убил лису – сам съел колобка.
11. Die Vereinigung der beiden deutschen Staaten am 3. Oktober 1990
читать дальшеDeutschland, einig Vaterland" - oder: Ein Staat und zwei Gesellschaften
Mit dem Wirksamwerden des Beitritts der Deutschen Demokratischen Republik zur Bundesrepublik Deutschland gemäß Artikel 23 des Grundgesetzes 3. Oktober 1990 werden die Länder Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen Länder der Bundesrepublik Deutschland
So heißt es in Artikel 1 des „Vertrags über die Herstellung der staatlichen Einheit Deutschlands", kurz ,,Einigungsvertrag" genannt, mit dessen Inkrafttreten am 3. Oktober 1990 die Teilung Deutschlands überwunden wurde. Mit dem dadurch vollzogenen Beitritt der DDR zum Geltungsbereich des Grundgesetzes gilt nun die Wirtschafts- und Sozialordnung der alten Bundesrepublik auch auf dem Gebiet der fünf neuen Bundesländer, einschließlich des Ostteils von Berlin, der bis dahin als ,,Hauptstadt der DDR" fungiert hatte.
Mit dem Vollzug der staatlichen Einheit ist der deutsch- deutsche Vereinigungsprozess allerdings noch nicht abgeschlossen. Die über vierzigjährige Teilung Deutschlands in zwei Staaten mit völlig unterschiedlicher Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung hat nicht nur ein riesiges Wohlstands- gefalle zwischen den beiden ehemaligen deutschen ,,Halbnationen Lebensweisen, sondern auch stark voneinander abweichende gravierende Mentalitäten, Sozialcharaktere sowie dies Unterschiede in der politischen Kultur hinterlassen.
All das lässt sich nicht von heute auf morgen einebnen. Auch das vereinte Deutschland wird also noch einige Zeit aus Gesellschaften bestehen, die erst dann zu einem einheitlichen Ganzen zusammenwachsen werden, wenn in Gesamtdeutschland gleiche Lebensverhältnisse herrschen und dann von „Wessis" und „Ossis“ keine Rede mehr sein kann.
Im August 1990 sprach sich die Volkskammer für den schnellstmöglichen Beitritt der DDR zur Bundesrepublik aus. Am 31. August konnte der entsprechende „Einigungsvertrag“ von DDR-Staatssekretär Krause und Bundesinnenminister Schäuble unterzeichnet werden. Die - wieder neu geschaffenen Länder der DDR, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, wurden Länder der Bundesrepublik Deutschland. Berlin wurde zur Hauptstadt bestimmt, und das Grundgesetz trat, mit gewissen Änderungen, für das Beitrittsgebiet in Kraft.
Die Einheit war möglich geworden, nachdem im Juli 1990 Gorbatschow bei seinen Gesprächen mit Bundeskanzler Kohl in Moskau und im Kaukasus seine Zustimmung zur Vereinigung beider deutscher Staaten gegeben hatte. Vorbedingung dafür waren der Verzicht der Bundesrepublik auf ABC-Waffen, die Reduzierung der Truppenstärke auf 370 000 Mann sowie der Verzicht auf die Ausdehnung von militärischen NATO- Strukturen auf DDR-Territorium, solange dort sowjetische Truppen stationiert sein würden. Deren Rückführung wurde bis Ende 1994 vereinbart, wobei Bundeskanzler Kohl finanzielle Rückgliederungshilfen zusagte. Mit Gorbatschows Zustimmung wurde der Weg auch frei zur Unterzeichnung des sogenannten Zwei-plus-Vier-Vertrags im September 1990. Darin bestätigten die UdSSR, die USA, Frankreich und Großbritannien sowie die Vertreter der beiden deutschen Staaten Bildung des vereinten Deutschlands, bestehend aus den Gebieten der DDR, der Bundesrepublik und Berlins. Deutschlands Außengrenzen wurden als endgültig anerkannt. Dem besonderen, historisch bedingten Sicherheitsbedürfnis Polens Rechnung tragend, versicherten sich Bonn und Warschau in einem ergänzenden Vertrag der wechselseitigen Respektierung ihrer territorialen Integrität und Souveränität.
Mit der Ratifikation des Einigungs- sowie des Zwei-plus- Vier-Vertrags endeten die Rechte und Verantwortlichkeiten der vier Siegermächte „in Bezug auf Berlin und Deutschland als Ganzes". Deutschland gewann damit die volle Souveränität über seine inneren wie äußeren Angelegenheiten zurück, die es 45 Jahre zuvor mit dem Untergang der NS-Diktatur verloren hatte.
Die Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten war immer politisches Ziel der BRD gewesen. In den Jahren nach dem Bau der Mauer (1961) und der Entwicklung der DDR zum eigenständigen Staat schien jedoch die nationalstaatliche Einheit Deutschland auf absehbare Zeit nicht erreichbar. Erst durch die friedliche Revolution in der DDR-mit regelmäßigen Montagsdemonstrationen in Leipzig, Ost-Berlin, Dresden und anderen Städten unter dem Motto ,,Wir sind das Volk" im Oktober/November 1989 und die Öffnung der Mauer am 9. November 1989 wurde die Frage einer Vereinigung beider deutschen Staaten akut. Den Wortführern der Revolution vom Herbst 1989, den Schriftstellern sowie den Initiatoren und Trägern der neuen politischen Gruppierungen ging es zunächst nicht um die Abschaffung der DDR und deren Aufgehen in einer "kapitalistischen" Bundesrepublik, sondern um Demokratisierung eines eigenständigen Staates Erst Anfang Februar 1990 rückte die Übergangsregierung des Reformkommunisten Hans Modrow unter dem Druck der öffentlichen Meinung das Ziel der Vereinigung auch aus offizieller Sicht ins Blickfeld. Mit der Wirtschafts-, Sozial- und Währungsunion mit der DM als alleingültiger Währung zwischen der Bundesrepublik und der DDR am 1. Juli 1990 wurde der erste konkrete Schritt zur Wiedervereinigung getan. Am 3. Oktober 1990 um Mitternacht hörte die DDR 41 Jahre nach ihrer Gründung auf zu existieren und wurde Teil der Bundesrepublik Deutschland. Die DDR-Bürger wurden Bundesbürger, das Grundgesetz wurde in den neuen Ländern eingeführt.
12. Die NS-Regime
читать дальшеNur wenige zweifelten am Abend des 30.Januar 1933 daran, dass die Republik von Weimar tot war, aber von der Zukunft herrschten unterschiedliche Vorstellungen. Leidenschaftliche Erregung fand sich am „Tag der Machtübernahme“ nur bei den Anhängern der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP).
Die wesentlichsten Merkmale des NS-Herrschaft waren:
- Kesseltreiben gegen Minderheiten, die nicht dem „arischen“ Ideal entsprachen
- Uniformierung und Gleichschaltung mit dem Anspruch, alle Bereiche des öffentlichen und privaten Lebens mit nationalsozialistischer Ideologie zu durchdringen
- Das Bemühen, Deutschland möglichst schnell für den beabsichtigten Eroberungskrieg aufzurüsten.
Die Bevölkerung akzeptierte das NS-Regime im Großen und Ganzen. Dazu trugen folgende Faktoren bei:
a) das abgestimmte Zusammenspiel von Terror und Propaganda
b) die Erfolge in der Außenpolitik
c) die sich erholende Weltwirtschaft
Der Verlust persönlicher Freiheitsrechte wurde durch den Zugewinn nationaler Souveränität kompensiert.
Der Reichstag wurde aufgelöst und die Kommunisten riefen zum Generalstreik auf. Da unterzeichnete Reichpräsident Paul von Hindenburg eine Notverordnung „Zum Schutz des d-en Volkes“. Damit konnte der politische Gegner nun radikal, aber legal unterdrückt werden. Zugleich wurden der Beamtenapparat, die Verwaltung und die Polizei großflächig „gesäubert“. Aus den „nationalen Verbänden“, Sturmabteilung (SA), Schutzstaffel(SS) und Stahlhelm rekrutierte Göring in Preußen 50 000 Freiwillige als „Hilfspolizisten“. Als dann am 27. Februar 1933 der Reichstag brannte, ordnete Görig umgehend die Verhaftung aller führenden Funktionäre der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) an. Bereits am nächsten Tag erwirkte Die Regierung die „Verordnung zum Schutz von Volk und Staat, mit der noch bestehende Grund und Verfassungsrechte außer Kraft gesetzt wurden. Schon kurz nach dem Reichstagsbrand waren rund 10 000 Personen verhaftet und zum Teil in „wilden“ Konzentrationslagern interniert, vor allem Kommunisten, aber auch „Juden und andere Regimegegner“.
Der nächste Schritt in Richtung einer Führer-Diktatur war das am 23. März verabschiedete „Ermächtigungsgesetz“, das Reichstag und Reichsrat von der Gesetzgebung ausschloss. Gegen das „Ermächtigungsgesetz“ stimmte nur die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD).
Die Gewerkschaften wurden aufgelöst und ein wenig später der „Deutschen Arbeitsfront“ (DAF) eingegliedert. Anfang Juli 1933 waren alle Parteien mit Ausnahme den NSDAP aufgelöst und der Einparteienstaat errichtet. Rund fünf Monate nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler war Die Machtergreifung“ im Wesentlichen vollzogen.
Das NS-Regime profitierte nach 1993 von der sich wiederbelebenden Weltwirtschaft. Der immense Arbeitskräftebedarf für die Aufrüstung und die Fortführung von ausgearbeiteten Programmen zur Arbeitsbeschaffung reduzieren die Zahl der Arbeitslosen. Es wurden zahlreiche, mit großem Propagandaaufwand Kampagnen des Winterhilfswerks(WHW) gegen Hunger und Armut durchgeführt. Vor allem die beliebte Freizeitorganisation “Kraft durch Freude“(KdF), die bürgerlichen Privilegien wie das Reisen nun auch für Arenorm. Dabei spielten vor allem die Jugend und deren Erziehung eine tragende Rolle. Für Kinder und Jugendliche wurde 1936 die Zwangsmitgliedschaft in der Hitlerjugend (HJ) eingeführt. „Nationalismus ist organisierter Jugendwile“ hieß eine verbreitete Losung der Zeit. Die anfangs noch formell freiwillige Mitgliedschaft wurde am 1. Dezember 1936 durch das „Gesetz über die Hitlerjugend“ zur Zwangsmitgliedschaft.
#auf dem Land unterschied sich der Arbeitsalltag der Menschen kaum von demjenigen ihrer Elterngeneration. Bestehen blieb vor allem die Auslandsabhängigkeit bei Fleisch, Ölen und Fetten, deren Verzehr nach Willen der NS-Führung eingeschränkt werden sollte.
AM 12. Mört 1938 folgte der „Anschluss“ Österreichs. Am 15. März 1939 marschierten deutsche Truppen in die Tschechoslowakei und ins Memelgebiet (Litauen)ein.
Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Es gab von Anfang an fundamentalen Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Dieser Wiederstand wurde von weltanschaulich ausgesprochen unterschiedlichen Gruppen geleistet und reichte von passiver Resistenz bis Attentat. Viele Gegner des Nationalismus sahen sich angesichts persönlicher Verfolgung bald zur Emigration gezwungen, andere zogen die „innere Emigration“ vor. Oppositionskreise in der Wehrmacht zählten ebenso dazu wie die Mitglieder der „Weißen Rose“, des „Kreisauer Kreises“ oder der „Roten Kapelle“. Im Sommer 1933 saßen rund 15000 kommunistische Funktionäre und Aktivisten in „Schutzhaft“. Im Untergrund erschien von 1933 bis 1935 das Zentralorgan der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD), „Die Rote Fahne“. Einige dieser Gruppen in Berlin, die rund 50 Frauen und über 100 Männer umfassten, wurden von der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) mit dem Sammelbegriff „Rose Kapelle“ belegt. Wiederstand gab es auch in den Kirchen. So verurteilte der Bischof von Münster, Clemens August Graf von Galen, in mehreren Predigten die nationalsozialistische Terrorherrschaft. Aus dem Notbund ging ein wenig später die „Bekennende Kirche“ hervor.
Ein Zentrum des bürgerlich zivilen Wiederstands war der „Kreisauer Kreis“, benannt nach dem niederschlesischen Gut Kreisau von Helmuth James Graf von Moltke, wo ab 1940 auf regelmäßigen Treffen Konzepte für eine grundlegende staatliche, wirtschaftliche und soziale Neuordnung Deutschlands nach dem Sturz der NS-Diktatur erörtert wurden. Im Unterschied zu anderen Wiederstandsgruppen lehnte der „Kreisauer Kreis“ Nationalismus weitgehend ab und orientierte sich an einer europäischen Föderation. Vor allem über Adam von Trott zu Stolz suchte der Kreis Kontakte zu anderen Wiederstandsgruppen im In- und Ausland sowie zu den Alliierten. Nach der Verhaftung Moltkes im Januar 1944 schlossen sich einige Mitglieder der Gruppe um Claus Schenk Graf von Stauffenberg und Goerdeler an und wirkten an den Vorbereitungen zum Attentat auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944 mit.
