1.Der Begriff „Stilistik“. Die Entwicklung der Stilistik als wissenschaftliche Disziplin.Stilistik - die Lehre von sämtlichen Stilen einer Nationalsprache (schriftliche und mündliche, literar- und umgangssprachliche, künstlerische und nichtkünstlerische), von ihren Beziehungen zueinander und ihrem gegenseitigen Durchdringen.
Unter dem soziolinguistischen Aspekt. Unter dem pragmatischen Aspekt.
2.Der Forschungsgegenstand der Stilistik. Beziehungen der Stilistik zu Nachbardisziplinen.Tropen und Stilfiguren, d. h. Spezifische Spracheinheiten zur Verstärkung der Ausdruckskraft einer Aussage. Es sind Metaphern, Metonymien, Epitheta, Umschreibungen, Mittel zum Ausdruck von Humor und Satire u. a.
3.Stilistische Normen. Stilistische Bedeutung. Die normative Stilfärbung der Spracheinheiten.„Stilfärbung“ - die besondere stilistische Prägung einer sprachlichen Einheit, ihre Spezialisierung für bestimmte stilistische Aufgaben.
(Riesel) Die Stilfärbung - eine spezielle Ausdrucksschattierung, die die Hauptbedeutung des betreffenden Wortes überlagert.
Stilfärbung: die absolute und die kontextuale.
4.Stilistische Bedeutung. Die expressive und funktionale Stilfärbung der Spracheinheiten. Die kontextuale Stilbedeutung.читать дальшеKategorien von Stilfärbung:
1) funktionale Stilfärbung;
2) semantisch-expressive Stilfärbung.
1. „funktionaler Stilfärbung“ - jenes spezifische Gepräge der lexischen, grammatischen, phonetischen Mittel, das gerade auf ihre Zugehörigkeit zu einem bestimmten Sprachstil hinweist.
2. „semantisch-expressiver Stilfärbung“ - Ausdrucksschattierungen innerhalb eines funktionalen Stils, die durch zwei Momente gekennzeichnet werden: durch ihr Verhältnis zur literarischen Norm und durch ihren emotionalen Gehalt.
Stilistische Bedeutung (SB) - Teil der Wortbedeutung, sie drückt die Beziehung des Menschen zu dem von ihm genannten Gegenstand oder Erscheinung aus.
Z.B. wenn man „Bandit“ sagt, so nennt man nicht nur die objektive Tatsache (hier: eine Person, die die Gewalt anderen Leuten gegenüber ausübt), sondern drückt auch die eigene negative Einstellung zu dieser Person aus.
(Riesel) Arten der SB:
1.absolute
2.kontextuale
1. Absolute SB findet man beim absoluten Gebrauch isolierter lexikalischer Einheiten, die unabhängig vom Kontext sind (paradigmatisch; auf der Ebene der Sprache, im Stilwörterbuch fixiert), z.B.: betrügen - lügen - schwindeln (umg.) - sohlen (salopp-umg., landschaftl.).
2. Kontextuale SB wirkt nicht isoliert, sondern ist von verschiedenen Stilfärbungen und anderen stilistischen Faktoren des Textes beeinflusst, zu denen das Wort in semantische und syntaktische Beziehung tritt.5.Der Begriff „Stil“. Stil der Sprache und Stil der Rede. Der Begriff „Funktionalstil“. Stilzüge. Stilarten.Stil - die Art und Weise des sprachlichen Ausdrucks.
Stil: eine objektive und eine subjektive Seite
Stilmittel (Stilistika) sind elementare stilistische Einzelvarianten des Sprachgebrauchs. Beispiele dazu sind z.B. onomatopoetisches Wort (plumps), Epitheton (mollige Arme), Aufzählung, Wiederholung u.a.m.
Stilzüge - Komplexe von Stilelementen, die auf charakteristische Weise zusammenwirken und die über einen gemeinsamen Stilwert verfügen.
(Riesel) Stilzüge: Logik, Expressivität und Mittel der Bildkraft.
6.Wortschatz der deutschen Gegenwartssprache aus stilistischer Sicht. Thematische und synonymische Verwandtschaft der Lexik. Stilistisch un- und differenzierter Wortbestand.читать дальшеWortschatz: thematische Gruppen (Wortfelder) => [zerfallen] in einige thematische Reihen => [aufstellen (выстраиваться)] synonymische Reihen
Wortbestand in 2 Gruppen einteilen: in den stilistisch undifferenzierten und in den stilistisch differenzierten
Merkmale des undifferenzierten Wortbestandes: Allgemeinverständlichkeit, Allgemeingebräuchlichkeit, stilistische Neutralität.
Der stilistisch differenzierte Wortbestand (Untergruppe):
1. die stilistisch-kolorierte Lexik, d.h. Wörter und Wendungen, die solche normative funktionale oder expressive absolute Stilfärbung aufweisen, die ihren Gebrauch in der Rede einschränkt.
Wörter mit der expressiven Stilfärbung "scherzhaft", "abwertend", "verhüllend" finden keine Verwendung in der Sachprosa.
2. die charakterologische Lexik, es sind Spracheinheiten, die nicht allen Deutschsprechenden bekannt sind, sie bringen zum Ausdruck verschiedene territoriale (regionale, landschaftliche), berufliche, zeitliche (historische), soziale, nationale Varianten in der Sprache.
"Das Kolorit" - eine Atmosphäre, die für bestimmte Zeit oder bestimmte Gegend, für bestimmte Ereignisse und Situationen kennzeichnend ist.
Typisierende Kolorite: zeitliche, nationale, territoriale, soziale, berufliche-kennzeichnen.
Soziolekt - die Gesamtheit aller Arten der typisierenden Kolorite in der Rede der Menschen oder der Romanfiguren.
Idiolekt - die individuelle Rede eines Menschen oder einer Figur.7.Stilistische Charakteristik des deutschen Wortschatzes. Das stilistische Kolorit. Stilistisch kolorierte Lexik.читать дальшеKolorit - die für konkrete Ereignisse, Sachverhalte und Situationen charakteristische Atmosphäre, die dank der sprachlichen Eigenart ihrer Wiedergabe fühlbar wird.
