убил лису – сам съел колобка.
1.Der Begriff „Stilistik“. Die Entwicklung der Stilistik als wissenschaftliche Disziplin.
читать дальшеStilistik ist eine linguistische Disziplin, ein Zweig der philologischen Wissenschaften. Sie verfügt über ein spezifisches Forschungsgebiet und besitzt ihre spezifischen Aufgaben. Stilistik ist die Lehre von sämtlichen Stilen einer Nationalsprache (schriftliche und mündliche, literar- und umgangssprachliche, künstlerische und nichtkünstlerische), von ihren Beziehungen zueinander und ihrem gegenseitigen Durchdringen.
Unter dem soziolinguistischen Aspekt.
Stilistik ist die Wissenschaft von der Verwendungsweise und Ausdrucksgestaltung der Sprache in verschiedenen Kommunikationsbereichen und Kommunikationssituationen in unterschiedlichen Kommunikationsakten. Wenn die Soziolinguistik das Wechselverhältnis zwischen Gesellschaft und Sprache untersucht, so deckt die Stilistik die Beziehungen zwischen Gesellschaft und Stil auf. Die Aufgabe der soziolinguistisch eingestellten Stilistik ist sowohl die Gesetzmäβigkeiten im Sprachgebrauch ganzer gesellschaftlicher Gruppen (Soziolekte) als auch ihrer einzelnen Teilhaber (Idiolekte) zu ergünden. Die stilkundliche Forschung dehnt sich auf alle Gebiete der Sprache aus und untersucht, inwieweit auβerlinguistische Faktoren (Kommunikationsbereich der Aussage, Mitteilungsfunktion; soziale, berufliche, nationale und territoriale Zugehörigkeit der Kommunikationspartner, ihr Bildungsgrad, ihr Alter, ihr Leben in der Stadt oder Land u.a.m.) die Redeweise beeinflussen.
Unter dem pragmatischen Aspekt.
Die traditionelle Stilistik interessiert sich meist für die egozentrische Einstellung des Senders, die Existenz des Empfängers wird oft übersehen. Aber an jeder Kommunikationsart sind Sender (=Adressant, Textproduzent) und Empfänger (=Adressat, Textrezipient) beteiligt. Die Funktionalstilistik hat im Auge beide Pole des Kommunikationsaktes in sämtlichen Verkehrsbereichen und Situationen, d.h. die pragmatischorientierte Stilistik berücksichtigt beide Kommunikationspartner. Aus dieser Sicht bestimmen E. Riesel und E. Schendels die Stilistik folgenderweise: “Stilistik ist die Lehre von den Beziehungen zwischen der Mitteilungsabsicht des Senders und deren Wirkung auf den Empfänger”.
2.Der Forschungsgegenstand der Stilistik. Beziehungen der Stilistik zu Nachbardisziplinen.
читать дальшеDie Stilistik gehört zu Gesellschaftswissenschaften. Sie ist eine Spezialdisziplin, gleichberechtigt mit der Linguistik und der Literaturwissenschaft. Alle diese drei Disziplinen bilden zusammen die Sprachwissenschaft, die Philologie.
Die Stilistik befasst sich mit bestimmen Seiten der Sprache, sie hat ihren spezifischen Forschungsgegenstand und ihre spezifischen Aufgaben.
Der Forschungsgegenstand der allgemeinen Stilistik ist der qualitative und quantitative Gebrauch des sprachlichen Potentials in allen Sphären und Situationen des Gesellschaftsverkehrs. Aber die allgemeine Stilistik lässt sich heutzutage in die Stilistik der Sprache und Stilistik der Rede aufgliedern. Dieser Umstand ist damit verbunden, dass die Sprache selbst nicht einheitlich ist, zwei Seiten aufweist. Einerseits bildet die Sprache ein System der Verkehrszeichen, eine Struktur aus phonologischer, morphologischer, lexisch – phraseologischer, wortbildender, syntaktischer Ebenen, So gesehen stellt die Sprache eine Gesamtheit vieler Regeln, Paradigmen der Deklination, Konjugation, Pluralbildung, Wortbildung usw. dar.
Die Sprache als System verfügt außerdem über eine stilistische Struktur, eine stilistische Ebene. Diese Ebene bildet gleichsam einen vertikalen Schnitt durch alle sprachlichen Ebenen, welche als horizontal überreinander liegend dargestellt werden können. Das bedeutet, dass Elemente der stilistischen Ebene auf jeder sprachlichen Ebene vorhanden sind. Die Sprache als System besitzt also phonetische, morphologische, lexisch – phraseologische, wortbildende, syntaktische Einheiten, die stilistisch extra markiert sind, d.h. über eine besondere Ausdruckskraft verfügen.
Daneben existieren in der Sprache verschiedene Tropen und Stilfiguren, d. h. Spezifische Spracheinheiten zur Verstärkung der Ausdruckskraft einer Aussage. Es sind Metaphern, Metonymien, Epitheta, Umschreibungen, Mittel zum Ausdruck von Humor und Satire u. a. Die Stilistik der Sprache erforscht diese expressiven, emotionalen, bewertenden, bildkräftigen Elemente der Sprache, ihre stilistischen Möglichkeiten. Diese Elemente machen den Forschungsgegenstand der Stilistik der Sprache aus.
Die zweite Seite der Sprache heißt die Rede. Die Rede entsteht im Prozess des Funktionierens der Sprache. Die Sprache ist ein funktionierendes der Sprache. Die Sprache ist ein funktionierendes System. Ohne Rede gibt es keine Sprache. Die Rede besteht aber nicht nur aus sprachlichen Regeln und Gesetzmäßigkeiten.
Der zweite Forschungsgegenstand der Stilistik ist die Rede in verschiedenen Tätigkeitsbereichen der Menschen. Dieser zweite Gegenstand ist jünger als der erste, aber bedeutend wichtiger für die Stilistik von heute. Die wissenschaftliche Forschungsrichtung, die sich mit der Rede befasst, heißt die funktionale Stilistik, denn sie untersucht die Sprache in ihrem Funktionieren, ihrer Dynamik.
3.Stilistische Normen. Stilistische Bedeutung. Die normative Stilfärbung der Spracheinheiten.
читать дальшеDie Begriffe „Stilfärbung“ und „stilistische Bedeutung“ sind Stützpunkte der Textbetrachung und der stilistischen Charakteristik sprachlicher Einheiten überhaupt. Die Definition dieser Begriffe, ihre Abgrenzung voneinander stellen ein aktuelles Problem der Linguostilistik dar, dem spezielle Arbeiten der sowjetischen und deutschen Stilforscher gewidmet sind. J. Scharnhorst versteht unter dem Begriff „Stilfärbung“ die besondere stilistische Prägung einer sprachlichen Einheit, ihre Spezialisierung für bestimmte stilistische Aufgaben. Dieser Begriff bezieht sich nach seiner Meinung insbesondere auf lexische Einheiten, (auf die Wörter) [56]. Die Stilfärbung nach E. Riesel ist eine spezielle Ausdrucksschattierung, die die Hauptbedeutung des betreffenden Wortes überlagert [56]. Dabei bestehen die beiden Stilforscher darauf, daß man zwei Arten der Stilfärbung unterscheiden muß: die absolute Stilfärbung und die kontextuale Stilfärbung (für die erstere existiert noch die Bezeichnung „normative Stilfärbung“). Was die absolute Stilfärbung anbetrifft, so ist sie vom Gebrauch im Kontext abstrahiert und stellt eine geregelte Erscheinung im System der Sprache dar. Sie wird oft in Wörterbüchern angegeben. Die kontextuale Stilfärbung ist dagegen, wovon die Benennung selbst zeugt, immer kontextbedingt, d. h. an einen bestimmten Kontext gebunden.
Der Sprache sind mehrere normative (oder absolute) Stilfärbungen eigen, ihre Gesamtheit weist eine bestimmte Gradation auf und kann am besten als eine Skala dargestellt werden, wie sie unten angeführt ist. Das Aufbauprinzip dieser Skala wird daraus abgeleitet, daß sich im Rahmen des Wortschatzes stilistisch nichtmarkierte und stilistisch markierte Wörter beobachten lassen. J. Scharnhorst nennt sie die Wörter „ohne und mit besonderer stilistischer Charakteristik“ . Die nichtmarkierten Wörter gehören in die Mitte der Skala, zur Stufe „neutrale Stilfärbung" (oder auch normal¬sprachliche Stilfärbung). Sie bedeutet Nullexpressivität und bildet den Ausgangspunkt für die Betrachtung anderer Stilfärbungen (die Grundlage aller sprachlichen Äußerungen).
4.Stilistische Bedeutung. Die expressive und funktionale Stilfärbung der Spracheinheiten. Die kontextuale Stilbedeutung.
читать дальше1. Zu einer Verwirrung der stilistischen Grundbegriffe führen Bezeichnungen wie z. B. „feierlicher", „zärtlich-intimer", „humoristischer", „ironischer" oder „hoher" und „vulgärer Stil". Nach Riesel ist es nichts anderes als Stilfärbung.
Es gibt zwei Kategorien von Stilfärbung, die in Sprachwirklichkeit in ständiger Wechselbeziehung zueinander stehen:
1) funktionale Stilfärbung;
2) semantisch-expressive Stilfärbung.
Unter „funktionaler Stilfärbung" verstehen wir jenes spezifische Gepräge der lexischen, grammatischen, phonetischen Mittel, das gerade auf ihre Zugehörigkeit zu einem bestimmten Sprachstil hinweist.
Im Unterschied zu neutralen Wörtern, die in jedem Funktionalstil gebraucht werden können, signalisiert die funktionale Stilfärbung des Wortes (stilistisch-differenzierter Wortschatz) dem Sprachnutzer über den Stil, dem das Wort gehört. Die funktionale Stilfärbung als erste Komponente der stilistischen Bedeutung ist zusätzliche Information und enthält einen Hinweis auf den Gebrauch des Wortes in einem bestimmten funktionalen Stil.
Mit dem Begriff „Funktion“ bezeichnet man den grundlegenden Sachverhalt für die Funktionalstilistik: Es gibt einen Zusammenhang zwischen Außersprachlichem (Tätigkeitsbereiche, Kommunikationssituation, gesellschaftliche Aufgaben) und sprachlichen Gebrauchsweise (typische Verwendungsweisen von Ausdrucksmitteln des Systems). Die Funktionalstilistik unterscheidet Funktionalstile z. B. den Stil des Alltags, des Amtsverkehrs, der Wissenschaft, des Journalismus und der Belletristik. Jeder Funktionalstil enthält dominierende Stilzüge und Stilelemente. Die funktional gefärbten Wörter werden in ihrem Mutterstil als angemessen und normal empfunden. Der Funktionalstil und die entsprechende Sprachmittel werden von dem Menschen ausgewählt und durch der Sprachsituation bedingt.
2. Unter „semantisch-expressiver Stilfärbung" verstehen wir Ausdrucksschattierungen innerhalb eines funktionalen Stils, die durch zwei Momente gekennzeichnet werden: durch ihr Verhältnis zur literarischen Norm und durch ihren emotionalen Gehalt.