Nach dem misslungenen Umsturzversuch nahm die Gesparo in den folgenden Wochen Tausende von Regimegegnern fest, rund 5000 von ihnen wurden bis Kriegsende hingerichtet oder starben an den Haftbedingungen.
13. Wirtschaftswunder. Ludwig Erhard
читать дальшеDie Soziale Marktwirtschaft wurde zu Beginn der 1950er Jahre zur wirtschafts- und sozialpolitischen Leitidee der BRD. Wissenschaftler wie Alfred Müller-Armack und Walter Eucken hatten diese Konzeption bereits vor 1945 ausgearbeitet, Ludwig Erhard hat sie mitgeprägt, vor allem aber politisch durchgesetzt- gegen massive Widerstände nicht nur der SPD, sondern auch der CDU.
Die soziale Marktwirtschaft ist ein Mischsystem. Sie ergänzt die freie Marktwirtschaft um Elemente der Staatswirtschaft, dies insbesondere im staatlichen Wettbewerbsschutz sowie in der Umverteilung der erarbeiteten Güter durch das Steuer- und Abgabensystem. Hinzu kamen bereits seit den 1960er Jahren Gesetze und wirtschaftliche Anreize zum Umweltschutz bzw. zu umweltgerechtem Verhalten. Dagegen enthält die soziale Marktwirtschaft kaum Elemente einer Zentralverwaltungswirtschaft. Sie ist vielmehr eine teilweise staatlich gelenkte, sozialen Zielen verpflichtete Marktwirtschaft. Grundprinzip ist die Sicherung der Gewerbe-, Wettbewerbs- und Exportfreiheit auf dem Markt in Verbindung mit sozialem Ausgleich.
Der Staat hat in der sozialen Marktwirtschaft eine starke Stellung, er greift im Interesse der Allgemeinheit und auf der Grundlage von Gesetzen ist das Wirtschaftsgeschehen ein und ist ein Akteur der Wirtschaftspolitik. Grundlagen dieses Systems sind das private Eigentum, die Vertragsfreiheit und die Eigenverantwortung. Zur Verhinderung der Monopolbildung dient, anders als in rein kapitalistischen Systemen, nicht nur der Marktwettbewerb, sondern auch der staatliche Wettbewerbsschutz.
Die geistige Grundlage der sozialen Marktwirtschaft ist der Personalismus. Hier wird der Mensch nicht nur als Individuum gesehen, sondern auch als Sozialwesen, und trägt damit Verantwortung für sich und andere. Der Staat hilft nur, wenn man sich selbst nicht mehr helfen kann. Die letzte geistige Grundlage der sozialen Marktwirtschaft ist der christliche Glaube und sein Menschenbild.
1949 begann im Westen Deutschlands ein dynamischer wirtschaftlicher Aufschwung, der ununterbrochen bis 1966 anhielt. Trotz der oben beschriebenen fast verzweifelten Ausgangslage nach dem Kriege waren im Gebiet der späteren Bundesrepublik ca. 80-85 Prozent der Produktionskapazitäten unzerstört geblieben. Das Verkehrssystem war bei Kriegsende jedoch auf einen Bruchteil seiner Kapazität reduziert. Hier kam der Wiederaufbau schon vor der Währungsreform von 1948 gut voran, auch die Enttrümmerung der Städte machte schon bis 1948 schnelle Fortschritte.
Die Währungs- und Wirtschaftsreform machte dem bis dahin verbreiteten Tauschhandel und der höchst ineffizienten Schwarzmarktwirtschaft über Nacht ein Ende. Für eine breite Investitionstätigkeit fehlte es den Unternehmen jedoch zunächst noch an Kapital. Dies änderte sich in den Folgejahren zunächst zögernd, dann durchgreifend. Damit verbesserte sich auch die bis Anfang der 1950er Jahre überaus prekäre Finanzlage sehr vieler Betriebe.
Die Arbeitslosigkeit wurde ab ca. 1952 rasch abgebaut und war schon ab 1955 so niedrig, dass in diesem Jahr erstmals Gastarbeiter angeworben wurden. Die Renten waren bis zur Rentenreform von 1957 äußerst niedrig, was den Wiederaufbau erleichterte, weil es die Produktionskosten niedrig hielt.
Das „Wirtschaftswunder“ der 1950er und frühen 1960er Jahre hat mehrere Ursachen: Der Nachholbedarf aus dem Krieg war groß, und der Bedarf des Wiederaufbaus und der Rekonstruktion förderte die Produktion; das Prinzip der Sozialen Marktwirtschaft und die Zurückhaltung der Gewerkschaften wirkten sich günstig aus. In manchen Fällen empfand man im Nachhinein sogar die Demontagen als Vorteil, weil die neuen Ersatzmaschinen technisch überlegen waren. Jahrzehntelang wurden aus der Landwirtschaft Arbeitskräfte, vor allem für die Industrie, freigesetzt und auch durch Gastarbeiter ergänzt.
Das Arbeitskräftepotenzial war ausgeschöpft, der „technische Fortschritt“ nicht mehr beliebig umsetzbar, die Kapitalproduktivität hatte deutlich abgenommen. Die gesamtwirtschaftliche Wachstumsrate sank auf eine Größenordnung, die sich als Annäherung an den langfristigen Wachstumspfad der d-n Wirtschaft interpretieren lässt. Das Wirtschaftswachstum verlor an Stabilität. Das soziale Klima wurde frostig.
14. Dreißigjähriger Krieg (1618-1648)
читать дальшеTrotz aller Versuche der katholischen Kirche, den lutherischen Protestantismus aufzuhalten (Gegenreformation) wurde dieser bis 1600 zur stärksten religiös-politischen Kraft in Europa: Zur Zeit des Ausburger Religionsfriedens war Deutschland zu vier Fünftel protestantisch. Der Kampf zwischen den Konfessionen war damit jedoch nicht beendet. In den folgenden Jahrzehnten konnte die katholische Kirche viele Gebiete zurückgewinnen (Gegenreformation). Die konfessionellen Gegensätze verschärften sich, es kam zur Bildung von Religionsparteien, der protestantischen Union (1608) und der katholischen Liga (1609). Vermischt war der religiöse Konflikt mit der Revalität der neu entstandenen Nationalstaaten und dem Kampf zwischen Kaiser und Fürsten. Ein lokaler Konflikt in Böhmen löste dann 1618 den Dreißigjährigen Krieg aus, der sich im Laufe der Jahre zu einer europäischen Auseinandersetzung ausweitete. Dabei wurden zwischen 1618 und 1648 weite Teile Deutschlands verwüstet und entvölkert.
Frankreich und Schweden griffen auf protestantischer, Spanien und England auf katholischer Seite ein. Die Söldner wurden von Plünderungen ernährt und bezahlt und kämpften mitunter auch für die Gegenseite. Es wurde gefoltert, vergewaltigt, belagert und gebrandschatzt. Nach 30 Jahren war Mitteleuropa so erschöpft, dass Friedensverhandlungen endlich führten.
Der „Westfälische Frieden“ brachte 1648 die Anerkennung der jeweiligen Konfessionen und die faktische Auflösung des Deutschen Reiches in etwa 1800 selbständige Gebilde, das Ausscheiden der Schweiz und der Niederlande aus dem Reichsverband wurde bestätigt. Den Reichsständen gewährte er alle wesentlichen Hoheitsrechte in geistlichen und weltlichen Angelegenheiten und erlaubte ihnen, Bündnisse mit ausländischen Partnern zu schließen.
Als einigendes Band fungierten nur noch der Kaiser und die gemeinsame Sprache. Besonders hart wurde von dem Krieg Deutschland betroffen. Die deutsche Bevölkerung war um über ein Drittel dezimiert. Seuchen grassierten, der Hunger regierte. Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation hatte seinen Einfluss in Europa endgültig verloren. Von nun an, bis zum Beginn der französischen Revolution im Jahre 1789, durch fast anderthalb Jahrhunderte, schied die deutsche Nation aus dem großen Welthandel aus.
15. Der 1. Weltkrieg
читать дальшеDer 1. Weltkrieg fand von 1914 bis 1918 statt und war der erste Krieg, an dem viele Länder der westlichen Welt teilnahmen. Man schätzt, dass insgesamt neun Millionen Menschen in diesem Krieg starben.
Gründe waren die politischen Spannungen, die in Europa im späten 19. Jahrhundert angefangen und zu militärischer Aufrüstung der Länder geführt hatten. Der eigentliche Grund des Ausbruchs dieses Krieges war die sogenannte Balkankrise. In Mittel- und Osteuropa gab es damals nicht so viele Staaten wie heute. Hauptsächlich teilten sich Russland, Österreich-Ungarn und das Deutsche Reich das Gebiet auf.
Andere Länder, die neben dem Deutschen Reich hauptsächlich in Asien und Afrika Kolonien hatten, waren Großbritannien, Frankreich und Portugal. Diese Mächte wurden damals sowohl von kaiserlichen und königlichen Herrscherhäusern (Deutsches Reich, Russland, Österreich-Ungarn) als auch von demokratisch gewählten Parlamenten (Frankreich, Großbritannien) regiert.
Das führte zu völlig verschiedenen Sichtweisen über Machtstreben und Länderansprüche auf der Seite der Monarchien und Verteidigung von Völkerrechten auf der Seite der demokratischen Länder. So kam es auch, dass später die USA in den 1. Weltkrieg eintraten, obwohl sie nicht unmittelbar betroffen waren. Ziel der USA unter Präsident Woodrow Wilson war es gewesen, das Deutsche Reich unter Kaiser Wilhelm II zu entmachten, welches durch seine aggressive Politik mit Hilfe des Militärs immer mehr Kolonien für sich beansprucht hatte und auch während des 1. Weltkriegs das Ziel hatte, noch mehr Macht und Länder auf der Welt zu besitzen.
Eigentlicher Auslöser des 1. Weltkrieges war ein Konflikt zwischen Österreich-Ungarn mit Serbien. Am 28. Juni 1914 wurden im serbischen Sarajewo der österreichische Thronfolger Franz Ferdinand und seine Frau Opfer eines Attentates, wohinter Österreich-Ungarn den serbischen Geheimdienst vermutete. Die österreichische Regierung verlangte von Serbien sofortige Aufklärung des Mordes und Verurteilung der Verantwortlichen unter Beteiligung einer österreichischen Kommission auf serbischen Boden. Dies lehnten die Serben ab, woraufhin Österreich-Ungarn am 28. Juli 1914 Serbien den Krieg erklärte. Russland stand auf der Seite Serbiens und rief dazu auf, militärisch gegen Österreich-Ungarn vorzugehen, um Serbien zu verteidigen. Da aber das Deutsche Reich mit Österreich-Ungarn verbündet war, erklärte es am 01. August 1914 Russland den Krieg mit der Folge, dass russische Truppen in das Deutsche Reich einmarschierten. Als Reaktion darauf wurde Luxemburg am nächsten Tag durch deutsche Truppen besetzt. Durch eine Flut von Kettenreaktionen wurden jetzt in schneller Folge das Osmanische Reich und Bulgarien auf der Seite des Deutschen Reiches und Österreich-Ungarns sowie Frankreich, Großbritannien, Japan, Italien, Portugal, Rumänien und die USA auf der Seite Russlands und Serbiens mit in den Krieg hineingezogen. Einer der tragischen Höhepunkte war der Einmarsch deutscher Truppen in das neutrale Belgien und die damit zusammenhängenden Stellungskriege. Zum ersten Mal in der Geschichte wurde Giftgas eingesetzt und hunderttausende Soldaten kamen in den Schützengräben qualvoll ums Leben. Der 1. Weltkrieg stand auch für den Einsatz weiterer Waffensysteme, die es bis dahin nicht gegeben hatte. Maschinengewehre, Panzer und Flugzeuge waren eine ganz neue Generation von grausamen Mordwaffen.
Am 18. Juli 1918 begann die militärische Offensive der verbündeten Länder gegen das Deutsche Reich, in Frankreich die deutschen Truppen zurückzudrängen. Als die Amerikaner eintrafen, waren die vereinigten Armeen so stark, dass sich nach der Schlacht bei Amiens am 08. August das geschwächte deutsche Heer nur noch zurückziehen konnte. Am 11. November 1918 wurde schließlich der Waffenstillstand unterzeichnet. Viele Länder Europas wurden jetzt zu demokratischen Staaten.
16. Das Ahnenerbe
читать дальшеDie Forschungsgemeinschaft Deutsches Ahnenerbe e.V. wurde 1937 von Heinrich Himmler, Richard Walther Darre, Herman Wirth gegründet. In ideologische Hinsicht hatte das AE die Aufgabe, die These von der eingeborenen rassischen Überlegenheit der germanischen Völker mit wissenschaftlicher Legitimation zu versehen.
Ziele:
1) Raum, Geist und Tat des nordrassischen Indogermanentums zu erforschen
2) die Forschungsergebnisse lebendig zu gestalten und dem deutschen Volk zu vermitteln
3) Jeden Volksgenossen aufzurufen, hierbei mitzuwirken.