(Riesel und Schendels) Kolorit - «die für konkrete Ereignisse, Sachverhalte und Situationen charakteristische Atmospäre, die dank der sprachlichen Eigenart ihrer Wiedergabe fühlbar wird».
Stilistisch kolorierte Lexik, d.h. Wörter und Wendungen mit absoluter Stilfärbung, die ihre Konnotationen auch kontextfrei, bei ihrer bloßen Nennung offenbaren.
Die absolute Stilfärbung ist eine dem Sprachsystem innewohnende linguistische Erscheinung.
Z.B.: niemand (war gekommen) – normalsprachlich, kein Mensch, keine Seele (war gekommen) – umgangssprachlich-literarisch, kein Teufel, kein Hund (war gekommen) – umgangssprachlich-salopp, kein Aas (war gekommen) – umgangssprachlich-grob (vulgär).
Kolorit:
a) das historische
b) das nationale
c) das soziale
d) individualisierende8.Charakterologische Lexik. Archaismen. Historismen. Neologismen. Modewörter.читать дальшеCharakterologischer Lexik - Wörter und Wendungen, die zeitliche, territoriale, berufliche, soziale und nationale Gegebenheiten charakterisieren.
Zu den zeitlich beschränkten Schichten des Wortbestandes gehören:
Historismen und lexische Archaismen, d.h. Wörter und Wendungen, die aus dem Verkehr gezogen werden, weil sie – vom Standpunkt der Gegenwart aus – veraltet sind: Coupe (Abteil), Aviatiker (Flieger), Oheim für Onkel.
Neologismen - neue Wörter, die zu einem bestimmten Zeitpunkt auftauchen.
In drei Gruppen eingeteilt:
a) Neologismen bestimmter Zeitabschnitte: Internet, E-mail (seit 99-er Jahre);
b) einmalige Neologismen, Einmalbildungen, okkasionelle Neologismen: die Montagmorgenstadt: laut, volkreich, lebendig;
c) vorübergehende Neologismen: Arbeiter-und Bauern-Fakultät, Brigade der sozialistischen Arbeit (DDR-Lexik).
Neologismen:
1.Kurzwörter: HO – Handelsorganisation;
2.wissenschaftliche Termini: H-Bombe – Wasserstoffbombe;
3.Begriffe des Alltags: Moped – Kleinfahrzeug mit Motor und Pedal.
Modewörter: fabelhaft, sagenhaft, toll, erstklassig, phantastisch (fantastisch), bombastisch, kolossal, global, in der letzten Zeit – echt, cool, geil, gut, sexy, Das ist der Hammer! Absolute Spitze!9.Charakterologische Lexik. Dialektismen. Nationale Sprachvarianten.Dialektismen - nichtliterarische Wörter und Wendungen, beschränkt auf einen ganz engen Kreis dieser oder jener Mundart.
Problem der nationalen Sprachvarianten. Deutsch spricht man nicht nur in Deutschland, sondern auch in Österreich, in Teilen der Schweiz, in Lichtenstein und Luxemburg.
10.Charakterologische Lexik. Argotismen. Vulgarismen. Soziale Jargonismen.Argotismen - Wörter des Argot (Sonderlexik), d.h. Wörter einer Sonderlexik volksfremder Elemente, eine Art Geheimlexik, künstlich zusammengestellt teils durch Umdeutung und Entstellung des gemeinsprachlichen Wortschatzes, teils durch Entlehnung aus Fremdsprachen.
Z.B.: die Polizei heißt „die Polente“, die gestohlene Ware – „heiße Ware“, der Dieb – „der Ganove“, das Gefängnis – „der Knast“.
Sobald einzelne Argotismen aus den engen Kreisen der deklassierten Elemente in die allgemeine Volkssprache eindringen und den breiten Massen verständlich werden, werden sie zu Vulgarismen. („mies“)
Die sozialen Jargonismen - die spezifische Lexik bestimmter Kreise von Menschen, die sich bewusst von ihrem Sprachkollektiv absondern wollen: die sog. Oberschichten (Adel, Großbourgeoisie, „hohes“ Militär).
11.Charakterologische Lexik. Berufslexik. Termini. Berufsjargonismen.Unter Fachausdrücken (Fachlexik) versteht man
читать дальше1) Termini verschiedener Wissensgebiete: Intoxikation (Medizin), Kernspaltung (Physik), Alliteration (Philologie);
2) Berufslexik verschiedener Berufsspären (Proffesionalismen): sichtiges Wetter (Seemanssprache), d. h. klares Wetter für die Seeausfahrt;
3) funktionalstilistisch gefärbte Lexik nichtterminlogischen Charakters. Das sind z. B. Adverbien und Präpositionen, deren Gebrauch sich nur auf bestimmte Stile beschränkt, wie etwa im Amtsstil verbindlichst, behufs, zwecks, gemäß; Substantive auf -nahme und -zwecks: etwas als Nachnahme schicken (unter Einziehen der Kosten vom Empfänger), in Bedachnahme auf bereits erfolgte Zahlung.
Berufsjargonismen bilden einen Grenzfall zwischen Proffesionalismen und Jargonismen.
Z.B.: Die scherzhaften Ausdrücke Gänse anstatt Gänsefüßchen (unter Korrektoren), Manus anstatt Manuskript (unter Redakteuren und Journalisten).12.Charakterologische Lexik. Fremdsprachige Wörter. Internationalismen, Fremdwörter. Realien.читать дальшеDie fremdsprachigen Wörter (Internationalismen, Fremdwörter) - eindeutige Bezeichnungen, die dazu verhelfen, bestimmte Erscheinungen der Wirklichkeit möglichst klar und sprachökonomisch auszudrücken.
Internazionalismen wie Elekrizität, antik oder allgemeinverbreitete Fremdwörter wie Friseur, Installateur, Modewörter wie prima, kolossal.
Exotismen - Wörter, die zur Bezeichnung von spezifisch nationalen, fremdländischen Erscheinungen usw. dienen.