Die lexikalischen Einheiten des stilistisch-differenzierten Wortschatzes sind auch nach der semantisch-expressiven Stilfärbung nicht einheitlich. So bilden sie einige Stilschichten im Sprachsystem, denn sie können nach ihrer Semantik entweder gehoben oder dichterisch oder umgangssprachlich oder salopp oder derb sein. Sie haben also außer der denotativen Information noch eine konnotative Information und können Nebensinne und verschiedene Gefühle ausdrücken. Deshalb wird die Verwendung der Wörter in der Rede wegen ihrer Stilfärbung bestimmt beschränkt. Das Wissen über die normative Stilfärbung ist entscheidend für die Wortwahl, die jede kommunikative Situation diktiert. Solche Möglichkeit der Wahl bietet das System der Sprache in Form von synonymischen Elementen an: wenn ein neutrales Wort hat noch einige über neutrale und unter neutrale Synonyme.
Um das Verhältnisse der stilistischen Synonyme auszudrücken und die Wörter aus der Sicht der emotionalen Höhenlage zu charakterisieren, werden einige Schemen ausgearbeitet, die bekannteste ist die Rieselsche Skala. Dieses Schema wird auf dem Verhältnis der Stilschichten zur normativen (literarischen) Norm ausgebaut. Riesel gebraucht folgende Termini für die Bezeichnung der Stilschichten: einfach-literarische Stilfärbung (0-Stufe); gewählte (+1), poetische (+2), literarisch-umgangssprachliche (-1), familiär-umgangssprachliche (-2), grob umgangssprachliche Stilfärbung (-3).
Es gibt noch eine dreiteilige Klassifikation von Ludwig:
• die „neutrale“ Ebene — die Lexik, die in jeder Situation und jeder Textsorte zu verwenden sind;
• die „über neutrale“ Ebene — der Sprecher hebt sich bewusst die Lexeme vom neutralen Ausdruck ab;
• die „unter neutrale“ Ebene — Lexeme dieser Ebene werden in ungezwungener (nicht offizieller) Kommunikation verwendet.
Die kontextuale Stilbedeutung
Stilistische Bedeutung (SB) ist Teil der Wortbedeutung, sie drückt die Beziehung des Menschen zu dem von ihm genannten Gegenstand oder Erscheinung aus. Z.B. wenn man „Bandit" sagt, so nennt man nicht nur die objektive Tatsache (hier: eine Person, die die Gewalt anderen Leuten gegenüber ausübt), sondern drückt auch die eigene negative Einstellung zu dieser Person aus.
E. Riesel unterscheidet zwei Arten der SB: Absolute und kontextuale SB. Absolute SB findet man beim absoluten Gebrauch isolierter lexikalischer Einheiten, die unabhängig vom Kontext sind (paradigmatisch; auf der Ebene der Sprache, im Stilwörterbuch
fixiert), z.B.: betrügen - lügen - schwindeln (umg.) - sohlen (salopp-umg., landschaftl.). Kontextuale SB wirkt nicht isoliert, sondern ist von verschiedenen Stilfärbungen und anderen stilistischen Faktoren des Textes beeinflusst, zu denen das Wort in semantische und syntaktische Beziehung tritt. So kann auch das Wort mit negativer absoluter Konnotation im Kontext positiv wirken, vgl.: Mein lieber Nichtstuer1.
5.Der Begriff „Stil“. Stil der Sprache und Stil der Rede. Der Begriff „Funktionalstil“. Stilzüge. Stilarten.
читать дальшеEiner der grundlegenden Begriffe ist der Begriff „Stil“. Er bleibt sinnlich verschwommen, weil mit diesem Terminus verschiedene Sphären menschlicher Tätigkeit verbunden sind (vgl. Architekturstil, Schwimmstil, Musikstil, Erziehungsstil usw.). Aber auch in der Sprachwissenschaft, aus welcher der Begriff „Stil" ursprünglich stammt (lat. stilus=Stäbchen zum Schreiben), ist der Begriff „Stil" von verschiedenen Sprachwissenschaftlern unterschiedlich ausgelegt. Im Allgemeinen versteht man unter Stil die Art und Weise des sprachlichen Ausdrucks.
Für verschiedene Definitionen des Stils sind folgende Momente obligatorisch: Der Begriff Stil bezieht sich
- auf den Gebrauch der Sprache;
- auf den Text als Produkt menschlicher Tätigkeit;
- in den Begriff „Stil" wird die Tatsache der Auswahlmöglichkeit bzw. des zwanges eingeschlossen.
Das bedeutet, dass der Sprachbenutzer kann bzw. muss aus einem Feld äquivalenter sprachlicher Mittel und Konstruktionen bestimmte Ausdrucksvarianten wählen, die nach seinen Erfahrungen und nach seinem Könnensniveau der Realisierung seiner Kommunikationsabsicht optimal entsprechen.
Die Wahl der Ausdrucksvarianten ist durch die äußeren Bedingungen (Tätigkeitssphäre, soziale Umgebung, Kommunikationspartner usw.) und die inneren Bedingungen (die Charakteristik des Sprechenden selbst) determiniert. W. Fleischer und G. Michel sprechen von folgenden Determinanten des Stils:
(1) der Sprecher/Schreiber
(2) der Hörer/Leser
(3) das sprachliche Zeichensystem (die linguistischen Faktoren: welche Sprachmittel stehen dem Sprecher/Schreiber zur Verfügung, welche synonymischen Möglichkeiten gibt es usw.).
(4) der Mitteilungsgegenstand (das Denotat)
(5) der Verständigungsweg (mündlich oder schriftlich)
(6) die Verständigungsart (monologisch oder dialogisch)
(7) die Verständigungssituation (gesellschaftliche Sphäre und spezielle Begleitumstände)
Der Stil hat also eine objektive und eine subjektive Seite. Das Objektive am Stil bilden die Vorschriften und traditionelle Vorstellungen von der Angemessenheit des Ausdrucks. In dem Objektiven offenbaren sich die allgemeinen Gesetze, denen die sprachliche Darstellung der Sprechenden und Schreibenden aller Nationen und aller Zeiten unterliegt. Das Subjektive erlaubt die persönliche Färbung der Rede, das Okkasionelle im Sprachgebrauch, so wird die Rede lebendiger, konkreter. Stil w i r d manchmal als „Einheit und Individualität der Gestaltung" der Rede zugleich verstanden [W. Kayser, zit. nach: Romanova 2003: 11]. Die beiden Seiten müssen zusammen wirken, keine darf verabsolutiert werden (sonst würden wir völlig gleich sprechen oder Unverständlichkeiten und Störungen in der Kommunikation haben).
Laut der Unterscheidung der Sprache und der Rede von F. de Saussure, kann man den Stil gleichzeitig als Phänomen der Sprache und der Rede betrachten. Das Sprachstilsystem ist ein theoretisches Modell, das nur eine Seite des realen Forschungsobjekts widerspiegelt (Gesamtheit aller phonetischen, grammatischen, lexischen und speziellen stilistischen Ausdrucksmittel im System, paradigmatisch organisiert). Die andere Seite bildet dynamisch-syntagmatische Ausformung der stilistischen Gesetzmäßigkeiten in
konkreten Texten.
Es gibt verschiedene Grundlagen für die Stilklassifikation:
• Differenzierung der Stile unter historischem Aspekt ergibt Zeit- und Epochenstile.
• Unter funktionalem Aspekt gliedert man Bereichs-, Gattungsoder Funktionalstile aus.
• Unter personellem Aspekt gibt es Alters- und Geschlechtsstile sowie Individualstile einzelner Autoren.
• Unter geographischem und sozialem Aspekt kann man geographische und soziale Stilarten unterscheiden.
• Nach dem Verständigungsweg unterscheidet man schriftliche und mündliche Äußerungen.
Weitere wichtige Stilbegriffe sind mit der Unterscheidung der Stilmittel, Stilwerte und Stilzüge verbunden. Stilmittel (Stilistika, Sg.: Stilistikum) sind elementare stilistische Einzelvarianten des Sprachgebrauchs. Beispiele dazu sind z.B. onomatopoetisches Wort (plumps), Epitheton (mollige Arme), praesens historicum (Gehe ich einmal...), Aufzählung, Wiederholung u.a.m. Im Kontext werden ihnen bestimmte verwendungsbedingte Stilwerte zuerkannt (z.B. emotional, anschaulich, objektiv usw.). Komplexe von Stilelementen, die auf charakteristische Weise zusammenwirken und die über einen gemeinsamen Stilwert verfügen, werden Stilzüge genannt.
Stilzüge sind innere qualitative Wesensmerkmale eines Textes. Laut E. Riesel werden alle Stilzüge in drei große Gruppen eingeteilt: Logik, Expressivität und Mittel der Bildkraft, jeder Text verfügt über obligatorisch-primäre Stilzüge (z.B. Logik, Objektivität, Sachlichkeit sind für einen wissenschaftlichen und einen amtlichen Text obligatorisch), dazu kommen fakultativ-sekundäre Stilzüge. So kann ein polemischer wissenschaftlicher Text expressiv wirken und sogar emotionale Stilmittel zulassen. W. Fleischer und G. Michel sprechen von generellen Konstanten der grundlegenden funktionalen Stile), speziellen Stilzügen der Genre- (Sub-)stile innerhalb der übergreifenden Funktionalstile und originellen – nicht verallgemeinerungsfähigen Stilzügen eines konkreten Textes.
Stilzüge werden meistens paarweise als Oppositionsglieder genannt: Emotionalität / Rationalität, Statik / Dynamik, Expressivität / Sachlichkeit, Breite / Knappheit, Ungezwungenheit / Formalität, verallgemeinerter Charakter / Konkretheit usw.
Jeder Funktionalstil wird durch mehr oder weniger bestimmte Stilzüge gekennzeichnet, die die Eigenart dieses Stils ausmachen. Die Stilzüge finden ihren konkreten Ausdruck in der Auswahl der Wörter, im Gebrauch bestimmter grammatischer Mittel, Formen oder Konstruktionen sowie in der Komposition des Textes.
6.Wortschatz der deutschen Gegenwartssprache aus stilistischer Sicht. Thematische und synonymische Verwandtschaft der Lexik. Stilistisch un- und differenzierter Wortbestand.
читать дальше1. Die deutsche Sprache besitzt eine große Anzahl von thematisch und synonymisch miteinander verbundenen lexischen Einheiten. Diese Verwandtschaft läßt sich ordnen.
In dem Wortschatz gibt es viele thematische Gruppen, auch Wortfelder
(лексико-семантические поля) genannt. Die thematische Gruppe schließt in sich alle Wörter einer Wortart ein, die denselben Allgemeinbegriff ausdrücken.
Die thematische Gruppe zerfällt in einige thematische Reihen, welche den Inhalt der thematischen Gruppe präzisieren, indem sie ein spezifisches Merkmal des Allgemeinbegriffs angeben.
Es gibt z.B. die thematische Gruppe mit dem Allgemeinbegriff "gehen" (sich fortbewegen) und die thematische Gruppe mit dem Allgemeinbegriff "reden".
Innerhalb der thematischen Gruppe "gehen" unterscheiden sich solche thematischen Reihen: die eine Reihe mit dem Stützwort (опорное слово) "langsam gehen", die andere Reihe mit dem Stützwort "schnell gehen". Die thematische Gruppe mit dem Allgemeinbegriff "sprechen" schließt in sich eine große Reihe thematischer Reihen ein, welche den Allgemeinbegriff "sagen/sprechen/reden" aus verschiedenen Sichten näher bestimmen, wie etwa: 1) "leise sprechen", 2) "laut sprechen", 3) "mit psychischen oder physischen Hemmungen (затруднения, препятствия) sprechen", 4) "plaudern", 5) "auf eine vorangehende (предшествующее) Aussage reagieren" usw.