Zweck des Vereins war zunächst die Erforschung des „nordrassischen Indogermanentums“ und der deutschen Volkskunde. Die Themen reichten von der Archäologie bis zur Esoterik. Als Publikationsorgan diente die Zeitschrift „Germanien“. Über den „Ahnenerbe-Stifungsverlag“ kontrollierte der Verein zahlreiche Zeitschriften, Buchreihen, Verlagshäuser.
Schon vor dem 2 Weltkrieges hatte sich der SS-Verein verstärkt den Naturwissenschaften und kriegsbedingten Forschungsaufträgen zugewandt. Mit Ausbruch des 2.Weltkrieges änderten sich die Aufgaben des AE das1940 seine institutionelle Selbstständigkeit verlor und als „Amt A“ in die Dienststelle „Persönlicher Stab Reichsführer SS“ integriert wurde.
Das verbrecherische Kapitel in der Geschichte des AE sind die Menschenversuche der Ableitung „R“-für Sigmund Rascher des AE-Instituts für Wehrwissenschaftliche Zweckforschung, die an Häftlingen der Konzentrationslager Dachau und Natzweiler durchgeführt wurden, zum Teil mit Unterstützung der Wehrmacht.
Bruno Berger nahm im Juni 1943 in Auschwitz an der Selektion jüdischer Häftlinge teil. Die Köpfe der Juden waren für die Schädel und Skelettsammlung des Anatomen August Hirt an der Uni Straßburg bestimmt. Rascher führte im Auftrag des Ahnenerbes die berüchtigten Experimente mit Unterdruck und mit Unterkühlungen im Konzentrationslager Dachau durch. Bei seinen Höhenexperimenten kamen 80 Versuchen starb von etwa 300 Opfern ein Drittel. Rascher fiel bei der SS-Führung in Ungnade, wurde selbst in Dachsbau inhaftiert und dort am 26.4.1945 hingerichtet. Hirt nahm sich kurz nach Kriegsende das Leben. Wolfram Sievers, der 1943 stellvertretender Leiter des Beirats der Reichforschungfamtes wurde, wurde am 20.8-1947 im Nürnberger Ärzteprozess zum Tode verurteilt und am 2.6.1948 in Landsberg hingerichtet.
Die Hitler-Jugend
HJ war eine 1926 gegründete nationalsozialistische Jugendorganisation. Sie war ein Bestandteil von Hitlers Plan, in alle Lebensbereiche ideologisch kontrollierend einzugreifen. Ihr Ziel war die Erziehung im Sinne der NSDAP. Nach der Machtergreifung Hitlers 1933 wurden alle anderen Jugendbewegungen in die HJ integriert. Seit 1939 mussten alle Jugendlichen von 10 bis 18 Jahren der Organisation beitreten. Die Freizeit der Jugendlichen war stark eingeschränkt. Nicht nur, dass es viele Gesetze gab, die ihre Aktivitäten außerhalb der HJ einschränkten: z.B. waren das Hören bestimmter Radiosender oder sämtliche kirchlichen Aktivitäten verboten. Auch teigte die Umerziehung in den Jugendgruppen durch die Medien Wirkung. So bestimmten die Regeln der HJ auch die Freizeit der meisten Jugendlichen, schließlich gab es auch harte Strafen gegen Jugendliche, die gegen die Regeln verstießen. Das fast alle Jungen der HJ beigetreten waren, wurden an die Jungen Uniformen ausgeteilt. Die Köpfe waren kurz geschoren. Abends wurde höchstens die Uniform gegen einfache, schlichte Kleidung gewechselt.
17. Entstehung des Deutschen Reiches
читать дальшеSeit dem frühen 10. Jahrhundert kann man von einem Deutschen Reich sprechen. Seine Entstehung hatte sich bis dahin über einen längeren Zeitraum vollzogen. Das Königreich, das man seit dem 11. Jahrhundert „Reich der Deutschen" zu nennen begann, hieß damals noch „Ostfrankenreich“. Es hieß nicht deshalb so, weil es nur von Franken bewohnt gewesen wäre, sondern weil es aus dem Frankenreich hervorgegangen war, das verschiedene Völkerschaften und Gebiete umfasste und das Karl der Große zu unvergleichlicher räumlicher Größe gebracht und mit dem Kaisertum überhöht hatte.
Fränkischer Brauch verlangte, dass das Reich unter die Söhne des Königs aufgeteilt wurde, und so bestand das Riesenreich Karls bald aus mehreren fränkischen Teilreichen. Ludwig, den wir heute „den Deutschen" nennen (817-876), herrschte als König über die Bayern, Schwaben, Rhein- und Main-franken, Thüringen und Sachsen. Schon den Zeitgenossen war bewusst, dass die Bewohner von Ludwigs Ostfrankenreich sich von denen im Reich seines Bruders Karl „des Kahlen", der König der Westfranken war, durch ihre Sprache unterschieden. Der größte Teil des Gebietes, das sie bewohnten, hatte nicht zum Römischen Reich gehört, und das Lateinische war dort nicht im Westen Grundlage der Landessprache geworden. So wie aller bewahrten sie ihre germanischen Sprachen, die trotz aller Unterschiede doch dieses verband: volksmäßig ,,theodisc“ zu sein, ein Wort, das dann später zum Namen „deutsch“ wurde.
Fränkische Tradition aber war zur Zeit Ludwigs des Deutschen noch bestimmender als die Verwandtschaft der Sprachen, und so wurde sein Reich, fränkischem Teilungsbrauch entsprechend, wieder unter seine Söhne in drei Königreiche aufgeteilt, so wie es dann später, als es keine anderen erbberechtigten Nachkommen gab, in König Ludwig dem Kind wieder einen einzigen König hatte. Im Jahre 911 starb nun auch er, ohne Söhne zu hinterlassen. Nur im Westfrankenreich gab es noch einen König aus dem Geschlecht Karis des Großen. Die ostfränkischen Stämme entschieden sich gegen den westfränkischen Karolinger und damit für die Eigenständigkeit ihres Reichs gegenüber dem Westen: Sie wählten Konrad, den Herzog der Franken, zum König. Dass es ein ungeteilt-einiges Reich sein würde, zeigte sich dann im Jahre 936. König Heinrich I (919-936), der Nachfolger König Konrads (911-918), hatte bei seinem Tode mehrere regierungsfähige Söhne. Aber nur der älteste Sohn, Otto, wurde König. Der fränkische Brauch, das Reich unter die Königssöhne aufzuteilen, wurde also nicht mehr befolgt. Mit dem Regierungsantritt Ottos I war erwiesen, dass die Gebiete, zuerst Ludwig der Deutsche zusammenfassend Ostfrankenreich genannt hatte, im Innern und nach außen eine Einheit darstellten.
18. Reformation und der Große Deutsche Bauernkrieg (1517-1526)
читать дальшеAnfang des 16. Jahrhunderts hatten sich die sozialen und politischen Gegensätze in Deutschland außerordentlich verschärft. Die Fürsten unternahmen die größten Anstrengungen, um die Macht des Kaisers zu schwächen. In den Städten vertiefte sich der Gegensatz zwischen der reichen Oberschicht und der Masse der Bürger. Den stärksten sozialen Protest erhoben die Bauern. Nichts aber rief eine so allgemeine Unzufriedenheit hervor wie die katholische Kirche.
Zu dieser Zeit setzte eine breite soziale Bewegung ein, die in der Geschichte unter dem Namen Reformation bekannt ist. Sie begann mit der Forderung nach kirchlichen Reformen und richtete sich gegen die Abhängigkeit von Rom, gegen die Vorherrschaft der römisch-katholischen Kirche als Zentrum des Feudalsystems.
Begründer des deutschen Protestantismus war Martin Luther (1483-1546). In seinen 95 Thesen, die er am 31. Oktober 1517 an die Tore der Kirche zu Wittenberg schlug, trat er öffentlich gegen die päpstliche Kirchenpraxis auf. Er leugnete die Autorität des Papstes, verwarf die Sonderstellung des Geistlichen als Mittler zwischen Gott und den Gläubigen und formulierte die Lehre vom allgemeinen Priestertum jedes Gläubigen. Das entscheidende Auftreten Luthers leitete die Reformation ein. In den Jahren 1517 bis 1521 spielte Luther eine bedeutende, fortschrittliche Rolle in der deutschen Geschichte. Als aber die Volksbewegung 1522 immer entschiedenere Forderungen stellte, riet er zur Mäßigung und wurde zum Repräsentanten der bürgerlichen Reform. Er lehnte das revolutionäre Vorgehen der Bauern ab und stellte sich während des Bauernkrieges in einer scharfen Schrift auf die Seite der Feudalherren. Mit seiner Bibelübersetzung trug Luther entscheidend zur Verbreitung der nationalen Schriftsprache bei. Luthers Empörung gegen die Autorität der Kirche löste einen Aufstand gegen die Autoritäten allgemein aus.
Die Reformationsbewegung breitete sich schnell über ganz Deutschland aus. Die Bauern und die arme Stadtbevölkerung erwarteten von der Reformation nicht nur eine Reform der Kirche, sondern auch eine grundlegende Änderung des gesamten Gesellschaftssystems. Ende 1524 begann der Große Deutsche Bauernkrieg. Im Frühjahr 1525 brannten die ersten Kloster und Burgen im Südwesten Deutschlands, der Aufstand breitete sich unter der Führung verarmter Adliger wie Florian Geyer aus.
Der bedeutende Ideologe und Führer des Bauernkrieges war Thomas Müntzer (1490-1525). Am Anfang war Müntzer Anhänger Luthers, trennte sich aber früh von ihm. Müntzer entwickelte eine Lehre von der Volksreformation. Er ging über das Ziel Luthers, die Kirche zu reformieren, weit hinaus und kämpfte für die Beseitigung des feudalen Ausbeutungssystems. Im April und Mai 1525 war fast ganz Süd- und Mitteldeutschland vom Bauernaufstand erfasst. Aber die Kräfte der Bauernschaft waren zersplittert, Verbindungen zwischen den einzelnen Gebieten des Aufstandes bestanden nicht, es gab keine einheitliche Führung, und die Führer der Bauern waren in der Kriegführung unerfahren. So gelang es den vereinten katholischen und protestantischen Fürsten, die Bauern trotz ihrer Anfangserfolge zu schlagen. Müntzer wurde gefangen genommen und hingerichtet. Der Bauernaufstand wurde blutig ihrer Anfangserfolge zu schlagen. Müntzer wurde gefangen genommen und hingerichtet. Der Bauernaufstand wurde blutig niedergeschlagen. Über 100 000 Bauern verloren im Kampf und in den Strafgerichten ihr Leben.
Die Einheit der Kirche war zerbrochen, die abendländische Christenheit in Katholiken und Protestanten gespalten. Im Kampf der Fürsten gegen Kaiser und Papst war die lutherische Lehre vor allem den Landesherren Nord- und Mitteldeutschlands eine willkommene Waffe. Religion wurde zur Territorialsache, die jeder Fürst für sein Gebiet und seine Untertanen entschied. Die Zersplitterung Deutschlands verfestigte sich. Das hatte zur Folge, dass Deutschland für 200 Jahre aus der Reihe der politisch tätigen Nationen Europas schied.
19. Deutschland im Zeitalter des Absolutismus (das 17. und das 18. Jh.)
читать дальшеNach dem Dreißigjährigen Krieg verbesserten sich allmählich die Lebensverhältnisse wieder. Die nahezu souveränen Territorialstaaten übernahmen als Regierungsform nach französischem Vorbild des Königs Ludwig XIV. den Absolutismus. Diese Regierungsform verlieh dem Herrscher schrankenlose Macht und ermöglichte den Aufbau einer straffen Verwaltung, die Einführung geordneter Finanzwirtschaft und die Aufstellung stehender Heere. Viele Fürsten hatten den Ehrgeiz, ihre Residenz zu einem kulturellen Mittelpunkt zu machen. Manche von ihnen - Vertreter des „aufgeklärten Absolutismus“ - forderten Wissenschaft und kritisches Denken, freilich in den Grenzen ihrer Machtinteressen.
Die Wirtschaftspolitik des Merkantilismus ließ die absolut regierten Staaten auch ökonomisch erstarken. So konnten Länder wie Bayern, Brandenburg (das spätere Preußen), Sachsen und Hannover zu eigenständigen Machtzentren werden. Österreich, das die angreifenden Türken abwehrte und Ungarn sowie Teile der bisher türkischen Balkanländer erwarb, stieg zur Großmacht auf. Ihm erwuchs im 18. Jahrhundert ein Rivale in Preußen, das unter Friedrich dem Großen (1740-1786) zu einer Militärmacht ersten Ranges wurde. Beide Staaten gehörten mit Teilen ihres Territoriums nicht dem Reich an, und beide betrieben europäische Großmachtpolitik.
In diesem Zeitraum wurde Deutschland beherrscht von den souveränen Landobrigkeiten, in erster Reihe den Fürsten, die so wenig fähig wie gewillt waren, die nationalen Interessen zu fördern oder auch nur zu schützen. Ein Historiker schrieb, in der Weltgeschichte gebe es vielleicht keine Klasse, die so lange Zeit so arm an Geist und Kraft und so überschwänglich reich an menschlicher Verworfenheit gewesen sei, wie die deutschen Fürsten des 17. und 18. Jahrhunderts.