Z.B.: das Judo, das Karate, das Aikido, Ikebana, Tamagotschi. Die russischen Exotismen: der Mushik, die Troika, der Wodka, der Samowar, die Papirossa, der Ukas, der Kwas…
„Realienwörter“ oder ''Realienbezeichnungen''
Die Realien, d.h. Tatsachen aus den verschiedensten Wissens- und Lebensgebieten angeben.
Dazu gehören Namen von politischen und kulturellen Organisationen, Titel, Kulturdenkmäler, nationale Speisen und Getränke, nationale Kleidung, mythologische Namen, geographische Namen usw.14.Grammatik der deutschen Gegenwartssprache aus stilistischer Sicht. Allgemeine Gesetzmäßigkeiten der stilistisch markierten Wortfolge im deutschen Satz.Verbale Metaphern - die Verben können sogar das Leblose beleben, wenn man die Gegenstände personifiziert, ihnen Bewegungen, Gefühle, Handlungen zumutet: Die Sterne zittern… Da trudelte der Mond über die Dächer... Die Fensterflügel miaute.
“Streckformen” werden sehr oft in der offiziellen Sachprosa und der Publizistik gebraucht: zur Kenntnis bringen, in Kenntnis setzen, zur Kenntnis nehmen, Kenntnis bekommen (erhalten, erlangen).
Substantivische Metapher: Dieser steinerne Wald von Häusern.
Adjektivische Metapher: ängstliche Fenster, blinde Hände, ein sehr müdes Meer.
15.Grammatik der deutschen Gegenwartssprache aus stilistischer Sicht. Besondere Arten der stilistisch kolorierten Wortfolge.читать дальшеAbarten der stilistisch kolorierten Wortfolge:
1.Prolepse
2.Nachtrag
3.Parenthese
4.Aposiopese.
1. Die Prolepse - die Wiederaufnahme eines Substantivs durch ein Pronomen oder Adverb, bei völliger Absonderung dieses Substantiv in Spitzenstellung (mit oder ohne Komma): Mein Vater, der ist in der Arbeit, und meine Mutter, die ist auf den Markt gegangen.
Das Substantiv, das besonderen semantisch-expressiven Nachdruck erhalten soll, steht im Nominativ, durch eine Pause von dem nachfolgenden Neuansatz getrennt: Die Kinder, sie hören es gerne.
2. Der Nachtrag - die Wiederaufnahme eines Pronomens oder Adverbs durch ein Substantiv in abgesonderter Endstellung.
Das Substantiv oder eine Wortgruppe werden abgesondert, während das Pronomen oder Adverb dem Substantiv vorangehen: Dem werde ich ’s geben, diesem Kerl. Oh, dass sie ewig grünen bliebe, die schöne Zeit der jungen Liebe. Das Substantiv kann noch durch einen Nebensatz präzisiert werden: Wer hatte sievertrieben, die Angst, die die Menschen fraß?
3. Die Parenthese - Schaltsätze, -gruppen, -wörter, die mitten in den Satz eingeführt werden. Graphisch wird der eingedrungene Schaltsatz durch Komma, Gedankenstrich, in der Klammer vorne und hinten bezeichnet.
Wie schnell sie ist. Ich schau nur weg, und, hast du nicht gesehen, hat sie schon die Finger danach ausgestreckt.
4. Aposiopese - alle Fälle von plötzlichem Abbruch: Dass dich - ! Hol dich - ! Wart, ich will dich! Das wäre!
Der Sprechende setzt zu einem erregten Ausdruck an (Dass dich der Teufel hol! – Da soll doch gleich der dreinfahren! – Das wäre doch eine Gemeinheit!), beherrscht sich jedoch und spricht nicht zu Ende.
Der plötzliche Abbruch wirkt aber vielleicht noch mehr, als wenn der Satz zu Ende gesprochen würde.
Die Aposiopese - dazu geschaffen, Spannung und Neugier zu erwecken.16.Grammatik der deutschen Gegenwartssprache aus stilistischer Sicht. Wortarten aus stilistischer Sicht. читать дальшеStilwerte des Verbs, des Adjektivs, des Substantivs.Verbale Metapher: „Sprache“ – „Die Sonne spricht zu uns mit Licht. Mit Duft und Farbe spricht die Blume. Mit Wolken, Schnee und Regen. Spricht die Luft“.
Adjektivische Metapher: „ängstliche Fenster“, „blinde Hände“, „ein sehr müdes Meer“.
Farbenmetaphern: „blaue Gedanke“.
Der Artikel - Hauptträger zum Ausdruck der Kategorie der Bestimmtheit und Unbestimmtheit.
In der Alltagsrede bedeutet der Artikel vor Eigennahmen das intime Verhalten zu einer gut bekannten Person. In Still der öffentlichen Rede werden die Substantive in der Regel ohne Artikel gebrauch, z.B „Eintritt verboten“, „Sprechstunde von 9 bis 5“.
17.Phonetik aus stilistischer Sicht. Intonatorisch-stilistische Fragen. Stilistisch bedingte Besonderheiten der Aussprache.читать дальшеIntonatorisch-stilistische Fragen
Funktionen der Intonation:
1) Hinweis auf die emotionale Beteiligung des Sprechenden am Gesagten,
2) Hinweis auf den Geltungsgrad der Aussage (Zweifel, Überzeugung, Wunsch);
3) Steigerung der Aufmerksamkeit.
Stilistisch bedingte Besonderheiten der Aussprache
Die Aussprache bei öffentlicher Rede (und auf der Bühne) zeichnet sich durch das verlangsamte Tempo, die klar ausgesprochenen Laute, deutlich voneinander abgegrenzte Wörter aus.
z.B. runter (statt “herunter”), warn (statt “waren”), ich hab’ (statt “ich habe”)
Einige Besonderheiten der Aussprache dienen zur Gestaltung des Sprachporträts, und zwar zur territorialen und zur individuell-psychologischen Charakteristik.