Innerhalb jeder thematischen Reihe lassen sich weiter synonymische Reihen aufstellen (выстраиваться), die einen gemeinsamen Begriff als die Anzahl semantisch und stilistisch differenzierter Synonyme darstellen z.B. die thematische Reihe mit dem Ausgangsbegriff "langsam gehen" enthält folgende synonymische Reihen:
1) Gemächlich (медленно, спокойно, не спеша), ziellos gehen mit den Verben "schlendern" (шататься без дела, бродить), "bummeln", "flanieren" (фланировать, прогуливаться - устар.). Diese Verben sind Synonyme und außerdem thematisch verwandt.
2) Die synonymische Reihe "langsam gehen wegen der körperlichen Behinderung" enthält die Verben "humpeln" (прихрамывать, ковылять), "hinken" (хромать), "lahmen" (хромать), "lahmgehen (идти хромая)".
Führen wir noch einen illustrativen Beleg der synonymischen Reihen an.
Die thematische Reihe "auf die Rede eines anderen reagieren" läßt sich in 3 synonymische Reihen aufgliedern:
1) neutral reagieren: antworten, beantworten, zur Antwort geben, zurückgeben
2) positiv reagieren: bejahen, zustimmen, einverstanden sein
3) negativ reagieren: wiedersprechen, erwidern, verneinen, entgegnen, protestieren.
Bei der stilistischen Organisation der Rede kommt der Wahl des Wortes eine große Bedeutung zu. Davon hängt es ab, wie die Rede des Menschen wirkt - klar oder verschwommen (расплывчато), ob sie mitreißt (увлекает, захвaтывает), zündet oder kalt läßt sogar abstößt (отталкивать). Die treffende Anwendung der reichen Wortpalette einer Sprache hilft die Information klar deutlich und überzeugend sprachökonomisch zu gestalten.
Stellen wir uns z.B. die folgende Situation vor: "eine Frau geht durch die
Straße". Das Prädikat "gehen" gibt uns fast keinen Aufschluß (разъяснение) über die näheren Umstände des Bewegungsvorganges. Wenn wir aber dieses farblose Verb "gehen" durch andere Verben aus derselben thematischen Gruppe ersetzen, so ziehen andere Bilder an unseren Augen vorbei. Das erste Bild "eine Frau schleppt sich (тащится, плетётся) durch die Straße" prägt die Vorstellung einer alten oder kranken Frau. Der Satz "eine Frau trippelt (семенит) durch die Straße" verrät, dass die Frau den langen engen Rock oder hohe Stöckelschuhe trägt, was sie mit kleinen Schritten zu gehen zwingt. Und jede dieser bildhaften Situationen entsteht vor dem inneren Auge des Lesers ausschließlich dank der treffenden Wahl des finiten Verbs.
2. Vom Standpunkt der Stilistik aus läßt sich der gesamte Wortbestand der deutschen Sprache in 2 Gruppen einteilen: in den stilistisch undifferenzierten Wortbestand und in den stilistisch differenzierten Wortbestand.
2.1. Der stilistisch undifferenzierte Wortbestand enthält Wörter und Wendungen, die in allen Funktionalstilen und von allen Deutschsprechenden gleicherweise gebraucht und verstanden werden. Sie bilden den Grundwortschatz, die Basis jeglicher (всякой) Rede. Sie sind alle normalsprachlich, besitzen keine zusätzliche stilistische Bedeutung. So kann man 3 Merkmale des undifferenzierten Wortbestandes feststellen: Allgemeinverständlichkeit, Allgemeingebräuchlichkeit, stilistische Neutralität.
2.2. Der stilistisch differenzierte Wortbestand enthält sprachliche Einheiten, die nicht in allen Funktionalstilen angemessen sind, nicht von allen Deutschsprechenden gleicherweise gebraucht und verstanden werden. Viele dieser Wörter und Wendungen verfügen über große Expressivität. Innerhalb dieser Gruppe lassen sich 2 Untergruppen aussondern.
Zur ersten Untergruppe gehört die stilistisch-kolorierte Lexik, d.h. Wörter und Wendungen, die solche normative funktionale oder expressive absolute Stilfärbung aufweisen, die ihren Gebrauch in der Rede einschränkt. So z.B. kann man Wörter mit der funktionalen Stilfärbung nur in entsprechenden Funktionalstilen verwenden. Wörter mit der expressiven Stilfärbung "scherzhaft", "abwertend", "verhüllend" finden keine Verwendung in der Sachprosa. Dasselbe gilt für Wörter mit normativer Stilfärbung "salopp" und "vulgär".
Die zweite Untergruppe bildet die charakterologische Lexik, es sind Spracheinheiten, die nicht allen Deutschsprechenden bekannt sind, sie bringen zum Ausdruck verschiedene territoriale (regionale, landschaftliche), berufliche,
zeitliche (historische), soziale, nationale Varianten in der Sprache. Diese Lexik bringt mit sich in den Text stilistische Kolorite. Unter dem Terminus "das Kolorit" versteht man eine Atmosphäre, die für bestimmte Zeit oder bestimmte Gegend, für bestimmte Ereignisse und Situationen kennzeichnend ist. Charakterologische Lexik schafft im Text ein territoriales, berufliches, nationales, zeitliches, soziales Kolorit.
Das stilistische Kolorit kann auf zweien Wegen entstehen:
1) Auf dem natürlichen Weg, unabhängig von der Absicht des Autors. Wenn der Schriftsteller in seinem Werk wahrheitsgetreu, realistisch seine Umwelt wiedergibt, so entsteht in diesem Werk das sogenannte natürliche Kolorit. Dieses Kolorit fällt den späteren Lesern besonders stark ins Auge als das zeitliche und soziale Kolorit einer Epoche und einer Gesellschaft. Das natürliche Kolorit des 18. und 19. Jahrhunderts spüren wir ganz deutlich in Werken von Lessing, Schiller und Goethe.
2) Außerdem kann der Autor bewusst seinen Text sprachstilistisch untermalen (сопровождать), damit das Werk das Kolorit einer vergangenen Zeit ausströmt. In diesem Fall spricht man von der bewussten Koloritzeichnung. Das sehen wir z.B. im Roman "Lotte in Weimar", wo Th. Mann die ersten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts darstellt und im Roman von Aleksej Tolstoj "Peter der Erste" und auch in anderen historischen oder phantastischen Kunstwerken.
Die genannten fünf stilistischen Kolorite - das zeitliche, nationale, territoriale, soziale, berufliche-kennzeichnen die Rolle großer Gruppen der Menschen und heißen darum typisierende Kolorite.
Der Autor eines Kunstwerkes benutzt das eine oder einige dieser Kolorite, um die Redecharakteristik der Figuren dieses Werks zu prägen. Die Gesamtheit aller Arten der typisierenden Kolorite in der Rede der Menschen oder der Romanfiguren trägt den Namen der Soziolekt. Die individuelle Rede eines Menschen oder einer Figur heißt der Idiolekt.
7.Stilistische Charakteristik des deutschen Wortschatzes. Das stilistische Kolorit. Stilistisch kolorierte Lexik.
читать дальшеUnter dem Kolorit verstehen wir die für konkrete Ereignisse, Sachverhalte und Situationen charakteristische Atmosphäre, die dank der sprachlichen Eigenart ihrer Wiedergabe fühlbar wird.
Stilistisch kolorierte Lexik, d.h. Wörter und Wendungen mit absoluter Stilfärbung, die ihre Konnotationen auch kontextfrei, bei ihrer bloßen Nennung offenbaren.
Die absolute Stilfärbung ist eine dem Sprachsystem innewohnende linguistische Erscheinung. Z.B.: niemand (war gekommen) – normalsprachlich, kein Mensch, keine Seele (war gekommen) – umgangssprachlich-literarisch, kein Teufel, kein Hund (war gekommen) – umgangssprachlich-salopp, kein Aas (war gekommen) – umgangssprachlich-grob (vulgär). Die Glieder dieser Reihe enthalten mehr oder weniger gemeinsame lexisch-semantische Merkmale, unterscheiden sich aber durch ihre stilistische Charakteristik, d.h. durch ihre Lage auf der stilistischen Höhenskala. Der Kopf kann auch heißen: Haupt, Birne, Dez, Rübe, Ballon, Kürbis, Nischel, Schädel. Aber bedeuten z.B. Haupt und Birne wirklich dasselbe wie Kopf?
1. Der ehrwürdige Greis neigte …(sein Haupt, seinen Kopf, seine Birne).
2. Die Mutter wusch dem Kind …(das Haupt, den Kopf, die Birne) mit Seife.
3. «Ich hau dir einen … vor (das Haupt, den Kopf, die Birne!)», rief er wutentbrannt.
Alle Wörter für Kopf bezeichnen zwar denselben Gegenstand, aber indem man ein bestimmtes Wort auswählt, gibt man als zusätzliche Information eine besrimmte Einstufung und (stilistische) Bewertung zu erkennen: 1. Haupt – gewählt, feierlich, vornehm, erhaben, dichterisch, beschönigend, manchmal ironisch; 2. Kopf – Normalwort; 3. Birne – umgangssprachlich, abwertend, gefühlsgeladen, oft auch scherzhaft, ironisch, ordinär.[Duden: 364-365]
Manchmal sagt der Ausdruck «gewählt» auch, dass es sich um ein veraltendes, aussterbendes Wort handelt: weiland / einst, gedenken / denken an, Aar /Adler, Leu / Löwe, sintemal / da, weil, Feinsliebchen / Geliebte, Hain / kleiner, lichter Wald.
Die Lexik mit absoluter Stilfärbung offenbart positive oder negative Einstellung der Person. Dabei können verschiedene Gefühlsschattierungen zum Ausdruck kommen: Liebe, Bewunderung, Begeisterung, Achtung, Huldigung, Entzückung (gehobene Lexik: Antlitz, sich vermählen, sich verehelichen); Geringschätzung, Beleidigung, Grobheit, Verachtung, Spott, Hass (saloppe, grobe/vulgäre Lexik: Fratze/Fresse statt Gesicht, abkratzen statt sterben). Diese Lexik hat immer im lexisch-semantischen System neutrale Synonyme.
Die zweite Untergruppe des differenzierten Wortbestandes (charakterologische Lexik) verleiht der Aussage ein bestimmtes Kolorit. Unter Kolorit verstehen E.Riesel und E. Schendels «die für konkrete Ereignisse, Sachverhalte und Situationen charakteristische Atmospäre, die dank der sprachlichen Eigenart ihrer Wiedergabe fühlbar wird.» [Riesel, Schendels: 64] In ihrer sprachstilistischen Ausformung unterscheidet man typisierende Kolorite, denen gesellschaftliche Determinanten zugrundeliegen. Hierher gehören:
a) das historische Kolorit (bedingt durch das grundlegende gesellschaftliche Moment – Zeit);
b) das nationale Kolorit (betrifft die Unterscheidungsmerkmale der nationalen Varianten innerhalb einer Sprache und die Spezifik verschiedener Nationalsprachen);
c) das soziale Kolorit (in der Rede bestimmter Bevölkerungsgruppen und Alterstufen, berufliches Kolorit);
d) individualisierende Kolorite (charakterisieren die Einzelmenschen nach ihrer persönlichen Eigenart im ganzen, aber vor allem nach ihrer Sprechweise).