Die Fürsten sahen sich als Zentrum des Staates, eingesetzt von Gott nur ihm verpflichtet. Damit gelang es in vielen Staaten, die Landwirtschaft wiederaufzubauen, Bürger neu anzusiedeln und Ordnung und Sicherheit zu verbessern.
Zum Reich gehörten auch das österreichische Habsburg und Brandenburg-Preußen, die im 17. und 18. Jahrhundert zu neuen Großmächten aufstiegen. In beiden Staaten regierten die Herrscher, die sich eher als ,,erste Diener des Staates" denn als dessen Eigner verstanden. Ihre Macht leiteten sie nicht von Gott ab, sondern von der Vernunft.
Vor allem König Friedrich II., der Große von Preußen (der Alte Fritz") war beeinflusst von den neuen Ideen, die aus Frankreich kamen und die Welt verändern sollten: den Gedanken der Aufklärung. Er stand an der Spitze eines Staates mit einem allmächtigen Adel, unmündigen Städten und unfreien Bauern". Er stützte sich auf die Junker und schuf ein modernes Heer (etwa 200 000 Mann)
Er eroberte in drei Kriegen, zuletzt im Siebenjährigen Krieg (1756-1763) gegen Österreich, Russland, Frankreich, Schweden und die meisten deutschen Fürsten Schlesien und annektierte Westpreußen. Der Siebenjährige Krieg verwüstete Preußen. Das Land war am Ende ausgeblutet, gebrandschatzt und geplündert, von eigenen und fremden Truppen: ein Zehntel der Bevölkerung war umgekommen.
Politisch brachte der Krieg keinen anderen Gewinn, als den, dass sich Friedrich behauptet hatte und Preußen zu einer Militärmacht ersten Ranges geworden war. „Preußen ist eine Armee, die einen Staat besitzt“. Selbst unter Friedrich II war der preußische Staat keine wirkliche Monarchie, kein moderner Klassenstaat, sondern ein mittelalterlicher Ständestaat.
Deutschland am Ende des 18. Jahrhunderts - das war kein Reich, kein Staat und keine Macht. Das Land war ein Flickenteppich aus 359 Fürstentümern und über 1 000 Kleinstaaten. Könige, Kurfürsten, Herzoge, Grafen, Ritter, Kloster und Städte pochten auf ihre Hoheitsrechte, Bischofe regierten als weltliche Machthaber.
Allein Preußen und Osterreich waren Mächte von Sang und Ansehen. Der Kaiser des „Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation" verfügte über keine einheitliche Reichssteuer und kein allgemeines Heer. Deutschland war im Mittelalter stecken geblieben.
20. Deutscher Bund
читать дальшеNach dem Sieg über Napoleon regelte der Wiener Kongress 1814-1815 die Neuordnung Europas. Zwei Kaiser, sechs Könige, gut 100 Fürsten, Diplomaten und eine Unmenge von Händlern, Kurpfuschen, Dienern, Glücksritter und Kurtisanen vortanzten und verprassten hier in fünf Monaten rund 20 Millionen Gulden. Tausende Bauern mussten für die Jagden der Herrschaften Frondienste leisten.
Fürst von Metternich, der politische Kopf der Donaumonarchie, knüpfte die Fäden. Deutschland und Italien wurden wieder in Kleinstaaten zersplittert, Teile Polens Russland einverleibt, Ungarn blieb unterdrückt. Die europäische Reaktion triumphierte. Das Königtum von Gottes Gnaden, Feudalherrschaft und Kirche kehrten wieder in die angestammten Positionen zurück.
Die Bürger speiste man mit dem Versprechen auf Verfassungen ab. Für die Fürsten gab es appetitliche Beutehappen. Preußen durfte sich nach Westen ausdehnen und avancierte zur bedeutendsten innerdeutschen Macht. Österreichs Schwerpunkt verlagerte sich nach Osten. 34 und vier Freie Städte vereinigte man zu einem losen Deutschen Bund ohne Oberhaupt. Als einziges gesamtdeutsches Organ fungierte der Bundestag in Frankfurt 1848, ein schwerfälliger Gesandtenkongress. Das Fazit von Wien: Deutschland blieb zersplittert und folglich ohnmächtig. Die Hoffnungen vieler Deutscher auf einen freien, einheitlichen Nationalstaat wurden nicht erfüllt.
Der Deutsche Bund, der an die Stelle des alten Reiches trat, war ein loser Zusammenschluss der souveränen Einzelstaaten. Einziges Organ war der Bundestag in Frankfurt, kein gewähltes Parlament, sondern ein Gesandtenkongress. Handlungsfähig war der Bund nur, wenn die beiden Großmächte Preußen und Österreich übereinstimmten.
Seine Hauptaufgabe sah er in den folgenden Jahrzehnten in der Niederhaltung aller auf Einheit und Freiheit gerichteten Bestrebungen. Presse und Publizistik unterlagen einer scharfen Zensur, die Universitäten wurden überwacht, eine politische Betätigung war so gut wie unmöglich. Inzwischen hatte eine moderne wirtschaftliche Entwicklung eingesetzt, die diesen reaktionären Tendenzen entgegenwirkte.
1834 wurde der Deutsche Zollverein gegründet und damit ein einheitlicher Binnenmarkt geschaffen. 1835 wurde die erste deutsche Eisenbahnstrecke in Betrieb genommen. Die Industrialisierung nahm ihren Anfang. Mit den Fabriken entstand die neue Klasse der Fabrikarbeiter. Sie fanden in der Industrie zunächst bessere Verdienstmöglichkeiten, aber das rapide Bevölkerungswachstum führte bald zu einem Überangebot an Arbeitskräften. Da zudem jegliche Sozialgesetzgebung fehlte, lebte die Masse der Fabrikarbeiter in großem Elend. Spannungen entluden sich gewaltsam wie etwa 1844 beim Aufstand der schlesischen Weber, der von preußischem Militär niedergeschlagen wurde. Nur zögernd konnten sich erste Ansätze einer Arbeiterbewegung formieren.
21. Bürgerlich-demokratische Revolution (1848-1849)
читать дальшеIm Juni 1830 stürzte das Volk von Paris seinen König vom Thron. Das war ein Signal für einen allgemeinen Ausbruch der Unzufriedenheit in Europa. Aufstand in Leipzig, Empörung und Schlossbrand in Braunschweig, Zerstörung des Polizeihauses in Dresden, Aufstand in Brüssel und zum Jahresabschluss: Revolution in Polen. Der Protest wurde erstickt, doch die bürgerlich-demokratische Opposition konnte man nicht mehr aus der Welt schaffen. Im Mai 1832 forderten 30 000 Teilnehmer einer Kundgebung auf Schloss Hambach, ein „freies, einiges Deutschland“. Bürger, Bauern, Handwerker und Studenten prangerten die elenden Zustände an. Metternichs Polizei verhaftete die Redner. Das Tragen von Schwarz-Rot- Gold wurde verboten.
In den süddeutschen Staaten hatten die Monarchen Verfassungen gewährt und den Bürgerlichen eine gewisse Mitsprache in der so genannten Zweiten Kammer eingeräumt. In Preußen, Österreich und etlichen anderen Staaten waltete jedoch nach wie vor finsterer Absolutismus, Alleinherrschaft der Monarchen. Heinrich Heine schrieb: „Denk ich an Deutschland in der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht.“
Das Jahr 1847 brachte ganz Europa eine Wirtschaftskrise, Teuerung, Hungersnot, Bankenkrach, Produktionsrückgang, Arbeitslosigkeit, Krieg um Kartoffeln. Ein harter Winter 1847-1848 folgte; erste Tumulte und Unruhen in den Städten. Wieder beginnt Paris mit dem Kampf. Im Februar werden dort Barrikaden gebaut und Waffenlager gestürmt. Der „Bürgerkönig“ Louis Philippe und seine Minister müssen fliehen, in Frankreich wird die Republik ausgerufen. Die revolutionäre Woge erfasst Deutschland. Bauern brennen Schlösser nieder, zahlen keine Steuern und Abgaben mehr. Reformen und ein Parlament werden gefordert.
Deutschland wurde das Geburtsland des wissenschaftlichen Sozialismus, dessen Begründer Karl Marx (1818-1883) und Friedrich Engels (1820-1895) waren. 1847 entstand aus dem „Bund der Gerechten“ der „Bund der Kommunisten“, die erste Partei des deutschen und internationalen Proletariats. In die Aufträge des Bundes schrieben Marx und Engels das „Manifest der Kommunistischen Partei“, das kurz vor Ausbruch der Revolution 1848 in London erschien und wo die weltgeschichtliche Rolle des Proletariats wissenschaftlich begründet sowie die Ziele und Aufgaben der kommunistischen Bewegung festgelegt wurden.
Den Monarchen fährt der Schreck in die Glieder. Sie machen Zugeständnisse: Bürger werden Minister, die Bourgeoisie darf mitregieren, kann bewaffnete Bürgerwehren aufstellen.
Am 18. März revoltiert auch Berlin. Barrikaden in der Stadt. Der preußische König muss seinen Truppen den Rückzug befehlen und eine liberale Regierung einsetzen. In den Mitgliedsstaaten des Deutschen Bundes werden Parlamente gewählt. Am 18. Mai 1848 trat in der Frankfurter Paulskirche eine gewählte deutsche Nationalversammlung zusammen. 586 Rechtsanwälte, Professoren, Beamte und Gutsbesitzer bildeten das erste gesamtdeutsche Parlament.
Würde es zu einer deutschen Ausgabe der Französischen Revolution kommen? Würde sich die Nationalversammlung in Permanenz erklären, die Souveränität der Nation verkünden und die Adelsherrschaft abschaffen? Nichts dergleichen geschah. Die deutschen Bürger redeten und redeten, und die alten Gewalten ließen sie unangetastet. Die Nationalversammlung ließ den Einzelstaaten ihre Armeen. Sie schuf kein Volksheer unter ihrem Kommando. Ohne Gewehre nahm sie niemand ernst. Die liberale Mehrheit fürchtete die radikalen Forderungen der demokratischen Linken und weigerte sich, die Aufhebung der noch auf den Bauern lastenden feudalen Abgaben zu verkünden.
Die deutsche Revolution blieb auf halbem Wege stecken. Erschreckt von den blutigen Kämpfen im Pariser Juni, stellte sich das liberale Bürgertum auf die Seite des Adels. Die Revolution war gestoppt, und die absolutistischen Herren wussten ihre Macht in ganz Europa zu nutzen. Die Berliner bekamen es mit dem General Wrangel und seinen Truppen zu tun, und die Frankfurter Paulskirchenversammlung, die sich gescheut hatte, zum Schwert zu greifen, wurde auseinandergejagt. In Deutschland zogen wieder Ruhe und Ordnung ein, Erschöpfung und Grabesstille. Die Revolution war beseitig, doch die Probleme, die die verursacht hatten, blieben ungelöst. Und das Hauptproblem war die Schaffung eines Nationalstaates.
Im Unterschied zur Revolution von 1789 fand die französische Februar-Revolution von 1848 in Deutschland sofort ein Echo. Im März kam es in allen Bundesländern zu Volkserhebungen, die den erschrockenen Fürsten mancherlei Konzessionen abrangen. Im Mai trat in der Frankfurter Paulskirche, die Nationalversammlung zusammen. Sie wählte den österreichischen Erzherzog Johann zum Reichsverweser und setzte ein Reichsministerium ein, das allerdings keine Macht¬mittel besaß und keine Autorität gewann.
Bestimmend war in der Nationalversammlung die liberale Mitte, die eine konstitutionelle Monarchie mit beschränktem Wahlrecht anstrebte. Die Zersplitterung der Nationalversammlung von den Konservativen bis zu den radikalen Demokraten, in der sich die spätere Parteienlandschan schon in Ansätzen abzeichnete, erschwerte eine Verfassungsgebend. Aber auch die liberale Mitte konnte die quer durch alle Gruppierungen gehenden Gegensätze zwischen den Anhängern einer „großdeutschen“ und einer „kleindeutschen“ Lösung, d. h. eines Deutschen Reiches mit oder ohne Österreich, nicht überwinden.
Nach zähem Ringen wurde eine demokratische Verfassung fertiggestellt, die Altes mit Neuem zu verbinden suchte und eine dem Parlament verantwortliche Regierung vorsah. Als dann jedoch Österreich darauf bestand, sein gesamtes, mehr als ein Dutzend Völkerschaften umfassendes Staatsgebiet in das künftige Reich einzubringen, siegte die kleindeutsche Auffassung, und die Nationalversammlung bot dem preußischen König Friedrich Wilhelm IV. die erbliche deutsche Kaiserkrone an. Der König lehnte ab; er wollte die Kaiserwürde nicht einer Revolution verdanken.
Im Mai 1849 scheiterten in Sachsen, der Pfalz und Baden Volksaufstände, die die Durchsetzung der Verfassung „von unten“ erzwingen wollten. Damit war die Niederlage der deutschen Revolution besiegelt. Die meisten Errungenschaften wurden rückgängig gemacht, die Verfassungen der Einzelstaaten im reaktionären Sinne revidiert. 1850 wurde der Deutsche Bund wiederhergestellt.