Die Dehnung der Vokale und Konsonanten ermöglicht Ausdruck verschiedener Emotionen, z.B. Rrraus! (ein Wutanfall). Eine starke Erregung verursacht Stottern, z.B. V-Vater? M.. mit m.. meinem V… Vater?18.Phonetik aus stilistischer Sicht. Stilistische Möglichkeiten der Klangstilmittel.читать дальшеKlangstilmitteln:
1.die Lautmalerei
2.die Alliteration
3.die Assonanz
1. Lautmalerei (звукоподражание) - die bewusste Verwendung gewisser Laute zum stilistischen Effekt.
“muhen” (мычать), “brummen” (рычать, реветь)
2. Alliteration - die Wiederholung desselben Konsonanten im Anlaut gehört zu der altertümlichen Tradition der germanischen Dichtung.
Sie findet sich oft in alten Zwillingsformeln: durch dick und dünn (напролом), bei Wind und Wetter (в непогоду, в ненастье), über Stock und Stein (очертя голову, сломя голову, напролом).
3. Assonanz (der innere Reim) - die Wiederholung derselben Vokale im Inlaut.
Man findet sie auch oft in den Zwillingsformeln “ganz und gar”, “von echtem Schrot und Korn” (старой закалки).
Der phonetische Parallelismus im Auslaut ist das Hauptprinzip des modernen Reims.19.Mittel der Bildkraft. Zwei Komponenten des Begriffs „Bildkraft“. Begriffe der Stilfigur, des Tropus und Sprachbildes.читать дальше(Riesel) Bildhaftigkeit - „jede anschaulich-sinnfällige Darstellung eines Gegenstands oder einer Erscheinung“.
Mittel der Bildhaftigkeit:
- die richtige Wortwahl aus thematischen und synonymischen Reihen;
- die passende funktionale Verwendung der lexikalischen Schicht;
- die Wahl der entsprechenden normativ-expressiven Stilfärbung usw.
Bildhaftigkeit (наглядность) - die Wirkung aller Wörter des Sprachsystems, die Gegenstände, Vorgänge und Erscheinungen der wahrgenommenen Realität außerhalb des Kontextes so lebendig in unserem Bewusstsein reproduzieren, dass sie Gesichts-, Gehörs-, Geruchs-, Geschmacks- und Tastenempfindungen hervorrufen.
Das Verb «nippen» enthält neben dem denotativen Grundsem „trinken“ die lexischen Zusatzelemente „in kleinen Schlucken“, „mit Pausen“.
(Riesel) Bildlichkeit (образность, фигуральность) - „das Ergebnis eines Zusammentreffens zweier Begriffe aus verschiedenen Begriffssphären, das Werden einer neuen begrifflichen Qualität durch Nebeneinanderstellung oder Austausch eben dieser zwei in Verbindung geratenen Begriffe.“
Der Tropus - Mittel des bildlichen Ausdrucks auf Grund übertragener Bedeutung. Zwei Wörter werden in diesem Fall nicht – wie beim Vergleich – nebeneinandergestellt, sondern eins durch das andere ausgetauscht.
Unter dem Tropus versteht man:
1. die Übertragung der Namensbezeichnung von einem Gegenstand auf einen anderen, von einer Erscheinung auf eine andere unter der Voraussetzung, dass es eine Ähnlichkeit gibt. In diesem Fall sprechen wir von der Metapher;
2. den Ersatz der Namensbezeichnung durch eine andere, wenn es eine logische Verbindung gibt. In diesem Fall sprechen wir von der Metonymie.
Sprachbild - sprachliche Äußerung, in der das Gemeinte bildlich und nicht wortwörtlich oder in einer „bildhaften Figur“ ausgedrückt wird.20.Mittel der Bildkraft. Struktur und Stilwerte des Vergleichs.читать дальшеDer Vergleich verbindet zwei Wörter aus verschiedenen Begriffsbezirken und ruft durch die bloße Nebeneinanderstellung sprachökonomisch eine Fülle von bildhaften Assoziationen hervor.
Jeder Vergleich besitzt eine Vergleichsbasis, d. h. das Dritte des Vergleichs; das Verbindende, das Gemeinsame zwischen den beiden Komponenten des Vergleichs.
(trüb das Wetter, trüb die Stimmung, trüb der Gesichtsausdruck)
1. Nach der pragmatischen Wirkung:
a) rational präzisierende Vergleiche (direkte Vergleiche, Sachvergleiche), d. h. Vergleiche aufgrund direkter (eigentlicher) Bedeutung, mit rationaler, objektiv-präzisierender Aussageabsicht: Mein Sohn ist ebenso groß wie der Vater.
b) metaphorisch-hyperbolische Vergleiche (bildliche Vergleiche), d. h. Vergleiche aufgrund metaphorischer, uneigentlicher Bedeutung, meist hyperbolisch zugespitzt, emotional und subjektiv bewertend: Du hast ja Nerven wie Stricke, sagt man bewundernd zu einem nervenstarken Menschen.
2. Nach der Struktur:
a) einfache Vergleiche
b) erweiterte Vergleiche
3. Nach der Häufigkeit und Verbreitung:
a) gemeinsprachliche (usuelle, konventionelle) Vergleiche: leicht wie eine Feder, stark wie ein Bär
b) individuelle (okkasionelle, kreative, spontane) Vergleiche21.Mittel der Bildkraft. Strukturen und Funktionen der Metapher. Stilwerte besonderer Arten der Metapher.читать дальшеMetapher - die Übertragung der Namensbezeichnung von einem Gegenstand auf einen anderen, von einer Erscheinung auf eine andere, unter der Voraussetzung, dass es eine äußere oder innere Ähnlichkeit gibt.
Die Metapher ist also ein Tropus, welchem eine äußere oder innere Abhängigkeit zugrunde liegt wie in folgendem Beispiel: Die Welt ist ein großer, unermesslicher Magen und braucht leichte, weiche, bewegliche Menschen, die er in seinen Kanälen verarbeiten kann.
Nach der Häufigkeit und Verbreitung:
a) verblasste („tote“) Metaphern: Feder als Schreibfeder oder Bestandteil einer Maschine.