Es sei darauf aufmerksam gemacht, dass einige charakterologische Gruppen polyfunktional sind, d.h. dem jeweiligen Text bald das eine, bald das andere Kolorit verleihen. Weiter wird der Wortschatz betrachtet, der sämtliche Kolorite sprachstilistisch aktualisiert.
8.Charakterologische Lexik. Archaismen. Historismen. Neologismen. Modewörter.
читать дальшеUnter charakterologischer Lexik versteht man Wörter und Wendungen, die zeitliche, territoriale, berufliche, soziale und nationale Gegebenheiten charakterisieren. Die stilistische Leistung dieser Ausdrücke besteht in der Wiedergabe unterschiedlicher Kolorite.
Zu den zeitlich beschränkten Schichten des Wortbestandes gehören Historismen und lexische Archaismen, d.h. Wörter und Wendungen, die aus dem Verkehr gezogen werden, weil sie – vom Standpunkt der Gegenwart aus – veraltet sind: Coupe (Abteil), Aviatiker (Flieger). Archaismen und Historismen werden zur Zeichnung des historischen, beruflichen und sozialen Kolorits verwendet. So kann man noch heute in Dörfern, die weitab von größeren Siedlungen oder Städten liegen, die Anrede Herr Nachbar an einen Fremden hören, ebenso wie die veralteten Bezeichnungen Base für Tante, Oheim für Onkel. Am längsten halten sich veraltete Ausdrücke im offiziellen Verkehr. Historismen und Archaismen werden auch oft als Mittel der Satire gebraucht.
Neologismen sind neue Wörter, die zu einem bestimmten Zeitpunkt auftauchen. Aus stilistischer Sicht werden sie in drei Gruppen eingeteilt:
a) Wörter, die zu einem bestimmten Zeitpunkt entstehen und allmählich als lexische Normen in den Wortbestand der Literatursprache eingehen (Neologismen bestimmter Zeitabschnitte): LPG – Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (seit 1956), Atombetrieb, Friedenskurs, Umweltschutz, umweltfreundliche Gasautos (seit 70-er Jahre), Internet, E-mail (seit 99-er Jahre);
b) Wörter, die auf der Stufe des individuellen Gebrauchs stehen, ohne in den allgemeinen Sprachverkehr einzugehen (einmalige Neologismen, Einmalbildungen, okkasionelle Neologismen): die Montagmorgenstadt: laut, volkreich, lebendig. (Brežan);
c) Wörter, die im Zusammenhang mit bestimmten Zeitereignissen und Modeerscheinungen in dieser oder jener sozialen Gruppe intensiv gebraucht werden, gehen aber später – gleich den Archaismen und Historismen – in den passiven Wortschatz der Sprache über (vorübergehende Neologismen): Arbeiter-und Bauern-Fakultät, Brigade der sozialistischen Arbeit (DDR-Lexik).
Unter Neologismen in der Sprache der Nachkriegszeit fallen besonders die Kurzwörter ins Auge: HO – Handelsorganisation; wissenschaftliche Termini: H-Bombe – Wasserstoffbombe; Begriffe des Alltags: Moped – Kleinfahrzeug mit Motor und Pedal.
Zahlreiche umgangssprachlich-expressive Kurzwörter sind in der Sprache der Gegenwart “neutralisiert” worden”: Alex – Alexanderplatz, Kudamm – Kurfürstendamm, Einkaufs- und Promenadensstraße in Berlin.
Modewörter können auch als vorübergehende Neologismen unterschiedlicher Perioden angesehen werden: fabelhaft, sagenhaft, toll, erstklassig, phantastisch (fantastisch), bombastisch, kolossal, global, in der letzten Zeit – echt, cool, geil, gut, sexy, Das ist der Hammer! Absolute Spitze!
9.Charakterologische Lexik. Dialektismen. Nationale Sprachvarianten.
читать дальшеUnter charakterologischer Lexik versteht man Wörter und Wendungen, die zeitliche, territoriale, berufliche, soziale und nationale Gegebenheiten charakterisieren. Die stilistische Leistung dieser Ausdrücke besteht in der Wiedergabe unterschiedlicher Kolorite.
Dialektismen sind nichtliterarische Wörter und Wendungen, beschränkt auf einen ganz engen Kreis dieser oder jener Mundart. Das Verständnis der Dialektismen ist nicht leicht, besonders zwischen dem Norden und dem Süden. Ihre Verwendung bewirkt Schwierigkeiten im Sprachverkehr. Die Mundart äuβert sich nicht nur in der Wortwahl, sondern auch in der Aussprache (phonetische Dialektismen). Als Beispiel kann man die Szene im Roman „Buddenbrocks“ von Th. Mann nennen, wo der Münchener Bierbauer Permaneder in das Lübecker Patrizierhaus zu Besuch kommt. Er spricht bayrische Dialektrede, das Hausmädchen hingegen Plattdeutsch – sie verstehen einander fast nicht.
Die Mundartwörter können in literarischen Texten wichtige Funktionen übernehmen:
1) Durch den Gebrauch von vereinzelten landschaftsgebundenen Ausdrücken in der Figuren- und Autorensprache wird realistisches Ortskolorit erzielt. So benutzt Anna Seghers im Roman „Das siebte Kreuz“ verschiedene Mundartwörter, die dazu beitragen, das Kolorit der rhein-fränkischen Landschaft zu zeichnen.
2) Neben dem lokalen Kolorit kann durch Dialektismen auch das soziale Kolorit gekennzeichnet werden. Ein Beispiel: im Norden des deutschen Sprachgebiets bedienen sich der mundartlich gefärbten Umgangssprache in erster Linie die breiten Volksmassen. Th. Mann illustriert diese Tatsache in den „Buddenbrocks“ sehr anschaulich. Er lässt die Arbeitergestalten ausschlieβlich Plattdeutsch sprechen, die Familie Buddenbrock dagegen Hochdeutsch, selbst im Familienkreis.
3) Die Dichter gebrauchen Dialektismen in der Figurenrede, um den erregten Zustand der Gestalt anzudeuten. Der gebildete Mensch kann z.B. im Zustand der Aufregung zur Mundart greifen.
Große Aufmerksamkeit schenkt die moderne Linguistik dem Problem der nationalen Sprachvarianten. Deutsch spricht man nicht nur in Deutschland, sondern auch in Österreich, in Teilen der Schweiz, in Lichtenstein und Luxemburg. Außerhalb von Deutschland klingt die Sprache anders und auch manche Wörter unterscheiden sich. Das ist an sich nichts Außergewöhnliches, denn selbst in Deutschland klingt es anders, je nachdem ob ein Hamburger, ein Berliner, ein Leipziger, ein Kölner oder ein Münchener etwas sagt.
Das heutige Österreich wird mit Recht als deutschsprachig angesehen, obwohl in der deutschen Standardsprache die Tatsache nachwirkt, dass in der alten Donaumonarchie neben dem Deutschen das Ungarische, Kroatische, Slowenische, Tschechische, Rumänische und das Italienische vertreten waren. Diese Sprachminderheiten bestimmen trotz der kleinen Einwohnerzahl die österreichische Standardsprache auch heute mit, weil sie ununterbrochen ihren Wortschatz ins Deutsche liefern. In der Schweiz hat sich eine sehr eigentümliche Sprachsituation herausgebildet. Die Menschen wohnen in 4 Sprachgebieten und dementsprechend bestehen hier 4 gleichberechtigte Staatssprachen.
Das Österreichische Deutsch sowie das Schweizer Deutsch haben ihre Spracheigentümlichkeiten. So z.B. wird das Schild “Oberschule für Jungen” in Österreich durch die nationale Formulierung “Hauptschule für Knaben” (in der Umgangssprache für Buben) ersetzt. In Deutschland sagt man zu der Schule, die Kinder ab 6 Jahren besuchen, „Grundschule“, in der Schweiz heißt der gleiche Schultyp „Primarschule“ und in Österreich spricht man von der „Volksschule“.
10.Charakterologische Lexik. Argotismen. Vulgarismen. Soziale Jargonismen.
читать дальшеUnter Argotismen versteht man Wörter des Argot, d.h. Wörter einer Sonderlexik volksfremder Elemente, eine Art Geheimlexik, künstlich zusammengestellt teils durch Umdeutung und Entstellung des gemeinsprachlichen Wortschatzes, teils durch Entlehnung aus Fremdsprachen.
Im Deutschen ist der Argot historisch als Sonderlexik der mittelalterlichen Gauner, Diebe, Verbrecher aller Art entstanden. Es war eine mündliche, streng geheimgehaltene Sprache, deshalb haben sich fast keine Zeugnisse dieser Lexik erhalten. Als Beispiele der heutigen Argotismen kann man folgende Beispiele anführen: die Polizei heiβt „die Polente“, die gestohlene Ware – „heiβe Ware“, der Dieb – „der Ganove“, das Gefängnis – „der Knast“. Diese Argotismen sind für den Nichtkenner der Verbrecherwelt einfach unverständlich.
In der schönen Literatur und Publizistik werden Argotismen verwendet, um dem Text das entsprechende soziale Kolorit zu geben.
Sobald einzelne Argotismen aus den engen Kreisen der deklassierten Elemente in die allgemeine Volkssprache eindringen und den breiten Massen verständlich werden, werden sie zu Vulgarismen. Als Wahrzeichen ihrer Abstammung behalten sie nur die derbe expressive Stilfärbung. So dringt z.B. das Wort „mies“ in die Umgangssprache ein, in Fügungen wie „eine miese Sache“ (üble Sache), „miese Laune“ (schlechte Laune). Mit der Zeit verblaβt die grobe Färbung dieses Wortes. So nennt man jetzt einen unzufriedenen Menschen „Miesepeter“, und das Wort hat einen verächtlichen, abwertenden Charakter. Es ist umgangssprachliches Synonym des Wortes „Pessimist“.
Die sozialen Jargonismen unterscheiden sich von den Berufsjargonismen durch einen wichtigen Wesenszug: während die Berufsjargonismen als harmlose Begleiterscheinung der Berufslexik, als volkstümliche Elemente der Nationalsprache erscheinen, werden die sozialen Jargonismen als volksfremde Elemente der Nationalsprache negativ gewertet. Unter sozialen Jargonismen versteht man die spezifische Lexik bestimmter Kreise von Menschen, die sich bewusst von ihrem Sprachkollektiv absondern wollen. Dies betrifft in erster Linie in der Klassengesellschaft die sog. Oberschichten (Adel, Großbourgeoisie, „hohes“ Militär) Sie haben eine ablehnende bzw. feindliche Einstellung zur Gemeinschaft, in der sie leben.
Die sozialen Jargonismen der „oberen“ Gesellschaftskreise – all die geschraubten Wörter und Wendungen, Höflichkeitsansprachen und Untertänigkeitsbezeichnungen, die unpopulären Fremdwörter und zufälligen Entlehnungen aus der Fremdsprache, die einfachen Menschen überhaupt unverständlich sind – haben für die gesamte Sprachgemeinschaft wenig Gewicht. Sie sind mehr unter dem historischen Aspekt von Interesse: die Antichambre (das Vorzimmer in den Häusern der Vornehmen, wo die Bittsteller auf Audienz warten).
