahrt zwischen Sterben und Leben mussten überwindbar sein. War nicht bis jetzt alles glatt gegangen? Wunderglatt, planmäßig? [Seghers] Die peinigen Gedanken des Helden schildert die Verfasserin so, als ob sie ihre eigenen wären. Und formal gehören sie tatsächlich der Autorensprache an. Eine derart hohe Stufe von Einführung zwischen Dichter und Figur ist nur in der erlebten Rede möglich.
Für die erlebte Rede gibt es mehrere synonymische Bezeichnungen: verschleierte Rede, uneigentlich-direkte Rede, halbdirekte Rede. Die moderne Literatur bevorzugt die erlebte Rede, weil sie die Versenkung in das Innenleben der Figur ermöglicht. Die erlebte Rede erkennt man:
1. an inhaltlichen Merkmalen: Identifizierung des Autors mit einer handelnden Person oder einer Gruppe von Menschen;
2. an rein sprachlichen Kennzeichnen: Eindringen typischer Figurensprachenelemente in die Autorensprache (lexische Dialektismen, Argotismen, Jargonismen, Proffesionalismen, Lieblingwörter, Partikeln, Interjektionen);
3. an syntaktischen Zeichen: Ausrufesätze, Fragesätze, Ellipsen, Satzabbruch.
Bei der Analyse der Perspektive der handelnden Personen ist zu unterscheiden zwischen literarischem Porträt und Sprachporträt.
Das literarische Porträt entsteht durch äußere und psychologische Charakteristik, durch Handlungen und Äußerungen der handelnden Personen, durch ihre Namen.
Das Sprachporträt ist die Charakteristik der Personen durch ihre Sprechweise, durch den Gebrauch verschiedener lexischer und grammatischer Mittel, wobei Alter, Beruf, Bildung, Charakter, Humor, Lebensart, Lebenserfahrung, Milieu, Situation, soziales Herkommen, Stimmung, Willenskraft usw. Berücksichtigung finden.
Das Sprachporträt wird “gemalt”:
a) durch Figurensprache – direkte Rede;
b) durch erlebte Rede;
c) weniger deutlich durch indirekte Rede;
d) durch die Autorensprache, wenn der Verfasser oder einzelne Figuren die Sprechart der handelnden Person selbst beurteilen.
Jede handelnde Person stellt nicht nur eine einzigartige Individualität dar, sondern ist zugleich Vertreter einer sozialen, beruflichen, nationalen, historischen Gemeinschaft. Deshalb kann man beim Sprachporträt rein individuelle und allgemein-typisierende Züge aussondern.
читать дальшеDie zweite Gruppe umfasst Fügungen, bei denen die stilistischen Kategorien Bildkraft, Emotionalität in den Vordergrund rücken – phraseologische Wortverbindungen, phraseologische Wortfügungen. Hier lassen sich unterscheiden:
a) Idiome – Fügungen, die einen Einzelbegriff ausdrücken, deren Äquivalent demnach das Wort bildet: den Kopf in den Sand stecken, auf volle Touren kommen, etwas aus dem Stegreif tun, etwas aufs Tapet bringen. Sie sind in der Regel stark expressiv und bildhaft. Insbesondere den Idiomen eignen sich alle möglichen Ausdrucksnuancen (scherzhaft, spöttisch, satirisch, abwertend, feierlich, vertraulich u.a.m), auf jeden Fall ist die Expressivität deutlich spürbar;
b) Zwillingsformeln – Wortpaare, die meist einen Begriff tautologisch ausdrücken: blass und bleich, zittern und zagen, in Saus und Braus. Ein Begriff kann durch zwei thematisch nahestehende Wörter formelhaft gegeben werden: kreuz und quer, hoffen und harren, bei Nacht und Nebel. Seltener wird ein Begriff in antonymische Komponenten zerlegt: nach Jahr und Tag (d.h. nach geraumer Zeit), hier und dort (d.h. an manchen Orten). Formal sind die Zwillingsformeln durch Alliteration (mit Kind und Kegel), durch Assonanz (vom echtem Schrot und Korn), oder durch Endreim (in Saus und Braus) gebunden. Die Stilfärbung der Zwillingsformeln schwankt zwischen literarisch-umgangssprachlich und einfach-literarisch. Wortpaare wie: mit Kind und Kegel, mit Mann und Maus, mit Ach und Krach klingen aufgelockert umgangssprachlich. Hingegen sind solche wie: über Stock und Stein, mit Mühe und Not, Angst und bleich, zittern und zagen vollständig schriftsprachlich;
c) Die stehenden Vergleiche haben starke Bildkraft: weiß wie Schnee, zittern wie Espenlaub, klar wie dicke Tinte, lügen wie geschmiert, wie gedruckt, wie telegraphiert. Sie sind zum überwiegenden Teil literarisch-umgangssprachlich und familiär gefärbt; störrisch wie ein Esel, wie die Kuh vorm neuen Tor dastehen, wie der Hahn am Mist schreiben. Sie können aber auch einfach-literarisch und – in seltenen Fällen – gewählte Stilfärbung besitzen: wie eine Nachtigall singen, tief wie das Grab, zierlich wie ein Elf.