Fleischwolf (мясорубка): Gerät, das Fleisch zerkleinert
b) gemeinsprachliche (usuelle) Metaphern: Die Sirenen heulen bei Feueralarm auf (Vergleichsbasis – Klangart).
c) individuelle (kreative) Metaphern: Auf deiner Wange steht endgültiger Abschied [Strittmatter].
Nach der Struktur:
a) knappe Metaphern: Angst flatterte in seinem Gesicht.
b) erweiterte Metaphern: Er rührte an den Schlaf der Welt mit Worten, die wurden Maschinen, wurden Traktoren, Häuser, Bohrtürme und Minen …
c) ausgebaute/geschlossene Metaphern: Der eine war ihr zu dick. «Das Weinfass!» sprach sie … Der vierte zu blass, «Der bleiche Tod!», der fünfte zu Rot, «Der Zinshahn!», der sechste war nicht gerad genug, «Grünes Holz, hinterm Ofen getrocknet!»
Für die morphologische Gliederung der Metaphern lassen sich drei Gruppen bilden:
1. substantivische Metaphern (Schafskopf), unter anderem Genitivmetaphern (das Gold der Haare, die Früchte des Zornes);
2. adjektivische Metaphern (schwarze Gedanken, goldene Worte);
3. verbale Metaphern (Die Natur erwacht. Das Meer jubelt);
4. partizipiale Metaphern (das erschöpfte Thema, die erstickende Atmosphäre).
Arten der Metapher:
1.Personifizierung (Entpersonifizierung)
2.Allegorie
3.Symbol
4.Synästhesie
5.Antonomasie
1. Personifizierung (Personifikation, Verlebendigung) - die Übertragung menschlicher Eigenschaften, Merkmale und Handlungen auf tierische und pflanzliche Organismen sowie auf Nichtlebewesen, d.h. die Übertragung von Eigenschaften eines Lebewesens auf ein unbelebtes Wesen: die Uhr schlägt, die Blumen flüstern zärtlich, der Wind singt.
Das alte Jahr nimmt Abschied, das neue Jahr zieht ein; das Glück ist blind.
Entpersonifizierung - eine Art der Metapher, die Lebewesen als Gegenstände bezeichnet: Du, Nummer 432, Menschlein, wobei das Suffix – lein das Motiv der „Entmenschlichung“ sprachlich signalisiert.
2. Allegorie - eine Art der Personifizierung betrachtet werden. Es handelt sich um Verbildlichung von Ideen und abstrakten Begriffen, von Naturgeschehen und Naturgewalten (meist Verlebendigung in Menschengestalt). Der Ausgangspunkt der Allegorisierung ist also ein abstrakter Begriff.
Frau Sorge „госпожа забота“
3. Symbol grenzt an die Allegorie. Den Ausgangspunkt zur Entstehung des Symbols bildet ein Gegenstand, eine Pflanze, ein Tier, seltener ein Mensch. Es können auch reale Vorgänge aus dem Leben der Gesellschaft als Basis des Symbols benutzt werden.
Kreuz als Symbol des Christentums, Taube als Symbol des Friedens, Ritter als Symbol der Tugend, Eule als Symbol der Weisheit, Rabe als Symbol der Langlebigkeit
Die Farbe kann zum Symbol der Emotionalität werden: rote Rosen, aber rote Literatur.
4. Synästhesie - die Verbindung von zwei verschiedenen Sinnesempfindungen, wobei eine von ihnen übertragene Bedeutung annimmt: seidene Stimme. Hier wird die Vorstellung durch Tast- und Gehörsempfindungen gebildet.
In der Synästhesie kann eine beliebige Vereinigung von Sehen, Hören, Schmecken, Riechen und Tasten vor sich gehen: helle/dunkle Töne, giftige/kalte/warme Farben; duftende Stimme.
5. Antonomasie entwickelt sich auf der Basis des Personennamens.
Antonomasie - die metaphorisch-symbolische Verwendung bestimmter Eigennamen als Substitution der damit verbundenen Eigenschaften, Charaktertypen.
einen eifersüchtigen Mann Othello, einen Kämpfer gegen das Böse Don Quichotte, einen leidenschaftlichen Frauenliebhaber Don Juan
Zur metaphorischen Antonomasie gehören auch die so genannten „sprechenden Namen“. Z.B. heißt der erste Mann von Tony Buddenbrook bei Thomas Mann Grünlich, was im Deutschen Assoziationen mit grün als „noch wenig Erfahrung besitzend“ (oft abwertend) hat.22.Mittel der Bildkraft. Struktur und Funktionen der Metonymie.читать дальшеDie Metonymie - die Übertragung aufgrund räumlicher, zeitlicher, stofflicher und logischer Beziehungen. Hauptkriterium ist ein Austausch zweier Begriffe aus unterschiedlichen Sinnbereichen.
Die Vertauschung zweier Wörter aus verschiedenen Begriffsbezirken beruht:
1. auf einem Raumverhältnis: Die ganze Universität kam zur Jubiläumsfeier. (anstatt: alle Professoren und Studenten kamen …);
2. auf einem Zeitverhältnis: Das Zeitalter der Technik fordert… (anstatt: die Menschen dieses Zeitalters);
3. auf einem Stoffverhältnis: Traube anstatt Wein, Stahl anstatt Dolch, Nerz anstatt Mantel aus Nerz;
4. auf einem Kausalverhältnis: Zunge anstatt Sprache, Hand anstatt Handschrift.
5. auf einem Symbolverhältnis: Taube anstatt Friede, Herd anstatt Haus.
6. auf einem assoziativen bzw. logischen Verhältnis: Der neue Besen (die Putzfrau) ist noch nicht gekommen; eine giftige Blume (unbeliebte alte Lehrerin); eine Röntgenbluse (durchsichtige Bluse).
7. auf einem Qualitätsverhältnis (zwischen Eigenschaft/Qualität und Eigenschafts-/Qualitätsträger): Dunkles Blau (d.h. dunkelblauer See) wächst jetzt aus dem Schilf (Erwin Strittmatter).
8. auf einem onomastischen Zusammenhang (metonymische Antonomasie): Mein Freund hat sich einen Opel/Ford/Peugeot gekauft.
Fritz/Hans (Deutscher), Iwan (Russe).