читать дальшеStilistik ist eine linguistische Disziplin, ein Zweig der philologischen Wissenschaften. Sie verfügt über ein spezifisches Forschungsgebiet und besitzt ihre spezifischen Aufgaben. Stilistik ist die Lehre von sämtlichen Stilen einer Nationalsprache (schriftliche und mündliche, literar- und umgangssprachliche, künstlerische und nichtkünstlerische), von ihren Beziehungen zueinander und ihrem gegenseitigen Durchdringen.
Unter dem soziolinguistischen Aspekt.
Stilistik ist die Wissenschaft von der Verwendungsweise und Ausdrucksgestaltung der Sprache in verschiedenen Kommunikationsbereichen und Kommunikationssituationen in unterschiedlichen Kommunikationsakten. Wenn die Soziolinguistik das Wechselverhältnis zwischen Gesellschaft und Sprache untersucht, so deckt die Stilistik die Beziehungen zwischen Gesellschaft und Stil auf. Die Aufgabe der soziolinguistisch eingestellten Stilistik ist sowohl die Gesetzmäβigkeiten im Sprachgebrauch ganzer gesellschaftlicher Gruppen (Soziolekte) als auch ihrer einzelnen Teilhaber (Idiolekte) zu ergünden. Die stilkundliche Forschung dehnt sich auf alle Gebiete der Sprache aus und untersucht, inwieweit auβerlinguistische Faktoren (Kommunikationsbereich der Aussage, Mitteilungsfunktion; soziale, berufliche, nationale und territoriale Zugehörigkeit der Kommunikationspartner, ihr Bildungsgrad, ihr Alter, ihr Leben in der Stadt oder Land u.a.m.) die Redeweise beeinflussen.
Unter dem pragmatischen Aspekt.
Die traditionelle Stilistik interessiert sich meist für die egozentrische Einstellung des Senders, die Existenz des Empfängers wird oft übersehen. Aber an jeder Kommunikationsart sind Sender (=Adressant, Textproduzent) und Empfänger (=Adressat, Textrezipient) beteiligt. Die Funktionalstilistik hat im Auge beide Pole des Kommunikationsaktes in sämtlichen Verkehrsbereichen und Situationen, d.h. die pragmatischorientierte Stilistik berücksichtigt beide Kommunikationspartner. Aus dieser Sicht bestimmen E. Riesel und E. Schendels die Stilistik folgenderweise: “Stilistik ist die Lehre von den Beziehungen zwischen der Mitteilungsabsicht des Senders und deren Wirkung auf den Empfänger”.
2.Der Forschungsgegenstand der Stilistik. Beziehungen der Stilistik zu Nachbardisziplinen.
читать дальшеDie Stilistik gehört zu Gesellschaftswissenschaften. Sie ist eine Spezialdisziplin, gleichberechtigt mit der Linguistik und der Literaturwissenschaft. Alle diese drei Disziplinen bilden zusammen die Sprachwissenschaft, die Philologie.
Die Stilistik befasst sich mit bestimmen Seiten der Sprache, sie hat ihren spezifischen Forschungsgegenstand und ihre spezifischen Aufgaben.
Der Forschungsgegenstand der allgemeinen Stilistik ist der qualitative und quantitative Gebrauch des sprachlichen Potentials in allen Sphären und Situationen des Gesellschaftsverkehrs. Aber die allgemeine Stilistik lässt sich heutzutage in die Stilistik der Sprache und Stilistik der Rede aufgliedern. Dieser Umstand ist damit verbunden, dass die Sprache selbst nicht einheitlich ist, zwei Seiten aufweist. Einerseits bildet die Sprache ein System der Verkehrszeichen, eine Struktur aus phonologischer, morphologischer, lexisch – phraseologischer, wortbildender, syntaktischer Ebenen, So gesehen stellt die Sprache eine Gesamtheit vieler Regeln, Paradigmen der Deklination, Konjugation, Pluralbildung, Wortbildung usw. dar.
Die Sprache als System verfügt außerdem über eine stilistische Struktur, eine stilistische Ebene. Diese Ebene bildet gleichsam einen vertikalen Schnitt durch alle sprachlichen Ebenen, welche als horizontal überreinander liegend dargestellt werden können. Das bedeutet, dass Elemente der stilistischen Ebene auf jeder sprachlichen Ebene vorhanden sind. Die Sprache als System besitzt also phonetische, morphologische, lexisch – phraseologische, wortbildende, syntaktische Einheiten, die stilistisch extra markiert sind, d.h. über eine besondere Ausdruckskraft verfügen.
Daneben existieren in der Sprache verschiedene Tropen und Stilfiguren, d. h. Spezifische Spracheinheiten zur Verstärkung der Ausdruckskraft einer Aussage. Es sind Metaphern, Metonymien, Epitheta, Umschreibungen, Mittel zum Ausdruck von Humor und Satire u. a. Die Stilistik der Sprache erforscht diese expressiven, emotionalen, bewertenden, bildkräftigen Elemente der Sprache, ihre stilistischen Möglichkeiten. Diese Elemente machen den Forschungsgegenstand der Stilistik der Sprache aus.
Die zweite Seite der Sprache heißt die Rede. Die Rede entsteht im Prozess des Funktionierens der Sprache. Die Sprache ist ein funktionierendes der Sprache. Die Sprache ist ein funktionierendes System. Ohne Rede gibt es keine Sprache. Die Rede besteht aber nicht nur aus sprachlichen Regeln und Gesetzmäßigkeiten.
Der zweite Forschungsgegenstand der Stilistik ist die Rede in verschiedenen Tätigkeitsbereichen der Menschen. Dieser zweite Gegenstand ist jünger als der erste, aber bedeutend wichtiger für die Stilistik von heute. Die wissenschaftliche Forschungsrichtung, die sich mit der Rede befasst, heißt die funktionale Stilistik, denn sie untersucht die Sprache in ihrem Funktionieren, ihrer Dynamik.
3.Stilistische Normen. Stilistische Bedeutung. Die normative Stilfärbung der Spracheinheiten.
читать дальшеDie Begriffe „Stilfärbung“ und „stilistische Bedeutung“ sind Stützpunkte der Textbetrachung und der stilistischen Charakteristik sprachlicher Einheiten überhaupt. Die Definition dieser Begriffe, ihre Abgrenzung voneinander stellen ein aktuelles Problem der Linguostilistik dar, dem spezielle Arbeiten der sowjetischen und deutschen Stilforscher gewidmet sind. J. Scharnhorst versteht unter dem Begriff „Stilfärbung“ die besondere stilistische Prägung einer sprachlichen Einheit, ihre Spezialisierung für bestimmte stilistische Aufgaben. Dieser Begriff bezieht sich nach seiner Meinung insbesondere auf lexische Einheiten, (auf die Wörter) [56]. Die Stilfärbung nach E. Riesel ist eine spezielle Ausdrucksschattierung, die die Hauptbedeutung des betreffenden Wortes überlagert [56]. Dabei bestehen die beiden Stilforscher darauf, daß man zwei Arten der Stilfärbung unterscheiden muß: die absolute Stilfärbung und die kontextuale Stilfärbung (für die erstere existiert noch die Bezeichnung „normative Stilfärbung“). Was die absolute Stilfärbung anbetrifft, so ist sie vom Gebrauch im Kontext abstrahiert und stellt eine geregelte Erscheinung im System der Sprache dar. Sie wird oft in Wörterbüchern angegeben. Die kontextuale Stilfärbung ist dagegen, wovon die Benennung selbst zeugt, immer kontextbedingt, d. h. an einen bestimmten Kontext gebunden.
Der Sprache sind mehrere normative (oder absolute) Stilfärbungen eigen, ihre Gesamtheit weist eine bestimmte Gradation auf und kann am besten als eine Skala dargestellt werden, wie sie unten angeführt ist. Das Aufbauprinzip dieser Skala wird daraus abgeleitet, daß sich im Rahmen des Wortschatzes stilistisch nichtmarkierte und stilistisch markierte Wörter beobachten lassen. J. Scharnhorst nennt sie die Wörter „ohne und mit besonderer stilistischer Charakteristik“ . Die nichtmarkierten Wörter gehören in die Mitte der Skala, zur Stufe „neutrale Stilfärbung" (oder auch normal¬sprachliche Stilfärbung). Sie bedeutet Nullexpressivität und bildet den Ausgangspunkt für die Betrachtung anderer Stilfärbungen (die Grundlage aller sprachlichen Äußerungen).
4.Stilistische Bedeutung. Die expressive und funktionale Stilfärbung der Spracheinheiten. Die kontextuale Stilbedeutung.
читать дальше1. Zu einer Verwirrung der stilistischen Grundbegriffe führen Bezeichnungen wie z. B. „feierlicher", „zärtlich-intimer", „humoristischer", „ironischer" oder „hoher" und „vulgärer Stil". Nach Riesel ist es nichts anderes als Stilfärbung.
Es gibt zwei Kategorien von Stilfärbung, die in Sprachwirklichkeit in ständiger Wechselbeziehung zueinander stehen:
1) funktionale Stilfärbung;
2) semantisch-expressive Stilfärbung.
Unter „funktionaler Stilfärbung" verstehen wir jenes spezifische Gepräge der lexischen, grammatischen, phonetischen Mittel, das gerade auf ihre Zugehörigkeit zu einem bestimmten Sprachstil hinweist.
Im Unterschied zu neutralen Wörtern, die in jedem Funktionalstil gebraucht werden können, signalisiert die funktionale Stilfärbung des Wortes (stilistisch-differenzierter Wortschatz) dem Sprachnutzer über den Stil, dem das Wort gehört. Die funktionale Stilfärbung als erste Komponente der stilistischen Bedeutung ist zusätzliche Information und enthält einen Hinweis auf den Gebrauch des Wortes in einem bestimmten funktionalen Stil.
Mit dem Begriff „Funktion“ bezeichnet man den grundlegenden Sachverhalt für die Funktionalstilistik: Es gibt einen Zusammenhang zwischen Außersprachlichem (Tätigkeitsbereiche, Kommunikationssituation, gesellschaftliche Aufgaben) und sprachlichen Gebrauchsweise (typische Verwendungsweisen von Ausdrucksmitteln des Systems). Die Funktionalstilistik unterscheidet Funktionalstile z. B. den Stil des Alltags, des Amtsverkehrs, der Wissenschaft, des Journalismus und der Belletristik. Jeder Funktionalstil enthält dominierende Stilzüge und Stilelemente. Die funktional gefärbten Wörter werden in ihrem Mutterstil als angemessen und normal empfunden. Der Funktionalstil und die entsprechende Sprachmittel werden von dem Menschen ausgewählt und durch der Sprachsituation bedingt.
2. Unter „semantisch-expressiver Stilfärbung" verstehen wir Ausdrucksschattierungen innerhalb eines funktionalen Stils, die durch zwei Momente gekennzeichnet werden: durch ihr Verhältnis zur literarischen Norm und durch ihren emotionalen Gehalt.