читать дальшеDeutschland, einig Vaterland" - oder: Ein Staat und zwei Gesellschaften
Mit dem Wirksamwerden des Beitritts der Deutschen Demokratischen Republik zur Bundesrepublik Deutschland gemäß Artikel 23 des Grundgesetzes 3. Oktober 1990 werden die Länder Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen Länder der Bundesrepublik Deutschland
So heißt es in Artikel 1 des „Vertrags über die Herstellung der staatlichen Einheit Deutschlands", kurz ,,Einigungsvertrag" genannt, mit dessen Inkrafttreten am 3. Oktober 1990 die Teilung Deutschlands überwunden wurde. Mit dem dadurch vollzogenen Beitritt der DDR zum Geltungsbereich des Grundgesetzes gilt nun die Wirtschafts- und Sozialordnung der alten Bundesrepublik auch auf dem Gebiet der fünf neuen Bundesländer, einschließlich des Ostteils von Berlin, der bis dahin als ,,Hauptstadt der DDR" fungiert hatte.
Mit dem Vollzug der staatlichen Einheit ist der deutsch- deutsche Vereinigungsprozess allerdings noch nicht abgeschlossen. Die über vierzigjährige Teilung Deutschlands in zwei Staaten mit völlig unterschiedlicher Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung hat nicht nur ein riesiges Wohlstands- gefalle zwischen den beiden ehemaligen deutschen ,,Halbnationen Lebensweisen, sondern auch stark voneinander abweichende gravierende Mentalitäten, Sozialcharaktere sowie dies Unterschiede in der politischen Kultur hinterlassen.
All das lässt sich nicht von heute auf morgen einebnen. Auch das vereinte Deutschland wird also noch einige Zeit aus Gesellschaften bestehen, die erst dann zu einem einheitlichen Ganzen zusammenwachsen werden, wenn in Gesamtdeutschland gleiche Lebensverhältnisse herrschen und dann von „Wessis" und „Ossis“ keine Rede mehr sein kann.
Im August 1990 sprach sich die Volkskammer für den schnellstmöglichen Beitritt der DDR zur Bundesrepublik aus. Am 31. August konnte der entsprechende „Einigungsvertrag“ von DDR-Staatssekretär Krause und Bundesinnenminister Schäuble unterzeichnet werden. Die - wieder neu geschaffenen Länder der DDR, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, wurden Länder der Bundesrepublik Deutschland. Berlin wurde zur Hauptstadt bestimmt, und das Grundgesetz trat, mit gewissen Änderungen, für das Beitrittsgebiet in Kraft.
Die Einheit war möglich geworden, nachdem im Juli 1990 Gorbatschow bei seinen Gesprächen mit Bundeskanzler Kohl in Moskau und im Kaukasus seine Zustimmung zur Vereinigung beider deutscher Staaten gegeben hatte. Vorbedingung dafür waren der Verzicht der Bundesrepublik auf ABC-Waffen, die Reduzierung der Truppenstärke auf 370 000 Mann sowie der Verzicht auf die Ausdehnung von militärischen NATO- Strukturen auf DDR-Territorium, solange dort sowjetische Truppen stationiert sein würden. Deren Rückführung wurde bis Ende 1994 vereinbart, wobei Bundeskanzler Kohl finanzielle Rückgliederungshilfen zusagte. Mit Gorbatschows Zustimmung wurde der Weg auch frei zur Unterzeichnung des sogenannten Zwei-plus-Vier-Vertrags im September 1990. Darin bestätigten die UdSSR, die USA, Frankreich und Großbritannien sowie die Vertreter der beiden deutschen Staaten Bildung des vereinten Deutschlands, bestehend aus den Gebieten der DDR, der Bundesrepublik und Berlins. Deutschlands Außengrenzen wurden als endgültig anerkannt. Dem besonderen, historisch bedingten Sicherheitsbedürfnis Polens Rechnung tragend, versicherten sich Bonn und Warschau in einem ergänzenden Vertrag der wechselseitigen Respektierung ihrer territorialen Integrität und Souveränität.
Mit der Ratifikation des Einigungs- sowie des Zwei-plus- Vier-Vertrags endeten die Rechte und Verantwortlichkeiten der vier Siegermächte „in Bezug auf Berlin und Deutschland als Ganzes". Deutschland gewann damit die volle Souveränität über seine inneren wie äußeren Angelegenheiten zurück, die es 45 Jahre zuvor mit dem Untergang der NS-Diktatur verloren hatte.
Die Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten war immer politisches Ziel der BRD gewesen. In den Jahren nach dem Bau der Mauer (1961) und der Entwicklung der DDR zum eigenständigen Staat schien jedoch die nationalstaatliche Einheit Deutschland auf absehbare Zeit nicht erreichbar. Erst durch die friedliche Revolution in der DDR-mit regelmäßigen Montagsdemonstrationen in Leipzig, Ost-Berlin, Dresden und anderen Städten unter dem Motto ,,Wir sind das Volk" im Oktober/November 1989 und die Öffnung der Mauer am 9. November 1989 wurde die Frage einer Vereinigung beider deutschen Staaten akut. Den Wortführern der Revolution vom Herbst 1989, den Schriftstellern sowie den Initiatoren und Trägern der neuen politischen Gruppierungen ging es zunächst nicht um die Abschaffung der DDR und deren Aufgehen in einer "kapitalistischen" Bundesrepublik, sondern um Demokratisierung eines eigenständigen Staates Erst Anfang Februar 1990 rückte die Übergangsregierung des Reformkommunisten Hans Modrow unter dem Druck der öffentlichen Meinung das Ziel der Vereinigung auch aus offizieller Sicht ins Blickfeld. Mit der Wirtschafts-, Sozial- und Währungsunion mit der DM als alleingültiger Währung zwischen der Bundesrepublik und der DDR am 1. Juli 1990 wurde der erste konkrete Schritt zur Wiedervereinigung getan. Am 3. Oktober 1990 um Mitternacht hörte die DDR 41 Jahre nach ihrer Gründung auf zu existieren und wurde Teil der Bundesrepublik Deutschland. Die DDR-Bürger wurden Bundesbürger, das Grundgesetz wurde in den neuen Ländern eingeführt.
12. Die NS-Regime
читать дальшеNur wenige zweifelten am Abend des 30.Januar 1933 daran, dass die Republik von Weimar tot war, aber von der Zukunft herrschten unterschiedliche Vorstellungen. Leidenschaftliche Erregung fand sich am „Tag der Machtübernahme“ nur bei den Anhängern der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP).
Die wesentlichsten Merkmale des NS-Herrschaft waren:
- Kesseltreiben gegen Minderheiten, die nicht dem „arischen“ Ideal entsprachen
- Uniformierung und Gleichschaltung mit dem Anspruch, alle Bereiche des öffentlichen und privaten Lebens mit nationalsozialistischer Ideologie zu durchdringen
- Das Bemühen, Deutschland möglichst schnell für den beabsichtigten Eroberungskrieg aufzurüsten.
Die Bevölkerung akzeptierte das NS-Regime im Großen und Ganzen. Dazu trugen folgende Faktoren bei:
a) das abgestimmte Zusammenspiel von Terror und Propaganda
b) die Erfolge in der Außenpolitik
c) die sich erholende Weltwirtschaft
Der Verlust persönlicher Freiheitsrechte wurde durch den Zugewinn nationaler Souveränität kompensiert.
Der Reichstag wurde aufgelöst und die Kommunisten riefen zum Generalstreik auf. Da unterzeichnete Reichpräsident Paul von Hindenburg eine Notverordnung „Zum Schutz des d-en Volkes“. Damit konnte der politische Gegner nun radikal, aber legal unterdrückt werden. Zugleich wurden der Beamtenapparat, die Verwaltung und die Polizei großflächig „gesäubert“. Aus den „nationalen Verbänden“, Sturmabteilung (SA), Schutzstaffel(SS) und Stahlhelm rekrutierte Göring in Preußen 50 000 Freiwillige als „Hilfspolizisten“. Als dann am 27. Februar 1933 der Reichstag brannte, ordnete Görig umgehend die Verhaftung aller führenden Funktionäre der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) an. Bereits am nächsten Tag erwirkte Die Regierung die „Verordnung zum Schutz von Volk und Staat, mit der noch bestehende Grund und Verfassungsrechte außer Kraft gesetzt wurden. Schon kurz nach dem Reichstagsbrand waren rund 10 000 Personen verhaftet und zum Teil in „wilden“ Konzentrationslagern interniert, vor allem Kommunisten, aber auch „Juden und andere Regimegegner“.
Der nächste Schritt in Richtung einer Führer-Diktatur war das am 23. März verabschiedete „Ermächtigungsgesetz“, das Reichstag und Reichsrat von der Gesetzgebung ausschloss. Gegen das „Ermächtigungsgesetz“ stimmte nur die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD).
Die Gewerkschaften wurden aufgelöst und ein wenig später der „Deutschen Arbeitsfront“ (DAF) eingegliedert. Anfang Juli 1933 waren alle Parteien mit Ausnahme den NSDAP aufgelöst und der Einparteienstaat errichtet. Rund fünf Monate nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler war Die Machtergreifung“ im Wesentlichen vollzogen.
Das NS-Regime profitierte nach 1993 von der sich wiederbelebenden Weltwirtschaft. Der immense Arbeitskräftebedarf für die Aufrüstung und die Fortführung von ausgearbeiteten Programmen zur Arbeitsbeschaffung reduzieren die Zahl der Arbeitslosen. Es wurden zahlreiche, mit großem Propagandaaufwand Kampagnen des Winterhilfswerks(WHW) gegen Hunger und Armut durchgeführt. Vor allem die beliebte Freizeitorganisation “Kraft durch Freude“(KdF), die bürgerlichen Privilegien wie das Reisen nun auch für Arenorm. Dabei spielten vor allem die Jugend und deren Erziehung eine tragende Rolle. Für Kinder und Jugendliche wurde 1936 die Zwangsmitgliedschaft in der Hitlerjugend (HJ) eingeführt. „Nationalismus ist organisierter Jugendwile“ hieß eine verbreitete Losung der Zeit. Die anfangs noch formell freiwillige Mitgliedschaft wurde am 1. Dezember 1936 durch das „Gesetz über die Hitlerjugend“ zur Zwangsmitgliedschaft.
#auf dem Land unterschied sich der Arbeitsalltag der Menschen kaum von demjenigen ihrer Elterngeneration. Bestehen blieb vor allem die Auslandsabhängigkeit bei Fleisch, Ölen und Fetten, deren Verzehr nach Willen der NS-Führung eingeschränkt werden sollte.
AM 12. Mört 1938 folgte der „Anschluss“ Österreichs. Am 15. März 1939 marschierten deutsche Truppen in die Tschechoslowakei und ins Memelgebiet (Litauen)ein.
Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Es gab von Anfang an fundamentalen Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Dieser Wiederstand wurde von weltanschaulich ausgesprochen unterschiedlichen Gruppen geleistet und reichte von passiver Resistenz bis Attentat. Viele Gegner des Nationalismus sahen sich angesichts persönlicher Verfolgung bald zur Emigration gezwungen, andere zogen die „innere Emigration“ vor. Oppositionskreise in der Wehrmacht zählten ebenso dazu wie die Mitglieder der „Weißen Rose“, des „Kreisauer Kreises“ oder der „Roten Kapelle“. Im Sommer 1933 saßen rund 15000 kommunistische Funktionäre und Aktivisten in „Schutzhaft“. Im Untergrund erschien von 1933 bis 1935 das Zentralorgan der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD), „Die Rote Fahne“. Einige dieser Gruppen in Berlin, die rund 50 Frauen und über 100 Männer umfassten, wurden von der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) mit dem Sammelbegriff „Rose Kapelle“ belegt. Wiederstand gab es auch in den Kirchen. So verurteilte der Bischof von Münster, Clemens August Graf von Galen, in mehreren Predigten die nationalsozialistische Terrorherrschaft. Aus dem Notbund ging ein wenig später die „Bekennende Kirche“ hervor.
Ein Zentrum des bürgerlich zivilen Wiederstands war der „Kreisauer Kreis“, benannt nach dem niederschlesischen Gut Kreisau von Helmuth James Graf von Moltke, wo ab 1940 auf regelmäßigen Treffen Konzepte für eine grundlegende staatliche, wirtschaftliche und soziale Neuordnung Deutschlands nach dem Sturz der NS-Diktatur erörtert wurden. Im Unterschied zu anderen Wiederstandsgruppen lehnte der „Kreisauer Kreis“ Nationalismus weitgehend ab und orientierte sich an einer europäischen Föderation. Vor allem über Adam von Trott zu Stolz suchte der Kreis Kontakte zu anderen Wiederstandsgruppen im In- und Ausland sowie zu den Alliierten. Nach der Verhaftung Moltkes im Januar 1944 schlossen sich einige Mitglieder der Gruppe um Claus Schenk Graf von Stauffenberg und Goerdeler an und wirkten an den Vorbereitungen zum Attentat auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944 mit.