9. auf der Basis der Quantitätsverhältnisse (die sogenannte Synekdoche) - «Teil für das Ganze» (Pars pro Toto): Mein Fuß (anstatt: ich) betritt nicht mehr diese Schwelle.
Synekdoche - das Ersetzen eines semantisch weiteren Ausdrucks durch einen semantisch engeren Ausdruck und umgekehrt.
Die Synekdoche erscheint in mehreren Variationen:
• die Übertragung des Ganzen auf seinen Teil (das so genannte Pars pro Toto)
Dieser kluge Kopf (d.h. diese kluge Person)
Als eine besondere Art der Synekdoche (Pars pro Toto) gilt das Bahuvrihi: ein metonymisches Bild, in dem ein Lebewesen bzw. eine Person durch einen Körperteil oder ein charakteristisches Kleidungsstück benannt werden.
Die Bahuvrihis kommen vor allem in den volkstümlichen Genres, z.B. in dem Märchen vor: Rotkäppchen, Langohr (Hase).
• die Übertragung des Teils auf das Ganze (das so genannte Totum pro Parte)
Deutschland (die deutsche Fußballnationalmannschaft)
Die gestrige Gesellschaft = ein paar Menschen
• die Übertragung der Mehrzahl auf die Einzahl (Numerus-Beziehung)
Der Russe und der Deutsche (anstatt: Russen und Deutschen) waren Gegner im 2. Weltkrieg.23.Mittel der Bildkraft. Arten und Stilbedeutungen des Epithetons.читать дальшеDas Epitheton - jede Merkmalsbestimmung eines Substantivs, durch die der betreffende Begriff entweder logisch-sachlich konkretisiert oder emotional eingeschätzt wird.
Epitheta können nach dem Inhalt unterschieden werden.
1. Konkretisierende (logisch-sachliche) Epitheta geben die sinnlich wahrnehmbaren Merkmale an (die Vorstellung von Farbe, Form, Klang, Geruch und anderen Sinnesempfindungen): Auf dem Tisch stand eine hohe grüne Vase.
2. Bewertende (emotionale) Epitheta offenbaren die persönliche Einstellung des Sprechenden zum Gegenstand der Darstellung: ein schrecklich interessanter Roman, mächtiges Glück.
3. Stehende Epitheta bilden mit ihrem Begriff eine formelhafte Verbindung: grünes Gras, kühler Brunnen, tiefes Tal, feines Liebchen, böse (alte) Hexe, buckliges Männlein, stolzer (grausamer) König.
4. Lieblingsepitheta sind Epitheta, die zu einer bestimmten Zeit, innerhalb eines bestimmten Kollektivs, von bestimmten sozialen Gruppen, von bestimmten literarischen Richtungen und einzelnen Dichtern häufig gebraucht werden: ein fabelhaftes Buch, ein fabelhaftes Konzert, ein süßes Kind, süße Augen.
5. Tautologische Epitheta sind solche Beiwörter, die von ihrem substantivischen Begriff ein Merkmal hervorheben, das schon in ihm selbst enthalten ist: ein Riese von ungeheurer Gestalt, eine Tarnkappe, die unsichtbar macht.24.Mittel der Bildkraft. Arten und Stilwerte der Umschreibung. Stilistische Aufgabe von besonderen Arten der Umschreibung.читать дальшеZu den Mitteln der Umschreibung gehört vor allem die stilistische Periphrase.
Die stilistische Periphrase - die sekundäre Nominierung eines Denotats entweder durch Hervorhebung charakteristischer Merkmale, Eigenschaften, Tätigkeiten, Wirkungen (Rom – die Stadt der sieben Hügel) oder durch Verbildlichung in uneigentlicher Rede (die Ostsee – das Meer des Friedens), d.h. die Umschreibung der üblichen Bezeichnung einer Sache, Person, eines Vorgangs oder einer Erscheinung durch ein anderes Wort oder eine Wendung, die wesentliche oder charakteristische Eigenschaften des betreffenden Gegenstandes ausdrücken.
Zahlreiche logische Periphrasen: das Land, wo die Zitronen blühen – Italien (poetisch-emotional); Stadt an der Elbe/Elbmetropole/Elb-Athen/Elb-Florenz – Dresden; das Land der Pyramiden – Ägypten; der Dichter der Ilias – Homer, der Dichter des Faust – Goethe.
Gemeinsprachliche metaphorische Periphrasen: König der Lüfte (Adler), Beherrscher des Olymps/Olympier (Zeus)
Der Struktur nach unterscheidet man:
- einfache Umschreibungen (überwiegend Wortgruppen oder Komposita): Tochter des Himmels – der Mond, der Korse – Napoleon;
- erweiterte Umschreibungen (in Satzform): geographische Untersuchungen in fremden Taschen machen (Taschendiebstahl), wirkendes Mitglied einer öffentlichen Spinnanstalt werden (Strafanstalt).
Umschreibungen:
1. Euphemismus – eine Periphrase, die den Zweck hat, etwas Unangenehmes angenehmer darzustellen, etwas Unhöfliches höflicher, etwas Schreckliches harmloser auszudrücken: Eier – Fliegerbomben, Eierlegen – Bombenabwurf, rollende Konservenbüchsen – allerlei Arten von schweren Panzern, der Schwarze – der Teufel.
2. Die Litotes – eine Periphrase auf Grund von Verneinung. Man versteht darunter verneinende Periphrase mit verstärkt positiver Aussageabsicht: Das ist nicht übel – Das ist sehr gut, Diese Idee ist so dumm nicht! Sie ist gar nicht dumm! – Die Idee ist sogar sehr klug.
3. Die Hyperbel – die Darstellung des Sachverhalts in übertriebener Form: todmüde anstatt müde, es regnet wie in Strömen anstatt es regnet stark, eine Ewigkeit warten anstatt lange warten:
ich habe dir das schon tausendmal gesagt, bitte tausendmal um Entschuldigung, der Tausendfuß / der Tausendfüßler – сороконожка.
Übertreibung: feinst, hochfein, extrafein, superfein, prima, extraprima.