Die lexikalischen Einheiten des stilistisch-differenzierten Wortschatzes sind auch nach der semantisch-expressiven Stilfärbung nicht einheitlich. So bilden sie einige Stilschichten im Sprachsystem, denn sie können nach ihrer Semantik entweder gehoben oder dichterisch oder umgangssprachlich oder salopp oder derb sein. Sie haben also außer der denotativen Information noch eine konnotative Information und können Nebensinne und verschiedene Gefühle ausdrücken. Deshalb wird die Verwendung der Wörter in der Rede wegen ihrer Stilfärbung bestimmt beschränkt. Das Wissen über die normative Stilfärbung ist entscheidend für die Wortwahl, die jede kommunikative Situation diktiert. Solche Möglichkeit der Wahl bietet das System der Sprache in Form von synonymischen Elementen an: wenn ein neutrales Wort hat noch einige über neutrale und unter neutrale Synonyme.
Um das Verhältnisse der stilistischen Synonyme auszudrücken und die Wörter aus der Sicht der emotionalen Höhenlage zu charakterisieren, werden einige Schemen ausgearbeitet, die bekannteste ist die Rieselsche Skala. Dieses Schema wird auf dem Verhältnis der Stilschichten zur normativen (literarischen) Norm ausgebaut. Riesel gebraucht folgende Termini für die Bezeichnung der Stilschichten: einfach-literarische Stilfärbung (0-Stufe); gewählte (+1), poetische (+2), literarisch-umgangssprachliche (-1), familiär-umgangssprachliche (-2), grob umgangssprachliche Stilfärbung (-3).
Es gibt noch eine dreiteilige Klassifikation von Ludwig:
• die „neutrale“ Ebene — die Lexik, die in jeder Situation und jeder Textsorte zu verwenden sind;
• die „über neutrale“ Ebene — der Sprecher hebt sich bewusst die Lexeme vom neutralen Ausdruck ab;
• die „unter neutrale“ Ebene — Lexeme dieser Ebene werden in ungezwungener (nicht offizieller) Kommunikation verwendet.
Die kontextuale Stilbedeutung
Stilistische Bedeutung (SB) ist Teil der Wortbedeutung, sie drückt die Beziehung des Menschen zu dem von ihm genannten Gegenstand oder Erscheinung aus. Z.B. wenn man „Bandit" sagt, so nennt man nicht nur die objektive Tatsache (hier: eine Person, die die Gewalt anderen Leuten gegenüber ausübt), sondern drückt auch die eigene negative Einstellung zu dieser Person aus.
E. Riesel unterscheidet zwei Arten der SB: Absolute und kontextuale SB. Absolute SB findet man beim absoluten Gebrauch isolierter lexikalischer Einheiten, die unabhängig vom Kontext sind (paradigmatisch; auf der Ebene der Sprache, im Stilwörterbuch
fixiert), z.B.: betrügen - lügen - schwindeln (umg.) - sohlen (salopp-umg., landschaftl.). Kontextuale SB wirkt nicht isoliert, sondern ist von verschiedenen Stilfärbungen und anderen stilistischen Faktoren des Textes beeinflusst, zu denen das Wort in semantische und syntaktische Beziehung tritt. So kann auch das Wort mit negativer absoluter Konnotation im Kontext positiv wirken, vgl.: Mein lieber Nichtstuer1.
5.Der Begriff „Stil“. Stil der Sprache und Stil der Rede. Der Begriff „Funktionalstil“. Stilzüge. Stilarten.
читать дальшеEiner der grundlegenden Begriffe ist der Begriff „Stil“. Er bleibt sinnlich verschwommen, weil mit diesem Terminus verschiedene Sphären menschlicher Tätigkeit verbunden sind (vgl. Architekturstil, Schwimmstil, Musikstil, Erziehungsstil usw.). Aber auch in der Sprachwissenschaft, aus welcher der Begriff „Stil" ursprünglich stammt (lat. stilus=Stäbchen zum Schreiben), ist der Begriff „Stil" von verschiedenen Sprachwissenschaftlern unterschiedlich ausgelegt. Im Allgemeinen versteht man unter Stil die Art und Weise des sprachlichen Ausdrucks.
Für verschiedene Definitionen des Stils sind folgende Momente obligatorisch: Der Begriff Stil bezieht sich
- auf den Gebrauch der Sprache;
- auf den Text als Produkt menschlicher Tätigkeit;
- in den Begriff „Stil" wird die Tatsache der Auswahlmöglichkeit bzw. des zwanges eingeschlossen.
Das bedeutet, dass der Sprachbenutzer kann bzw. muss aus einem Feld äquivalenter sprachlicher Mittel und Konstruktionen bestimmte Ausdrucksvarianten wählen, die nach seinen Erfahrungen und nach seinem Könnensniveau der Realisierung seiner Kommunikationsabsicht optimal entsprechen.
Die Wahl der Ausdrucksvarianten ist durch die äußeren Bedingungen (Tätigkeitssphäre, soziale Umgebung, Kommunikationspartner usw.) und die inneren Bedingungen (die Charakteristik des Sprechenden selbst) determiniert. W. Fleischer und G. Michel sprechen von folgenden Determinanten des Stils:
(1) der Sprecher/Schreiber
(2) der Hörer/Leser
(3) das sprachliche Zeichensystem (die linguistischen Faktoren: welche Sprachmittel stehen dem Sprecher/Schreiber zur Verfügung, welche synonymischen Möglichkeiten gibt es usw.).
(4) der Mitteilungsgegenstand (das Denotat)
(5) der Verständigungsweg (mündlich oder schriftlich)
(6) die Verständigungsart (monologisch oder dialogisch)
(7) die Verständigungssituation (gesellschaftliche Sphäre und spezielle Begleitumstände)
Der Stil hat also eine objektive und eine subjektive Seite. Das Objektive am Stil bilden die Vorschriften und traditionelle Vorstellungen von der Angemessenheit des Ausdrucks. In dem Objektiven offenbaren sich die allgemeinen Gesetze, denen die sprachliche Darstellung der Sprechenden und Schreibenden aller Nationen und aller Zeiten unterliegt. Das Subjektive erlaubt die persönliche Färbung der Rede, das Okkasionelle im Sprachgebrauch, so wird die Rede lebendiger, konkreter. Stil w i r d manchmal als „Einheit und Individualität der Gestaltung" der Rede zugleich verstanden [W. Kayser, zit. nach: Romanova 2003: 11]. Die beiden Seiten müssen zusammen wirken, keine darf verabsolutiert werden (sonst würden wir völlig gleich sprechen oder Unverständlichkeiten und Störungen in der Kommunikation haben).
Laut der Unterscheidung der Sprache und der Rede von F. de Saussure, kann man den Stil gleichzeitig als Phänomen der Sprache und der Rede betrachten. Das Sprachstilsystem ist ein theoretisches Modell, das nur eine Seite des realen Forschungsobjekts widerspiegelt (Gesamtheit aller phonetischen, grammatischen, lexischen und speziellen stilistischen Ausdrucksmittel im System, paradigmatisch organisiert). Die andere Seite bildet dynamisch-syntagmatische Ausformung der stilistischen Gesetzmäßigkeiten in
konkreten Texten.
Es gibt verschiedene Grundlagen für die Stilklassifikation:
• Differenzierung der Stile unter historischem Aspekt ergibt Zeit- und Epochenstile.
• Unter funktionalem Aspekt gliedert man Bereichs-, Gattungsoder Funktionalstile aus.
• Unter personellem Aspekt gibt es Alters- und Geschlechtsstile sowie Individualstile einzelner Autoren.
• Unter geographischem und sozialem Aspekt kann man geographische und soziale Stilarten unterscheiden.
• Nach dem Verständigungsweg unterscheidet man schriftliche und mündliche Äußerungen.
Weitere wichtige Stilbegriffe sind mit der Unterscheidung der Stilmittel, Stilwerte und Stilzüge verbunden. Stilmittel (Stilistika, Sg.: Stilistikum) sind elementare stilistische Einzelvarianten des Sprachgebrauchs. Beispiele dazu sind z.B. onomatopoetisches Wort (plumps), Epitheton (mollige Arme), praesens historicum (Gehe ich einmal...), Aufzählung, Wiederholung u.a.m. Im Kontext werden ihnen bestimmte verwendungsbedingte Stilwerte zuerkannt (z.B. emotional, anschaulich, objektiv usw.). Komplexe von Stilelementen, die auf charakteristische Weise zusammenwirken und die über einen gemeinsamen Stilwert verfügen, werden Stilzüge genannt.
Stilzüge sind innere qualitative Wesensmerkmale eines Textes. Laut E. Riesel werden alle Stilzüge in drei große Gruppen eingeteilt: Logik, Expressivität und Mittel der Bildkraft, jeder Text verfügt über obligatorisch-primäre Stilzüge (z.B. Logik, Objektivität, Sachlichkeit sind für einen wissenschaftlichen und einen amtlichen Text obligatorisch), dazu kommen fakultativ-sekundäre Stilzüge. So kann ein polemischer wissenschaftlicher Text expressiv wirken und sogar emotionale Stilmittel zulassen. W. Fleischer und G. Michel sprechen von generellen Konstanten der grundlegenden funktionalen Stile), speziellen Stilzügen der Genre- (Sub-)stile innerhalb der übergreifenden Funktionalstile und originellen – nicht verallgemeinerungsfähigen Stilzügen eines konkreten Textes.
Stilzüge werden meistens paarweise als Oppositionsglieder genannt: Emotionalität / Rationalität, Statik / Dynamik, Expressivität / Sachlichkeit, Breite / Knappheit, Ungezwungenheit / Formalität, verallgemeinerter Charakter / Konkretheit usw.
Jeder Funktionalstil wird durch mehr oder weniger bestimmte Stilzüge gekennzeichnet, die die Eigenart dieses Stils ausmachen. Die Stilzüge finden ihren konkreten Ausdruck in der Auswahl der Wörter, im Gebrauch bestimmter grammatischer Mittel, Formen oder Konstruktionen sowie in der Komposition des Textes.
6.Wortschatz der deutschen Gegenwartssprache aus stilistischer Sicht. Thematische und synonymische Verwandtschaft der Lexik. Stilistisch un- und differenzierter Wortbestand.
читать дальше1. Die deutsche Sprache besitzt eine große Anzahl von thematisch und synonymisch miteinander verbundenen lexischen Einheiten. Diese Verwandtschaft läßt sich ordnen.
In dem Wortschatz gibt es viele thematische Gruppen, auch Wortfelder
(лексико-семантические поля) genannt. Die thematische Gruppe schließt in sich alle Wörter einer Wortart ein, die denselben Allgemeinbegriff ausdrücken.
Die thematische Gruppe zerfällt in einige thematische Reihen, welche den Inhalt der thematischen Gruppe präzisieren, indem sie ein spezifisches Merkmal des Allgemeinbegriffs angeben.
Es gibt z.B. die thematische Gruppe mit dem Allgemeinbegriff "gehen" (sich fortbewegen) und die thematische Gruppe mit dem Allgemeinbegriff "reden".
Innerhalb der thematischen Gruppe "gehen" unterscheiden sich solche thematischen Reihen: die eine Reihe mit dem Stützwort (опорное слово) "langsam gehen", die andere Reihe mit dem Stützwort "schnell gehen". Die thematische Gruppe mit dem Allgemeinbegriff "sprechen" schließt in sich eine große Reihe thematischer Reihen ein, welche den Allgemeinbegriff "sagen/sprechen/reden" aus verschiedenen Sichten näher bestimmen, wie etwa: 1) "leise sprechen", 2) "laut sprechen", 3) "mit psychischen oder physischen Hemmungen (затруднения, препятствия) sprechen", 4) "plaudern", 5) "auf eine vorangehende (предшествующее) Aussage reagieren" usw.