d) Die Sprichwörter, Aphorismen, Sentenzen, Losungen – Fügungen, die einen geschlossenen Gedanken in Satzform mitteilen. Sie sind echtes Nationalgut. Dem Inhalt nach sind sie meistens lehrhaft: Schmiede das Eisen, solange es heiß ist; Wer zuletzt lacht, lacht am besten; Ende gut, alles gut. Sie können aber auch gesellschaftskritischen Charakter haben: Lässt Gewalt sich blicken, geht das Recht auf Krücken; Die kleinen Diebe hängt man, vor den großen zieht man den Hut ab.
Was die semantisch-expressive Stilfärbung betrifft, so sind die Sprichwörter meistens einfach-literarisch oder literarisch-umgangssprachlich. Das hängt zusammen mit ihrer belehrenden Tendenz, mit ihrer inhaltlichen Verallgemeinerung.
Zahlreiche Sentenzen, Aphorismen und Aussprüche berühmter Dichter, Staatsmänner, Gelehrten sind als feste Elemente des Wortbestands in den allgemeinen Sprachgebrauch eingeflossen. Nach alter Tradition werden sie unter dem Namen geflügelte Worte in die Phraseologie eingegliedert. Diese Bezeichnung bedeutet, dass es sich um Aussprüche aus nachweisbaren Quellen handelt (Mythologie, Bibel, Literatur, Äßerungen von großer Dichter und Denker), um Aussprüche, die von Mund zu Mund «fliegen» und bereits feste Elemente des Wortbestands bilden: Proletarier aller Länder, vereinigt euch! [Marx, Engels].
Mit dem Namen «geflügelte Worte» werden auch phraseologische Fügungen bezeichnet, die einen Einzelbegriff ausdrücken: der Prediger in der Wüste (d.h. jemand, der etwas lehrt, ohne dass man auf ihn hört); die bessere Hälfte (d.h. die Gemahlin); den Rubikon überschreiten (d.h. eine entscheidende Handlung unternehmen).
Während Idiome und Sprichwörter gewöhnlich dem nationalem Erbgut angehören, stammt ein großer Teil der geflügelten Worte aus fremden Sprachen. Sie bilden eine besondere Art phraseologischer Übersetzungslehnwörter.
Obwohl die Gruppe der «geflügelten Worte» in struktureller Hinsicht sehr mannigfaltig ist, besitzt sie doch eine einheitliche semantisch-expressive Stilfärbung – sie schwankt zwischen einfach-literarisch und gewählt:
Gefallen ist der Würfel. [Julius Cäsar]; Die Trauben sind noch sauer. [Äsop]; Dem Glücklichen schlägt keine Stunde [F. Schiller]; Kein Talent, doch ein Charakter [H. Heine].
Oft haben Sentenzen und Sprichwörter denselben Inhalt, aber verschiedene Stilfärbung: Man lernt, solange man lebt. – Man wird so alt wie 'ne Kuh und lernt doch immer zu.
Stilistische Möglichkeiten der Zusammensetzungen
Jedes Modell einer Zusammensetzung ist als Stilmittel verwertbar. Die Zusammensetzungen können verschiedene stilistische Funktionen ausüben.
1. Sie drücken expressive Steigerung aus: himmelhoch, funkelnagelneu, kohlpechrabenschwarz. Das Modell Substantiv + Adjektiv besitzt eine erstaunlich schöpferische Kraft, besonders in der Reklame und in der Belletristik: flaschengrün, beduinblau, tabakbraun, muskatfarben, polarweiß.