Untertreibung – die Meiose: Er hat nur zwei Worte zum Thema gesagt; Trinken wir einen Tropfen Wein!
4. Ironie (im engeren Sinne) ist die Umschreibung durch Gegenteil.
Das Wetter ist ja wirklich prachtvoll! – sagt man, wenn man, gebadet wie eine Maus, aus dem regentriefenden Mantel schlüpft.
Logische, nüchtern-trockene Periphrasen: “Schreiber dieses Briefes" statt "ich", "Apenninenhalbinsel" statt "Italien", "der wahnsinnige Verbrecher" statt „Hitler.25.Lexisch-grammatische Stilfiguren. Strukturen und Stilwerte der Aufzählung.Art der Wiederholung:
Die Aufzählung - eine Kette von gleichartigen Bezeichnungen der Gegenstände, Handlungen, Merkmale: An der Neujahrstanne hingen viele Äpfel, Nüsse, Apfelsinen, Backwerk und noch viele andere gute Sachen.
Die Klimax ist eine steigende Aufzählung einzelner Wörter (Redeteile): Es regnete stundenlang, nächtelang, tagelang, wochenlang (+ Antiklimax).
26.Lexisch-grammatische Stilfiguren. Arten und Stilbedeutungen der Wiederholung. Stilbedeutungen der Antithese und des Chiasmus.читать дальшеWiederholungen: lexikalische, grammatische und phonetische.
Lexikalische Wiederholung ; Synonymische Wiederholungen:
a) Pleonasmus – Wiederholung eines Begriffs durch zwei verschiedene grammatische Redeteile: ein alter Greis, ein armer Bettler.
b) Tautologie – Wiederholung des Begriffs durch zwei gleiche grammatische Redeteile oder Dienstwörter: Hohn und Spott, angst und bang, Pinkepinke, soso, Singsang, wortwörtlich, immer und ewig, Feuer und Flamme.
Abart der lexikalischen Wiederholung: Kompositorische Wiederholungen sind Mittel des Textaufbaus.
Abarten der kompositorischen Wiederholung:
1.Anapher
2.Epipher
3.Rahmen- oder Ringwiederholung
4.Anadiplose
1. Anapher - die Wiederholung desselben Wortes, oder derselben Wortgruppe an der Spitze der Sätze: Da wurde sie bestürzt … Da sprach sie …
2. Epipher - Wiederholung des letzten Wortes oder der letzten Wortgruppe am Ende mehrerer Sätze: Er tut das alles mit Anteil, er isst beflissen, trinkt beflissen, liest beflissen.
3. Die Rahmenwiederholung (Ringwiederholung) besteht in der Wiederkehr derselben Sprachelemente am Anfang und am Ende eines Satzes: Warum hast du mich allein gelassen, warum?
4. Anadiplose - die Wiederholung eines Satzelementes, das am Ende des Satzes steht, an der Spitze des nächsten Satzes: Oder es war der Regen? Der Regen auf den dunkelroten Ziegeln.
Leitmotiv - eine mehrmalige, sinntragende Wiederholung eines Sprachelementes mit dem Textthema relevanten Inhalt.
Grammatische Wiederholung
Gruppe von stilistischen Verbindungsmöglichkeiten: Parallelismus und Antithese.
1. Parallelismus - die symmetrische Stellung gleichartiger Satzglieder oder ganzer Sätze, d. h. symmetrische Wiederholung der grammatischen Strukturen: Und keiner weiß: wohin? Und alle fahren: mit.
2. Als Gegenstück zum Parallelismus betrachtet man die Gegensatzfiguren:
a) Die Antithese, auch Kontrast genannt. Eine Antithese entsteht durch Gegenüberstellung zweier Begriffe, die auf einer logischen Ebene liegen: N. ist ein guter Dramatiker, aber ein mäßiger Lyriker.
Auf «schiefen» (unlogischen) Antithesen werden zahlreiche volkstümliche Scherze und geflügelte Worte aufgebaut: «Spielen Sie Klavier?» – «Nein, aber meine Großmutter schreibt Romane.»
b) Der Chiasmus - Kreuzstellung von Satzgliedern, d.h der Chiasmus entsteht dadurch, dass zu einer Antithese eine zweite hinzutritt, aber umgekehrten Inhalts: … dass in Bologna die kleinsten Hunde und die größten Gelehrten, in Göttingen hingegen die kleinsten Gelehrten und die größten Hunde zu finden sind.
Brecht das Doppeljoch entzwei! Brecht die Not der Sklaverei! Brecht die Sklaverei und Not! Brot ist Freiheit, Freiheit – Brot; … das war kein Schnee, es waren Blumen, Schneeblumen, Blumenschnee.27.Mittel zum Ausdruck von Humor und Satire. Stilistische Möglichkeiten des Wortwitzes.Kontextualen Mitteln im Dienst von Humor und Satire:
Wortwitze (Doppelsinn und Wortspiel): Weißkohl, Rotkohl, Blumenkohl
Das Wortspiel - ein Spiel mit gleich oder ähnlich klingenden, aber in der Bedeutung unterschiedlichen Wörtern: Gib Opi nie viel Opium, denn Opium bringt Opi um.
28.Mittel zum Ausdruck von Humor und Satire. Stilwerte der Wortverbindungen mit Überraschungs– und Verfremdungseffekt.читать дальшеUnter «unlogischen Verbindungen» versteht man eine bestimmte Zusammenstellung von inhaltlich nicht zueinander passenden Wörtern, Wortgruppen und Sätzen.
Zu den Fügungen mit scheinbarer Unlogik gehören:
1.Oxymoron
2.Zeugma
3.Falschkoppelung
1. Das Oxymoron – die scheinbar widersinnige Verbindung von Gegensätzen, deren Vereinigung wieder eine sinnvolle Ganzheit ergibt. Dieses Stilmittel ist dazu berufen, widersprüchliche Erscheinungen der Wirklichkeit expressiv und emotional widerzuspiegeln.