Nach dem misslungenen Umsturzversuch nahm die Gesparo in den folgenden Wochen Tausende von Regimegegnern fest, rund 5000 von ihnen wurden bis Kriegsende hingerichtet oder starben an den Haftbedingungen.
13. Wirtschaftswunder. Ludwig Erhard
читать дальшеDie Soziale Marktwirtschaft wurde zu Beginn der 1950er Jahre zur wirtschafts- und sozialpolitischen Leitidee der BRD. Wissenschaftler wie Alfred Müller-Armack und Walter Eucken hatten diese Konzeption bereits vor 1945 ausgearbeitet, Ludwig Erhard hat sie mitgeprägt, vor allem aber politisch durchgesetzt- gegen massive Widerstände nicht nur der SPD, sondern auch der CDU.
Die soziale Marktwirtschaft ist ein Mischsystem. Sie ergänzt die freie Marktwirtschaft um Elemente der Staatswirtschaft, dies insbesondere im staatlichen Wettbewerbsschutz sowie in der Umverteilung der erarbeiteten Güter durch das Steuer- und Abgabensystem. Hinzu kamen bereits seit den 1960er Jahren Gesetze und wirtschaftliche Anreize zum Umweltschutz bzw. zu umweltgerechtem Verhalten. Dagegen enthält die soziale Marktwirtschaft kaum Elemente einer Zentralverwaltungswirtschaft. Sie ist vielmehr eine teilweise staatlich gelenkte, sozialen Zielen verpflichtete Marktwirtschaft. Grundprinzip ist die Sicherung der Gewerbe-, Wettbewerbs- und Exportfreiheit auf dem Markt in Verbindung mit sozialem Ausgleich.
Der Staat hat in der sozialen Marktwirtschaft eine starke Stellung, er greift im Interesse der Allgemeinheit und auf der Grundlage von Gesetzen ist das Wirtschaftsgeschehen ein und ist ein Akteur der Wirtschaftspolitik. Grundlagen dieses Systems sind das private Eigentum, die Vertragsfreiheit und die Eigenverantwortung. Zur Verhinderung der Monopolbildung dient, anders als in rein kapitalistischen Systemen, nicht nur der Marktwettbewerb, sondern auch der staatliche Wettbewerbsschutz.
Die geistige Grundlage der sozialen Marktwirtschaft ist der Personalismus. Hier wird der Mensch nicht nur als Individuum gesehen, sondern auch als Sozialwesen, und trägt damit Verantwortung für sich und andere. Der Staat hilft nur, wenn man sich selbst nicht mehr helfen kann. Die letzte geistige Grundlage der sozialen Marktwirtschaft ist der christliche Glaube und sein Menschenbild.
1949 begann im Westen Deutschlands ein dynamischer wirtschaftlicher Aufschwung, der ununterbrochen bis 1966 anhielt. Trotz der oben beschriebenen fast verzweifelten Ausgangslage nach dem Kriege waren im Gebiet der späteren Bundesrepublik ca. 80-85 Prozent der Produktionskapazitäten unzerstört geblieben. Das Verkehrssystem war bei Kriegsende jedoch auf einen Bruchteil seiner Kapazität reduziert. Hier kam der Wiederaufbau schon vor der Währungsreform von 1948 gut voran, auch die Enttrümmerung der Städte machte schon bis 1948 schnelle Fortschritte.
Die Währungs- und Wirtschaftsreform machte dem bis dahin verbreiteten Tauschhandel und der höchst ineffizienten Schwarzmarktwirtschaft über Nacht ein Ende. Für eine breite Investitionstätigkeit fehlte es den Unternehmen jedoch zunächst noch an Kapital. Dies änderte sich in den Folgejahren zunächst zögernd, dann durchgreifend. Damit verbesserte sich auch die bis Anfang der 1950er Jahre überaus prekäre Finanzlage sehr vieler Betriebe.
Die Arbeitslosigkeit wurde ab ca. 1952 rasch abgebaut und war schon ab 1955 so niedrig, dass in diesem Jahr erstmals Gastarbeiter angeworben wurden. Die Renten waren bis zur Rentenreform von 1957 äußerst niedrig, was den Wiederaufbau erleichterte, weil es die Produktionskosten niedrig hielt.
Das „Wirtschaftswunder“ der 1950er und frühen 1960er Jahre hat mehrere Ursachen: Der Nachholbedarf aus dem Krieg war groß, und der Bedarf des Wiederaufbaus und der Rekonstruktion förderte die Produktion; das Prinzip der Sozialen Marktwirtschaft und die Zurückhaltung der Gewerkschaften wirkten sich günstig aus. In manchen Fällen empfand man im Nachhinein sogar die Demontagen als Vorteil, weil die neuen Ersatzmaschinen technisch überlegen waren. Jahrzehntelang wurden aus der Landwirtschaft Arbeitskräfte, vor allem für die Industrie, freigesetzt und auch durch Gastarbeiter ergänzt.
Das Arbeitskräftepotenzial war ausgeschöpft, der „technische Fortschritt“ nicht mehr beliebig umsetzbar, die Kapitalproduktivität hatte deutlich abgenommen. Die gesamtwirtschaftliche Wachstumsrate sank auf eine Größenordnung, die sich als Annäherung an den langfristigen Wachstumspfad der d-n Wirtschaft interpretieren lässt. Das Wirtschaftswachstum verlor an Stabilität. Das soziale Klima wurde frostig.
14. Dreißigjähriger Krieg (1618-1648)
читать дальшеTrotz aller Versuche der katholischen Kirche, den lutherischen Protestantismus aufzuhalten (Gegenreformation) wurde dieser bis 1600 zur stärksten religiös-politischen Kraft in Europa: Zur Zeit des Ausburger Religionsfriedens war Deutschland zu vier Fünftel protestantisch. Der Kampf zwischen den Konfessionen war damit jedoch nicht beendet. In den folgenden Jahrzehnten konnte die katholische Kirche viele Gebiete zurückgewinnen (Gegenreformation). Die konfessionellen Gegensätze verschärften sich, es kam zur Bildung von Religionsparteien, der protestantischen Union (1608) und der katholischen Liga (1609). Vermischt war der religiöse Konflikt mit der Revalität der neu entstandenen Nationalstaaten und dem Kampf zwischen Kaiser und Fürsten. Ein lokaler Konflikt in Böhmen löste dann 1618 den Dreißigjährigen Krieg aus, der sich im Laufe der Jahre zu einer europäischen Auseinandersetzung ausweitete. Dabei wurden zwischen 1618 und 1648 weite Teile Deutschlands verwüstet und entvölkert.
Frankreich und Schweden griffen auf protestantischer, Spanien und England auf katholischer Seite ein. Die Söldner wurden von Plünderungen ernährt und bezahlt und kämpften mitunter auch für die Gegenseite. Es wurde gefoltert, vergewaltigt, belagert und gebrandschatzt. Nach 30 Jahren war Mitteleuropa so erschöpft, dass Friedensverhandlungen endlich führten.
Der „Westfälische Frieden“ brachte 1648 die Anerkennung der jeweiligen Konfessionen und die faktische Auflösung des Deutschen Reiches in etwa 1800 selbständige Gebilde, das Ausscheiden der Schweiz und der Niederlande aus dem Reichsverband wurde bestätigt. Den Reichsständen gewährte er alle wesentlichen Hoheitsrechte in geistlichen und weltlichen Angelegenheiten und erlaubte ihnen, Bündnisse mit ausländischen Partnern zu schließen.
Als einigendes Band fungierten nur noch der Kaiser und die gemeinsame Sprache. Besonders hart wurde von dem Krieg Deutschland betroffen. Die deutsche Bevölkerung war um über ein Drittel dezimiert. Seuchen grassierten, der Hunger regierte. Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation hatte seinen Einfluss in Europa endgültig verloren. Von nun an, bis zum Beginn der französischen Revolution im Jahre 1789, durch fast anderthalb Jahrhunderte, schied die deutsche Nation aus dem großen Welthandel aus.
15. Der 1. Weltkrieg
читать дальшеDer 1. Weltkrieg fand von 1914 bis 1918 statt und war der erste Krieg, an dem viele Länder der westlichen Welt teilnahmen. Man schätzt, dass insgesamt neun Millionen Menschen in diesem Krieg starben.
Gründe waren die politischen Spannungen, die in Europa im späten 19. Jahrhundert angefangen und zu militärischer Aufrüstung der Länder geführt hatten. Der eigentliche Grund des Ausbruchs dieses Krieges war die sogenannte Balkankrise. In Mittel- und Osteuropa gab es damals nicht so viele Staaten wie heute. Hauptsächlich teilten sich Russland, Österreich-Ungarn und das Deutsche Reich das Gebiet auf.
Andere Länder, die neben dem Deutschen Reich hauptsächlich in Asien und Afrika Kolonien hatten, waren Großbritannien, Frankreich und Portugal. Diese Mächte wurden damals sowohl von kaiserlichen und königlichen Herrscherhäusern (Deutsches Reich, Russland, Österreich-Ungarn) als auch von demokratisch gewählten Parlamenten (Frankreich, Großbritannien) regiert.
Das führte zu völlig verschiedenen Sichtweisen über Machtstreben und Länderansprüche auf der Seite der Monarchien und Verteidigung von Völkerrechten auf der Seite der demokratischen Länder. So kam es auch, dass später die USA in den 1. Weltkrieg eintraten, obwohl sie nicht unmittelbar betroffen waren. Ziel der USA unter Präsident Woodrow Wilson war es gewesen, das Deutsche Reich unter Kaiser Wilhelm II zu entmachten, welches durch seine aggressive Politik mit Hilfe des Militärs immer mehr Kolonien für sich beansprucht hatte und auch während des 1. Weltkriegs das Ziel hatte, noch mehr Macht und Länder auf der Welt zu besitzen.
Eigentlicher Auslöser des 1. Weltkrieges war ein Konflikt zwischen Österreich-Ungarn mit Serbien. Am 28. Juni 1914 wurden im serbischen Sarajewo der österreichische Thronfolger Franz Ferdinand und seine Frau Opfer eines Attentates, wohinter Österreich-Ungarn den serbischen Geheimdienst vermutete. Die österreichische Regierung verlangte von Serbien sofortige Aufklärung des Mordes und Verurteilung der Verantwortlichen unter Beteiligung einer österreichischen Kommission auf serbischen Boden. Dies lehnten die Serben ab, woraufhin Österreich-Ungarn am 28. Juli 1914 Serbien den Krieg erklärte. Russland stand auf der Seite Serbiens und rief dazu auf, militärisch gegen Österreich-Ungarn vorzugehen, um Serbien zu verteidigen. Da aber das Deutsche Reich mit Österreich-Ungarn verbündet war, erklärte es am 01. August 1914 Russland den Krieg mit der Folge, dass russische Truppen in das Deutsche Reich einmarschierten. Als Reaktion darauf wurde Luxemburg am nächsten Tag durch deutsche Truppen besetzt. Durch eine Flut von Kettenreaktionen wurden jetzt in schneller Folge das Osmanische Reich und Bulgarien auf der Seite des Deutschen Reiches und Österreich-Ungarns sowie Frankreich, Großbritannien, Japan, Italien, Portugal, Rumänien und die USA auf der Seite Russlands und Serbiens mit in den Krieg hineingezogen. Einer der tragischen Höhepunkte war der Einmarsch deutscher Truppen in das neutrale Belgien und die damit zusammenhängenden Stellungskriege. Zum ersten Mal in der Geschichte wurde Giftgas eingesetzt und hunderttausende Soldaten kamen in den Schützengräben qualvoll ums Leben. Der 1. Weltkrieg stand auch für den Einsatz weiterer Waffensysteme, die es bis dahin nicht gegeben hatte. Maschinengewehre, Panzer und Flugzeuge waren eine ganz neue Generation von grausamen Mordwaffen.
Am 18. Juli 1918 begann die militärische Offensive der verbündeten Länder gegen das Deutsche Reich, in Frankreich die deutschen Truppen zurückzudrängen. Als die Amerikaner eintrafen, waren die vereinigten Armeen so stark, dass sich nach der Schlacht bei Amiens am 08. August das geschwächte deutsche Heer nur noch zurückziehen konnte. Am 11. November 1918 wurde schließlich der Waffenstillstand unterzeichnet. Viele Länder Europas wurden jetzt zu demokratischen Staaten.
16. Das Ahnenerbe
читать дальшеDie Forschungsgemeinschaft Deutsches Ahnenerbe e.V. wurde 1937 von Heinrich Himmler, Richard Walther Darre, Herman Wirth gegründet. In ideologische Hinsicht hatte das AE die Aufgabe, die These von der eingeborenen rassischen Überlegenheit der germanischen Völker mit wissenschaftlicher Legitimation zu versehen.
Ziele:
1) Raum, Geist und Tat des nordrassischen Indogermanentums zu erforschen
2) die Forschungsergebnisse lebendig zu gestalten und dem deutschen Volk zu vermitteln
3) Jeden Volksgenossen aufzurufen, hierbei mitzuwirken.