2. Innerhalb einer Zusammensetzung vollzieht sich eine Metapher oder ein metaphorischer Vergleich: Pflaumenlippen «blau wie Pflaumen. In der Umgangssprache sind besonders beliebt metaphorische Personenbezeichnungen expressiver Art mit salopper Stilfärbung: Als Grundwort erscheinen Verwandschaftsnamen: Klatschbase, Kaffeetante, Stotteronkel. Sie neigen zum Übergang in die Klasse der Halbsuffixe; Tierbezeichnungen: Brummbär, Bücherwurm (die sog. Tiermetaphern).
3. Die Zusammensetzung ist das Mittel zur Verdichtung des Inhalts in einer möglichst knapper Form. Sie vereinigt Informationsreichtum mit Kürze. Z. B. in der Werbung: vitaminfrisches Gemüse (so frisch, dass die Vitamine erhalten sind), mundfrisch (kommt ganz frisch in den Mund), gartenfrisch kommt frisch aus dem Garten), geruchfestes Geschirr (kein Geruch bleibt anhaften), kniefreies Kleid, kochfertige Speisen. Die Publizistik wimmelt von Komposita: Kosmosmacht, Welttitelkämpfe, Haus-Haus-Verkehr (Beförderung von Gütern vom Haus des Absenders bis zum Haus des Empfängers); Boden-Luft-Rakete (Kampfrakete, die vom Boden abgeschossen gegen Objekte in der Luft verwendet wird); Kosten-Nutzen-Rechnung (ständige Beobachtung der Entwicklung der Kosten im Verhältnis zum erreichten ökonomischen Nutzen); Sekretärinnen-Verhältnis (Verhältnis von Chef und Sekretärin).
4. Der Dichter schafft neue Komposita im Streben nach einem präzisen und ausdrucksvolleren Wort: Was ist denn Zeit? Den Raum nehmen wir doch mit unseren Organen wahr, mit dem Gesichssinn und dem Tastsinn. Schön! Aber welches ist denn unser Zeitorgan? [Mann] Der Kontext enthält schon alle Elemente, die das Erscheinen einer Neuschöpfung vorbereiten Zeit, Organ > Zeitorgan. Oft sind die dichterische Komposita emotional: honigsüße Liebe; oder berufsmäßig gefärbt: ferkeljung, stierwild; oder ironisch gefärbt: sackleere Eisamkeit, eigenbeinig hinterm Pflug einhertrampeln [Srittmatter].
Das Verständnis einer okkasionellen Zusammensetzung wird wesentlich erschwert, wenn der Schöpfer die Gesetze der inneren Valenz verletzt. In den Wörtern dumm-schlaue Diplomaten [Tucholsky], unser neualter Bergdienst [Mann], nahfern [Goethe], Unglücksglück [Seghers] sind Gegensatzbegriffe oxymoronartig gekoppelt, wodurch die semantische Kongruenz gestört wird.
30.Stilistische Möglichkeiten der Ableitungen.
читать дальшеDie Ableitungen, die mit Hilfe der Affixe und Halbaffixe gebildet werden, stellen aus stilistischer Sicht drei Schichten dar:
1. die Ableitungen mit absoluter Stilfärbung;
2. die Derivate mit partieller absoluter Stilfärbung;
3. die Ableitungen mit kontextualer Stilfärbung.
Die Ableitungen mit absoluter Stilfärbung entstehen nach den Wortbildungsmodellen mit expressiven Suffixen: -bold, -ian, -chen, -lein (und ihre Varianten -elchen, -li, -le, -l u. a.).
Eine kleine geschlossene, nichtproduktive Wortgruppe bilden die Personenbezeichnungen auf -bold und -ian: Rauf-, Trunken-, Tugend-, Witzbold; Grobian, Schlendrian. Ihr emotional-expressiver Gehalt ist so groß, dass sie zu Schimpfwörtern werden. Ihre stilistische Charakteristik ist: Alltagsrede / salopp (grob) / abwertend.
Im Gegensatz zu dieser Gruppe erfassen die Suffixe -chen, -lein praktisch fast alle Substantive. Sie verleihen den Ableitungen zwei Seme – „Verkleinerung“ und „Bewertung“ (positive oder negative), die manchmal zusammenwirken, manchmal einander verdrängen. Das wird durch die lexikalischen Seme des Grundwortes, sowie durch den Redezusammenhang und die Situation bedingt.