Innerhalb jeder thematischen Reihe lassen sich weiter synonymische Reihen aufstellen (выстраиваться), die einen gemeinsamen Begriff als die Anzahl semantisch und stilistisch differenzierter Synonyme darstellen z.B. die thematische Reihe mit dem Ausgangsbegriff "langsam gehen" enthält folgende synonymische Reihen:
1) Gemächlich (медленно, спокойно, не спеша), ziellos gehen mit den Verben "schlendern" (шататься без дела, бродить), "bummeln", "flanieren" (фланировать, прогуливаться - устар.). Diese Verben sind Synonyme und außerdem thematisch verwandt.
2) Die synonymische Reihe "langsam gehen wegen der körperlichen Behinderung" enthält die Verben "humpeln" (прихрамывать, ковылять), "hinken" (хромать), "lahmen" (хромать), "lahmgehen (идти хромая)".
Führen wir noch einen illustrativen Beleg der synonymischen Reihen an.
Die thematische Reihe "auf die Rede eines anderen reagieren" läßt sich in 3 synonymische Reihen aufgliedern:
1) neutral reagieren: antworten, beantworten, zur Antwort geben, zurückgeben
2) positiv reagieren: bejahen, zustimmen, einverstanden sein
3) negativ reagieren: wiedersprechen, erwidern, verneinen, entgegnen, protestieren.
Bei der stilistischen Organisation der Rede kommt der Wahl des Wortes eine große Bedeutung zu. Davon hängt es ab, wie die Rede des Menschen wirkt - klar oder verschwommen (расплывчато), ob sie mitreißt (увлекает, захвaтывает), zündet oder kalt läßt sogar abstößt (отталкивать). Die treffende Anwendung der reichen Wortpalette einer Sprache hilft die Information klar deutlich und überzeugend sprachökonomisch zu gestalten.
Stellen wir uns z.B. die folgende Situation vor: "eine Frau geht durch die
Straße". Das Prädikat "gehen" gibt uns fast keinen Aufschluß (разъяснение) über die näheren Umstände des Bewegungsvorganges. Wenn wir aber dieses farblose Verb "gehen" durch andere Verben aus derselben thematischen Gruppe ersetzen, so ziehen andere Bilder an unseren Augen vorbei. Das erste Bild "eine Frau schleppt sich (тащится, плетётся) durch die Straße" prägt die Vorstellung einer alten oder kranken Frau. Der Satz "eine Frau trippelt (семенит) durch die Straße" verrät, dass die Frau den langen engen Rock oder hohe Stöckelschuhe trägt, was sie mit kleinen Schritten zu gehen zwingt. Und jede dieser bildhaften Situationen entsteht vor dem inneren Auge des Lesers ausschließlich dank der treffenden Wahl des finiten Verbs.
2. Vom Standpunkt der Stilistik aus läßt sich der gesamte Wortbestand der deutschen Sprache in 2 Gruppen einteilen: in den stilistisch undifferenzierten Wortbestand und in den stilistisch differenzierten Wortbestand.
2.1. Der stilistisch undifferenzierte Wortbestand enthält Wörter und Wendungen, die in allen Funktionalstilen und von allen Deutschsprechenden gleicherweise gebraucht und verstanden werden. Sie bilden den Grundwortschatz, die Basis jeglicher (всякой) Rede. Sie sind alle normalsprachlich, besitzen keine zusätzliche stilistische Bedeutung. So kann man 3 Merkmale des undifferenzierten Wortbestandes feststellen: Allgemeinverständlichkeit, Allgemeingebräuchlichkeit, stilistische Neutralität.
2.2. Der stilistisch differenzierte Wortbestand enthält sprachliche Einheiten, die nicht in allen Funktionalstilen angemessen sind, nicht von allen Deutschsprechenden gleicherweise gebraucht und verstanden werden. Viele dieser Wörter und Wendungen verfügen über große Expressivität. Innerhalb dieser Gruppe lassen sich 2 Untergruppen aussondern.
Zur ersten Untergruppe gehört die stilistisch-kolorierte Lexik, d.h. Wörter und Wendungen, die solche normative funktionale oder expressive absolute Stilfärbung aufweisen, die ihren Gebrauch in der Rede einschränkt. So z.B. kann man Wörter mit der funktionalen Stilfärbung nur in entsprechenden Funktionalstilen verwenden. Wörter mit der expressiven Stilfärbung "scherzhaft", "abwertend", "verhüllend" finden keine Verwendung in der Sachprosa. Dasselbe gilt für Wörter mit normativer Stilfärbung "salopp" und "vulgär".
Die zweite Untergruppe bildet die charakterologische Lexik, es sind Spracheinheiten, die nicht allen Deutschsprechenden bekannt sind, sie bringen zum Ausdruck verschiedene territoriale (regionale, landschaftliche), berufliche,
zeitliche (historische), soziale, nationale Varianten in der Sprache. Diese Lexik bringt mit sich in den Text stilistische Kolorite. Unter dem Terminus "das Kolorit" versteht man eine Atmosphäre, die für bestimmte Zeit oder bestimmte Gegend, für bestimmte Ereignisse und Situationen kennzeichnend ist. Charakterologische Lexik schafft im Text ein territoriales, berufliches, nationales, zeitliches, soziales Kolorit.
Das stilistische Kolorit kann auf zweien Wegen entstehen:
1) Auf dem natürlichen Weg, unabhängig von der Absicht des Autors. Wenn der Schriftsteller in seinem Werk wahrheitsgetreu, realistisch seine Umwelt wiedergibt, so entsteht in diesem Werk das sogenannte natürliche Kolorit. Dieses Kolorit fällt den späteren Lesern besonders stark ins Auge als das zeitliche und soziale Kolorit einer Epoche und einer Gesellschaft. Das natürliche Kolorit des 18. und 19. Jahrhunderts spüren wir ganz deutlich in Werken von Lessing, Schiller und Goethe.
2) Außerdem kann der Autor bewusst seinen Text sprachstilistisch untermalen (сопровождать), damit das Werk das Kolorit einer vergangenen Zeit ausströmt. In diesem Fall spricht man von der bewussten Koloritzeichnung. Das sehen wir z.B. im Roman "Lotte in Weimar", wo Th. Mann die ersten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts darstellt und im Roman von Aleksej Tolstoj "Peter der Erste" und auch in anderen historischen oder phantastischen Kunstwerken.
Die genannten fünf stilistischen Kolorite - das zeitliche, nationale, territoriale, soziale, berufliche-kennzeichnen die Rolle großer Gruppen der Menschen und heißen darum typisierende Kolorite.
Der Autor eines Kunstwerkes benutzt das eine oder einige dieser Kolorite, um die Redecharakteristik der Figuren dieses Werks zu prägen. Die Gesamtheit aller Arten der typisierenden Kolorite in der Rede der Menschen oder der Romanfiguren trägt den Namen der Soziolekt. Die individuelle Rede eines Menschen oder einer Figur heißt der Idiolekt.
7.Stilistische Charakteristik des deutschen Wortschatzes. Das stilistische Kolorit. Stilistisch kolorierte Lexik.
читать дальшеUnter dem Kolorit verstehen wir die für konkrete Ereignisse, Sachverhalte und Situationen charakteristische Atmosphäre, die dank der sprachlichen Eigenart ihrer Wiedergabe fühlbar wird.
Stilistisch kolorierte Lexik, d.h. Wörter und Wendungen mit absoluter Stilfärbung, die ihre Konnotationen auch kontextfrei, bei ihrer bloßen Nennung offenbaren.
Die absolute Stilfärbung ist eine dem Sprachsystem innewohnende linguistische Erscheinung. Z.B.: niemand (war gekommen) – normalsprachlich, kein Mensch, keine Seele (war gekommen) – umgangssprachlich-literarisch, kein Teufel, kein Hund (war gekommen) – umgangssprachlich-salopp, kein Aas (war gekommen) – umgangssprachlich-grob (vulgär). Die Glieder dieser Reihe enthalten mehr oder weniger gemeinsame lexisch-semantische Merkmale, unterscheiden sich aber durch ihre stilistische Charakteristik, d.h. durch ihre Lage auf der stilistischen Höhenskala. Der Kopf kann auch heißen: Haupt, Birne, Dez, Rübe, Ballon, Kürbis, Nischel, Schädel. Aber bedeuten z.B. Haupt und Birne wirklich dasselbe wie Kopf?
1. Der ehrwürdige Greis neigte …(sein Haupt, seinen Kopf, seine Birne).
2. Die Mutter wusch dem Kind …(das Haupt, den Kopf, die Birne) mit Seife.
3. «Ich hau dir einen … vor (das Haupt, den Kopf, die Birne!)», rief er wutentbrannt.
Alle Wörter für Kopf bezeichnen zwar denselben Gegenstand, aber indem man ein bestimmtes Wort auswählt, gibt man als zusätzliche Information eine besrimmte Einstufung und (stilistische) Bewertung zu erkennen: 1. Haupt – gewählt, feierlich, vornehm, erhaben, dichterisch, beschönigend, manchmal ironisch; 2. Kopf – Normalwort; 3. Birne – umgangssprachlich, abwertend, gefühlsgeladen, oft auch scherzhaft, ironisch, ordinär.[Duden: 364-365]
Manchmal sagt der Ausdruck «gewählt» auch, dass es sich um ein veraltendes, aussterbendes Wort handelt: weiland / einst, gedenken / denken an, Aar /Adler, Leu / Löwe, sintemal / da, weil, Feinsliebchen / Geliebte, Hain / kleiner, lichter Wald.
Die Lexik mit absoluter Stilfärbung offenbart positive oder negative Einstellung der Person. Dabei können verschiedene Gefühlsschattierungen zum Ausdruck kommen: Liebe, Bewunderung, Begeisterung, Achtung, Huldigung, Entzückung (gehobene Lexik: Antlitz, sich vermählen, sich verehelichen); Geringschätzung, Beleidigung, Grobheit, Verachtung, Spott, Hass (saloppe, grobe/vulgäre Lexik: Fratze/Fresse statt Gesicht, abkratzen statt sterben). Diese Lexik hat immer im lexisch-semantischen System neutrale Synonyme.
Die zweite Untergruppe des differenzierten Wortbestandes (charakterologische Lexik) verleiht der Aussage ein bestimmtes Kolorit. Unter Kolorit verstehen E.Riesel und E. Schendels «die für konkrete Ereignisse, Sachverhalte und Situationen charakteristische Atmospäre, die dank der sprachlichen Eigenart ihrer Wiedergabe fühlbar wird.» [Riesel, Schendels: 64] In ihrer sprachstilistischen Ausformung unterscheidet man typisierende Kolorite, denen gesellschaftliche Determinanten zugrundeliegen. Hierher gehören:
a) das historische Kolorit (bedingt durch das grundlegende gesellschaftliche Moment – Zeit);
b) das nationale Kolorit (betrifft die Unterscheidungsmerkmale der nationalen Varianten innerhalb einer Sprache und die Spezifik verschiedener Nationalsprachen);
c) das soziale Kolorit (in der Rede bestimmter Bevölkerungsgruppen und Alterstufen, berufliches Kolorit);
d) individualisierende Kolorite (charakterisieren die Einzelmenschen nach ihrer persönlichen Eigenart im ganzen, aber vor allem nach ihrer Sprechweise).