Zweck des Vereins war zunächst die Erforschung des „nordrassischen Indogermanentums“ und der deutschen Volkskunde. Die Themen reichten von der Archäologie bis zur Esoterik. Als Publikationsorgan diente die Zeitschrift „Germanien“. Über den „Ahnenerbe-Stifungsverlag“ kontrollierte der Verein zahlreiche Zeitschriften, Buchreihen, Verlagshäuser.
Schon vor dem 2 Weltkrieges hatte sich der SS-Verein verstärkt den Naturwissenschaften und kriegsbedingten Forschungsaufträgen zugewandt. Mit Ausbruch des 2.Weltkrieges änderten sich die Aufgaben des AE das1940 seine institutionelle Selbstständigkeit verlor und als „Amt A“ in die Dienststelle „Persönlicher Stab Reichsführer SS“ integriert wurde.
Das verbrecherische Kapitel in der Geschichte des AE sind die Menschenversuche der Ableitung „R“-für Sigmund Rascher des AE-Instituts für Wehrwissenschaftliche Zweckforschung, die an Häftlingen der Konzentrationslager Dachau und Natzweiler durchgeführt wurden, zum Teil mit Unterstützung der Wehrmacht.
Bruno Berger nahm im Juni 1943 in Auschwitz an der Selektion jüdischer Häftlinge teil. Die Köpfe der Juden waren für die Schädel und Skelettsammlung des Anatomen August Hirt an der Uni Straßburg bestimmt. Rascher führte im Auftrag des Ahnenerbes die berüchtigten Experimente mit Unterdruck und mit Unterkühlungen im Konzentrationslager Dachau durch. Bei seinen Höhenexperimenten kamen 80 Versuchen starb von etwa 300 Opfern ein Drittel. Rascher fiel bei der SS-Führung in Ungnade, wurde selbst in Dachsbau inhaftiert und dort am 26.4.1945 hingerichtet. Hirt nahm sich kurz nach Kriegsende das Leben. Wolfram Sievers, der 1943 stellvertretender Leiter des Beirats der Reichforschungfamtes wurde, wurde am 20.8-1947 im Nürnberger Ärzteprozess zum Tode verurteilt und am 2.6.1948 in Landsberg hingerichtet.
Die Hitler-Jugend
HJ war eine 1926 gegründete nationalsozialistische Jugendorganisation. Sie war ein Bestandteil von Hitlers Plan, in alle Lebensbereiche ideologisch kontrollierend einzugreifen. Ihr Ziel war die Erziehung im Sinne der NSDAP. Nach der Machtergreifung Hitlers 1933 wurden alle anderen Jugendbewegungen in die HJ integriert. Seit 1939 mussten alle Jugendlichen von 10 bis 18 Jahren der Organisation beitreten. Die Freizeit der Jugendlichen war stark eingeschränkt. Nicht nur, dass es viele Gesetze gab, die ihre Aktivitäten außerhalb der HJ einschränkten: z.B. waren das Hören bestimmter Radiosender oder sämtliche kirchlichen Aktivitäten verboten. Auch teigte die Umerziehung in den Jugendgruppen durch die Medien Wirkung. So bestimmten die Regeln der HJ auch die Freizeit der meisten Jugendlichen, schließlich gab es auch harte Strafen gegen Jugendliche, die gegen die Regeln verstießen. Das fast alle Jungen der HJ beigetreten waren, wurden an die Jungen Uniformen ausgeteilt. Die Köpfe waren kurz geschoren. Abends wurde höchstens die Uniform gegen einfache, schlichte Kleidung gewechselt.
17. Entstehung des Deutschen Reiches
читать дальшеSeit dem frühen 10. Jahrhundert kann man von einem Deutschen Reich sprechen. Seine Entstehung hatte sich bis dahin über einen längeren Zeitraum vollzogen. Das Königreich, das man seit dem 11. Jahrhundert „Reich der Deutschen" zu nennen begann, hieß damals noch „Ostfrankenreich“. Es hieß nicht deshalb so, weil es nur von Franken bewohnt gewesen wäre, sondern weil es aus dem Frankenreich hervorgegangen war, das verschiedene Völkerschaften und Gebiete umfasste und das Karl der Große zu unvergleichlicher räumlicher Größe gebracht und mit dem Kaisertum überhöht hatte.
Fränkischer Brauch verlangte, dass das Reich unter die Söhne des Königs aufgeteilt wurde, und so bestand das Riesenreich Karls bald aus mehreren fränkischen Teilreichen. Ludwig, den wir heute „den Deutschen" nennen (817-876), herrschte als König über die Bayern, Schwaben, Rhein- und Main-franken, Thüringen und Sachsen. Schon den Zeitgenossen war bewusst, dass die Bewohner von Ludwigs Ostfrankenreich sich von denen im Reich seines Bruders Karl „des Kahlen", der König der Westfranken war, durch ihre Sprache unterschieden. Der größte Teil des Gebietes, das sie bewohnten, hatte nicht zum Römischen Reich gehört, und das Lateinische war dort nicht im Westen Grundlage der Landessprache geworden. So wie aller bewahrten sie ihre germanischen Sprachen, die trotz aller Unterschiede doch dieses verband: volksmäßig ,,theodisc“ zu sein, ein Wort, das dann später zum Namen „deutsch“ wurde.
Fränkische Tradition aber war zur Zeit Ludwigs des Deutschen noch bestimmender als die Verwandtschaft der Sprachen, und so wurde sein Reich, fränkischem Teilungsbrauch entsprechend, wieder unter seine Söhne in drei Königreiche aufgeteilt, so wie es dann später, als es keine anderen erbberechtigten Nachkommen gab, in König Ludwig dem Kind wieder einen einzigen König hatte. Im Jahre 911 starb nun auch er, ohne Söhne zu hinterlassen. Nur im Westfrankenreich gab es noch einen König aus dem Geschlecht Karis des Großen. Die ostfränkischen Stämme entschieden sich gegen den westfränkischen Karolinger und damit für die Eigenständigkeit ihres Reichs gegenüber dem Westen: Sie wählten Konrad, den Herzog der Franken, zum König. Dass es ein ungeteilt-einiges Reich sein würde, zeigte sich dann im Jahre 936. König Heinrich I (919-936), der Nachfolger König Konrads (911-918), hatte bei seinem Tode mehrere regierungsfähige Söhne. Aber nur der älteste Sohn, Otto, wurde König. Der fränkische Brauch, das Reich unter die Königssöhne aufzuteilen, wurde also nicht mehr befolgt. Mit dem Regierungsantritt Ottos I war erwiesen, dass die Gebiete, zuerst Ludwig der Deutsche zusammenfassend Ostfrankenreich genannt hatte, im Innern und nach außen eine Einheit darstellten.
18. Reformation und der Große Deutsche Bauernkrieg (1517-1526)
читать дальшеAnfang des 16. Jahrhunderts hatten sich die sozialen und politischen Gegensätze in Deutschland außerordentlich verschärft. Die Fürsten unternahmen die größten Anstrengungen, um die Macht des Kaisers zu schwächen. In den Städten vertiefte sich der Gegensatz zwischen der reichen Oberschicht und der Masse der Bürger. Den stärksten sozialen Protest erhoben die Bauern. Nichts aber rief eine so allgemeine Unzufriedenheit hervor wie die katholische Kirche.
Zu dieser Zeit setzte eine breite soziale Bewegung ein, die in der Geschichte unter dem Namen Reformation bekannt ist. Sie begann mit der Forderung nach kirchlichen Reformen und richtete sich gegen die Abhängigkeit von Rom, gegen die Vorherrschaft der römisch-katholischen Kirche als Zentrum des Feudalsystems.
Begründer des deutschen Protestantismus war Martin Luther (1483-1546). In seinen 95 Thesen, die er am 31. Oktober 1517 an die Tore der Kirche zu Wittenberg schlug, trat er öffentlich gegen die päpstliche Kirchenpraxis auf. Er leugnete die Autorität des Papstes, verwarf die Sonderstellung des Geistlichen als Mittler zwischen Gott und den Gläubigen und formulierte die Lehre vom allgemeinen Priestertum jedes Gläubigen. Das entscheidende Auftreten Luthers leitete die Reformation ein. In den Jahren 1517 bis 1521 spielte Luther eine bedeutende, fortschrittliche Rolle in der deutschen Geschichte. Als aber die Volksbewegung 1522 immer entschiedenere Forderungen stellte, riet er zur Mäßigung und wurde zum Repräsentanten der bürgerlichen Reform. Er lehnte das revolutionäre Vorgehen der Bauern ab und stellte sich während des Bauernkrieges in einer scharfen Schrift auf die Seite der Feudalherren. Mit seiner Bibelübersetzung trug Luther entscheidend zur Verbreitung der nationalen Schriftsprache bei. Luthers Empörung gegen die Autorität der Kirche löste einen Aufstand gegen die Autoritäten allgemein aus.
Die Reformationsbewegung breitete sich schnell über ganz Deutschland aus. Die Bauern und die arme Stadtbevölkerung erwarteten von der Reformation nicht nur eine Reform der Kirche, sondern auch eine grundlegende Änderung des gesamten Gesellschaftssystems. Ende 1524 begann der Große Deutsche Bauernkrieg. Im Frühjahr 1525 brannten die ersten Kloster und Burgen im Südwesten Deutschlands, der Aufstand breitete sich unter der Führung verarmter Adliger wie Florian Geyer aus.
Der bedeutende Ideologe und Führer des Bauernkrieges war Thomas Müntzer (1490-1525). Am Anfang war Müntzer Anhänger Luthers, trennte sich aber früh von ihm. Müntzer entwickelte eine Lehre von der Volksreformation. Er ging über das Ziel Luthers, die Kirche zu reformieren, weit hinaus und kämpfte für die Beseitigung des feudalen Ausbeutungssystems. Im April und Mai 1525 war fast ganz Süd- und Mitteldeutschland vom Bauernaufstand erfasst. Aber die Kräfte der Bauernschaft waren zersplittert, Verbindungen zwischen den einzelnen Gebieten des Aufstandes bestanden nicht, es gab keine einheitliche Führung, und die Führer der Bauern waren in der Kriegführung unerfahren. So gelang es den vereinten katholischen und protestantischen Fürsten, die Bauern trotz ihrer Anfangserfolge zu schlagen. Müntzer wurde gefangen genommen und hingerichtet. Der Bauernaufstand wurde blutig ihrer Anfangserfolge zu schlagen. Müntzer wurde gefangen genommen und hingerichtet. Der Bauernaufstand wurde blutig niedergeschlagen. Über 100 000 Bauern verloren im Kampf und in den Strafgerichten ihr Leben.
Die Einheit der Kirche war zerbrochen, die abendländische Christenheit in Katholiken und Protestanten gespalten. Im Kampf der Fürsten gegen Kaiser und Papst war die lutherische Lehre vor allem den Landesherren Nord- und Mitteldeutschlands eine willkommene Waffe. Religion wurde zur Territorialsache, die jeder Fürst für sein Gebiet und seine Untertanen entschied. Die Zersplitterung Deutschlands verfestigte sich. Das hatte zur Folge, dass Deutschland für 200 Jahre aus der Reihe der politisch tätigen Nationen Europas schied.
19. Deutschland im Zeitalter des Absolutismus (das 17. und das 18. Jh.)
читать дальшеNach dem Dreißigjährigen Krieg verbesserten sich allmählich die Lebensverhältnisse wieder. Die nahezu souveränen Territorialstaaten übernahmen als Regierungsform nach französischem Vorbild des Königs Ludwig XIV. den Absolutismus. Diese Regierungsform verlieh dem Herrscher schrankenlose Macht und ermöglichte den Aufbau einer straffen Verwaltung, die Einführung geordneter Finanzwirtschaft und die Aufstellung stehender Heere. Viele Fürsten hatten den Ehrgeiz, ihre Residenz zu einem kulturellen Mittelpunkt zu machen. Manche von ihnen - Vertreter des „aufgeklärten Absolutismus“ - forderten Wissenschaft und kritisches Denken, freilich in den Grenzen ihrer Machtinteressen.
Die Wirtschaftspolitik des Merkantilismus ließ die absolut regierten Staaten auch ökonomisch erstarken. So konnten Länder wie Bayern, Brandenburg (das spätere Preußen), Sachsen und Hannover zu eigenständigen Machtzentren werden. Österreich, das die angreifenden Türken abwehrte und Ungarn sowie Teile der bisher türkischen Balkanländer erwarb, stieg zur Großmacht auf. Ihm erwuchs im 18. Jahrhundert ein Rivale in Preußen, das unter Friedrich dem Großen (1740-1786) zu einer Militärmacht ersten Ranges wurde. Beide Staaten gehörten mit Teilen ihres Territoriums nicht dem Reich an, und beide betrieben europäische Großmachtpolitik.
In diesem Zeitraum wurde Deutschland beherrscht von den souveränen Landobrigkeiten, in erster Reihe den Fürsten, die so wenig fähig wie gewillt waren, die nationalen Interessen zu fördern oder auch nur zu schützen. Ein Historiker schrieb, in der Weltgeschichte gebe es vielleicht keine Klasse, die so lange Zeit so arm an Geist und Kraft und so überschwänglich reich an menschlicher Verworfenheit gewesen sei, wie die deutschen Fürsten des 17. und 18. Jahrhunderts.