Die im Alltag übliche Verkleinerung der Personen- und Verwandschaftsnamen Lieschen, Liesel, Karlchen, Heini; Mutti, Onkelchen verraten das liebevolle Verhalten des Sprechers zu der genannten Person. Besonders beliebt sind die Diminutiva in der Kinderliteratur: Dornröschen, Aschenbrödel, Schneewittchen, Rotkäppchen, Zwerglein, Hänsel, Gretel.
In der Belletristik schaffen die Diminutiva die Atmosphäre der Ungezwungenheit, Gemütlichkeit, Zärtlichkeit, oder sie stehen im Dienst von Humor und Satire.
Die Ableitungen mit partieller Stilfärbung. Die geringe Zahl der Modelle mit allseitig absoluter Stilfärbung wird durch die Ableitungen mit partieller Stilfärbung kompensiert. Dazu gehören solche, die nur bestimmte Wortgruppen stilistisch markieren.
Bei den substantivischen Ableitungen auf -ling zeichnet sich nur eine Gruppe durch ein negatives Bewertungssem aus. Sie erfasst Personenbezeichnungen wie Dichterling, Schreiberling, Schwächling, Weichling. Andere Gruppen desselben Wortbildungsmodells enthalten kein Bewertungssem: Sperling, Schmetterling, Säugling, Jüngling etc.
Zu nennen ist noch die «negative» Gruppe des Modells mit dem Sufix -erei (-elei): Lauferei, Schlägerei, Liebelei. Es sind lauter menschliche Handlungen, abschätzig beurteilt. Daneben gibt es ganz «sachliche» Wortgruppen ohne Bewertungssem: Druckerei – die Bezeichnung des Ortes, Stickerei – die Bezeichnungen der Tätigkeiten.
Eine teils familiär-umgangssprachliche, teils veraltete Note erhalten die von männlichen Familien- und Berufsnamen abgeleiteten weiblichen Namen: die Schulzin, die Müllerin, Webern, die Meiersche, Krügersche, Lehrersche. Die Suffixe -(i)n und -sche haben im Allgemeinen abwertenden Charakter.
Die Anknüpfung des lateinischen Suffixes -ant an deutsche Wurzeln ergibt eine Gruppe mit abwertender Einschätzung und salopper bis grober Stilfärbung; diese Gruppe stammt aus dem Studentenjargon: Haselant (Narr), Paukant (von pauken), Schmierant (schmieren); verächtliche Bedeutung haben auch die aus Fremdbestandteilen zusammengesetzten Bildungen: Poetaster, Kritikaster, Philosophaster, Politikaster, Grammatikaster, Medikaster, Schwachmatikus.
Zu den partiell kolorierten Modellen gehört das Modell mit dem Präfix ge- und den Suffixen -e, -er, -el, -sel oder dem Nullsufix: Gespött. Außer dem Sem “Gesamtheit“, das allen Wortgruppen eigen ist, besitzt eine Gruppe noch ein negatives Bewertungssem. Abwertend sind: Geschieße, Gemecker, Geheul, Geschnatter, Getue, Gekritzel, Geschreibsel.
Manche Bildungen haben Varianten: das Gebelle «abwertend» – das Gebell «neutral»; das Gehabe «abwertend» – das Gehaben «neutral».
Zu den partiell gefärbten Lexik gehören auch adjektivische Modelle mit dem Suffix -isch. Die Ableitungen tierisch, weibisch, kindisch bezeichnen einen Mangel, eine abschätzige Charakteristik eines Menschen, während andere Adjektive desselben Modells völlig neutral sind: russisch, politisch, städtisch etc.
Sehr groß ist die Zahl der Präfixe und Halbpräfixe der subjektiven Einschätzung. Ihre Ausdrucksmöglichkeiten sind reicher als die der Suffixe. Während es kein einziges verstärkendes oder vergrößerndes Suffix im Deutschen gibt, finden sich ganze synonymische Reihen von Präfixen und Halbpräfixen mit den Semen „Steigerung“ („Vergrößerung“) und „Bewertung“: die Präfixe un-, erz- ur-; die Halbpräfixe Haupt-, Grund-, Kern-, Spitzen-; Bomben-, Riesen-; Super-; maxi-, makro-, mikro-; blitz-, blut-, mords-.
Un- drückt gewöhnlich Steigerung und abschätzige Bewertung aus: Unmenge, Unsumme, Unzahl. Bei Personenbezeichnungen mit un- verdrängt das negative Bewertugnssem das Sem „Steigerung“: Unmensch, Unweib.