Das Oxymoron wird sprachlich ausgedrückt:
1. durch eine kopulative Zusammensetzung: dummklug, Freundfeind;
2. durch ein attributivisches Verhältnis: hässliche Schönheit, bittere Freude.
ein weißer Rabe „große Seltenheit“, ein lebender Leichnam „völlig verfallener oder innerlich toter Mensch“, weiße Kohle „Wasserkraft“
2. Das Zeugma – die bewusste Vereinigung begrifflich unvereinbarer Wörter, grammatisch durch gleichartige Satzglieder ausgedrückt. Diese Wörter können durch ein gemeinsames Verb oder Adjektiv verbunden sein, sie können aber auch unverbunden als bloße Aufzählung erscheinen. Die semantische Unverträglichkeit entsteht:
Die Stadt Göttingen, berühmt durch ihre Würste und Universität.
Diese Stadt hatte 40 000 Einwohner, ein Rathaus, 21 Kaffeehäuser, eine Synagoge, ein Zuchthaus, ein Krankenhaus, ein ebenso gutes Theater und eine Galgen für Diebe.
3. Die Falschkoppelung - die unlogische Koppelung von Satzgliedern, aber nicht von gleichartigen wie beim Zeugma. So werden, z.B. Attribute oder Partizipien zu Substantiven gestellt, zu denen sie logisch nicht passen:
kalte Mamsell „eine Angestellte, die am Buffet kalte Speisen ausgibt“;
gebildete Umgangssprache „Umgangssprache der Gebildeten“.
Als unlogische Verbindung kann auch der sog. Schlagsatz gelten.
Schlagsatz - eine erweiterte Schlusszusammenfassung, eine Satzgruppe oder einen Satz, die durch ihren Inhalt dem Vorangehenden widersprechen und es null und nichtig machen: Die Stadt [Göttingen] selbst ist schön und gefällt einem, wenn man sie mit dem Rücken ansieht.29.Phraseologische Wortverbindungen aus stilistischer Sicht. Stilistische Möglichkeiten der Zusammensetzungen.читать дальшеFügungen, bei denen die stilistischen Kategorien Bildkraft, Emotionalität in den Vordergrund rücken – phraseologische Wortverbindungen, phraseologische Wortfügungen.
a) Idiome – Fügungen, die einen Einzelbegriff ausdrücken, deren Äquivalent demnach das Wort bildet: den Kopf in den Sand stecken, auf volle Touren kommen, etwas aus dem Stegreif tun, etwas aufs Tapet bringen.
b) Zwillingsformeln – Wortpaare, die meist einen Begriff tautologisch ausdrücken: blass und bleich, zittern und zagen, in Saus und Braus. Ein Begriff kann durch zwei thematisch nahestehende Wörter formelhaft gegeben werden: kreuz und quer, hoffen und harren, bei Nacht und Nebel.
c) Die stehenden Vergleiche haben starke Bildkraft: weiß wie Schnee, zittern wie Espenlaub, klar wie dicke Tinte, lügen wie geschmiert, wie gedruckt, wie telegraphiert. Sie sind zum überwiegenden Teil literarisch-umgangssprachlich und familiär gefärbt: störrisch wie ein Esel; wie eine Nachtigall singen.
d) Die Sprichwörter, Aphorismen, Sentenzen, Losungen – Fügungen, die einen geschlossenen Gedanken in Satzform mitteilen. Sie sind echtes Nationalgut. Wer zuletzt lacht, lacht am besten; Ende gut, alles gut.
Geflügelte Worte bedeutet, dass es sich um Aussprüche aus nachweisbaren Quellen handelt (Mythologie, Bibel, Literatur, Äußerungen von großer Dichter und Denker), um Aussprüche, die von Mund zu Mund «fliegen» und bereits feste Elemente des Wortbestands bilden: Proletarier aller Länder, vereinigt euch!30.Stilistische Möglichkeiten der Ableitungen.читать дальшеDie Ableitungen:
1. die Ableitungen mit absoluter Stilfärbung;
2. die Derivate mit partieller absoluter Stilfärbung;
3. die Ableitungen mit kontextualer Stilfärbung.
1. Die Ableitungen mit absoluter Stilfärbung entstehen nach den Wortbildungsmodellen mit expressiven Suffixen: -bold, -ian, -chen, -lein (und ihre Varianten -elchen, -li, -le, -l u. a.).
Eine kleine geschlossene, nichtproduktive Wortgruppe bilden die Personenbezeichnungen auf -bold und -ian: Rauf-, Trunken-, Tugend-, Witzbold; Grobian, Schlendrian. Ihr emotional-expressiver Gehalt ist so groß, dass sie zu Schimpfwörtern werden. Ihre stilistische Charakteristik ist: Alltagsrede / salopp (grob) / abwertend.
Im Gegensatz zu dieser Gruppe erfassen die Suffixe -chen, -lein praktisch fast alle Substantive. Sie verleihen den Ableitungen zwei Seme – „Verkleinerung“ und „Bewertung“ (positive oder negative), die manchmal zusammenwirken, manchmal einander verdrängen.
Mutti, Onkelchen, Dornröschen, Schneewittchen, Rotkäppchen, Zwerglein, Hänsel, Gretel.
2. Die Ableitungen mit partieller Stilfärbung. Die geringe Zahl der Modelle mit allseitig absoluter Stilfärbung wird durch die Ableitungen mit partieller Stilfärbung kompensiert.
Dichterling, Schreiberling, Schwächling, Weichling; Sperling, Schmetterling, Säugling, Jüngling.
Außer dem Sem “Gesamtheit“, das allen Wortgruppen eigen ist, besitzt eine Gruppe noch ein negatives Bewertungssem. Abwertend sind: Geschieße, Gemecker, Geheul, Geschnatter, Getue, Gekritzel, Geschreibsel.
„Steigerung“ („Vergrößerung“) und „Bewertung“ (оценка)
Schwafelhans «брехун, пустомеля», Grillenhans «чудик», Langhans «дылда», Schwindelhans «аферист, мошенник»; Telefonjule «телефонисточка», Lachjule «хохотушка»…
Die Ableitungen mit kontextualer Stilfärbung. Bestimmte Funktionalstile haben eine besondere Vorliebe für bestimmte Ableitungen.