Die Fürsten sahen sich als Zentrum des Staates, eingesetzt von Gott nur ihm verpflichtet. Damit gelang es in vielen Staaten, die Landwirtschaft wiederaufzubauen, Bürger neu anzusiedeln und Ordnung und Sicherheit zu verbessern.
Zum Reich gehörten auch das österreichische Habsburg und Brandenburg-Preußen, die im 17. und 18. Jahrhundert zu neuen Großmächten aufstiegen. In beiden Staaten regierten die Herrscher, die sich eher als ,,erste Diener des Staates" denn als dessen Eigner verstanden. Ihre Macht leiteten sie nicht von Gott ab, sondern von der Vernunft.
Vor allem König Friedrich II., der Große von Preußen (der Alte Fritz") war beeinflusst von den neuen Ideen, die aus Frankreich kamen und die Welt verändern sollten: den Gedanken der Aufklärung. Er stand an der Spitze eines Staates mit einem allmächtigen Adel, unmündigen Städten und unfreien Bauern". Er stützte sich auf die Junker und schuf ein modernes Heer (etwa 200 000 Mann)
Er eroberte in drei Kriegen, zuletzt im Siebenjährigen Krieg (1756-1763) gegen Österreich, Russland, Frankreich, Schweden und die meisten deutschen Fürsten Schlesien und annektierte Westpreußen. Der Siebenjährige Krieg verwüstete Preußen. Das Land war am Ende ausgeblutet, gebrandschatzt und geplündert, von eigenen und fremden Truppen: ein Zehntel der Bevölkerung war umgekommen.
Politisch brachte der Krieg keinen anderen Gewinn, als den, dass sich Friedrich behauptet hatte und Preußen zu einer Militärmacht ersten Ranges geworden war. „Preußen ist eine Armee, die einen Staat besitzt“. Selbst unter Friedrich II war der preußische Staat keine wirkliche Monarchie, kein moderner Klassenstaat, sondern ein mittelalterlicher Ständestaat.
Deutschland am Ende des 18. Jahrhunderts - das war kein Reich, kein Staat und keine Macht. Das Land war ein Flickenteppich aus 359 Fürstentümern und über 1 000 Kleinstaaten. Könige, Kurfürsten, Herzoge, Grafen, Ritter, Kloster und Städte pochten auf ihre Hoheitsrechte, Bischofe regierten als weltliche Machthaber.
Allein Preußen und Osterreich waren Mächte von Sang und Ansehen. Der Kaiser des „Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation" verfügte über keine einheitliche Reichssteuer und kein allgemeines Heer. Deutschland war im Mittelalter stecken geblieben.
20. Deutscher Bund
читать дальшеNach dem Sieg über Napoleon regelte der Wiener Kongress 1814-1815 die Neuordnung Europas. Zwei Kaiser, sechs Könige, gut 100 Fürsten, Diplomaten und eine Unmenge von Händlern, Kurpfuschen, Dienern, Glücksritter und Kurtisanen vortanzten und verprassten hier in fünf Monaten rund 20 Millionen Gulden. Tausende Bauern mussten für die Jagden der Herrschaften Frondienste leisten.
Fürst von Metternich, der politische Kopf der Donaumonarchie, knüpfte die Fäden. Deutschland und Italien wurden wieder in Kleinstaaten zersplittert, Teile Polens Russland einverleibt, Ungarn blieb unterdrückt. Die europäische Reaktion triumphierte. Das Königtum von Gottes Gnaden, Feudalherrschaft und Kirche kehrten wieder in die angestammten Positionen zurück.
Die Bürger speiste man mit dem Versprechen auf Verfassungen ab. Für die Fürsten gab es appetitliche Beutehappen. Preußen durfte sich nach Westen ausdehnen und avancierte zur bedeutendsten innerdeutschen Macht. Österreichs Schwerpunkt verlagerte sich nach Osten. 34 und vier Freie Städte vereinigte man zu einem losen Deutschen Bund ohne Oberhaupt. Als einziges gesamtdeutsches Organ fungierte der Bundestag in Frankfurt 1848, ein schwerfälliger Gesandtenkongress. Das Fazit von Wien: Deutschland blieb zersplittert und folglich ohnmächtig. Die Hoffnungen vieler Deutscher auf einen freien, einheitlichen Nationalstaat wurden nicht erfüllt.
Der Deutsche Bund, der an die Stelle des alten Reiches trat, war ein loser Zusammenschluss der souveränen Einzelstaaten. Einziges Organ war der Bundestag in Frankfurt, kein gewähltes Parlament, sondern ein Gesandtenkongress. Handlungsfähig war der Bund nur, wenn die beiden Großmächte Preußen und Österreich übereinstimmten.
Seine Hauptaufgabe sah er in den folgenden Jahrzehnten in der Niederhaltung aller auf Einheit und Freiheit gerichteten Bestrebungen. Presse und Publizistik unterlagen einer scharfen Zensur, die Universitäten wurden überwacht, eine politische Betätigung war so gut wie unmöglich. Inzwischen hatte eine moderne wirtschaftliche Entwicklung eingesetzt, die diesen reaktionären Tendenzen entgegenwirkte.
1834 wurde der Deutsche Zollverein gegründet und damit ein einheitlicher Binnenmarkt geschaffen. 1835 wurde die erste deutsche Eisenbahnstrecke in Betrieb genommen. Die Industrialisierung nahm ihren Anfang. Mit den Fabriken entstand die neue Klasse der Fabrikarbeiter. Sie fanden in der Industrie zunächst bessere Verdienstmöglichkeiten, aber das rapide Bevölkerungswachstum führte bald zu einem Überangebot an Arbeitskräften. Da zudem jegliche Sozialgesetzgebung fehlte, lebte die Masse der Fabrikarbeiter in großem Elend. Spannungen entluden sich gewaltsam wie etwa 1844 beim Aufstand der schlesischen Weber, der von preußischem Militär niedergeschlagen wurde. Nur zögernd konnten sich erste Ansätze einer Arbeiterbewegung formieren.
21. Bürgerlich-demokratische Revolution (1848-1849)
читать дальшеIm Juni 1830 stürzte das Volk von Paris seinen König vom Thron. Das war ein Signal für einen allgemeinen Ausbruch der Unzufriedenheit in Europa. Aufstand in Leipzig, Empörung und Schlossbrand in Braunschweig, Zerstörung des Polizeihauses in Dresden, Aufstand in Brüssel und zum Jahresabschluss: Revolution in Polen. Der Protest wurde erstickt, doch die bürgerlich-demokratische Opposition konnte man nicht mehr aus der Welt schaffen. Im Mai 1832 forderten 30 000 Teilnehmer einer Kundgebung auf Schloss Hambach, ein „freies, einiges Deutschland“. Bürger, Bauern, Handwerker und Studenten prangerten die elenden Zustände an. Metternichs Polizei verhaftete die Redner. Das Tragen von Schwarz-Rot- Gold wurde verboten.
In den süddeutschen Staaten hatten die Monarchen Verfassungen gewährt und den Bürgerlichen eine gewisse Mitsprache in der so genannten Zweiten Kammer eingeräumt. In Preußen, Österreich und etlichen anderen Staaten waltete jedoch nach wie vor finsterer Absolutismus, Alleinherrschaft der Monarchen. Heinrich Heine schrieb: „Denk ich an Deutschland in der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht.“
Das Jahr 1847 brachte ganz Europa eine Wirtschaftskrise, Teuerung, Hungersnot, Bankenkrach, Produktionsrückgang, Arbeitslosigkeit, Krieg um Kartoffeln. Ein harter Winter 1847-1848 folgte; erste Tumulte und Unruhen in den Städten. Wieder beginnt Paris mit dem Kampf. Im Februar werden dort Barrikaden gebaut und Waffenlager gestürmt. Der „Bürgerkönig“ Louis Philippe und seine Minister müssen fliehen, in Frankreich wird die Republik ausgerufen. Die revolutionäre Woge erfasst Deutschland. Bauern brennen Schlösser nieder, zahlen keine Steuern und Abgaben mehr. Reformen und ein Parlament werden gefordert.
Deutschland wurde das Geburtsland des wissenschaftlichen Sozialismus, dessen Begründer Karl Marx (1818-1883) und Friedrich Engels (1820-1895) waren. 1847 entstand aus dem „Bund der Gerechten“ der „Bund der Kommunisten“, die erste Partei des deutschen und internationalen Proletariats. In die Aufträge des Bundes schrieben Marx und Engels das „Manifest der Kommunistischen Partei“, das kurz vor Ausbruch der Revolution 1848 in London erschien und wo die weltgeschichtliche Rolle des Proletariats wissenschaftlich begründet sowie die Ziele und Aufgaben der kommunistischen Bewegung festgelegt wurden.
Den Monarchen fährt der Schreck in die Glieder. Sie machen Zugeständnisse: Bürger werden Minister, die Bourgeoisie darf mitregieren, kann bewaffnete Bürgerwehren aufstellen.
Am 18. März revoltiert auch Berlin. Barrikaden in der Stadt. Der preußische König muss seinen Truppen den Rückzug befehlen und eine liberale Regierung einsetzen. In den Mitgliedsstaaten des Deutschen Bundes werden Parlamente gewählt. Am 18. Mai 1848 trat in der Frankfurter Paulskirche eine gewählte deutsche Nationalversammlung zusammen. 586 Rechtsanwälte, Professoren, Beamte und Gutsbesitzer bildeten das erste gesamtdeutsche Parlament.
Würde es zu einer deutschen Ausgabe der Französischen Revolution kommen? Würde sich die Nationalversammlung in Permanenz erklären, die Souveränität der Nation verkünden und die Adelsherrschaft abschaffen? Nichts dergleichen geschah. Die deutschen Bürger redeten und redeten, und die alten Gewalten ließen sie unangetastet. Die Nationalversammlung ließ den Einzelstaaten ihre Armeen. Sie schuf kein Volksheer unter ihrem Kommando. Ohne Gewehre nahm sie niemand ernst. Die liberale Mehrheit fürchtete die radikalen Forderungen der demokratischen Linken und weigerte sich, die Aufhebung der noch auf den Bauern lastenden feudalen Abgaben zu verkünden.
Die deutsche Revolution blieb auf halbem Wege stecken. Erschreckt von den blutigen Kämpfen im Pariser Juni, stellte sich das liberale Bürgertum auf die Seite des Adels. Die Revolution war gestoppt, und die absolutistischen Herren wussten ihre Macht in ganz Europa zu nutzen. Die Berliner bekamen es mit dem General Wrangel und seinen Truppen zu tun, und die Frankfurter Paulskirchenversammlung, die sich gescheut hatte, zum Schwert zu greifen, wurde auseinandergejagt. In Deutschland zogen wieder Ruhe und Ordnung ein, Erschöpfung und Grabesstille. Die Revolution war beseitig, doch die Probleme, die die verursacht hatten, blieben ungelöst. Und das Hauptproblem war die Schaffung eines Nationalstaates.
Im Unterschied zur Revolution von 1789 fand die französische Februar-Revolution von 1848 in Deutschland sofort ein Echo. Im März kam es in allen Bundesländern zu Volkserhebungen, die den erschrockenen Fürsten mancherlei Konzessionen abrangen. Im Mai trat in der Frankfurter Paulskirche, die Nationalversammlung zusammen. Sie wählte den österreichischen Erzherzog Johann zum Reichsverweser und setzte ein Reichsministerium ein, das allerdings keine Macht¬mittel besaß und keine Autorität gewann.
Bestimmend war in der Nationalversammlung die liberale Mitte, die eine konstitutionelle Monarchie mit beschränktem Wahlrecht anstrebte. Die Zersplitterung der Nationalversammlung von den Konservativen bis zu den radikalen Demokraten, in der sich die spätere Parteienlandschan schon in Ansätzen abzeichnete, erschwerte eine Verfassungsgebend. Aber auch die liberale Mitte konnte die quer durch alle Gruppierungen gehenden Gegensätze zwischen den Anhängern einer „großdeutschen“ und einer „kleindeutschen“ Lösung, d. h. eines Deutschen Reiches mit oder ohne Österreich, nicht überwinden.
Nach zähem Ringen wurde eine demokratische Verfassung fertiggestellt, die Altes mit Neuem zu verbinden suchte und eine dem Parlament verantwortliche Regierung vorsah. Als dann jedoch Österreich darauf bestand, sein gesamtes, mehr als ein Dutzend Völkerschaften umfassendes Staatsgebiet in das künftige Reich einzubringen, siegte die kleindeutsche Auffassung, und die Nationalversammlung bot dem preußischen König Friedrich Wilhelm IV. die erbliche deutsche Kaiserkrone an. Der König lehnte ab; er wollte die Kaiserwürde nicht einer Revolution verdanken.
Im Mai 1849 scheiterten in Sachsen, der Pfalz und Baden Volksaufstände, die die Durchsetzung der Verfassung „von unten“ erzwingen wollten. Damit war die Niederlage der deutschen Revolution besiegelt. Die meisten Errungenschaften wurden rückgängig gemacht, die Verfassungen der Einzelstaaten im reaktionären Sinne revidiert. 1850 wurde der Deutsche Bund wiederhergestellt.