Auch die Bildungen mit dem Präfix Erz- vereinigen oft Verstärkung und Missbiligung: Erzfeind, Erznarr, Erzdummheit, Erzschurke, Erzschelm. Verstärkend ist auch das Präfix Ur-: Urgemütlichkeit, Urmusikanten, Urgewalt. Die Bewertung ist hier durchaus positiv.
Eine offene produktive Reihe stellen Bildungen mit den verstärkenden Halbpräfixen Haupt-, Grund-, Kern-, Spitzen-dar, die die Publizistik und auch die Umgangssprache unaufhörlich bereichern: Hauptfrage, -problem, -weg; -feind, -person; Grundfrage, -gedanke, -widerspruch. Die synonymische Austauschbarkeit wird manchmal blockiert. Das Halbpräfix Grund- wird bevorzugt mit Abstrakta kombiniert: Grundneigung, -wille, -eindruck. In Verbindung mit Personenbezeichnungen und bei den meisten Sachbezeichnungen wird Haupt-verwendet und lässt sich dann nicht durch Grund- ersetzen. Also nur Hauptarzt, Hauptbahnhof. Als drittes Glied der synonymischen Gruppe reiht sich das Halbpräfix Kern- ein: Kernfrage, Kernproblem, Kernfach, Kernspruch, Kerngedanke. Als Modewörter in der Publizistik verbreiten sich rasch die Bildungen mit Spitzen-: Spitzenleistungen (sehr hohe Leistungen), Spitzenkandidat, Spitzenposition (führende, leitende Position), Spitzenfilm, Spitzentiere (Kühe mot höchster Milchleistung), Spitzengeschwindigkeit, Spitzentemperatur. Die Bewertung ist positiv oder gleich null.
Ferner kommen die antonymischen Modewörter makro-/mikro-, mini-/super- als Halbpräfixe in Betracht: Minikleid, Mini-Laden, Superbauten (statt Großbauten). Sie verstärken oder verringern einen Begirff, zugleich verleihen sie der Aussage eine modische Note. Die Komponenten mega-, multi-, mammut- dienen auch zur Verstärkung: Megastadt, Megapleite, Multimillionär, Multilinguismus (Vielsprachigkeit), Mammutprojekt, Mammutfilm, Mammutbürokratieverfahren.
Die Umgangssprache bevorzugt andere verstärkende Halbpräfixe mit emotionalem Beiklang: Riesenfreude, -hunger – Mordshunger, -durst, -appetit, -kerl, -skandal; blitzsauber, -blank, -schnell; blutjung, -arm, -wenig; kreuzlahm,-brav, -dumm, -fidel; stockdumm, -heiser, -blind, -taub.
Besonders beliebt in der Umgangssprache sind die emotional-expressiven Bezeichnungen von Menschen mit einem Personennamen als zweite Komponente. Sie konzentrieren sich um die gebräuchlichsten Vornamen:
-fritze (von Fritz): Flimmerfritze «киношник», Klimperfritze «горе-пианист», Plärrfritze «горлодер (о певце)», Werbefritze «рекламщик», Bankfritze «банковская крыса (о чиновниках банка)», Versicherungsfritze «страховщик (о страховом агенте)», Heulfritze «рева, нытик (о мальчике, мужчине)», Meckerfritze «ворчун, придира», Quatschfritze «брехун, пустомеля», Pimpelfritze «неженка, нюня (о мужчине)», Trödelfritze «копуша»;
-hanne (von Johanne): Prahlhanne «хвастунья», Stotterhane «заика», Quatschhanne «сплетница»;
-hannes (von Johannes): Gaffhannes «зевака», Kleckerhannes «грязнуля, свинья»;
-hans (von Hans): Schwafelhans «брехун, пустомеля», Grillenhans «чудик», Langhans «дылда», Schwindelhans «аферист, мошенник»;
-jule (von Julia): Telefonjule «телефонисточка», Lachjule «хохотушка»;
-karl (von Karl): Küchenkarl «кошевар», Nietenkarl «бездарь, дырка от бублика (о человеке)»;
-liese (von Liese): Heulliese «рева, плакса», Pfennigliese «жадина, скряга», Strubbelliese «растрепа», Zimperliese «недотрога, жеманница», Klatschliese «сплетница».