Es sei darauf aufmerksam gemacht, dass einige charakterologische Gruppen polyfunktional sind, d.h. dem jeweiligen Text bald das eine, bald das andere Kolorit verleihen. Weiter wird der Wortschatz betrachtet, der sämtliche Kolorite sprachstilistisch aktualisiert.
8.Charakterologische Lexik. Archaismen. Historismen. Neologismen. Modewörter.
читать дальшеUnter charakterologischer Lexik versteht man Wörter und Wendungen, die zeitliche, territoriale, berufliche, soziale und nationale Gegebenheiten charakterisieren. Die stilistische Leistung dieser Ausdrücke besteht in der Wiedergabe unterschiedlicher Kolorite.
Zu den zeitlich beschränkten Schichten des Wortbestandes gehören Historismen und lexische Archaismen, d.h. Wörter und Wendungen, die aus dem Verkehr gezogen werden, weil sie – vom Standpunkt der Gegenwart aus – veraltet sind: Coupe (Abteil), Aviatiker (Flieger). Archaismen und Historismen werden zur Zeichnung des historischen, beruflichen und sozialen Kolorits verwendet. So kann man noch heute in Dörfern, die weitab von größeren Siedlungen oder Städten liegen, die Anrede Herr Nachbar an einen Fremden hören, ebenso wie die veralteten Bezeichnungen Base für Tante, Oheim für Onkel. Am längsten halten sich veraltete Ausdrücke im offiziellen Verkehr. Historismen und Archaismen werden auch oft als Mittel der Satire gebraucht.
Neologismen sind neue Wörter, die zu einem bestimmten Zeitpunkt auftauchen. Aus stilistischer Sicht werden sie in drei Gruppen eingeteilt:
a) Wörter, die zu einem bestimmten Zeitpunkt entstehen und allmählich als lexische Normen in den Wortbestand der Literatursprache eingehen (Neologismen bestimmter Zeitabschnitte): LPG – Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (seit 1956), Atombetrieb, Friedenskurs, Umweltschutz, umweltfreundliche Gasautos (seit 70-er Jahre), Internet, E-mail (seit 99-er Jahre);
b) Wörter, die auf der Stufe des individuellen Gebrauchs stehen, ohne in den allgemeinen Sprachverkehr einzugehen (einmalige Neologismen, Einmalbildungen, okkasionelle Neologismen): die Montagmorgenstadt: laut, volkreich, lebendig. (Brežan);
c) Wörter, die im Zusammenhang mit bestimmten Zeitereignissen und Modeerscheinungen in dieser oder jener sozialen Gruppe intensiv gebraucht werden, gehen aber später – gleich den Archaismen und Historismen – in den passiven Wortschatz der Sprache über (vorübergehende Neologismen): Arbeiter-und Bauern-Fakultät, Brigade der sozialistischen Arbeit (DDR-Lexik).
Unter Neologismen in der Sprache der Nachkriegszeit fallen besonders die Kurzwörter ins Auge: HO – Handelsorganisation; wissenschaftliche Termini: H-Bombe – Wasserstoffbombe; Begriffe des Alltags: Moped – Kleinfahrzeug mit Motor und Pedal.
Zahlreiche umgangssprachlich-expressive Kurzwörter sind in der Sprache der Gegenwart “neutralisiert” worden”: Alex – Alexanderplatz, Kudamm – Kurfürstendamm, Einkaufs- und Promenadensstraße in Berlin.
Modewörter können auch als vorübergehende Neologismen unterschiedlicher Perioden angesehen werden: fabelhaft, sagenhaft, toll, erstklassig, phantastisch (fantastisch), bombastisch, kolossal, global, in der letzten Zeit – echt, cool, geil, gut, sexy, Das ist der Hammer! Absolute Spitze!
9.Charakterologische Lexik. Dialektismen. Nationale Sprachvarianten.
читать дальшеUnter charakterologischer Lexik versteht man Wörter und Wendungen, die zeitliche, territoriale, berufliche, soziale und nationale Gegebenheiten charakterisieren. Die stilistische Leistung dieser Ausdrücke besteht in der Wiedergabe unterschiedlicher Kolorite.
Dialektismen sind nichtliterarische Wörter und Wendungen, beschränkt auf einen ganz engen Kreis dieser oder jener Mundart. Das Verständnis der Dialektismen ist nicht leicht, besonders zwischen dem Norden und dem Süden. Ihre Verwendung bewirkt Schwierigkeiten im Sprachverkehr. Die Mundart äuβert sich nicht nur in der Wortwahl, sondern auch in der Aussprache (phonetische Dialektismen). Als Beispiel kann man die Szene im Roman „Buddenbrocks“ von Th. Mann nennen, wo der Münchener Bierbauer Permaneder in das Lübecker Patrizierhaus zu Besuch kommt. Er spricht bayrische Dialektrede, das Hausmädchen hingegen Plattdeutsch – sie verstehen einander fast nicht.
Die Mundartwörter können in literarischen Texten wichtige Funktionen übernehmen:
1) Durch den Gebrauch von vereinzelten landschaftsgebundenen Ausdrücken in der Figuren- und Autorensprache wird realistisches Ortskolorit erzielt. So benutzt Anna Seghers im Roman „Das siebte Kreuz“ verschiedene Mundartwörter, die dazu beitragen, das Kolorit der rhein-fränkischen Landschaft zu zeichnen.
2) Neben dem lokalen Kolorit kann durch Dialektismen auch das soziale Kolorit gekennzeichnet werden. Ein Beispiel: im Norden des deutschen Sprachgebiets bedienen sich der mundartlich gefärbten Umgangssprache in erster Linie die breiten Volksmassen. Th. Mann illustriert diese Tatsache in den „Buddenbrocks“ sehr anschaulich. Er lässt die Arbeitergestalten ausschlieβlich Plattdeutsch sprechen, die Familie Buddenbrock dagegen Hochdeutsch, selbst im Familienkreis.
3) Die Dichter gebrauchen Dialektismen in der Figurenrede, um den erregten Zustand der Gestalt anzudeuten. Der gebildete Mensch kann z.B. im Zustand der Aufregung zur Mundart greifen.
Große Aufmerksamkeit schenkt die moderne Linguistik dem Problem der nationalen Sprachvarianten. Deutsch spricht man nicht nur in Deutschland, sondern auch in Österreich, in Teilen der Schweiz, in Lichtenstein und Luxemburg. Außerhalb von Deutschland klingt die Sprache anders und auch manche Wörter unterscheiden sich. Das ist an sich nichts Außergewöhnliches, denn selbst in Deutschland klingt es anders, je nachdem ob ein Hamburger, ein Berliner, ein Leipziger, ein Kölner oder ein Münchener etwas sagt.
Das heutige Österreich wird mit Recht als deutschsprachig angesehen, obwohl in der deutschen Standardsprache die Tatsache nachwirkt, dass in der alten Donaumonarchie neben dem Deutschen das Ungarische, Kroatische, Slowenische, Tschechische, Rumänische und das Italienische vertreten waren. Diese Sprachminderheiten bestimmen trotz der kleinen Einwohnerzahl die österreichische Standardsprache auch heute mit, weil sie ununterbrochen ihren Wortschatz ins Deutsche liefern. In der Schweiz hat sich eine sehr eigentümliche Sprachsituation herausgebildet. Die Menschen wohnen in 4 Sprachgebieten und dementsprechend bestehen hier 4 gleichberechtigte Staatssprachen.
Das Österreichische Deutsch sowie das Schweizer Deutsch haben ihre Spracheigentümlichkeiten. So z.B. wird das Schild “Oberschule für Jungen” in Österreich durch die nationale Formulierung “Hauptschule für Knaben” (in der Umgangssprache für Buben) ersetzt. In Deutschland sagt man zu der Schule, die Kinder ab 6 Jahren besuchen, „Grundschule“, in der Schweiz heißt der gleiche Schultyp „Primarschule“ und in Österreich spricht man von der „Volksschule“.
10.Charakterologische Lexik. Argotismen. Vulgarismen. Soziale Jargonismen.
читать дальшеUnter Argotismen versteht man Wörter des Argot, d.h. Wörter einer Sonderlexik volksfremder Elemente, eine Art Geheimlexik, künstlich zusammengestellt teils durch Umdeutung und Entstellung des gemeinsprachlichen Wortschatzes, teils durch Entlehnung aus Fremdsprachen.
Im Deutschen ist der Argot historisch als Sonderlexik der mittelalterlichen Gauner, Diebe, Verbrecher aller Art entstanden. Es war eine mündliche, streng geheimgehaltene Sprache, deshalb haben sich fast keine Zeugnisse dieser Lexik erhalten. Als Beispiele der heutigen Argotismen kann man folgende Beispiele anführen: die Polizei heiβt „die Polente“, die gestohlene Ware – „heiβe Ware“, der Dieb – „der Ganove“, das Gefängnis – „der Knast“. Diese Argotismen sind für den Nichtkenner der Verbrecherwelt einfach unverständlich.
In der schönen Literatur und Publizistik werden Argotismen verwendet, um dem Text das entsprechende soziale Kolorit zu geben.
Sobald einzelne Argotismen aus den engen Kreisen der deklassierten Elemente in die allgemeine Volkssprache eindringen und den breiten Massen verständlich werden, werden sie zu Vulgarismen. Als Wahrzeichen ihrer Abstammung behalten sie nur die derbe expressive Stilfärbung. So dringt z.B. das Wort „mies“ in die Umgangssprache ein, in Fügungen wie „eine miese Sache“ (üble Sache), „miese Laune“ (schlechte Laune). Mit der Zeit verblaβt die grobe Färbung dieses Wortes. So nennt man jetzt einen unzufriedenen Menschen „Miesepeter“, und das Wort hat einen verächtlichen, abwertenden Charakter. Es ist umgangssprachliches Synonym des Wortes „Pessimist“.
Die sozialen Jargonismen unterscheiden sich von den Berufsjargonismen durch einen wichtigen Wesenszug: während die Berufsjargonismen als harmlose Begleiterscheinung der Berufslexik, als volkstümliche Elemente der Nationalsprache erscheinen, werden die sozialen Jargonismen als volksfremde Elemente der Nationalsprache negativ gewertet. Unter sozialen Jargonismen versteht man die spezifische Lexik bestimmter Kreise von Menschen, die sich bewusst von ihrem Sprachkollektiv absondern wollen. Dies betrifft in erster Linie in der Klassengesellschaft die sog. Oberschichten (Adel, Großbourgeoisie, „hohes“ Militär) Sie haben eine ablehnende bzw. feindliche Einstellung zur Gemeinschaft, in der sie leben.
Die sozialen Jargonismen der „oberen“ Gesellschaftskreise – all die geschraubten Wörter und Wendungen, Höflichkeitsansprachen und Untertänigkeitsbezeichnungen, die unpopulären Fremdwörter und zufälligen Entlehnungen aus der Fremdsprache, die einfachen Menschen überhaupt unverständlich sind – haben für die gesamte Sprachgemeinschaft wenig Gewicht. Sie sind mehr unter dem historischen Aspekt von Interesse: die Antichambre (das Vorzimmer in den Häusern der Vornehmen, wo die Bittsteller auf Audienz warten).