Die Ableitungen mit kontextualer Stilfärbung. Bestimmte Funktionalstile haben eine besondere Vorliebe für bestimmte Ableitungen. Sprachstile, die das abstrakte Substantiv, vorrangig Ableitungen auf -ung, -heit, -keit, -schaft, -tum, -nis in reichem Maße verwenden, sind die Wissenschaft, der öffentliche Verkehr, die Publizistik. Im Jugendjargon sind Ableitungen auf -e besonders produktiv: die Rieche (Nase), die Heule (Transistor), die Heize (Ofen), die Tobe (Wut), die Lache (Lachen), die Trinke (Trinkgefäß

Typisch für den Kanzleistil sind die Bildungen mit den Halbsuffixen -halber, -maßen, -weise: krankheitshalber, ordnungshalber, verdientermaßer, gewissermaßer, korrekterweise, unvermeidlicherweise.
31.Makrostilistik. Erzählperspektive als linguistische Kategorie.
читать дальшеDie Erzählperspektive ist der Standpunkt, von dem aus ein Geschehen aufgefaßt und erzählt wird. Das ist das Verhältnis des Erzählers zu den Vorgängen im Werk als Mittel der Erzählstrategie. Man unterscheidet im Werk der schöngeistigen Literatur die Erzählperspektive des Autors, der Figur, räumliche und zeitliche Perspektive.
Der Autor kann offen in Szene treten (besonders in der Ich-Form der Erzählung, in autobiographischen Werken, Tagebüchern, Memorien). Der Autor ist der Schöpfer des Werkes, er schafft das Sujet, den Erzähler, die Figuren, er lässt sie reden und handeln.
Der Erzähler tritt in der Ich- oder Er-Form. Erzählt man aus der Perspektive des Autors, so spricht man über den auktorialen Erzähler. Erzählt man aus der Perspektive einer Textperson, so spricht man über den personalen Erzähler. Der Autor wählt zum Erzähler eine beliebige erfundene Person: ein Kind eine Frau, ein Tier. Einerseits kann der auktoriale Erzähler möglichst objektiv, distanziert, sachlich berichten, ohne seine Stellungnahme zu verraten; andererseits kann er sich ins Geschehen einmischen, seine Meinung äußern, die Geschehnisse kommentieren (ein subjektiver Betrachter). Er erzählt, schildert, charakterisiert. Er bewegt sich frei zwischen Schauplätzen, Gefühlen, Gedanken der Figuren, manchmal tritt er hinter der Figur zurück. Dann geht es um die erlebte Rede oder um den inneren Monolog der Figuren, was als Erzählperspektive der handelnden Figur zu bezeichnen ist.
Der Erzähler und die Figuren können verschiedenem Zeitraum angehören, deshalb wird zwischen Erzählzeit und erzählter Zeit unterscheiden. Die Erzählzeit wird als Zeitebene des Erzählens bestimmt, erzählte Zeit ist die Zeitebene der Handlung.
32.Makrostilistik. Arten der Rededarstellung. Sprachporträt.
читать дальшеEs gibt 3 Arten der Rededarstellung: direkte, indirekte und erlebte Rede. Die Wahl der Rededarstellung hängt von der Stilart ab, von Zweck und Inhalt der Mitteilung. Die direkte Rede, vom Stilforscher als Figurensprache bezeichnet, bringt die Rede oder die Gedanken eines Menschen wörtlich genau, wie er selbst spricht oder denkt. Eine wichtige Rolle bei der Verwendung der direkten Rede spielt die sog. Redeeinkleidung, d.h. die Worte, mit denen die fremde Aussage eingeleitet wird. Bei der Redeeinleitung entstehen viele Variationsmöglichkeiten. Man gebraucht:
a) Verben des Sagens, die ganz allgemeine Bedeutung haben: sagen, reden, sprechen;
b) Verben des Sagens, die die Art des Sprechens charakterisieren: flüstern, schreien, stottern, lispeln, rufen, stammeln;
c) Verben, die Gedanken und Gefühle beschreiben: denken, träumen, sich überlegen, sich erinnern, empfinden, fühlen;
d) Verben des Antwortens und Fragens: antworten, erwidern, fragen, forschen…
Die Verwendung der direkten Rede verleiht dem Gesamttext Lebhaftigkeit, Glaubwürdigkeit, Anschaulichkeit.
Bei der indirekten Rede wird die fremde Rede wiedergegeben. Ihre Merkmale sind: 3. Person, oft Nebensatz (sagte, dass…, meinte, dass…), oft Konjunktiv statt Indikativ. Die indirekte Rede erfüllt im literarischen Text folgende Aufgaben:
a) Sie erfüllt die kompositorische Funktion der Abwechslung, d.h. direkte Rede wechselt die indirekte und umgekehrt;
b) Sie trägt zur Charakterisierung einer Figur bei, d.h. sie zeugt von der Interesselosigkeit der Person an dem Mitzuteilenden oder vom Bestreben, ihre distanzierte Haltung, Objektivität zu betonen.
Viele emotionale Effekte werden in der indirekten Rede (Autorensprache) gestrichen. Die Autorensprache ist mit der sprachlichen Gestaltung von Gedanken und Kommentaren des Verfassers von Texten verbunden. Durch den Autor wird eine gewisse Zensur geübt. Die indirekte Rede enthält in der Regel keinerlei Lexik aus territorialen Dialekten, Argot und Jargons, sie lässt auch keinerlei grammatische Nachlässigkeit zu.
Die erlebte Rede ist die Darstellung der Gedanken und Gefühle der handelnden Personen in solch einer Form, als würden sie vom Autor (Darsteller) miterlebt. Der Erzähler identifiziert sich mit der Person, deren Rede oder Gedanken er anführt: Georg lag draußen unter dem graublauen Himmel in einer Ackerfurche. … Nur jetzt nicht steckenbleiben. Zu Abend in der Stadt sein. Stadt, das war die Höhle mit ihren Schlupfwinkeln, ihren gewundenen Gängen. …Bis zur Nacht nach Frankfurt, gleich hinaus zu Leni. Einmal bei Leni, war ihm das Weitere einfach erschienen. Anderthalb Stunden Eisenbahnfahrt zwischen Sterben und Leben mussten überwindbar sein. War nicht bis jetzt alles glatt gegangen? Wunderglatt, planmäßig? [Seghers] Die peinigen Gedanken des Helden schildert die Verfasserin so, als ob sie ihre eigenen wären. Und formal gehören sie tatsächlich der Autorensprache an. Eine derart hohe Stufe von Einführung zwischen Dichter und Figur ist nur in der erlebten Rede möglich.
Für die erlebte Rede gibt es mehrere synonymische Bezeichnungen: verschleierte Rede, uneigentlich-direkte Rede, halbdirekte Rede. Die moderne Literatur bevorzugt die erlebte Rede, weil sie die Versenkung in das Innenleben der Figur ermöglicht. Die erlebte Rede erkennt man:
1. an inhaltlichen Merkmalen: Identifizierung des Autors mit einer handelnden Person oder einer Gruppe von Menschen;
2. an rein sprachlichen Kennzeichnen: Eindringen typischer Figurensprachenelemente in die Autorensprache (lexische Dialektismen, Argotismen, Jargonismen, Proffesionalismen, Lieblingwörter, Partikeln, Interjektionen);
3. an syntaktischen Zeichen: Ausrufesätze, Fragesätze, Ellipsen, Satzabbruch.
Bei der Analyse der Perspektive der handelnden Personen ist zu unterscheiden zwischen literarischem Porträt und Sprachporträt.
Das literarische Porträt entsteht durch äußere und psychologische Charakteristik, durch Handlungen und Äußerungen der handelnden Personen, durch ihre Namen.
Das Sprachporträt ist die Charakteristik der Personen durch ihre Sprechweise, durch den Gebrauch verschiedener lexischer und grammatischer Mittel, wobei Alter, Beruf, Bildung, Charakter, Humor, Lebensart, Lebenserfahrung, Milieu, Situation, soziales Herkommen, Stimmung, Willenskraft usw. Berücksichtigung finden.
Das Sprachporträt wird “gemalt”:
a) durch Figurensprache – direkte Rede;
b) durch erlebte Rede;
c) weniger deutlich durch indirekte Rede;
d) durch die Autorensprache, wenn der Verfasser oder einzelne Figuren die Sprechart der handelnden Person selbst beurteilen.
Jede handelnde Person stellt nicht nur eine einzigartige Individualität dar, sondern ist zugleich Vertreter einer sozialen, beruflichen, nationalen, historischen Gemeinschaft. Deshalb kann man beim Sprachporträt rein individuelle und allgemein-typisierende Züge aussondern.